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Full text of "Die Glaubenspaltung in Litauen im XVI. Jahrhundert bis zur Ankunft der Jesuiten im Jahre 1569 : Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde von hohen philosophischen Fakultät der Universität Freiburg in der Schweiz"

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Die Glaubenspaltung 


in Litauen 


im XVi. Jahrhundert bis zur Ankunft der Jesuiten 
im Jahre 1569. 


Dissertation 
zur | 
Erlangung der Doktorwürde 
von der 


hohen philosophischen Fakultät der Universität Freiburg 
in der Schweiz 


vorgelegt von 


Joseph Puryckis 


aus Litauen. 


8/8 
7 


FREIBURG | 
BUCHDRUCKEREI GEBRÜDER F RAGNIERE 


1919 


= - BEE lie EIIFZLTE 


| 





Nikolaus Radvila der Schwarze, 


litauischer Patriot und Vorkämpfer der Reformation in Litauen 





INHALT 


Vorwort 

Einleitung 
Das Dunkel über der Hlanischen Reforinalionsbewerdng 

41). — Geographische und zeitliche Abgrenzung des Stoffes (2-3). 

— Darstellungen und Quellen zu dieser Geschichtsperiode (3-10). 


KAPITEL L 


Die Zustände im Grossfürstentum Litauen unmittelbar 
vor der Reformation . 

Die Beziehungen Litauens zu Polen di. 19. - — Die Regie- 
zung in Litauen (14-18): Der Grossfürst (14-15), der Senat 
(15-16), die Karvedschaften (16-17), Kreiseinteilung (17), Samo- 
gitions Sonderstellung (17-18). — Die kirchlichen Zustände 
(18-48): die Bischöfe (18-38), die Domkapitel (34-37), der nie- 
dere Klerus (37-47), die Ordensleute (47-48). — Der kulturelle 
Stand der einzelnen Gesellschaftsklassen (49-71) : der Hochadel 
(49-53), der Kleinadel (54-58), die Städter (39-60), der Bauern- 
stand 60-71). 


KAPITEL TI. 


Die Anfänge der Glaubenspaltung in Litauen 


Die ersten Vermittler der neuen Lehre (71-75); die Ade- 


ligen auf Reisen in Westeuropa (72), Handel und Verkehr mit 
Deutschland (72). — Die vorbereitende Periode der Reforma- 
tion und die ersten Vorkämpfer (73-79): Tortyllowiez (75), 
Abraham Culva (76), Albrecht von Preussen (77-79). — Be- 
kämpfung des Protestantisınus durch geistliche Behörden (79-83): 
durch Johann de Ducibus Lituaniae, Bischof von Vilnius (79-80), 
Bischof Paulus Algimundus (80-81). — Bekämpfung durch Zi- 
vilbehörden (83-85): Edikte des Königs Sigismund I (83-85). 
— Die Ursachen der raschen Verbreitung der neuen Lehre 
(85-91): der Tiefstand des Klerus (86-87), Nachahmungsucht 
des Adels (87), Nachwirkung der hussitischen Lehre (88), der 
Einfluss des Humanismus (89), das Streben des Adels nach 
Machterweiterung (89-90), der Einfluss der Ausländer durch 
‚Handel und Verkehr (91). 


Seite 


1-10 


11-91 


IV 


KAPITEL III 


Die Ausbreitung der neuen Lehre unter dem Gross- 
fürsten Sigismund-August bis zum Tode Badvilas 
des Schwarzen (1548-1565) . 

' Grossfürst Sigismunds- August Charakteranlagen (98. 98), 

— Seine Stellung zur neuen Dei (99-101). — Nikolaus Rad- 

vila der Schwarze und seine politische Machtstellung (102-105). 

— Radvila der Schwarze als Vorkämpfer des Kalvinismus und 

Führer der Neugläubigen (105-109). — Sein Einfluss auf die 

Adeligen (109). — Die Ausbreilung der neuen Lehre in dieser 

zweiten Periode (110-113). — Die litauischen Bischöfe dieser 

Zeit (114-116): Protasewiez, Bischof von Vilnius (114); Die 

Bischöfe von Samogitien : Domanowski, Narkustis, Vierzbicki, 

Pietkiewiez (115-116). — Der Indifferentismus des Landvolkes 

gegenüber der Reformation (116-118). — Die mühelose Ausbrei- 

tung der neuen Lehren in Litauen und die Nachlässigkeit der 

Reformierten in der rechtlichen Sicherstellung und dogma- 

tischen Fundierung ihrer Religion (118-127). — Radvilas Be- 

mühungen zum Ausbau der reformierten Kirche (127-129). — 

Sigismunds-August schwankende Haltung (130-131). — Ueppi- 

ges Wachsen der neuen Lehre nach Radvilas Tode (1565). 


KAPITEL IV. 


Der Zerfall des Protestantismus 

Die Ausbreitung des lutherischen Glaubens in 1 li- 
tauischen Städten unter dem Schutze Albrechts von Preussen 
(135-136). — Das Aufblühen des Kalvinismus (136-137) und des- 
sen Zerfall (137-138). — Die Verkündigung der Lehre Ser- 
veds (137). — Der Arianismus (138-141). — Dessen Auflösung 
in zahlreiche Sekten (141-142). — Das Sektenwesen (142-152). 
Die religiöse Anarchie (152-157). — Das Wiedererstehen der 
katholischen Kirche (158-173): Der Uebertritt des Nikolaus 
Christoph Radvila (« Sierotka >, der Sohn-Radvilas des Schwar- 
zen) zum katholischen Glauben (158). — Der Kampf der Fa- 
milien gegen die neuen Lehren (159). — Die Konversion der 
Adeligen (160). — Der Zusammenbruch der reformierten Kirche 
(160-164) und dessen Ursache (164-169). — Commendone 
(169-170) und Hosius (170-172), zwei Reformatoren der katho- 
lischen Kirche in Litauen. —- Der Anteil der Jesuiten an der 
Gegenreform (172-173). 


— 9. 


Seite 


92-135- 


135-178: 


Vorwort. 


Diese Studie ist zum Teil vor dem Kriege, zum Teil in 
.den ersten Kriegsjahren zum Abschluß gebracht worden und 
hat sich deren Drucklegung lediglich durch den Krieg bis 
jetzt verzögert. Weil der Verfasser den Druck nicht selbst 
überwachen konnte, und mit dieser Aufgabe andere betrauen 
mußte, besaß er nicht die Möglichkeit, am Werke irgend- 
welche Änderungen vorzunehmen, obwohl die seit Beendi- 
gung verflossenen Jahre in seinen Ansichten doch einige 
Wandlungen bewirkt haben. Diese Meinungsänderungen be- 
rühren allerdings weder den in der vorliegenden Arbeit ge- 
sammelten Stoff selbst, noch die aus ihm abgeleiteten rein 
wissenschaftlichen Schlußfolgerungen ; sie beziehen sich viel- 
mehr auf einige historisch-religiösse Ausführungen des Ver- 
fassers, besonders am Schluße des Buches. 

Als Katholik befürchtet der Verfasser, daß er dort, wo 
er zwischen dem Katholizismus und anderen Konfessionen 
Parallele ziehen mußte, trotz redlicher Bemühungen in seinen 
Ansichten und Ausdrücken vollkommen objektiv zu bleiben 
in seinen Schlußfolgerungen, möglicherweise die Gefühle 
der Gläubigen anderer Konfessionen, zu wenig berücksichtigt 
haben könnte. Er glaubt, daß er sich ‚jetzt verschiedentlich 
anders ausdrücken und mauche Schlußfolgerung anders for- 
mulieren würde, trotzdem muß er nochmals betonen, daß er 
bei der Sammlung des Stoffes, bei der Untersuchung der 
historischen Tatsachen und ihrer ‘Gruppierung sowie bei den 
daraus hergeleiteten Folgerungen stets bemüht war, unpar- 
teiisch und objektiv zu bleiben. | 

Ohne Zutun des Verfassers wurden einige Personen und 
Ortsnamen ins Litauische übersetzt, wodurch sie für die All- 
gemeinheit an Verständlichkeit nicht gewonnen haben. 

Herr Professor Dr. Gustav Schnürer in Freiburg (Schweiz) 


hat sich der formellen Gestaltung des Stoffes freundlichst 
angenommen, wofür ihm der Verfasser aufs beste dankt. 


Berlin; im Oktober 1919. 
Der Verfasser, 


Einleitung. 


Der protestantische Sturm, der im XVI. Jahrhun- 
dert im Westen losbrach und viele Länder durchzog, er- 
reichte auf vielen Wegen auch Litauen. Die Reformation 
fand hier einen günstigen Boden und vermochte sich schnall 
auszubreiten, weil die katholische Kirche in Litauen noch 
jung und schwach war und weil auch bei ihr alle jene Miss- 
stände eingerissen waren, an denen die Kirche im Wesien 
Europas krankte. Aber bald trat eine Gegenwirkung ein. 
Die religiösen Kämpfe, die auch in Litauen die Gemüter 
sehr erregten und allgemeine Unruhe hervorriefen, waren 
hier nicht von langer Dauer. Schon nach 20—30 Jahren 
begann die Kampfeslust abzunehmen und erlosch schliess- 
lich ganz, und heute lassen sich kaum Spuren nach- 
weisen, dass in Litauen solche Kämpfe stattgefunden hat.- 
ten. | 

Das Bemerkenswerteste an der Geschichte des Protes- 
'tismus in Litauen ist die Art und Weise wie er zu 
Grund: ging. Nachdem die Reformation von den Grossen ge- 
fördert sich in Litauen schnell und leicht verbreitet hatte, 
ging sie nicht durch äussere Waffengewalt, auch nicht so 
sehr durch die geistigen Anstrengungen der Gegner, als 
durch die Spaltung in zahlreiche besondere Sekten von 
selbst zu Grunde. | i 

Diese seltsamen Vorgänge sind auf Grund historischer 
Quellenforschung noch nicht zu einer wissenschaftlichen 
Darstellung gelangt. So wage ich mich an diese Aufgabe 
heran und hoffe, dass es mir gelingen wird. den Schleier, 
der die Geschichte der litauischen Glaubenspaltung verhüllt, 
ein wenig zu lüften. 


u. 


Allerdings ist es mir. klar, dass ich eine schwierige 
Arbeit übernehme ; denn es fehlt hier fast überall an 
Vorarbeiten, an Werken, die einen Ueberblick über die Ge- 
schichte der Kirche in Litauen gewähren, und es fehlen 
auch Schriften, die die einzelnen Perioden oder Ereignisse 
der Kirchengeschichte Litauens behandeln. 

Auch ist es sehr schwierig Quellenangaben für die 
ältere litauische Kirchengsschichte ausfindig zu machen, 
und wenn Quellen vorhanden, dann sind sie teils nicht 
herausgegeben, teils muss man sie wie einzelne Samen- 
körner in litauischen, deutschen, russischen und polnischen 
Werker mühsam heraussuchen. 

Die politische Geschichte Litauens ist noch‘ wenig 
erforscht, die Geschichte der litauischen Kirche liegt noch 
mehr im Dunkel. Um diese grosse Lücke auszufüllen 
belarf es noch vieler Vorarbeiten: Die Geschichte ein- 
zeiner Landesteile und einzelner Ereignisse muss näher 
erforscht werden. 

Ich habe mir daher folgende Grenzen gezogen: 

Was die örtliche Ausdehnung betrifft, so werde ich 
nicht das ganze historische Grossfürstentum Litauen, son- 
dern nur den von Litauern bewohnten Teil, der die beiden 
Bistümer Vilnius und Samogitien umfasst, behandeln. Auss- 
er lem Rahmen meiner Arbeit liegt die Geschichte Volhy- 
niens und Podoliens, also der Gebiete, die wohl Provinzen 
des einstigen Grossfürstentums Litauen waren, aber nach 
langen Zwistigkeiten im. Laufe des XVI. Jahrhunderts 
vanz mit Polen vereinigt wurden. Ucberdies gehören die 
Bewohner Volhyniens un Podoliens einem anderen Stamme 
und Sprachgebiet an. 

Dafür dass die Geschichte Litauens noch so wenig er- 
forscht ist, lassen sich viele Gründe anführen. Polen 
ist viel früher als Litauen mit der abendländischen Kul- 
tur in Berührung gekommen; und dieser Umstand hat den 
Polen eine Ueberlegenheit gesichert, die es ihnen möglich 
machte über Litauen eine politische und geistige Vor- 
herrschaft zu begründen. Die Folge war, dass sich die 


a 


einflussreichen "Stände, vorerst der Adel und später die 
Gebildeten, sich als Polen betrachteten und nur polnisch 
sprachen und schrieben. Erst in der ersten Hälfte des 19. 
Jahrhunderts begannen die Litauer die Landessprache als 
Schriftsprache zu gebrauchen und die vaterländische Ge- 
schichte selbst zu erforschen. Diese erfreulichen Anfänge 
kamen bald zum Stillstand, als die russische Regierung 
im Jahre 1864 verbot, die litauischen (lateinischen) Schrift- 
zeichen zum Druck zu verwenden, wodurch die Herausgabe 
litauischer Bücher unmöglich gemacht wurde. Dieses Ver- 
bot dauert2 volle vierzig Jahre, also bis zum Jahre 1904. 
Seit dieser Zeit begannen die litauischen Gebildeten, be- 
sonders die Geistlichkeit, eine rege literarische Tätigkeit 
zu entfalten. Man muss auch anerkennen, dass die Russen 
und besonders die Polen sich an der Erforschung der li- 
tauischen Geschichte lebhaft beteiligt haben. Die Kirchen- 
geschichte Litauens ist aber vernachlässigt worden. 

Zeatlich beschränke ich mich auf das XVI. Jahr- 
hundert und zwar vom Anfang des Protestantismus ın 
Litauen (um das Jahr 1530) bis zur Ankunft der Jesui- 
ten (1569). 

Ueber den Protestantismus in Litauen sind bisher 
nur zwei Werke, nämlich die Arbeiten von Lukaszewiez 
und von Dambrauskas veröffentlicht worden. 

Der Pole Lukaszewiez behandelt in seinem zweibän- 
digen Werk, das den Titel ‚„Dzieje wyznania helweckiego w 
Litwie“ führt, im ersten Bande die Geschichte des Kal- 
vinismus in Litauen bis zur Mitte des XVIIlI. Jahr- 
hunderts, im zweiten die kalvinistischen Tempel, Kultus- 
diener, Schulen, Druckereien u.s.w. Das XVI. Jahrhundert 
wird, obgleich der Kalvinismus in diesem Zeitalter auf 
dem Höhepunkt seiner Entwicklung stand, wohl wegen 
Mangel an Quellenmäterial sehr kurz behandelt, dagegen 
wird das folgende Jahrhundert, in dem sich der Ver- 
fall des Kalvinismus vollzog, sehr eingehend erörtert. 
Auch finden die Sekten, die neben dem Kalvinismus auf- 


Ba A, 


traten. eine mangelhafte Berücksichtigung. ‚Ueber die Aria- 
ner weiss Lukaszewicz sehr wenig, fast nichts zu be- 
richten. Da das Werk vor mehr als 70 Jahren ge- 
schrieben wurde, so sind dem Verfasser die meisten Quellen. 
dıe heute bekannt sind, unbekannt geblieben. Trotzdem 
ist dieses Werk von grosser Bedeutung, denn der Ver- 
fasser führt viele Quellen an, die inzwischen verloren 
gegangen sind. Für meine Arbeit allerdings kommt das 
Werk von Lukaszewicz wenig in Betracht, weil es das 
XVI. Jahrhundert nur sehr kurz behandelt. 

Das andere Werk: Dambrauskas „Pradiia ir ıssı- 
pletojimas Protestantizmo Lietuvoje‘“ ist eine in populärer 
Art verfasste Broschüre, die als Quelle wenig in Be- 
tracht kommt. | 

Ausserdem kann man bei Krasinski, Bukowski, Za- 
krzewski, Wotschke, Liubowiez und anderen, die über di® 
Glaubenspaltung in Polen geschrieben haben, einige. Be- 
merkungen über die Reformation in Litauen finden. Allein 
alle diese Angaben sind sehr kurz und mangelhaft und in 
den verschiedenen Werken so zerstreut, dass sie von der 
litauischen Glaubenspaltung keinen rechten Begriff veben. 

Unter den von mir hervorgezogenen Quellen befinden 
sich viele, die noch nicht herausgegeben sind. An erster 
Stelle sind hier die Manuskripte zu erwähnen, die sich 
in der Bibliothek des Priesterseminars zu Kaunas be- 
finden. Unter diesen sind von grosser Bedeutung die Ab- 
schriften von Briefen, welche die Bischöfe von Samo- 
gitien im XVI. und XVII. Jahrhundert an verschiedene 
Adressaten gerichtet haben. In dem Manuskript, das 
diese Abschriften enthält, fand ich einige bis jetzt ganz 
unbekannte Briefe der Bischöfe Domanowski (1556— 1563), 
Vietorius Wierzbicki (1566 — 67) und Nicolaus Pac 
(1610—1619). 

Ferner findet sich dort ein Manuskript aus dem Jahre 
1624, verfasst von einem unbekannten Gelehrten, der über 
den Anfang, Aufschwung und Niedergang des Protestan- 
tismus in Litauen wertvolle Aufschlüsse gibt. Es scheint, 


Be ih a 


dass der Verfasser in Litauen gelebt hat und dass ihm 
die Ereignisse, welche er beschreibt, wohl bekannt waren. 
In derselben Bibliothek befinden sich‘ ferner Akten über 
kirchliche und bürgerliche Angelegenheiten, aus dem XVI. 
und XVII. Jahrhundert, die ich ebenfalls benutzte, Es 
ist zu bedauern, dass alle diese Manuskripte nicht ge- 
sichtet sind und von denselben kein Katalog hergestellt ist. 

In dem Archiv der Bibliothek des Priesterseminars zu 
Vilnius fand ich unter anderm ein Manuskript, das für 
meine Abhandlung von besonderem Wert war. Es ist 
während der Regierungszeit des Bischofs Benedictus Wojna 
{1600—1615) geschrieben und enthält Beschreibungen 
über das Leben der Bischöfe von Vilnius und zwar vom 
Bischof Johannes de Ducibus Lituaniae an (1519—1536) 
bis auf Benedietus Wojna. : Die Beschreibungen enthalten 
viele Einzelheiten, die bis jetzt unbekannt waren. Leider 
fehl: der Anfang dieses Schriftstückes, das wahrscheinlich 
einige Bemerkungen über die Vorgänger des Bischofs 
Johannes enthielt. Das Werk kann in seiner Bedeutung 
nicht hoch genug geschätzt werden, denn es enthält die 
ältesten Biographien der Bischöfe von Vilnius. Dasselbe 
Archiv enthält noch Abschriften von Briefen, Gerichts- 
verhandlungen, Inventare und andere Dokumente, von denen 
ein’ge aus dem XVI. und XVII. Jahrhundert stammen. 
Leider liegen alle diese Manuskripte ordnungslos umher. 

Das sogenannte Zentralarchv zu. Vilnius enthält 
schr viele Akten (an 15000 Bände) die aus ganz Li- 
tauen stammen. Viele Dokumente dieses Archives hat die 
russ'sche Regierung gedruckt herausgegeben. Bis jetzt er- 
schienen 30 grosse Bände unter dem Titel: „Driewnije 
Akty‘ ete. In diesem Archive sind auch 6 grosse Kisten 
mit Dokumenten, die man aus dem Archiv des Kapitels 
von Vilnius geholt hat, die aber bis jetzt weder geordnet 
noch erforscht sind. 

Die öffentliche Bibliothek in Vilnius enthält sehr viele 
gut geordnete und katalogisierte Dokumente wie z.B. 
päpstliche Bullen, Privilegien, kirchliche, Inventare, Tes- 


ei. dr 


tamente und dergleichen. Viele von diesen Schriften habe 
ich für meine Arbeit benützt. 

In der Bibliothek der Römisch-Kathol. Geistl. Aka- 
demie zu Petersburg habe ich auch einige Handschriften 
gefunden, die mir Dienste geleistet haben. Unter diesen ist 
nennenswert die „Historya wierna o Kacerstwach‘. Dieses 
Manuskript stammt aus der Zeit von 1631 bis 1640 und 
enthäli die Geschichte des Protestantismus in verschie- 
denen Ländern. Es ist für meine Arbeit insofern von 
Bedeutung, als darin nähere Angaben über den Protestan- 
tismus ın Litauen zu finden sind. Der Autor war wohl 
ein Litauer, denn er ist über die litauischen Zustände sehr 
gut unterrichtet. | 

Auch aus der Bibliothek von ÖOssolinskt zu Lember« 
konnte ich einiges heranziehen. Für meine Abhandlung 
kamen besonders zwei Manuskripte in Betracht. Zuerst 
ein Manuskript mit dem Titel: „Poloneutychia etc. von 
Lubieniecki. Das andere Manuskript rührt von ei- 
nem unbekannten Jesuiten her und behandelt die Nie- 
derlassung der Jesuiten in Litauen und ihre dortige 
Tätigkeit. Der Verfasser behandelt in seiner Arbeit 
den Zustand Litauens vor der Ankunft der Jesui- 
ten. Dabei berichtet er auch interessante Einzelheiten 
über die protestantischen Sekten, ihre Vorsteher und über 
ihre verschiedenen Spaltungen. Allem Anscheine nach ist 
das Schriftstück nur eine Abschrift. Das Original ist wohl 
verloren gegangen. Ich habe noch andere Dokumente die- 
ser Bibliothek für meine Arbeit verwenden können und 
werde sie an den betreffenden Stellen näher anführen. 

Nicht weniger interessant waren verschiedene Doku- 
mente, die ıch in einzelnen Pjarrarchiven Litauens ge- 
funden habe, in denen die religiösens Zustände des XVI. 
Jahrhunderts geschildert werden. Besonders habe ich die 
Dokumente der Pfarrarchive von Jeznas, Rumsiskes, Trakai 
berücksichtigt. Endlich habe ich auch Material ın Prival- 
archiven gefunden. Unter diesen muss ich besonders das 
Privatarchiv von Morawski (Gouvernement Vilnius, Us- 





FEIUE , 


tronie) erwähnen, in welchem ich sehr wichtige Dokumente 
gefunden habe. 

Alle die oben erwähnten Dokumente waren nicht 
nur bis jetzt unbenützt, sondern zum grössten Teil (be- 
sonders die in den Archiven Litausns) vollständig un- 
bekannt. Die Hoffnung, dass später noch viel handschrift- 
liches Material in Litauen zum Vorschein kommen könnte. 
wird sich kaum verwirklichen ; denn an Handschrift:n 
und Archivalien ist Litauen arm. 

Dieser Mangel an Urkunden in Litauen lässt sich leicht 
erklären. Litauen war seit Jahrhunderten der Schauplatz 
grosser Kriege, in deren Verlauf das Land vielen Plünde- 
rungen ausgesetzi war. Am Ende des Mittelalters begann der 
deutsche Orden von Norden und Westen her seine Einfälle in 
das litauische Gebiet zu unternehmen. Vom Süden her führten 
die Tataren mehrere verheerende Streifzüge aus, und vom 
Osten drangen vom XV. Jahrhundert an die grössten 
Feinde Litauens, die Russen, vor, die beständig das li- 
tauische Grossfürsientum mit Krieg überzogen. Schliess- 
lich tritt im XVII. Jahrhundert noch ein neuer Feind 
Litauens auf: die Schweden. Seit dieser Zeit -bis zum 
XIX. Jahrhundert ist Litauen beständig Kriegschauplatz. 
Die gewaltigen Heerscharen Napoleons durchzogen Li- 
tauen sowohl auf ihrem Zuge nach Moskau als auf der 
Flucht vor den russischen Verfolgern. Diese Verwüstung 
Litauens wurde ‚vervollständigt, als die Russen die auf- 
ständıschen Polen und Litauer in den Jahren 1830 und 
1863 ın blutigster Weise niederwarfen. 

Da die litauischen Städte bis zum XIX. Jahrhundert 
vorwiegend aus Holz gebaut waren, so ist es kein Wunder, 
dass sie vielmals durch Feuer vollständig zerstört wurden. 
In diesen Bränden ging der grössere Teil der historischen 
Quellen Litauens zu Grunde. Was dem Feuer entging, 
das schleppten die Feinde mit sich, sodass diese Ueber- 
reste heute in Petersburg, Moskau, Kiew, Stockholm, Ber- 
lin, Wien, Lemberg und in anderen Städien zu suchen 
sind. In Litauen selbst blieben nur weniger wichtiee Ur- 
kunden, die meistens aus später Zeit stammen. 


u. IS ger 


Die gedruckten Quellen, die mir zur Verfügung standen, 
sind meistens Druckschriften des XVI. Jahrhunderts. Sie 
sind zum grössten Teil heute eine bibliographische Selten- 
heit. Viele von diesen sind nur in 4, 3, 2, oder sogar nur 
in, einem Exemplar vorhanden. Sie befinden sich zer- 
streut in den verschiedensten Bibliotheken und sind des- 
hallı nur schwer erhältlich. Ich musste dieselben mühsam 
'n den Bibliotheken von Krakau. Lemberg, Petersburg, 
Vilnius und Posen suchen. Der grössere Teil dieser Druck- 
schriften enthält die religiös-polemische katholische und 
protestantische Literatur des XVI. Jahrhunderts. Die 
Glaubenspaltung hat wie anderswo so auch in Polen und 
Litauen Anlass zur Herausgabe von Schriften meistens 
veligiös-polemischen Inhaltes gegeben. Es sind Tausende 
‘von Broschüren belehrenden und polemisierenden Inhaltes 
herausgegeben worden. Diese Broschüren sind nicht nur 
für die Geschichte der Literatur, für die Kenntnis der 
Lehren der verschiedenen Sekten von grösster Bedeutung, 
sondern auch unentbehrliche Hilfsquellen für die Kultur- 
geschichte und für die Geschichte des Protestantismus 
und Katholizismus. Neben dogmatisch-moralischen Beweis- 
führungen finden wir daselbst auch Beschreibungen und 
Aufschlüsse über einzeln» historische Ereignisse und über 
einzelne Persönlichkeiten. 

Es ist selbstverständlich, dass man bei der Verar- 
beitung dieses Materials sehr vorsichtig zu Werke gehen 
muss. Wie jede polemische Literatur ist auch diese na- 
türlich einseitig. Es ist für die Geschichtsforschung sehr 
zu bedauern, dass ein bedeutender Teil dieser Literatur 
durch die Gegner vernichtet worden ist. Besonders die 
Katholiken haben, als sie Herren der Lage wurden, mit. 
aller Macht — man kann sagen mit Fanatismus — die 
Schriften 'der Gegner vernichtet. In den damaligen 
Schriften wird öfters von der Verbrennung der „häreti- 
‘ schen“ Werke gesprochen. Es ist daher erklärlich, dass 
manche Werke bis zum letzten Exemplar der Bücher- 
stürmerei zum Opfer gefallen sind, von anderen Werken 
sind nur einige Exemplare gerettet worden. Aber nicht 


ea, Ar. 


nur Druckschriften wurden vernichtet, sondern auch alle 
anderen gegnerischen Schriften. Daher wurden auch: die 
Akten der protestantischen Synoden, Briefe, Dokumente 
und dergleichen schonungslos vernichtet, sodass man heute 
kaum eine Spur von ihnen finden kann. Manche vornehme 
Familie schämte sich, dass ihre Vorfahren verschiedenen 
Sekten angehört hatten, und suchte später alle Spuren 
«lavon zu verwischen. Sie ‚vernichtete daher alles, was 
'rgend einen Beweis für die Teilnahme ihrer Vorfahren 
am Protestant'smus hätte erbringen können. 

Von der religiös-polemischen Literatur benutzte ich 
hauptsächlich folgende der nicht katholischen Autoren : Cze- 
chowiez, Budony, Frycz Modrzewski, Wolan, Andreas Lu- 
bieniecki, Gregor von; Zarnowiec, Johann und Jakob Niemo- 
jewski und Gregorius Pauli. Von katholischer Seite sind 
besonders benutzt: Zebrowski, Jurgiewiez, Skarga, Rescius 
(Reszka,, Jungius, Wilkowski, Herbest. Ich kann hier 
nicht auf die Charakteristik der einzelnen Autoren und 
ıhrer Schriften eingehen, weil das zu weit führen würde. 
Uebrigens ist diese Aufgabe bereits von andern ausgeführt 
worden. (Ich verweise auf das Werk von T. Grabowski im 
Literaturverzeichnis.) Man muss hier aber im allgemeinen 
bemerken, dass die Schriften der Neuerer objektiver und 
in. ruhigerem Tone gehalten sind als die der katholischen 
Polemiker. Besonders den arianischen Autoren, vor allem 
Czechowicz, muss man zuerkennen, dass sie in ihren Schrift- 
em. Ruhe und sachlichen Ernst zu wahren wussten. Selbst- 
verständlich gibt es auch Ausnahmen. Die katholischen 
Autoren dagegen kämpften mit grosser Leidenschaftlichkeit. 
Viele ihrer Werke sind voll von Schimpfworten und Grob- 
heiten. so zum Beispiel diejenigen Jurgiewiczs und Ze- 
browskis. Die Jesuiten schrieben in ruhiger Form, be- 
sonders zeichnen sich die Werke des berühmten Skarga 
‚durch grosse Ruhe und Würde aus. Dama!s war übrigens 
die leidenschaftliche Polemik eine literarische Kampfme- 
thode, die allgemein angewendet wurde. Die grossen Re- 
formatoren. des Westens mit Luther an der Spitze gaben 
der damaligen Polemik den Ton an. Nur die polnisch- 


ee Al) 


litauischen Arianer sind wie in vielen anderen Dingen, so 
auch in der Sachlichkeit der Polemik ihrem Zeitalter 
vorausgeeilt. | 

Ausser der religiös-polemischen Literatur benutzte ich. 
noch viele Schriften anderer Autoren des XVI. Jahrhun- 
derts, die über Litauen geschrieben haben, z.B. Lasicki. 
Michajlo Litwin, Guagnini, Kurbski, Warszewicki, die Be- 
richte der päpstlichen Nuntien und andere. Aus den Samm- 
lungen von Akten und Dokumenten, die ich benützte, 
weise ich hier an erster Stelle auf die russischen Quellen- 
sammlungen hin, auf die: Akty otnosiascijasia k’istorii 
zapadnoj Rossi, Akty litowskoj metrikt und besonders 
die Quellensammlung unter dem Titel: Akty tzdawajemyja 
 Kommissijej dla razbora drewnich aktow w Wilnie — die 
interessante alte aus dem Zentralarchiv von Vilnius stamm- 
ende Dokumente enthalten. Neben den russischen dienten 
mir auch die polnischen Quellensammlungen, deren Titel 
ich im Literaturverzeichnis angebe. Dabei muss man je- 
doch bemerken, dass alle diese russischen und polnischen 
Quellensammlungen hauptsächlich die politische Geschichte 
behandeln, denn die russische Regierung ebenso wie die 
Polen haben mehr für dis politische Geschichte Li- 
tauens als für seine Kirchengeschichte Interesse be- 
zeugt, und so ist es erklärlich, dass über die Kir- 
chengeschichte Litauens fast keine Spezialarbeit ver- 
öffentlicht worden ist. Die Quellen für die litauische 
Kirchengeschichte finden sich in unzähligen polnischen, 
“russischen, deutschen und schwedischen Quellensammlungen 
verteilt. Die Litauer selbst konnten, obwohl sie sich für 
ihre Kirchengeschichte interessieren, bis jetzt keine grössere 
Quellensammlungen herausgegeben, da die russische Re- 
gierung erst im Jahre 1904 das Verbot litauisch zu 
drucken aufgehoben hat. Ueber die späteren Autoren, die 
ıch benutzte, verweiss ich auf das alphabetische Lite- 
raturverzeichnis. 


Die Glaubensspaltung in Litauen. 


Die Zustände im Grossfürstentum Litauen 
unmittelbar vor der Reformation. 


Die Beziehungen Litauens zu Polen. Wie Litauen allmählich po- 
lonisiert wurde. — Die oberste politische Gewalt im Grossfürstentum 
Litauen ; Teilung derselben zwischen dem Grossfürsten und den Grossen 
des Reiches. — Verwaltung des Grossfürstentums. Die Karvedschaften, 
die Karveden und deren Gewalt. Die Landkreise, die Seniunen: 
Verfassung Samogitiens. — Religiöser Zustand Litauens. Die Bi- 
schöfe und ihre politische, administrative und gerichtliche Ge- 
walt; ihre wirtschaftliche Lage. Sitten der Bischöfe, der Verfall 
der Sitten und seine Ursachen. Die Bischöfe von Vilnius. Bischof 
Johann Radziwill aus dem grossfürstlichen Hause. Die Bischöfe 
Samogitiens. Bischof - Nikolaus Radziwill. — Die Domkapitel ; ihre 
wirtschaftliche Stellung ; - ihre Sitten. Das Kapitel von Vilnius; 
das Kapitel von Samogitien. Die Geistlichkeit ; Besitz, Bildung 
und ihre Sitten; ihre Laster: Trunkenheit, Unzucht, Geiz, gegen- 
seitiger Hass. — Die Ordensleute im Grossfürstentum. — Die cin- 
zelnen Stände des litauischen Volkes. Die Grossen und ihre Bezie- 
hungen zum Adel; ihre ökonomische und moralische Lage; ihre 


Laster: Prachtaufwand, Trunkenheit, Schwelgerei. — Der Alel; 
politische Macht, !wirtschaftliche Lage, dessen Sitten und Un- 
sitten ; seine Unwissenheit. — Die Städter. — Das Landvolk. Zeit- 


genössische Zeugnisse über deren gesellschaftlichen und ökonomischen 

Stand seine Sitten, seine Religion. Götzendienst. — Zusammen- 
’ g 

fassung sowie Ergebnis. 


l. 


Unter der Regierung des Grossfürsten Sigismund 
II.!, der als König von Polen Sigismund 1. hiess, war 


‚4 Der erste Grossfürst von Litauen namens Sigismund war ein 
Sohn des Keistutis, welcher nach Svidrigaila von 1432—1440 das 
grossfürstliche Szepter führte cf. Narbutt, Die Taten (des Iitauischen 
Volkes VII, p. 103 ff. 


Litauen von Polen wenig verschieden. Die Erklärung 
ist. darin zu suchen, dass über ein Jahrhundert die Sitten 
und Gebräuche der Polen zugleich mit der Religion sich 
in Litauen ausbreiten konnten, wobei nicht nur die Reli- 
gion, sondern auch die äusseren Umgangsformen der Polon 
die gutmütiger Litauer mächtig anzogen. Es ist sicher, 
dass die ersten Prediger der Evangeliums in Litauen Polen 
waren.! Beweiskräftige Zeugnisse besagen ferner, dass auch 
in der nachfolgenden Zeitdie Polen sich‘ verschiedentlich 
ın Litauen niederliessen und verschiedene, darunter hohe 
Acmter, innehatten ?, was selbstverständlich zur Ausbrei- 
{une der polnischen Sitten stark beitragen musste. Uebri- 


1 Kromer, Polonia 246 £. 

Kojalowiez, Historiae Lituaniae I, p. 396 £. 

Wolonezewskis, Zemaijtin Wiskupiste I, p. 34 ff. 

Przyalgowski Zywoty Biskupow Wilenskich I, p. 14—16. 

Morawski Dzieje Narodu Polskiego, II, p. 8. Wir nennen hier 
diejenigen erste Prediger, die unter Wladislaus Jogaila in Litauen das 
Christentum gepredigt haben. Denn obwohl vor diesen Predigern König 
Mindaugas mit vielen Litauern das Christentum angenommen hatte 
1251} und der erste Bischof in Litauen der hl. Vitus (ein Pole) 
gewasen ist, so verschwand bald das Christentum aus Litauen wieder. 
Nach «lieser Zeit wissen wir trotz mancher Spuren des Christentums 
in Litauen fast nichts Bestimmtes von seinen Verkündern. 

Kojalowiez, Historiae Lithuanae I, 96 sq. Miscellanea I, 57sq 

Przyalgowski, op. eit. 3 sg. 
Totoraitis, Die Litauer unter König Mindowe p. 76 ff. 

= Narbutt. Die Taten des litauischen Volkes, VIII. pag. 8 £., 
22, 40. 

Nach dem Zeugnisse von: 

Kojalowiez, Miscellanea rerum ad statum ecelesiastium in M. 
D. Lit. pertinentium p. 17; 

Naramouski, :Facies rerum Sarmaticarum II, p. 347 ff.; 

Przyalgowski, Zywoty Biskupow Wilenskich, I, p. 15, 32, 35 
sind von den 9 Bischöfen, die bis Sigismund I. auf dem bischöf- 
lichen Stuhle von Vilnius gesessen haben, drei Polen gewesen. Ebenso 
haben in Samogitien von der Gründung des Bistums bis auf Sigis- 
mund 1. drei Polen zu verschiedenen Zeiten den Bischofstab ge- 
führt. 

Naramowski, op. eit. p. 527 ff: 

Wolonezewskis, Zemaijtiun Wiskupiste I., p. 63-66, 70, 72. 


2, die „= 


gens standen den polnischen Einflüssen in Litauen noch 
andere Wege offen. Zuerst führten die Grossfürsten von 
Litauen, die zugleich Könige von Polen waren, bei ihren 
Besuchen in Litauen ein zahlreiches Gefolge von Höflingen 
und Beamten mit sich. In Kriegszeiten, wenn Litauer 
und Polen als Bundesgenossen stritten, wurden oft polnische 
Truppen in Litauen und umgekehrt litauische in Polen 
einquartiert1. Ferner verband ein reger Handelsverkehr 
beide Völker”. Endlich sandte Litauen, das ın diesem. 
Zeitalter nur sehr wenige Elementarschulen und höhere 
Bildungsanstalten überhaupt nicht besass, seine Jugend 
ıns Ausland, besonders in das benachbarte Polen?. Mit. 
der Bildung brachten dann die jungen Leute auch fremde. 
insbesondere polnische Sitten in die Heimat. Info!ge aller 
dieser Umstände machte die Polonisierung Litauens so!che 
Fortschritte, dass bereits Mitte des XVI. Jahrhundert 
der apostolische Nuntius Julius Ruggieri behaupten konnte, 
Litauen sei in vielfacher Beziehung Polen sehr ähnlich *. 
Doch sei hier bemerkt, dass die Polonisierung Litauens- 
nur das politische und soziale, vor allem das religiöse 
Leben Litauens erfasste, während das private Leben nur 


1Morawski, Die Taten des polnischen Volkes, II, p. 43, 51, 59. 
76, 137, 204, 285. 

Liubawskij, Ocerk istorii Litowskorusskago gosudarstwa p. 183. 

2 Seweryn Golebiowski, Die Zeiten Sigismund-Augusits, II, p. 
253 ff. 

T. Czacki, Vom litauischen und polnischen Rechte I. ausg. I. 
p. 210 £. 

3 Wolonczewskis, Zemaijtiu Wiskupiste II, p. 7 ss. 

Przyalgowski Zywoty Biskupow Wilenskich I, p. 28, 41, 50, 64. 

Lappo, Welikoje Kniazestwo Litowskoje I, 449—504, 509. 

Lukaszewiz J. Geschichte der Schulen im polnischen Reiche und 
Grossfürstentum Litauen I, p. 66. II, p. 11. 

Jaroszewiez, Das Bild Litauens in bezug auf dessen Zivilisation 

Cistowitsch, Ocerk istorii zapadno-russkoj cerkwi I, 96 £. 

IBerichte der apostolischen Gesandten (Nuntii). Rykaczewski I, 
p. 170. 


er > 


bei den Reichen betroffen wurde. Das einfache Volk, zu- 
mal auf dem Lande, ist dagegen bis auf den heutigen Tag 
von den fremden Sitten fast unberührt geblieben, : was 


jeder, dem das litauische Landvolk irgendwie bekannt ge- 


worden. ist, leicht bezeugen kann. 

Ehe wir auf das politisch-soziale und religiös-mora- 
lische Leben im Grossfürstentum Litauen unter Sigismund 
II. eingehen, wollen wir eine kurze Darstellung der inneren 
politischen. Konstitution des Grossfürstentums und der ein- 
zelnen Schichten der Bevölkerung vorausschicken. Diese 
Darlegungen sind zum Verständnis der raschen Ausbreitung 
des Protestantismus wie seines ebenso schnellen Verfalles 
unumgänglich notwendig. 


Il. 


Das Haupt und der Führer der Litauer war der Gross- 
fürst, der von den Grossen des Reiches auf Lebens- 
dauer gewählt wurde!. Diese Würde verlieh zwar ihrem 
Träger die höchste Gewalt, aber in ihrer Ausübung 
war er von seinen Wählern, den Grossen (Pany-Herren, 


1 Gewisse Geschichtschreiber wie: 

Narbutt, T. Die Taten des litauischen Volkes IX, p. 275, 

Morawski, Die Taten des ‘polnischen Volkes II, p. 427, 

Szujski, Die Taten des polnischen Volkes, II, p. 308, bezeichnen 
die grossfürstliche Krone als erblich. In Wirklichkeit war diese Erb- 
lichkeit nur rechtlicher Natur, denn wie die Geschichte bezeugt, 
wählten ebenso wie die Polen ihren König, so die Litauer ihren 
Grossfürsten seit der Union von Horodlo ganz unabhängig von ein- 
ander. 

Liubawskij, Ocerk istorii Litowsko-russk. gosud. S. 41, 56, 52, 
64, 68. 

Narbutt, T. VIII, S. 9, 260. IX, S. 182 £. 

Deswegen sprechen die hervorragendsten Kenner der Geschichte 
Litauens wie Lappo und Liubawskij an keiner Stelle von der Erb- 
lichkeit des litauischen Thrones. Liubawskij, den man in dieser 
Hinsicht am meisten schätzen kann, sagt ganz deutlich, die hi- 
tauische Grossfürstenwürde beruhe seit den Zeiten Jogaila’s auf 
Wahl. Liubawskij, S. I6 ff. 


ir, A, Zus 


Rada-Rat genannt) erheblich beschränkt. Keine äussere 
Angelegenheit des Reiches durfte ohne Wissen und Gut- 
heissung der Grossen erledigt werden !. Dasselbe galt 
nach der Verfassung des Grossfürsien Alexander (1492) 
und besonders Sigismunds II. (1529) von der gesetzge- 
benden Gewalt’. Gleicher Beschränkung unterlag die 
höchste Gewalt in dGerichts- und Verwaltungsachen’. 
Kurz, die Gewali des Grossfürsten war so beschränkt, das; 
zur Erledigung sämtlicher wichtigeren Angelegenheiten die 
Einwilligung und Gutheissung des Rates der Grossen er- 
forderlich war.. Immerhin genoss der Grossfürst hohes 
Ansehen, sei es wegen des noch frischen Andenkens an 
die mächtigen Gestalten eines Gediminas, eines Algirdas 
eines Algirdas, eines Vytautas, welche eine fast abso- 
Sute Herrschafi ausgeübt hatten, sei es auch wegen 
des litauischen Charakters, ihre Fürsten mit Ehrfurcht 
zu behandeln.* | 

- Somit lag die Ausübung der obersten Gewalt in den 
Händen des Grossfürsten sowie der Grossen des Laandes, 
welche den Senai bildeten; dieser bestand aus regie- 
renden Fürsten, aus Bischöfen, Wojwoden, Kastellanen, 
hohen Staatsbeamten und Hofbeamten ?. Zu den wich- 
tigsten Angelegenheiten des Reiches, z.B. zur Wahl des 
Grossfürsten, zur Kriegserklärung, zur Bündnisschliessung 
u.a. wurden die Stände einberufen, wozu ausser (dem 
Senate und den. Magnaten noch der Kleinadel eingeladen 
wurde. Doch hatte der letztere bis zur Regirrung des 


I Die Verfassung Alcxanders, 1492, Sigismunds I., 1506, 1529, 
bei Liubawskij, p. 307 ff. 'Idem ecıdem op. p. 169 ss. 

2 Liubawskij op. eit. 307 ff. | 

® Idem 169—176. 

4 Narbutt, Die Taten Jdes litauischen Volkss IX. p. 114, 179, 
182, 275. 

Liubawskij, 176. 

5 Liubauskij, 170 ff. 

Lappo, Welik. Kniazestwo Litowskoje, 255 ff. 264 ff. 


u 


"Grossfürsten Sigismund-August in politischen Fragen schr 
wenig zu sagen, sodass in. politischen Angelegenheiten d'’e 
Magnaten fast allein nach ihrem Gutbefinden entschieden !. 

Die innere Verwaltung des Grossfürstentums war fol- 
gendermassen ‚geordnet : Das ganze Gebiet war eingeteilt in 
Wojwodschaften ? und diese wieder in Kreise. An der 
Spitze der Wojwodschaften standen die Wojewoden, die von 
den Grossfürsten auf Lebenszeit ernannt wurden und ehema- 
lige Fürsten vertraten®. Eben darum war das Ansehen 
und die Macht der Wojwoden sehr gross. Bis in die Mitie 
des XVI. Jahrhunderts war sie dreifacher Art: militäri- 
scher, administrativer und gerichtlicher . Der Wojwode 
war vor allem der berufene Führer sämtlicher Truppen sei- 
ner Wojwodschaft. Beim Ausbruche eines Krieges rief er 
die bewaffneten Mannen seiner Wojwodschaft zusamm>n. 
musierte sie und führte sie meistens auch selbst im Kampfe 
an. Ferner wachte er als Vertreter der höchsten administra- 
tiven Gewalt darüber, dass weder die Starosten, noch dir 
Verwalter, noch die übrigen Beamten ihre Pflichten ver- 


1 Linbawskij, p. 202 ff. In Polen war zur gleichen Zeit die 
Macht des Landadels so stark gewachsen, dass in den allgemeinen 
Versammlungen (sejm walny) die Adeligen über Senät und Beamten- 
tum die Oberhand gewannen. 

?2 In der Vereinigungsurkunde von Horodlo 1413 (Volumina Le- 
yum I, 23—32, Ausgabe von Petersburg 1859) werden nur 2 Wojwod- 
schaften genannt: die von Vilnius und die von Trakai. Unter König 
Sigismund I. bestanden folgende Wojwodschaften: von Vilnius, von 
Trakai, von Kiew, von Novgorod, von Vitebsk, von Polock, von Smo- 
lensk (diese letzte wurde unter unter diesem König von den ‚Russen ge- 
nommen und ist eingegangen) ebenso die von Podlasien. Sigismund- 
August (1566) ha neue Wojwodschaften geschaffen, nämlich die 
von Brest, Minsk, Mscislaw, Wolyn und Braelaw. 

J. Wolff, Senatoren u. Würdenträger des Grossfürstt.. Litauen, 
p= 

» Liubawski, Ocerk istorii Litowskorusskogo gosuldarstwa 159. 

Lappo, Welikoje Kuiazestwo Litowskoje 580 ff. 

i Lappo, 584. 

Liubawskij, 158 £. 


2, AT 2 


nachlässigten. Ausserdem verteilte er den Boden wie auch 
herrenlosen Besitz (possessiones vacuas) ; schliesslich zog 
er auch die Steuern ein. Er erfüllte also alle Funktionen 
der obersten Verwaltung. Endlich entschied er als oberster 
Richter in höherer Instanz alle Streitfragen, ausgenommen 
jene, die vor das kirchliche Forum gehörten !. 

Diese weitgehende Gewalt, dann die Tatsache, dass 
der Karvede seine Würde und sein Amt lebenslänglich 
inne hatie und, dass er meistens sehr reich war, machten die 
Karvedschaft zu einem hochwichtigen Posien ersten Ran- 
ges’. Das müssen wir uns vor Augen halten, wenn wir 
die Karveden als Gönner, ja sogar als Verbreiter des 
Protestantismus auftreten sehen. 

Die Karvedschaften waren in Distrikte eingeteilt, 
an deren Spitze Seniunen standen ; diese wurden in der 
Regel vom Grossfürsten ernannt und waren den Karveden 
unterstellt3. Zahlreiche Grundstücke, grossfürstliches Pri- 
vateigentum #, wurden im Namen des Grossfürsten von 
seinen Statthaltern oder Verwaltern. verwaltet. Diese Beam- 
ten. besassen meist nur administrative Gewalt, wozu auf 
grösseren Besitzungen noch gerichtliche und militärische 
Tätigkeit kam. | | 

Einer eigenen Verfassung erfreute sich Samogitien 
(Zemaiten),. das keine Karvedschaft war, sondern den 
Titel Seniunei, manchmal auch Herzogtum führte und 
viele Vorrechte, die einer Art Autonomie gleichkamen, 
genoss. Das grösste Vorrecht bestand darin, dass die Sa- 
mogitier ihre Beamten selbst wählen durften. Ihr Präfekt 


l Lappo, 577 ff. 
Liubawskij, 154 ff. 
? Lappo, 587. 
3 Lappo, 266 ff. 
Liubawskij, 154 ff. 
? Narbutt, Dzieje narodu litewskiego, IN, 275. 
Liubawskij, 88 ff: 
Lappo, 266 #f. 
° Akty Zapalnoj Rossii, I, 120. 


— 8 — 


führte zwar den Titel Seniunas, überragte jedoch die übri- 
gen Träger des gleichen Titels im; Grossfürstentum so sehr. 
dass er den Karveden gleichgestelli wurde und im Se- 
nate den dritten Platz (nach dem Karveden von Trakai) 
einnahm !. Samogitien zerfiel in 13 Kreise, an deren 
Spitze Beamie, „civuni‘ genannt, standen ?. 

So war die politische Organisation im Grossfürstentum 
Litauen unter Grossfürst Sigismund II. Wir glaubten die- 
sen Stand kurz schildern zu müssen, weil die Politik 
ohne Zweifel in der religiösen Bewegung der menschlichen 
Gesellschaft eine höchst wichtige Rolle spielt. Dies gilt 
nicht weniger für die Zeit des litauischen Protestantis- 
mus. 


III. 


Nunmehr seien die kirchlichen Zustände des Gross- 
fürstentum beleuchtet, wobei auch die ökonomisch-sozialen 
Verhältnisse berücksichtigt werden sollen. Es kommen da 
verschiedene Faktoren zum Vorschein, die der Glaubens- 
spaltung in Litauen den Boden vorbereitet haben. 

In der Zeit, der unsere Untersuchung gewidmet ist. 
bestanden im Grossfürstentum Litauen vier Bistümer. 
nämlich die von Vilnius, von Kiev, von Luck und 
von Samogitien ?. Die Bischöfe Litauens wurden gleich 


„Przywilej wsezystkim obywatelom Zmudzkim na rozne prawa 
y wolnosty od Krolow ich Mei zdawna :nadane‘‘ (bei Liubawskij, 371— 
376): | s 

(Eir Vorrecht allen Adeligen von Zmud;z bezüglich verschiedener 
Recht und Freiheiten vom: Könige von altersher verliehen). 

I Guagnini, Sarmatiae europeae descriptio in opere: Polonicae 
historiae corpus, Basileae 1582, pag. 45. 

Wolff J. Senatoren- und Würdenträger des Grossfürst. Lit. 2£. 

Liubawskij, op. eit. 154 f. 

® Lappo, Velik. Kniaz. Litovskoje, 305 ff. 

3 Kojalowiez. Miscelianea rerum ad statum ecelesiast. in M. 
Lituaniar Ducatu pertinentium p. 74. 

Die Unterschriften der vier Bischöfe von : Vilnius, Luck, M. dininkai 


=. 4: 2 


denen ın Polen vom Grossfürsten erwählt oder ernannt, vom 
Papste bestätigt und unterstanden dem Metropoliten (Erz- 
bischof) von Gnesen. Um die Bischöfe jener Zeit besser 
kennen zu lernen, soll ihre politisch-ökonomische Stellung 
und ihr moralisch'- religiöser Stand geschildert, sowie 
schliesslich die Reihenfolge der Oberhirten in den ein- 
zelnen Diözesen aufgeführt werden. | 

„Wie im Königreich Polen, so hatten auch im Gross- 
fürstentum Litauen die Bischöfe des lateinischen Ritus den 
ersten Rang (unter den Senatoren) im Senate, weshalb zu die- 
ser Würde nur Sprossen ritterlicher Familien gelangten. 
Darüber besteht eine vom Papste bestätigte Konstitution der 
Republik. In Litauen wurden ausserdem zu der bischöf- 
lichen Würde nur Eingeborene zugelassen“. Dies bsrichtet 
Kojalowiez von der politischen Autorität der Bischöfe !. 
Aehnlich schreibt Guagnini: „Die Bischöfe sind Fürsten 
und Senatoren ersten Ranges dank der ehrwürdigen Ma- 
jestät und Autorität des kirchlichen Standes, wie auch 
wegen ihrer grossen Reichtümer. Darum sitzen sie auch 
im Senate zu beiden Seiten des Königs*“. 'Alles das 
beweist, welch hohe Autorität in der Politik die Bischöfe 
Litauens besassen. Sie also nahmen im Senate die ersten 
Steller. ein ; als die ersten unterzeichneten sie die Akten. 
Vom Grossfürsten wurden sie allen übrigen Würdenträgern 


und Kiev stehen in den Konstitutionen (in der Verfassung) des 
Grossfürstentums Litauen : Sigismund II. 1522, 1529 und >Sigis- 
mund-August 1551, bei Liubawskij, p. 318, 320, 328, 329, 333. 
NB. Obgleich in der Zeit, von welcher hier die Rede ist, im 
Grossfürstentum Litauen die vier obgenannten Diözesen existierten. 
so werden wir in der vorliegenden Arbeit doch nur die Diözesen 
von Vilnius und Samogitien behandeln. Die übrigen Diözesen werden 
aus den schon in der Einleitung angeführten Gründen übergangen. 
I Kojalowiez A. Miscellanea etc. p. 73. 
2 Guagnini, p. 36. 
- 3 Verfassungsurkunden des Grossfürstentums Litauen bei Ziubaus- 
kij. Ocerk istorii Litovskorusskago gosudarstva 318, 320, 328, 
329, 338. 


— 20 —. 


des Reiches vorgezogen !. Weil sie so hoch im Ansehen 
standen und durch Bildung hervorragten?’, waren sie die 
berufenen Räte des Grossfürsten ? und besassen sein Ver- 
trauen in allen Angelegenheiten *. 

Neben der Senatorenwürde besassen die Bischöfe auch 
richterliche Gewalt. Zum bischöflichen Gerichtshof ge- 
hörten alle Streitigkeiten unter den Klerikern, Irrtümer 
in Glaubensachen, Vergehen gegen die Religion, Ehepro- 
zesse, Legitimation unehelicher Kinder, Streitigkeiten wegen 
Kirchengüter ® usw. Auf den kirchlichen Besitzungen, die 
sehr ausgedehnt waren, oder auf ihren Erbgütern hesassen 
sie volles Verwaltungsrecht, das Privileg in Gerichtsachen 


1 Przyalgowski. Leben der Bischöfe von Vilnius p. 90. 

Lappo. Op. eit. 574. 

2 Die meisten Bischöfe hatten akademische Grade. Viele werden 
wegen besonderer Gelehrsamkeit hervorgehoben. 

“Kojalowicz, Miscellanea rerum p. 77 £., 93 ff. 

3 Lappo. Op. eit. 573. 

* Lappo. Op. cit. S. 574 f. 

Narbutt. Die Taten Ues litauischen Volkes VIII, p. 145, 288, 291, 
401. 

5 Das litauische Statut, Abteilg. III. Artikel: 31, 32, 393, 34. 
Abteilg. V. Artikel 20. 

Volumina legum I, p. 38. 

Czacki T. Ueber litauische und polnische Rechte, Ip. 310 f. 

Przyalgowski. Leben der Bischöfe von Vilnius, p. 147. 

Ob im Grossft. Litauen das durch Ladislaus Jogaila 1424 in 
Wielun erlassene Edikt (Vol. leg. I. pag. 38) „gegen jene, die den 
Bann über ein Jahr aufrechthalten‘, von gleichem Jogaila 1433. 
verkündet und von Kasimir (aus demselben Geschlechte) 1458 be- 
stätig (Vol. leg. Ip. 88 ff), Geltung gehabt hat, darüber fehlen 
Zeugnisse. Nach diesem Erlass waren die Laien verpflichtet, an die 
Geistlichkeit den Zehnten zu zahlen. Wer diesen nicht zahlte, wurde 
exkommuniziert. Falls der Exkommunizierte innerhalb eines Jahres 
sich mit der Kirche nicht einigte, wurden alle seine Güter kon- 
fisziert, dazu wurde er aller bürgerlichen Rechte verlustig erklärt und 
galt als vogelfrei, weswegen er in die Verbannung gehen musste. 

In diesem wiederholt erlassenen Edikte wird aber Litauen nicht 
erwähnt, und keiner der Grossen Litauens hat es unterschrieben, 
während alle Senatoren Polens dies getan haben. In jenen Zeiten 


— 21 — 


sogar gleich den Karveden die Militärgewalt!. Zu- 
dem ‚waren damals die litauischen Bischöfe äusserst 
reich. _Nach dem Berichte des apostolischen Gesand- 
ten Jul. Ruggieri trug jedes litauische Bistum 5000 
Goldfloriner ein?. Paolo Emilio Giovanni, der Se- 
kretär des Nuntius Commendoni, schätzt die Einkünf- 
te eines jeden litauischen Bischofs auf ungefähr 8000 
Goldfloriner?®. Obschon diese Summe für jene Zeiten 
sehr beträchtlich war, entspricht sie doch noch nicht 
der Wirklichkeit. Wir besitzen authentische Inventare 
der Güter der Kathedrale von Vilnius. Laut diesen trugen 
die Grossgrundbesitzungen jenseits des Flusses Vilija 
dem Bischof von Vilnius jährlich 20000 Goldfloriner 
ein‘. Diese Latifundien bildeten aber nur den kleineren 
Teil des bischöflichen Vermögens, der grössere lag dies- 
seits des Stromes®. Daraus kann man schliessen, dass der 
Bischof von Vilnius ausser anderen Einkünften, an barem 
Gelde jährlich etwa, 40000 Goldfloriner Einkommen ge- 
habt hat. Die Einkünfte des Bischofs von Samogitien 
waren sicherlich geringer. Trotzdem führt das Inventar 


besass das Grossfürstentum Litauen aber eine eigene Regierung, 
eigene Gesetze, eigene Verfassung, und das einzige Band, welches das 
Grossfürstentum an Polen knüpfte, war die Person des Königs, 
der zugleich die Würde eines Grossfürsien von Litauen inne hatte. 
Daher haiten die in Polen verkündeten Erlasse oder Gesetze in Li- 
tauen keine Kraft. 

I Das litauische Statut, Abtlg. III, Artik. 32 f. 

Lappo, Welikoje-Kniaz. Litowskoje. 568 ff. 

? Relacye Nuncyuszow I p. 162. 

? Relatione di Polonia’ di Pauolo Emilio Giovanni J. Korze- 
niowski. Analecta Romana s. 194. 

4 Mss. Archiv der Bibliothek von Vilnius, Saal B, Schrank 53, 
Ne 114 ff. Ä 

> Ibidem. 

Diesseits des Flüsses Vilija lagen mehrere grosse Latifundien. 
Siehe. Inventara der Güter der Kathedrale von Vilnius, (Hand- 
schrift). Bibliothek von Vilnius, Saal B. Schrank 53, N® 105, 109, 
112, 113, 114—137. 


von 1648 ein Einkommen von 24000 Goldfloriner an !. 
Dazu sei bemerkt, dass die Bischöfe von allen Lasten, sei 
es ziviler sei es militärischer Natur, insbesonders von 
Steuern, gänzlich befreit waren. 

Wie verhielten sich nun die damaligen so reichen lı- 
tauischen Bischöfe zur Kirche? Wie erfüllten sie ıhre 
Hirtenpflichten ? Wie waren ihre Sitten ? 


Nachdem wir gesehen haben, dass die Bischöfe als 
Staatsbeamte allzusehr mit der Politik und mit staatlichen 
Angelegenheiten beschäftigt waren, können: wir von vorn- 
herein annehmen, dass sie ihr kirchliches Amt ver- 
nachlässigten, denn unter solchen Umständen konnten sogar 
die pflichtgetreuesten Hirten nur mit Mühe ihre Seel- 
sorgerpflichten in ordentlicher Weise erfüllen. 


Und es fehlt auch nicht an Dokumenten, welche be- 
sagen, dass die Bischöfe jenes Zeitalters sich um kirchliche 
Angelegenheiten nur nebenbei bekümmert haben. So le- 
sen wir zum ’Beispiel in den Diözesanakten ver- 
schiedener Bischöfe folgendes: „Da ich durch wichtige 
politische Angelegenheiten sehr in Anspruch genommen 
bin, stelle ich es Dir anheim, die betreffende Angelegenheit 
dieses Pfarrers auf ihren sacnlichen Inhalt hin zu prüfen 
und falls es nötig sein sollte, den betreffenden Pfarrer nach 
dem Gesetze zu bestrafen‘. So schreibt z.B. der Bischof 
von Samogitien Domanowski (1556—1563) an einen Ka- 
noniker 2. 

Sogar der von den Jesuiten so sehr gefeierte Pro- 
tasewiez-Suskowski, Bischof von Vilnius, war mit poll- 


1 Dieses Inventar fand sich in der Bibliothek des samogitischen 
Seminars unter Handschriften, die noch nicht gesichtet oder kata- 
logisiert waren. Dieses Inventar scheint auch dem Bischof Mat. 
Valancius unbekannt geblieben zu sein, denn in seinem „Bistum 
von Samogitien‘‘ erwähnt er es. nirgends. 


2 Ms. in der Bibliothek des Priesterseminars von Kaunas. 


3 — 


tischen Angelegenheiten so sehr beschäftigt, dass er den 
religiösen und sittlichen Zerfall seiner Diözese nicht: be- 
merkte. Daher saiıı sich das Kapitel genötigt, ihn zweimal 
zu mahnen, dass er sich mehr in seiner Diözese aufhalte 
und auf die immer mehr zunehmende Häresie sein Au- 
genmerk richtel. | 

„Da sich nämlicn die Bischöfe einer dreifachen Ge- 
walt erfreuen — der bischöflichen, der Senatoren- und 
der weltlichen — so können sie keiner von diesen 
Pflichten in entsprechender Weise nachkommen‘, diese 
Meinung wurde von den Kapiteln dem apostolischen Nun- 
tıus auf seine Anfragen hin des öfizren ausgesprochen ?. 

Die Bischöfe überliessen die Seelsorge den Kapiteln, 
verweilten lange Zeit am königlichen Hofe und nahmen im 
Senat und in anderen politischen Versammlungen eine 
führende Stellung ein 3. 

Es ist daher leicnt begreiflich, dass diese Bischöfe 
keine Apostel Christi waren. Sowonl in moralischer wie 
in anderer Hinsicht gaben, sie dem Volke kein gutes Bei- 
spiel, sie erregten vielmehr durch ihren Luxus, ihre Hab- 
sucht und durch andere Laster im Volke grosses Aergernis. 

So wurden die Bischöfe wegen ihrer Ausschweifung>n 


1 Sumaryjny wypis z protokolow akiow Kapituly wilenskij olzr 
1501 do r. 1783, pazdziernika 22 przez i..w. Aawierego Bohrsza, 

Bibliothek von Vilnius, Saal B, Schrank 4, 146. 

Pralata Kantora Kapit. wilensk. uczyniony (sub an. 1557 et 1556). 

®2 Relacye Nuncyuszow I, 46. 

3 ‚Was ist das für ein Hirte, der nicht einmal seine Schäflein 
kennt und bei ihnen nicht wohnt, sondern sie jemand anderem an- 
vertraut, der um Wolle, um Milch zu ihnen schickt, selbst aber 
ihnen niemals Dienste erweist... Unsere Schuld ist es, und zwar 
eine grosse, geliebte geistliche Vorgesetzte und Hirten, dass wir das 
Wasser auffischen, um die Fische uns aber nicht kümmern, und dass 
wir bei unserem See und Teich nicht wohnen : die Fische sind in Li- 
tauen, der Fischer aber in Poten‘, so schreibt der berühmte Peter 
Skarga, Kazania niedzielna Li swiateezne. Na niedziele druga po 
Wielkiejnoev, na nielz. IV. po swiatkach. 


4 — 


ınit Recht mit allgemeiner Verachtung und mit Spott 
gestraft. 

„Ueber ihre Sitten ist es nicht nötig ein Urteil zu fällen: 
ihr Luxus, ihre Habsucht, ihr Stolz und ihre Hofart ist 
allen bekannt“, schrieb Frycz Modrzewski von den Bi- 
schöfen dieses Zeitalters '. 

Ein gewisser Mönch Vincentius, der in der ersten 
Zeit des XVI. Jahrhunderts den Ruin der Kirche be- 
klagte, charakterisiert die Bischöfe in folgender Weise: 
„Stolz, eitel, prahlerisch, simonistisch , unsittlich‘, die ih- 
ren Glauben an die irdischen Güter heften. Sie be- 
sitzen insoweit Glauben, als sie Einkünfte haben. 
Für die Kirche selbst sorgen sie nur sehr wenig. 
Sie besitzen keine Nächstenlieb2s, sind schwelgerisch, 
gelrässig, faul, weil sie nicht zelebrieren noch predigen, 
sondern Äergernis geben. Es sind weltliche Herren ohne 
Nächstenliebe, onne Frömmigkeit und ohne Frieden“ °. 

Es könnte jemand einwenden, die oben zitierten 
Zeugnisse seien vereinzelte und gingen nur aus Hass 
oder Neid hervor. Darauf ist zu antworten, dass derartige 
Zeugnisse keineswegs einzeln dastehen, sondern recht zahl- 
reich sind, und zwar haben nicht nur Laien, sondern auch 
kirchliche Personen, deren Glaubwürdigkeit über jeden 
Verdacht erhaben ist, in derselben Weise die Bischöfe 
jener Zeit geschildert”. Bemerkenswert ist besonders eine 


I Fririus Modrevius. De Republica emendanda. Basileae 1554 
p. 399. 
:? Prophetiae Daniclis prophetae tres horvibiles... a Vincentio 
orılinis praedicatorum vxplanatae Crac. 1527 fol. 5.) 
> Es existiert eine grosse Menge von Zeugnissen über «die verdor- 
bunen Sitten und die Pflichtvergessenheit der Bischöfe in Litauen und 
in Polen des KVL. Jahrhunderts. Ich zitiere hier nur einige Werke 
un! Manuskripte. in denen diese Zeugnisse besonders häufig vor- 
kommen 
Rovsius Petrus Maurus. Kanouikus der Kapitel von Kaunas 
und Vilnius (lebte im XVI. Jahrh.), Carmina 2. Bde (besonders: 


„Pontifex Sarmata’ und viele andere). 





99H _ 


Instruktion, die den Abgeordneten des Krakauer Kapitels für 
die Provinzialsynode, die 1551 in Petrikau abgehalten wur- 
de, mitgegeben ward!. Den in dieser Instruktion gegen die 


Czekanowski Sylvius, (lebte im XVI; Jahrh.) De corruptis moribus 
utriusque partis pontificiorum et evangelicorum. 

Ms. 168. XVI. Jahrh. Ossolineum Lemberg. Dazu viele nicht 
numericrtie. Msc. im Archiv der Priesierseminare zu Vilnius und 
Kaunas. 

Zukowiez. Kardinal Gosij (Hosius) i polskaja cerkov j2go vreme- 
ni S. 34 ff. 

Bukowski. Dzieje reformaceyi w Polsce I, 472 ff. 

1 Mit folgenden Worten schildert das Krakauer Kapitel im Jahre 
1551 die Bischöfe dieser Epoche: 

wegen ihres (der Bischöfe) Ehrgeizes, ihrer übergrossen 
Habsucht führen sie ein leichtsinniges Leben, sie, die ihr Amt, 
ihren Eid und ihre MHirtenpflicht vergessen. haben; sie sind 
uneingeldenk der Verdammung und des strengen Gerichtes (rottes, 
sie haben alle Sittsamkeit abgelegt und sind taub gegen die 
Gespräch: und Reden der Leute. Im Luxus bei Gelagen und Dirnen- 
gesellschaft, in fleischlichen Begierden und unzüchtigen Gedanken 
vernachlässigen sie ihre Bischofspflicht, sie suchen schmutzigen Ge- 
winn und treiben Handel. Kein Wunder, wenn die Bischöfe solche 
Leute sind, denn sie kennen die hl. Schrift und das kanonische 
Recht nicht: das Gesetz Gottes kennen sie überhaupt nicht und 
deshalb verstehen sie es nicht, sich selbst und ihre Untertanen 
zu leiten;... Verdächtige Priester, geächtete Häretiker, solche, die 
ihre Verirrungen gutheissen und ihnen nach dem Munde reden, 
nehmen sie auf, behalten die bei sich, nähren und pflegen sie. 
Die von der Kirche eingesetzten Feste, fromme Zeremonien und 
Fasten beobachten sie nicht; sie essen in der Fastenzeit öffentlich 
Fleisch mit den Weltleuten, sie reichen den Laien die Kommunion in 
beiden Gestalten ; sie lassen in der Kirche nur noch 3 Sakramente 
bestehen. alle anderen verwerfen sie. ...Man sagt, dass manche der 
bischöflichen Herren keinem Glauben und keinem Bekenntnisse an- 
hingen. Ihren Enkeln und Blutsverwandten, Knaben und ihren 
ungebildeten Dienern, Änalphabeten und solchen, die ein schlechtes 
Gewerbe treiben, auch Kupplern, geben sie die Priesterweihe. In 
niederträchtiger Weise verzehren sie ihre Einkünfte, das Almosen 
und das Brot der Armen. Bei Gastmählern, Gelagen und den aus- 
gesuchtesten Weinen tischen sie lukullische Mahlzeiten auf und das 
Kirchengut vorschleudern sie zu schlechten Zwecken ;, zum Vergnügen 


6 — 


Bischöfe erhobenen Beschwerden kann man vollen Glauben 
schenken, denn sie mussten öffentlich auf der Synode von 
den Kanonikern in Gegenwart derselben Bischöfe, die in 


errichten sie Bauten, kaufen ihren Buhlerinnen Häuser und be- 
schenken sie,... 

Der Erzbischof (N. Dzierzgowski, 1545—1559) gibt sich den 
weltlichen Sorgen für den Leib hin, er liest nicht die heiligen Schrif- 
ten, nicht den Kanon; nicht ‚die Provinzialstatuten ; des Morgens 
steigt er nicht aus dem Bette, sondern schläft bis in den Tag hinein. 
Nachdem er kurz das Messopfer gehört hat und die kanonischen 
Horen gebetet hat, isst er, richtet den Tisch üppig her und weilt 
beim Becher bis zur Trunkenheit. Nach dem Mittagsmahl verschläft 
er den Nachmittag, dann geht er zum Abendessen, dann schläft er 
wieder und wird vielleicht geliebt... Der Herr Erzbischof kümmert 
sich nicht um seine Pflicht, die Häresie auszurotten, die wegeh 
seiner Nachsicht von Tag zu Tıg an Krafi gewinnt und sich ver- 
mehrt. Die Priester, durch das lutherische Verderben angesteckt, 
lehren die Häresie und streuen sie allenthalben aus, sie gehen sakri- 
lege Ehen ein, beseitigen die Sakramente der Kirche, die hafilige 
Eucharistie treten sie mit Füssen, verbrennen sie, verspotten und 
beschimpfen sie, die Kruzifixe schlagen sie ab, zerbrechen sie und be- 
schimpfen sic auf mannigfache Weise, sie vergreifen sich an den 
Gütern der Kirche, sie drucken häretische Bücher und verbreiten 
sie unter den Laien, sie halten Zusammenkünfte der Häretiker 
und Gastmähler ab und setzen Verschwörungen gegen die Religion 
und die kirchlichen Stände ins Werk... Der Herr Erzbischof hält 
keine Vısitation weder in seiner noch in anderen Diözesen ab, er 
wacht nicht über das Leben, die Sittsamkeit, die Gelehrsamkeit und 
den Glauben seiner Mitbischöfe, die fast alle, mit Ausnahme von 
zwejen, oder sicher wenigen, sich mit solchen nicht alltäglichen Lastern 
befleckt haben... 

...Man erzählt sich, dass der hochwürdigste Bischof von Krakau 
(Andreas Zebrydowski, 1555—1560) die vierzigtägigen Fasten nicht 
halte, in disser Zeji Fleisch esse, die Spendung der Kommunion in 
beiden Gestalien für erlaubt erkläre, um! — es ist schrecklich zu 
sagen -- durch und durch Athrisi sei. Man berichtet auch, lass er 
öffentlicht gesagt habe, Moses, Mahomel un! Christus seien drei 
ausgezeichnete Betrüger gewesen, die die ganze Welt irregeführt und 
belogsen hätten..., die Untertanen des Bistums Cujawa soll er aus- 
geplündert haben.... Von ihm heisst es, dass er weder keusch noch 
vorsichtig lebe, dass er ein Frauenzimmer bei sich halte, von dem 


— 271 — 


der Instruktion angeklagt wurden, bekannt gemacht werden. 
Daher kann man behaupten, dass die Kanoniker voll- 
wichtige Beweise haben mussten, um jene Beschwerden zu 
bekräftigen. Ebenso zeigen auch die apostolischen Nun- 
tien in ihren Berichterstattungen und Briefen die Bi- 
schöfe Polens und Litauens im schlimmsten Lichte. Der 
Nuntius Lippomano berichtet z.B. in einem Briefe an 
Papst Paul IV., dass einige Bischöfe von der Häresie 
angesteckt seien, andere nur noch dem Namen nach 


ıhm eine Tochter geboren sei.... Desgleichen spricht man von Non- 
nen und anderen Frauen, denen er nachjage.... Es heisst bei den. 
Leuten, er habe sich das Bistum dadurch erkauft, dass er der 
Königin hierfür die Güter zu Wawrzynezyce gegeben habe. 

Der Bischof von Posen (Isdbienski, 1546—1553) wird der 
Räuberei und der Habsucht beschuldigt..yı Er soll die Testamente 
an sich reissen, fremden Geldes sich bemächtigen, rauben und nichis 
zurückgeben...” Die Kanoniker soll er, um das Geld .aus. ihrer Kasse 
fortzunehmen, exkommunizieren und selbst wiederum die Exkommuni- 
kation erfahren haben. Ueber sein sittliches Leben und seine Taten 
werden die Nuntii des Kapitels zu Posen berichten... 

„Man sagt, dass er (der Bischof von Plork, Norkowek 1516 
1567) mit heiligen Dingen sich nicht befasse, auf Erwerb unil 
Gewinn ausgehe, Handel treibe, Waren, Holz ja ganze Wälder zum 
Hafen von Danzig flössen lasse. : Er kenne die Pflicht eines Bischofs 
nicht und erfülle sie nicht, er spreche meist wie ein Possenreisse:, 
sehe selten seine XKathedralkirche, meide sie, aber diese £Er- 
scheinung finde sich bei allen Bischöfen. Er soll nur Rechnungs- 
bücher haben, für die Kathedralkirche gar nicht sorgen,... es sollen 
gute Fahnen, Chorgestühl, eine‘ Orgel, Bilder, ein Ziborium in der 
Kathedralkirche fehlen, die meisten Priester sollen ein lockeres 
Leben führen, keine Bücher lesen noch haben... 

Der Bischof von Cujawa (J. Drohojewski, 1551—1557) soll 
lutherische Gottlosigkeit und ruthenisches Schisma in sich vereinigen. 
Um die Bestimmungen der römisch-katholischen Kirche soll er 
sich nicht gekümmert haben, die vierzigtägigen Fasten nicht beo- 
bachtet, zur Fastenzeit mit seiner Dienerschaft und allen, die zu 
ihm öfters kamen, Fleisch gegessen haben. Die Leute sollen unter 
beiden Gestalten kommuniziert haben, die Sakramente der Kirche 
soll er, ausser dreien, über Bord geworfen haben, da sie Erfindungen der 
Menschen und des Satans seien ; er sagt, dass der heilige Geist allein 


— 38 — 


Bischöfe seien!. Commendoni (von 1563—1564 Nuntius) 
schildert die Bischöfe in seinen Briefen ebenfalls in 
den schwärzesten Farben und nennt sie habsüchtig, da sie 
keine andere Sorge haben, als nur ihre Einkünfte zu ver- 
mehren ; ferner nennt er sie neidisch, da der eine gegen 
den anderen mit Hass erfüllt sei; auch seien sie befleckt 


von anderen Schandtaten, sodass sie Atheisten zu sein 


scheinuen.? | 


Selbst König Sigismund-August sagte dem Nun- 


vom Vater ausgehe, nicht vom Sohne. Er hat mit den Häretikern 
Verkehr und duldet sie bei sich. 

„....Der Bischof von Kamieniec (Leonhard Sloncezewski, 1547 — 
1563 soll Lutheraner sein. ‚..J.Der Bischof von Cholm (Uchanski, 
1551—1557) soll Lutheraner sein, er liebt nur häretische Bücher. 
..\er verwirft die Riten der katholischen Kirche, beseitigt die 
Verehrung und Anrufung der Heiligen.... bei den Gesängen „Salve 
Regina” und „Regina ceoeli laetare‘ hält er die Ohren zu. Er ver- 
kehrt mit Häretikern. In einer Versammlung sagte er drohend: 
„Ball werde die Kirche in Polen durch ihn im Verein mit den 
anderen Bischöfen eine Aenderung und Verbesserung erfahren“... 

Er war es, der Cosminus und Discordia nach Litauen schickte, 
die den Hof des Königs und ganz Litauen ansteckten... Auch be- 
zahlte er seine Schulden nicht gern, wie auch die anderen Herren 
Bischöfe, was (die Bischöfe so verächtlich machte, dass unter den 
Adeligen das Sprichwort aufkam: „Kto jedno zostanie biskupem, 
Jakobv zelazny list wzıal‘. (Bischof werden ist gleichbedeutend 
mit Empfang einss Freibriefes für Schulden). 

Weren unserer und besonders der Bischöfe schlechten Sitten und 





Handlungen, kommt Gottss gerechter Unwille und die Anfeindung 
des Klerus. Instruetto Nemteis capituli Cracoviensis ad synodum a. 
1551 data. (Acta Historica I, 477—484.) 

Wenn auch ın dieser Instruktion die litauischen Bischöfe dem 
Namen nach nicht genannt sind, so zeigt der Text deutlich genug. 
dass (die Ankläger den ganzen polnisch-litauischen Episkopat ohne 
jele Ausnahme im Sinne hatten. 

'Lippomani nuntii Apost. epistola ad Paulum IV 1556 (Relae. 
Nieneyuszow I, 26). 

" AlbertranUi-Malnowski. Pamietniki o dawnej Polsce obejmujace 
listv J.F. Commendoniego. Vilnius 1851, I. ss. 16, 44. 56, 57, 74, 
«tr, 122, 205,250. IE ss, 17, 18, 24, 33, 36, 56, 99, 111. 


19 — 


tius Commendoni einmal folgendes : „Diese Bischöfe be- 
suchen oft die Kirche und wohnen der Messe bei und hörem 
Predigten, aber dennoch weiss ich nicht, welchem Glauben. 
manche von ihnen angehören“ 

Einige Zeitgenossen erzählten von den Bischöfen jener: 
Zeit so Verbrecherisches und Schändliches, dass ich ihre 
Zeugnisse hier anzuführen Bedenken trage, um beim Leser: 
nicht zu grosses Aergernis zu erregen.? | 

Nunmehr soll geschildert werden, wem und was für 
Leuten in dieser Epoche die Würde eines Bischofs ver- 
liehen zu werden pflegte. 

Schon früher erwähnte ich (8. 20), dass sowohl ın 
Polen wie in Litauen die Bischöfe vom Könige (oder vom. 
Grossfürsten), eingesetzt wurden und dann vom apostoli- 
schen Stuhle die Bestätigung erhielten. 

Solange ‘diese Art der Wahl in Geltung war, gab es 
für die verschiedensten Ränke, Missbräuche und simonis- 
tischen . Komplotte die reichste Gelegenheit, die man sich 
denken kann. 

Auch wenn das Staatsoberhaupt würdige Karen 
erwählen wollte, wie hätte es solche finden können? Denn 
alle, die ersten Magnaten nicht ausgenommen, strebten nach 
den hoher Ehrenämtern mit ihren grossen Einkünften ®. 
Was Wunder also, wenn nicht die würdigsten,, sondern 
die vornehmsten, einflussreichsten und am meisten be- 
günstigten Persönlichkeiten, besonders die Höflinge die: 


I Albertrandi-Malinowski, I, 56. 

? Ozekanowski Sylvius, De corruptis moribus utriusque partis. 
catholicorum scilicet et haereticorum (1568). 

Ms. in der Bibliothek des Priesterseminars zu Vilnius. 

Acta. capituli Poznaniensis a. 1539. (Acta Historica XIII.) 

3 Cromerus, Polonia sive de rebus gestis Polonorum. Coloniae: 
Agrip. 1589, Seite 376 £. 

Relac. a ai Relac. o Polsce przez A. Lippomano z.r.. 
1557, I, 67. | 
— Opis Polski przez Fulv. Ruggieri w. r. 1565, I, s. 162 f£. 

4 Wodrewius. De re publica emendanda p. 339. 


=, Gi: ge 


Bischofstellen erhielien!. So erklärt es sich, dass zu 
dieser Zeit die Bischöfe tatsächlich keine Seelenhirten, 
sondern mehr Staatsräte und oberste Beamte des Reiches 
waren. Das Staatshaupt sah denn auch bei der Er- 
nennung der Bischöfe nicht so sehr auf die einem Seelen- 
hirten notwendigen Tugenden, nicht .auf ein christ- 
liches Leben, sondern vielmehr auf ihre Kenntnisse in 
Rechtsachen, auf das diplomatische Geschick, und auf 
andere den Staatsbeamten notwendige Eigenschaften. Des- 
halb wurden auf den obersten Bischofsitz sehr oft Reichs- 
sekretäre erhoben ? 

Die unheilvollste Zeit für die Kirche in Polen und Li- 
tauen brach herein, als Königin Bona während des Grei- 
senalters König Sigismund I. die Leitung des Reiches an 
sich riss. Jetzt wurde die schändliche Sitte des Ver- 
kaufs der Bischofstellen eingeführt °. 


1 Derselbe in demselben Werke: 

„Qui (Episcopi) ad summos ecclesiae honores ex aulicis anal 
pervenere suis et suorum rebus magis consulere consueverunt, quam 
ecclesiae. Praefmium enim }aulicorum operum episcopatus esse sta- 
tuunt. Itaque et ipsa sacerdotia conferunt praemii loco cum minis- 
tris suis, tum consanguineis et amicis.... quorum nonnullos ornant fere 
ab ipsis incunabulis“‘ p. 339. 

2 Korzeniowski, Analecta Romana, (Script. Rerum polonic. XV) 
10 ff. 

Theiner, Monumenta Poloniae et Lithuaniae, II, 589. 

3 Damalewiez, Series Archiepiscoporum Gnesensium. Varsaviae 
1649, p. 297, 301. 

„Nihill tum temporis aulae polonicae fuit familiarius, quam 
auro praediis episcopatus venire, labeque simoniae sibi non cavere, a 
qua labe et turpitudine prorsus aula polonica nunc est libera sub 
Sigismundo III.“ Mss. Bibliothek zu Wien (Ossolinski, Wiado- 
mosci historyczno krytyczne IV. 291.) 

„Die Königin Bona trat heftig gegen den Bischof (Zebrzydowski) 
auf und sagte: „Du, du, der du ein Bistum kauftest. Worauf der 
Bischo? erwiderte, dass es käuflich gewesen sei.“ Bei Gornicki, Dzieje 
w koronie Polskiej S. 140, 177. 

Zukowiez, Kardinal Gosij (Hosius) i sollen cerkov jego vre- 
meni S. 39. 


= al. we 


Dazu kam, dass sehr oft Versetzungen von einem Bi- 
schofstuhl, den man angeblich für schlecht hielt, auf einen 
besseren vorkamen. Die Bischöfe, die auf einem schlech- 
ten Bischofstuhl sassen, gingen darauf aus, möglichst bald 
einen besseren zu erhaschen, weswegen sie sich um ihre 
Diözesen sehr wenig bekümmerten.! 

Fassen wir alles bisher über die Bischöfe Gesagte 
zusammen,so sehen wir, dass die Verhältnisse und Umstände 
derart waren, dass nur die erprobtesten Seelenhirten 
ihre Tugend unverletzt bewahren und ihr Hirtenamt. 
gut verwalten konnten ; aber leider Gottes gab es nur 
sehr wenige solcher Vorsteher. Trotzdem wage ich 
nicht zu behaupten, dass alle Bischöfe völlig ver- 
dorber und gleich schlecht gewesen seien. Im Gegenteil 
muss man annehmen, dass es unter den schlechten auch gute 
gegeben hat, wenn auch nur selten. Sodann darf man nicht 
glauben, dass jene, von denen die Geschichte bezeugt, 
dass sie überaus schlechte Männer waren, nun auch gänz- 
lich jeder guten Eigenschaft bar gewesen seien. Man kann 
leicht nachweisen, dass auch: von den schlechtesten Bischöfen 
nicht wenig Gutes getan worden ist. Alle schlechten 
verharrten auch nicht immer verblendet in ihrer Schlechtig- 
keit. Zumal beim Herannahen des protestantischen An- 
sturmes kamen viele wieder zur Vernunft. Gegen Ende des 
XVI. Jahrhunderts sehen wir unter den litauischen Bi- 
schöfen Männer, die vom apostolischen Eifer beszelt waren, 


Instructio Nuneiis capituli Cracoviensis ad Synodum a. 1551 data 
in Actis Historicis I. p. 481, 

ı Modrzewskä, Liber de hominis libero arbitrio. (Ossolinski, 
wiadomosei historyczno-krytyezne IV, S. 131). ‚Item eponendum 
suae Re Sti, quod bona mense episcopalis pessumdantur et destruun- 
tur propter frequentem transmutationem episcoporum Aspirantium 
ad ma;jores et pinguiores dignitates“. Articulli cum Dno Eppo 
tractandi 1537 Juli 3. (Acta Historica XIII.) 

Zükowiez, Op. eit. S. 39. 


u 59: 


wie Melchior Gedraitis (Gedroje), der wegen seines Eifers-. 
und seiner Heiligkeit noch heute gefeiert wird. 

Wollen wir aber die Wahrheit gestehen, so müssen 
wir sagen, dass zu Anfang des XVI. Jahrhunderts die 
meisten Bischöfe wie in ganz Europa, so auch in Litauen 
von ihrem hohen Berufe  abgeirrt und in dem Sumpf 
der Laster versunken waren. De 

Sehen wir uns nun die einzelnen litauischen Bischöfe 
etwas näher an, die zu dieser Zeit die Kirche regierten. 

Den Primat unter den litauischen Bischöfen hatte der 
Bischof von Vilntus. Er war der erste im Senat und hatte 
ın Litauen: denselben Rang wie der Primas von Gnesen in 
Polen, auch wenn er keine Jurisdiktion über die andern Bi- 
schöfe ausübte.! Von seinem ungeheuren Reichtum hörten 
wir schon.?2 ‚Ein pompöser Hofstaat, ganz wie der eines 
Fürsten eingerichtet, umgab ihn.? 

In der Epoche, die ich behandle, hatte zuerst Albert 
Radvila (Radzivill) (1508—1519), der aus der hochad- 
ligen Familie der Radvila stammte, den Bischofstuhl von. 
Vilnius inne. Ueber sein Leben und seine Tätigkeit wissen 
wir sehr wenig, da die verschiedenen Autoren ihm Ver- 
schiedenes zuschreiben und sich auf keine glaubwürdigen 
Quellen berufen ; alle erheben ihn jedoch mit Lobsprüchen 
und berichten, dass er gegen die Armen freigebig gewe- 
sen sei.t 





I Narbutt. Dzieje narodu litewskiego VIII. S. 145, 291, 455. 
IX, S. 294. 

2 Seite 23. 

3 Lappo. Welik. Kniazestvo Litovskoje S. 50. 

t Kojalowiez. Miscellanea rerum ad statum ecclesiasticum in 
M.D. Lit. pertinentium. Vilnae 1650, p. 78. 

Naramowski, Facies rerum Sarmaticarum Lib. 1I. Vilnae 1726 
p. 355. 

Rzepnicki, Vitae praesulum Poloniae et M.D. Lit. Posnania 1762, 
II. 8. 179 f. 

Przyalgowski, Zywoty biskupow wilenskich. 

Petersb. 1861, I, S. S9—102. Da alle diese Autoren viel jün- 
geren Datums sind als die Epoche, die hier behandelt wird, und da 


„2.89 


Johannes, der Nachfolger Radvilas, mit dem Bei- 
namen „de Ducibus Lituaniae‘“‘ war der leibliche Sohn 
König Sigismunds I. (1519—1536). 

Dieser Bischof war bei allen sowöhl wegen seinsr 
Jugend (er war 21 Jahre alt, als er den bischöflichen 
Stuhl bestieg), als auch wegen seiner etwas dunklen Her- 
kunft so unbeliebt, dass beim apostolischen Stuhle gegen 
ihn viele Klagen einliefen. Deshalb bestimmte Gross- 
fürst Sigismund II. auf Betreiben des Papstes dem jungen 
Bischofe zwei andere Bischöfe (die von Krakau und Lu- 
ceoria) als Vormünder !. 

Und dieser schwächliche und furchtsame Jüngling, 
der bei seinen Untergebenen überhaupt keine Autorität 
hatte, sollte den äusserst erbitterten Kampf mit dem 
protestantischen Ansturm aufnehmen ! 

Bischof von Samogitien war beim ersten Auftreten 
des Protestantismus Nikolaus Radvıla, ein Sohn des Her- 
zogs- Nicolaus zu Goniadz (1514—1522). 

Stolz, gierig nach Reichtum, wollte er die Güter seines 
Kapitels, die er sich in seiner Anmassung unrechtmässig 
verschafft hatte, trotz seines Ueberflusses an Reichtum 
nicht zurückerstatten. Wegen seines Hochmutes und seiner 
Habgier bei allen verhasst, starb er nach einer unglück- 
lichen, siebenjährigen Regierung”. Nach seinem Tode 


sie sehr wenige zeitgenössische Zeugnisse, um nicht zu sagen, gar 
keine anführen, so darf man ihnen nur vorsichtig Glauben schenken 
und da: um so mehr als sie alle Bischöfe, besonders die von Vilnius 
ohne Unterschied zu loben pflegen. Denn die Jesuiten verschwiegen 
aus Eifer für den katholischen Glauben und um den guten Ruf der 
Kirche gegen die Protestanten zu schützen die schlechten Taten der 
Bischöfe und brachten nur Gutes, entweder Wahres oder Erdichietes. 

1 Kojalowiez, 78. 

Naramowski, II, 356. 

Rzepnicki, II, 129 £. 

Przyalgowski, I, 102 ff. 

2 Kojalowiez, Miscellanes rerum, S. 85. 

Naramowski, Facies rerum Sarmaticarum II, S. 532. 


— 4 — 


b!ieb der Stuhl von Samogitien aus unbekannten Gründen 
zehn Jahre lang unbesetzt ; die Diözese regierte unterdessen 
der Kanonikus Taliat (1522—1531).1 Ueber das Leben und 
die Tätigkeit dieses Verwesers wissen wir bestimmt nur 
das Eine, dass während seiner Amtstätigkeit sich in Sa- 
mogitien die protestanistche Lehre zu verbreiten begann. 

Wir sehen also welche und was für Führer es waren, 
die die katholischen Truppen zum Kampfe gegen den neuen 
Feind führen sollten. 

Die nächsten Gehilfen und Ratgeber der Bischöfe 
waren die Kapitel. | 

‚Ich will nicht von der weltlichen Gewalt der Kapitel 
reden, denn diese war in der Regel gleich Null. Nichts- 
destoweniger haiten sie wegen der oft hervorragenden 
Gelehrsamkeit ihrer Mitglieder?, wie auch wegen ihrer 
kirchlichen Würde und ihres Reichtums einen nicht zu 
unterschätzenden ‘Anteil am sozial-politischen Leben, und 
sie verschafften sich mitunter eine so grosse Autorität,.dass 
sie zuweilen keine Bedenken trugen, den Bischöfen, ja 
selbst den Königen und Päpsten sich zu widersetzen. Be- 
kannt ist das Beispiel des Kapitels zu Vilnius, das sich 
weigerte, den von König Sigismund Ill. erwählten und vom 
Papste bestätigten Bischof Maciejowski, da er Pole war’, 


Rzepnicki, Vitae praesulum Poloniae III, S. 29 f. 

Wolonczewskis, Zemaijtiu wiskupiste I, S. 7T7ff. 

1 Wolonczewskis, 82. r 

2 Sc schrieb z.B. Roysius Maurens, Kanoniker zu Samogitien und 
Präla. zu Vilnius, vorher Professor der Rechte an der Universität Kra- 
kau, der vom Könige Sigismund und August selbst hoch gechrt war, 
‚„Decisiones lituanicae‘“, „Chiliasiicon“ und viele andere Gedichte, 
„Statua Capituli Samogitiensis“. S. Golebiowski. Czasy Zygmunta 
Augusta, I, S. 226 f. Ebenso Domaniewski, und Narkustlis, später 
Bischöfe von Samogitien (Roysius, Deeisiones Lituanicae S. 280) 
und viele andere. 

3 Das litauische Recht schloss von den Aemtern alle Ausländer 
selbst die Polen aus. 

Dabkowski, Sianowisko cudzoziemeow w prawi2 litewskim. Lwow 


1912. 


in die Kathedrale zu Vilnius einzulassen. Nachdem das 
Kapitel die Grossen auf seine Seite gebracht hatte, blieb 
es selbst dem König und auch dem Papste gegenüber Sie- 
ger !. 

Was die wirtschaftliche Lage der Kapitel anbelangt, 
so gehörten ihnen ziemlich beträchtliche Güter. So nannte 
das Kapitel zu Vilnius ungefähr 20 grosse Grundstücke, 
15 gemauerte Häuser und viele Plätze in der Stadt 
selbst sein eigen.”2 Bekanntlich waren die Güter des 
Kapitels zu Samogitien zwar kleiner, aber immerhin noch 
bedeutend genug°. 

Im Allgemeinen waren die Kapitel so wohlhabend 
dass ihre Mitglieder ein frohes, angenehmes, ja vergnüg- 
ungsreiches Leben führen konnten. 

Fragt man aber nach dem sittlichen Leben der Kapitel 
in dieser Epoche, so müssen wir darauf antworten, dass es 
kein gutes war. In den Akten des Kapitels zu Vilnius aus 
dem XVI. Jahrhundert befinden sich Berichte, aus denen 
hervorgeht, dass unter den Kapitularen besonders wegen der 
Güter dauernd Hass, Eifersucht, Zank und Streit herrschte. 

Hier befinden sich Dekrete gegen die Kanoniker als 
Sittenverderber, auschweifende und dem Trunke ergebene 
Leute. Indiesen Erlassen beklagt sich das Kapitel gelegent- 
lich über den Verfall der Sitten bei den Klerikern, das 
Kapitel nicht ausgenommen, gleichzeitig ermahnt es die 
Kanoniker, sie möchten nicht durch das Beispiel ihres 
schlechten. Lebens dıe Menschen ins Verderben führen ®. 





I Opisanje ruskopisnago otdielenia Wilenskoj .publienoj biblio- 

teki. I, S. XVI—XVII, 70—73, 88 161—163. 186, 187, 188. 
Przyalgowski, Zywoty biskupow wilenskich. II. S. 28 f. 

Bohusz, Summaryjny wypis z 'protokolow aktow Kapituly wilensk, 
(aus den Jahren nach 1594, 1596, 1597). 

? Wizyta kosciota Katedralnego wilenskiego Mss in der Bi- 
tliothek von Vilnius Saal B, Schrank 53, 1, SS XVII f, No 139, 149, 
141 ff. 

Kraszewski, Wilno od jego poczatkow do r. 1750, III, S. 11 f. 

8 Wolonczewskis, Zemaijtiu wiskupiste I, S. 56 ZT. 

Ms. Zongollowiez, Historia capituli Samogitiensis MS. S. 1—3. 

* Ms Bohusz, Summaryjny wypis z protokolow Kap. wiienskiej 


u. 6 


Aber auch das Kapitel von Samogitien gab durch 
seine Sitten kein gutes Beispiel. 

„Da wir in Erfahrung brachten, dass einige Kanoniker 
der Trunkenheit ergeben sind, andere wieder Sklaven der 
schmutzigen Leidenschaft, so mahnen wir Euch Brüder 
durch die Liebe der göttlichen Barmherzigkeit, dass ihr 
Euch der ärgerniserregenden Handlungen enthalten möch- 
tet“,... schreibt der Bischof von Samogitien Domaniewski 
(1556—1563) an sein Kapitel !. 

Sehr oft wurden zur Würde eines Kapitulars minder- 
jährige Jünglinge, Söhne der "Aristokraten, erhoben, die 
gewiss keineswegs durch Seeleneifer, sondern durch das 
Verlangen nach Würden und Reichtum zum Klerikerstand 
hingetrieben wurden. Diese hatten öfters nur die Sub- 
dıakonats- oder Diakonatsweihe, sie gelangten auch ohne 
besondere Anstrengungen zu verschiedenen Würden und 
führten ein unnützes, vergnügtes Leben ?. Ausserdem war 
es Sitte, dass die Mitglieder des Kapitels nicht vom Kapitel 
selbst oder vom Bischof, sondern vom König gewählt 
wurden. Aber der König gab die Kapitularwürde, die 
meist sehr grosse Einkünfte mit sich brachte und weiter 
mit keinem Amt verbunden war, nicht würdigen Prie- 
stern, sondern ihm genehmen Personen, auch Lairn. 
So gab Sigismund-August ein Kanonikat zu Vilnius als. 


vora Jahre 1550, 1555, 1557, 1571. 1575, 1580, 1584, 15%D0, 
1541, 1592. 1596, 1597. 1598, 1601, 1602, usw. in der Biblio- 
thek von Vilnius Saal B, Schrank 4, 146. In den anderen en 
von Poicı: war es nicht besser, siehe: 

Acta capiluli Poznaniensis vom Jahre 1542—1549, S. 109117. 
123, 124, 137, 139, 162—170, 182—184, 199, 201, 203, 206, 
214, 215—216, 222, 234, 237, 238,239, 307—310, 312, 316, 317. 

(Acta Historica XIII B.) „Abscheuliche Unsittlichkeit, Trunk- 
sucht, Grausamkeit und andere Laster‘. 

1 Manuskript in der Seminarbibliothek zu Kaunas, (noch nicht 
Braune): | 

? Bohusz, im zitierten Manuskript unter dem Jahre 1596. 

Albertrandi-Malinowski Listy Commendoniego II, S. 6. 


u I, 


Lohn einem Arzte, der seine Mutter in bestimmter Zeit 
geheilt hatte. 

Dennoch scheinen die Kapitel nicht gänzlich von 
der Verderblichkeit angesteckt gewesen zu sein. Wir 
wissen, dass neben den schlechten. nicht selten fromme 
Leute gewesen sind, die in diesem Wirwarr der Verderbt- 
heit noch nicht alle gute Eigenschaften verloren hatten. 
Die apostolischen Nuntien loben die Kapitel, denn siefanden 
nur unter den Kapitularen Gehilfen für ihre reformatori- 
sche Tätigkeit’. 

Während der Bischof, durch die Politik in Anspruch 
genommen, fern von seiner Residenz weilte, übernahm das 
Kapitel das Hirtenamt, suchte die Sittlichkeit unter dem 
Klerus, seine eigenen Mitglieder nicht ausgenommen, zu 
bessern und benachrichtigte den Bischof von dem drohenden 
Unheil. Zuweilen trug es kein Bedenken, seinem Vorsteher 
wegen seiner Nachlässigkeit in kirchlichen Dingen und 
wegen seiner schlechten Sitten Vorhaltungen zu machen °. 

Wenden wir uns nun den Pfarrern oder Kuraten und 
deren Vikaren zu. 

Die finanzielle Lage der Pfarrer oder Kuraten in 
Litauen kann im allgemeinen als gut bezeichnet werden. 

Denn die frommen Könige, Magnaien und sonstigen 
Adeligen, die den Priestern aus ihrer Armut heraushelfen 
wollten und um das Heil ihrer Seelen besorgt: waren, wandt- 
en der Kirche viele ansehnliche Vermächtnisse zu *. Ein! Blick 
in die alten Nachlassinventare zeigt, dass jede Kirche we- 


1 Balinski,, Studia Historyezne, II, 88. 

2 Albertrandi-Malinowski im zitierten Werke TI, S. 14; II, 309. 

Relacye Nuncyuszow I, S. 45. 

Acta Historica I, Instructio S. 477 MM. 

3 Bohusz, Summaryjny wypis etc. aus den Jahren 1550 und 
1560. : 

Instructio (Acta Historica I, S. 477). 

4 Relacye Nuncyuszow I, Seite 110, 164. 

Przyalgowski, Zywoty biskupow wilenskich I, Seite 18, 35, 39, 
415. 49, 55—57, 61-64, 67—69, 73—76, 79, 82--87. 


Br 


nigstens ein Grundstück nebst Bauern besass.! Die Vikare 
der Pfarrer waren hierin weniger glücklich, denn, da es 
keine gesetze gab, welche die Einkünfte der Vikare .fest- 
setzten,? so waren diese dem Gutdünken der Pfarrer über- 
lassen und gerieten oft in bittere Not.3 ' | 

Viel schlechter war die Lage des Klerus hinsicht- 
lich der :Bildung. Sieht man die historischen Schriften 
dieser Epoche durch, so findet man sehr häufige Klagen 
über die Unwissenheit der Kleriker *. | 

Junge Leute wurden ohne vorherigen Schulbesuch or- 


Wolonczewskis, Zemaijtiu wiskupiste 1,S. 57—62, 73, 274—331. 

Einige Pfarrbenefizien waren so reich ausgestattet, dass sie 
grössere Einkünfte als manche Bistümer einbrachten. Zum Beispiel 
brachte das Benefiziat der Kirche zu Gieranony (Diözese Vilnius) un 
gefähr 20000 Goldfloriner ein. Przyalgowski I, Seite 35. 

l Die ältesten Vermögensverzeichnissee kann man in der Bibliothek 
zu Vilnius finden (Saal B, Schrank 53), aus denen hervorgeht, dass 
viele Benefizien vier, fünf, sieben, ja bis zu zehn Güter mit den an- 
sässigen Bauern ihr Eigen nannten. 

2 Solche Gesetze, die speziell die litauischen Diözesen berücksich - 
tigen, habe ich nirgends finden können. 

„Oft erhalten wir Beschwerden von den Vikaren, dass ihnen 
von seiten der Pfarrer Unrecht geschehe‘‘, schreibt Georg Radvila, 
Bischof von Vilnius (1581—1591). Manuskript in der Seminarbiblio- 
thek zu Vilnius. 

% Relacye Nuncyuszow I, Seite 47 f. 

Prophetiae Danielis tres horribiles de casu ruinae vitae spiritualis 
etc. fol. 6. | 

Instructio capituli Cracoviensis ad synodem 1551 an. data (Acta 
Historica I, 490, 491, 492). 

Albertrandi-Malinowski Listy Commendoniego II, Seite 11. 

Wolonczewskis, Zemaijtju wiskupiste II, S. 6. 

Zukowicz, Kardinal Gosij (Hosius) S. 169. 

Liubowicz, Nacalo Katoliceskoj reakeii i upadok reformacionnago 
dvizenia w Polsche, 8. ,9. 

Andreae Fryeii Modrevii, De re publica emandanda, libri quinque 
Basileae 1554. „Inscitia presbyterorum doctrinae religionis summa: 
Populi tamquam ovium sine pästore errores innumeri, luporum grassa- 
t1o; haereticorum impetus et incursiones, nemine scilicet eos pro- 
hibente a caulis . Dominicis‘‘ S. 339. 





539 — 


diniert, nachdem sie ein wenig Lesen und Schreiben ge- 
lernt hatten und ein bischen in den nötigsten kirchlichen 
Dingen unterrichtet 'worden waren!. Es gab nämlich weder 
Seminare, noch überhaupt in ganz Samogitien kaum eine 
Elementarschule!. :In der Diözese Vilnius hat ausser der 
Domschule, die wahrscheinlich ° exisiierte, kaum eine an- 
dere Schule bestanden *. 

Die Verderbnis, die wir bis zu den höchsten Stufen 
der kirchlichen Hierarchie hinauf beobachten können, war 
in die niederen Schichten noch mehr eingedrungen. Ein 
katholischer Autor dieses Zeitalters gibt folgendes wahr- 
scheinlich etwas übertriebenes Bild von dem Klerus seiner 
Zeit : 

„Die Priester fischen heutzutage nach‘ Ehren, aber 
keineswegs nach guten Sitten. Denn sie selbst sind un- 


1 Przyalgowski, I, S. 150. 

Wolonczewskis, II, S. 6 £. 

In den Quellen finden wir Klagen, dass die Kleriker nicht nur 
selbst Analphabeten gewesen seien, sondern dass sie auch andere ge- 
lehrte Leute und sogar die Bücher hassten: „Literatos homines et 
doctoes morumque sinceritate commendatos oderunt, persequuntur e 
medio sublatos connituntur... Si librum in mensa vel scammo eru- 
ditum videant, se putant ignem infernalem ardentem videre ; si doctum 
virum ac probum, conscientiae suae carnificem cernere...‘ 

Czekanowski Sylvius, De corruptis moribus utriusque partis ete. 
Sace. XVH. 

2 Wolonczewskis, Zemaijtiu wiskupiste II, S. 7 f. 

3 ‚Wahrscheinlich‘ sage ich, weil sichere Zeugnisse nicht ange- 
führt werden können. 

* Lukaszewiez Historya szkol w Koronie i W. Ks. Lit. I, Seite 
66, Note 3. 

Kraszewski, Wilno od poczatkow jego do voku 1750, IV,S. 4f., 42. 

Albert Gasztold, Karvede zu Vilnius glaubte auf Betrieben eines 
Magisters der Künste, Georgius eine Schule für Adelige gründen zu 
müssen ‚und erbat hierfür im Jahre 1537 vom Kapitel zu Vilnius 
die Erlaubnis. Aber das Kapitel bestimmte, dass die Erlaubnis hierzu 
nicht erteilt worden dürfe, aus welchem Grunde wissen wir nicht 
(bei Kraszewski 1. eit.). Während in Litauen so wenig Schulen waren, 
tindet man in Polen in den grösseren Städten wie auch bei jeder 
Pfarrkirche Schulen (Lukaszewiez, op. eit. I, 67). 


— 40° — 


wissend, von sich eingenommen und spotten über die an- 
deren. Sie sind Idioten, Heuchler, neidisch auf die Ge- 
lehrten, habsüchtig, simonistisch, schlimmer als die Juden, 
unsittlich, neidisch, unrein und geben der ganzen Welt 
ein Aergernis. Wenn es sich um Geld handelt, sind sie 
schnell dabei, sonst aber sind sie für die Tugenden gar 
nicht empfänglich. Sie sind grausam und ohne Mitleid, 
bedienen sich viel der Waffe und wenig des Brevieres ; 
sie sind hartnäckig und geschwätzig, aber keineswegs wahr- 
heitsgetreu. Es freut sich das christliche Volk, wenn es 
unter tausend einen frommen findet“ '. 

In gleicherweise klagen die Kapitel in ihrer Antwort 
ım Jahre 1550 an den! Apostolischen Nuntius: „...wie beim 
Weltklerus sehen wir auch bei den Ordensleuten eine grosse 
Verkommenheit der Sitten. Ueberall sehen wir Luxus, Pomp. 
Habsucht, Leidenschaften und Faulheit“ ?. 

Der Bischof Hosius trug kein Bedenken auf der Sy- 
ıode zu Petrikow im Jahre 1551 öffentlich zu versich- 
ern, dass alle Kleriker das Reich Christi verlassen und 
das Reich des Satans aufgesucht hätten >. 

Michailo, der Geschichtschreiber von Litauen vor 
der Mitte des XVI. Jahrhunderts, ein guter und 
durchaus glaubwürdiger Katholik, beklagt den. Fall der 
litauischen Kleriker folgendermassen : „Durch die Gasi- 
mähler verweichlicht, brennen sie in beständiger Leiden- 
schaft und halten sich deswegen Konkubinen. Nichts- 
destoweniger legen wir den Mietlingen die Pflicht auf 
Gott zu loben; aber sie erregen vielmehr den Zorn 
Gottes durch ihre verdorbenen Sitten, als dass sie ihn 
besänftigen. Indem sie dieses Amt den nachlässigen 
Vikaren anvertrauen, huldigen sie selbst dem Nichts- 
tun und der Sittenlosigkeit. Was das Volk durch seinen 
Fleiss verdient, das verzehren sie, indem sie gross- 

I Prophetiae Danielis ete., fol. 6. 

? Relacye Nuncyuszow I, 48. 

® Reseius St. Hosii vita 1. I, e. XVII. 

(Acta Historiea IV, p. 22 


2 | 


artige Gelage veranstalten und sich üppig kleiden ; schon 
als Minderjährige häufen sie mehrere kirchliche Benefizien 
an und beschäftigen sich nur mit weltlichen Dingen, die 
ihnen keineswegs entsprechen. 

Sie sind nicht zufrieden mit dem Zehnten und den 
Einnahmen, die sie für die Vergebung der Sünden er- 
halten und mit anderen Einkünften, die sie sowohl von 
Reichen als auch von Armen, von Neugeborenen, von Hei- 
ratenden, von Kranken und Toten erzwingen. Damit 
noch nicht zufrieden, streben sie sogar nach reichen Bene- 
fizien, obwohl sie schon mehrere innehaben. Sie besitzen 
mehrere Kirchen und können nicht in jeder residieren oder 
sie aufsuchen, ja sie bekommen sie manchmal kaum zu 
sehen‘. ! 

Dass die Trunkenheit besonders unter den Klerikern 
verbreitei. gewoszu ist, bezeugen die meisten zeitgenössischen 
Berichte. 

Die Bestimmungen der Synode zu Leczyca vom Jahre 
1547 enthalien unter anderen folgendes : „Die Priester sind 
die grössten Trinker und beständig berauscht ; den ganzen 
Tag sitzen sie in Gasthäusern, spielen Würfel mit Trinkern 
und Frauen, wobei nichts Ehrbares gehört oder gesagt wird. 
Sie trinken bis über Mitternacht hinaus. Von da gehen 
sie, ohne dass der Rausch vergangen wäre, zurhl. Messe‘ ?. 


1 Mermuary olmosiasciasia k istorii juznoj Russi, Kiev 1890. 
(Michailo Litwin) S. 57 £. 

?2 Decreta synodi provincialis Laueiciensis, (Acta historica I.) 

Ein durchaus zuverlässiger zeitgenössischer kaiholischer Schrift- 
steller gibt uns ein Bild von dem sittlichem Zustande der Kle- 
riker: ‚Pro honesta sanctioris vitae devotaque conversatione cen- 
taurica barbaries, pro munere ecclesiastico fideliter obeundo sylves- 
tris venatio, pro jejunio belluatio diurna atque nocturna, pro sacer- 
dlotalj castitate multorum scrortorum inquiramenta, pro justitia sub- 
itis administranda, tyranica oppressio pauperum, sacerdotum, ac 
rusticorum, pro fortitudine omni, qua ecclesiae jura possessionesque 
«lefendi debeant, blandae haereticorum, conversationes atque commu- 
nicata familiaritas. Denique pro horarum canonicarum recitatione 
lusoviorum taxillorum alea, pro sancto choro pollutus thorus, pro 


Die Kleriker, auch die in der Stadt, selbst die Kanoniker 
verbrachten vielfach’ in den Kneipen Tag und Nacht mit 
Trinken auf gleicher Bank mit dem niederen Volke. Sie 
scheuten sich nicht trunken auf den Strassen zu erscheinen, 
ja sogar in diesem Zustande in den Kirchen zu zelebrieren 
und die Sakramente zu spenden!. 

Mit der Trunkenheit ist bekanntlich die Unsittlichkeit 
eng verknüpft, die so weit um sich griff, dass sehr viele. 
Priester Konkubinen bei sich hatten oder öffentlich Hoch- 
zeit hielten ?. 


Christo fiscus, pro E!:clesia taberna — ut pro Deo Satanam, pro: 
coelo sempiterni gaudii, gehennam aeterni supplicii jamdudum am- 
_plexi et concupisse videntur “... 

« (zekanowski, De corruptis moribus etc. 

1 Bohusz, Summaryjny wypis z protokolow actow Kapituly wi- 
lenskiej 143 b, 177 a, 184, 185, 215, 223. 

„Das über die Art der Krankheit Isaaks (Kanon. des Kapit. zu 
Vilnius) benachrichtigte Kapitel verbot demselben den Wochendienst, 
der ihn traf, selbst auszuüben, damit er nicht etwa infolge der Be- 
rührung der Gefässe und Apparate jemanden anstecke‘‘.. „Dafür, 
dass er sich in Gasthäusern betrinkt und neulich infolge eines 
Streites verprügelt wurde, wurde er wiede” von ihm auf einen Monat 
von der Amtserfüllung suspendiert‘. 

„Weil der Domherr Isaak während de Kapitelversammlung sich 
erbechen musste, und weil er während des Vespergesanges im be- 
trunkenen Zustande Fehler beging und für alle Aergernis erregend 
sang, deswegen zahlte ihm das Kapitel den Gehalt für einen 
ganzen Monat nicht aus‘. 

Bohusz, op. cit. 192, 218, 233. 

Ebenso Mss. in der Seminarbibliothek zu Vilnius aus den Jahren 
1548--1552. 

Frieiug Modrewius, de re publica emendanda S. 349. 

® Bohusz, Gesamtabschrift aus dem Protokoll des Kapitels zu 
Vilnius aus «den Jahren 1557, 1572, 1573, 1575, 1596. Das 
Kapiteldekret gegen die Vikare, die bei sich öffentlich Konkubinen 
halten. ‚Das Kapitel, das benachrichtigt wurde, dass die Vikare, Stifts- 
geistliche und Kathedralkapläne bei sich öffentlich Konkubinen halten 
und mit ihnen in AÄergernis erregender Weise leben, beschliesst, 
dieselben zu sich zu berufen und sie zu ermahnen und falls sie sich 
nicht bessern, dies dem Bischof zu melden‘. Bohusz, op. eit.\ 61. 

„Der Bischof beklagt sich im Kapitel über die Aergernisse und 


3 — 


Ein Pfarrer jener Zeit versichert, dass von keinem 
Priester das Zoelibat beachtet werde und schämt sich 
nicht zu sagen, dass dies dem Menschen unmöglich' sei !. 
In den Geschichtsquellen des XVI. Jahrhunderts gibt es. 
fast unzählige Dokumente, die eine unglaubliche, völlige 
Auflösung der Sittlichkeit unter dem polnischen und 
litauischen Klerus bezeugen, die zu lesen ich dem Leser 
ersparen will. 

Darüber darf man sich aber nicht allzusehr wun- 
dern, denn Reichtum, Müssiggang, Luxus, der allgemeine 
Ruin jener Zeit auf sittlichem Gebiete, Mangel an not- 
wendiger Erziehung und noch viele andere Umstände er- 
schwerten dem Priester die Bewahrung der Keuschheit 
ausserordentlich. 

Nächst der Unsittlichkeit ist es die Habsucht, über 
welche die Männer jener Zeit klagen. Sie zöge die Kleriker 
von den göttlichen Dingen ab und sie besonders habe 
sic des Ansehens beraubt. ‚„...Die Spendung der Sakra- 


fragt, wie ihnen vorzubeugen sei ? Das Kapitel antwortet,... zuerst. 
gedenke es, sie zu ermahnen, und wenn sie vom schlechten Lebens- 
wandel nicht abständen, denn werde es sie in das bischöfliche Ge- 
fängnis abführen lassen‘‘. Bohusz, 62. 

..Das Dekret gegen die Vikare und die anderen, die Verfchlung: n 
begehen... Wolski... Prälat... berief vor das Kapitel Vikare, Alta- 
risten, Stiftsgeistliche und Kapläne und tadelte sie heftig, dass sie die 
kirchlichen Andachten vernachlässigten und ohne vorher gebeichtet zu 
haben hl. Messen lesen, und dass sie mit Buhlerinnen zusammenleben 
und sich nicht bessern wollen“... ib. No 68. Wenn schon in der Stadt 
unter den Augen des Bischofis und des Kapit:ls so schwer> Verfehlungen 
nicht selten waren, so wird es wohl in den Gemeinden und Dörfern, 
die fern von der Stadt lagen, noch schlimmer gewesen sein. Und tat- 
sächlich fand ich in den Archiven nicht wenig Dokumente, die von 
einer aussergewöhnlichen Korrumption unter der ländlichen Geist- 
lichkeit zeugen. Vergleiche dazu auch: 

Liubowiez, Nacalo katoliceskoj reakeii S. 2 ff. 
Czekanowski Sylvius, De corrupiis moribus, und andere Autoren. 

l Epistola de miseria curatorum seu plebanorum Cracoviae apud 
Fl. Unglerum (1511—1552 Bandke Histor. druk. Krak. S. 266) fol. 
1—2. 


‚mente... sind wir gezwungen uns für Geld zu verschaffen, 
weil sich unter Tausend nicht einer findet, der frei 
und bereitwillig ‚die Sakramente spenden will, sodass 
jeder ein Simonist ist..., Alle, vom Höchsten bis zum 
'Niedersten sind der Habsucht und der Simonie ergeben “ !. 

Um Geld von ihren Pfarrkindern zu erpressen schreck- 
ten die Pfarrer sehr oft nicht davor zurück, mit der Ver- 
weigerung der Sakramente, ja sogar mit der Exkommu- 
nikation zu drohen.” Von Habgier ergriffen rotteten 
einige Pfarrer ihre Pfarrkinder zusammen, überfielen ihre 
benachbarten Confratres, traktierten sie mit Schlägen oder 
behandelten sie sonst in niederträchtiger Weise, plünderter 
sie aus und kehrten freudig unter Absingung des „Te 
Deum“ nach Hause zurück.® Die Akten der Gerichts- 
prozesse über derartige Fälle, geben noch heute Zeugnis 
von diesen ‚„Seelenhirten‘“. 

Endlich waren beständiger Hass, Zänkereien und 
Feindschaft wegen der Pfarreigrenzen, des Zehnten und 
anderer Einkünfte, ja selbst wegen der Frauenzimmer ' 

1 Prophetiae Danielis tres horribiles, fol. 6. 

? „De plebanis et plebanorum vicariis non levis est querela, qui 
propter morum incivilitatem, ob exile lucellum, avaritiae erimen et ob- 
trectationem ac odium incurrent. Dum qui non in Sancta hebdomada. 
populum communicant, Eucharistiam porrigendo, percontantur, num 
solverit communicare volens colendam aut petronales ; si non solverit, 
porrectam hostiam removent plebani et adimunt ab ore communicantis ; 
qune res valde offendit animos saecularium. Huic inconvenientiae oc- 
eurratur“. Instructio Capituli Cracov. (Acta historica I, S. 492). 

Bohusz, wypis summaryjny akt. Kapit. wilenskiej. 530 b. 

Albertrandi-Malinowski, Listy Commendoniego I, S. 90 #. 

> Manuskript aus dem 16. Jahrhundert im Kirchen-Archiv zu 
Rumsiskes (früher Diözese Vilnius, heute Samogitien ), noch ungeordnet. 
Ehenso die Manuskripte von den Jahren 1552, 1554 in der Seminar- 
bibliothek zu Vilnius (ungeordnet). | 

4 Die Klage des Pfarrers von Jeznas gegen den Pfarrer von 
Punia wegen Raub einer Magd aus der Pfarrei Jeznas‘‘. Unter den 
Manuskripten der Seminar-Bibliothek zu Vilnius (vom Jahre 1568) 
nicht «eorinet: „Das Urteil gegen den Pfarrer von Rumsiskes für 
die niederträchtige Behandlung und Verprügelung des Pfarrers von 
Nampiske infolge eines Weibes“. Archiv der Kirche zu Rumsiskes. 





zwischen. den Klerikern dieser Zeit an der Tagesordnung: 

Der apostolische Nuntius Commendoni beklagte sich 
wiederholt darüber, dass die Gehässigkeit und Habsucht 
des Klerus seiner reformatorischen SaUEHeL das grösste 
Hindernis bereite.! 

Fassen wir alles bisher über den sittlichen Zustand 
des Klerus Gesagtse zusammen, so bietet sich uns ein so 
überaus trauriges Bild dar, dass mancher die Wahrheit. 
des Dargestelltien. bezweifeln möchte. _ 

Aber alle hier zum Belege angeführten Dokumente 
sind unverdächtig, sie stammen aus der Zeit, die ich hier 
bespreche (Anfang und Mitte des XVI. Jahrhunderts) und 
von Leuten, welche die besten Kenner des litauischen und 
polnischen Klerus waren, und die von jedem Verdachte 
durchaus frei sind, da sie ja alle Katholiken, die meisten 
auch kirchlich gesinnt waren und dem Katholizismus in 
keiner Weise feindlich gegenüberstanden. Ä 

Auch habe ich nicht vereinzelte Dokumente unerlaubt. 
hervorgehoben, sondern nur solche angeführt, die sich oft 
bestätigt fanden. 

Ich glaube aber, dass man sich über diesen schreck- 
lichen Ruin des Klerus keineswegs wundern kann; denn: 
wenn wir alle Umstände ins Auge fassen, so kommen wir 
unbedingt zum Schlusse: Der Klerus war so, weil er 
kaum ein anderer werden konnte. 

Zunächst bewirkte der Reichtum der Kirche, dass viele 
im Priestertum nicht den Dienst für Gott und’ den Nächsten. 
sondern nur ein sorgloses und angenehmes Leben suchten. 
Dann kam noch ein Zweites in Betracht: der Priester- 
amtskandidat hat ausser der aufrichtigen Hinneigung zum 
Berufe noch eine gewissenhafte Verstandes- und Herzens- 
bildung nötig. Aber wo hätte man damals eine solche 
Erziehung geniessen können ? Kirchliche Seminarien gab es 
nicht, und die Bischöfe, welche selber zur Erziehung des 

1 Albertrandi-Malinowski, Listy Commendoniego I, S. 16, 1S,. 
77, 79. 149. 


Zr A 


Klerus geeignet waren, sorgten durchaus nicht für die 
Ausbildung des Klerus. 

Daher wurden Laien fast ohne jede Voibersilung 
Priester und blieben auch im Priesteramte weltlich gesinnte 
Leute, denn die Weihen allein können die Natur des Men- 
schen nicht umformen. 

Zu dieser Zeit waren die Laien und besonders 
die Adeligen, wie wir noch sehen werden, in Sitten- 
verderbnis geraten. Wenn man also einem schon der- 
artig verdorbenen Laien, ohne Kenntnis des priesterlichen 
Ideals, ohne reines Absicht und — was das Wichtigste 
ist — ohne die nötige Ausbildung das Priestertum mit dem 
Zoelibatt und den andern Pflichten des Priesters auf- 
bürdete, ihm Reichtum gab und: ihn mitten in die Ver- 
hältnisse jener Zeit setzte, so konnte man aus einem 
solchen keinen reinen Priester machen. 

Endlich hat auch ein Priester mit der besten Vor- 
bereitung und Ausbildung jemanden nötig, der ihn stützt, 
unterrichtet und beaufsichtigt, wofür in der Regel ein 
‚guter Bischof Gewähr leistet. 

Die.Bischöfe aber waren einerseits ganz und gar mit 
weltlichen Dingen beschäftigt, anderseits nicht die Ober- 
hirten, welche die sittlichen. Verhältnisse des Klerus hätten 
beaufsichtigen und dessern können. Die Visitation der Diö- 
zesen kam ausser Gebrauch. Die bischöfliche Autorität 
war erloschen. 

Das höchst unheilvolle Patronatsrecht bot wie an- 
.derswo auch in Litauen, zu zahllosen Missbräuchen An- 
lass.E Denn die Kollatoren waren vorwiegend Magnaien 


1 Epistola de miseria Curatorum seu plebanorum. In dieser Schrift 
beklagt sich ein Pfarrer aus dem Anfange des XVI. Jahrhunderts in 
folgender Weise über den Kollator: ‚Primus diabolus inter omnes 
est ipse collator, qui Jum ecddesiam, quam confert suam esse putäat, 
jlebanum tamquam alıium subditum tenet et tractat et quia hane in- 
tentionem falsam habet, missas celebrare et quaecumque alia al 
hbitum, facere jubet... qui collatoris irrationabilem voluntatem sal- 
{em in minimo non implet, praster cartera improperes etiam morlis 


is DT = 


und Leute aus dem niedern Adel, oft. religionslose und ver- 
dorbene Leute, manchmal sogar Orthodoxe. Der Kollator 
war absoluter Herr der Kirche ; er konnte ohne den Bischof 
zu befragen die Kirche einem jeden übertragen. Somit. 
vergab er die Pfarrei entweder für persönliche Verdiensie 
oder er verkaufte sie. 

Die Benefizien wurden Laien, die oft noch im Knaben- 
alter waren, und selbst verbrecherischen Leuten anvertraut. 
die durch Vikare ihre Pflichten als Seelsorger ausüben 
liessen. Man übertrug oder verkaufte die Pfarrei sogar 
Leuten anderen Bekenntnisses. In den Akten fand ich gogar 
einen Juden als Pfarrer bezeichnet. So kam der Handel 
mit kirchlichen Würden auf. Dazu trat eine ungeheure 
Anhäufung von Benefizien.! 

Die Bischöfe waren nicht imstande, alle diese Miss- 
bräuche abzuschaffen. | 

Fasst man alles dieses zusammen, so darf man sich 
nicht über den grossen Zerfall der kirchlichen Einrich- 
tungen wundern. 

Vom niederen Klerus gilt dasselbe, was ich oben 
von den Bischöfen. gesagt habe. Es gab neben schlechten 
Priestern auch gute und die Verdorbenheit der schlechten 
ist nicht so aufzufassen, als ob sie gar nichts Gutes ge- 
leistet hätten. Ich glaube, dass dieses an und für sich 
klar ist und keiner weiteren Auseinandersetzung bedarf. 


Der Regularklerus aber konnte nicht ersetzen, was 
dem Weltklerus fehlte, denn einmal war er zu dieser Zeit 
an Zahl sehr gering, z.B. gab es in der Diözese Vilnius 
ausser sechs kleinen Klöstern keine andere religiöse Ge- 
meinschaften. Vor der Ankunfi der Jesuiten, befanden sich 


periculum vix effugiet. Seit Deus quia non mentior quod (dico, ipse 
hodie sustinceo ; qua® in pastorem dominatio tam est tyrannica, quam 
injusta, ut licet collatori plebano quiequam mandarve, quem et nec 
habet. imo non poiest investire”. Fol. 1. 

1 Liubowiez, Nacalo katoliceskoj reakeii 1 ff. 


un MR 


ın Samogitien überhaupt keine Klöster.1!'Anderseits war der 
Regular — dem Weltklerus in sittlicher Beziehung unge- 
fähr gleichwertig’? und übte auch auf das religiöse Leben 
keinen grossen Einfluss aus, darum glaube ich ihn hier 
übergehen zu können. 

Mögen einige der oben angeführten Dokumente sich 
auch mehr auf den polnischen als auf den litauischen 
Klerus beziehen, so krankte der litauische Klerus siı- 
cherlich nicht minder an den gleichen Uebeln ; so be- 
richte: der Nuntius Commendoni vom litauischen Kle- 
rus: „In diesem Lande blüht keine Wissenschaft; es 
gibt auch keine Priester, oder nur solche, die aus 
Polen kamen ; und zwar gehen von da (aus Polen) nur 
solche nach Litauen, die in der Heimat keine Anstellung 
finden, nämlich Leute, die meistens weder Wissenschaft 
noch gute Sitten haben“.?” Deswegen musste die li- 
tauische Geistlichkeit noch viel schlimmer sein als die 
polnische. 

In der ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts bieten 
also die Bischöfe, die Kapitel und der Klerus ein trauriges 
Bild dar. Mag man auch in Betracht ziehen, dass das 
Schlechte immer mehr hervortritt als das Gute, dass in 
Jurisdiktionsakten für das letztere natürlich kein Platz 
st, so bekommt man trotz alledem den Eindruck, dass die 
Verderbnis gross gewesen ist, um so beklagenswerter, weil 
sie bis in’s innerste Mark des katholischen Lebens, näm- 
lich in die bischöflichen Kurien und die Kapitel drang. 

Das waren also die Truppen, welche die Kirche Li- 
{auens gegen den Protestantismus in den Kampf führte. 


I Kojalowiez, Miscellanea rerum S. 101 #f. 

Wolonezewskis, Zemajtiu wiskupiste II, 8. 7Y ff. 

2 Üzekanowski, De corruptis moribus ete. 

Instructio Capituli Cracoviensis ad Synod. 1551. (Acta Hist. I.) 
Manuskript 168, S. 72, Ossolineum, Lemberg. 

3 Albertrandi-Malinowski, Listy Commendoniego 11. S. 11. 


-- 49° — 


IV. 


Nachdem wir das politische und kirchliche Leben des 
Grossfürstentums Litauen besprochen haben, wollen wir 
uns auch die einzelnen Stände und Klassen seiner Be- 
wohner kurz ansehen, indem. wir vor allem ihre poli- 
tisch-wirtschaftlichen und religiös- sittlichen Zustände be- 
trachten. Ich glaube, dass dieses darum notwendig ist, 
weil die verschiedenen Klassen der Bevölkerung bei der 
Verbreitung und dem Verfall des Protestantismus ver- 
schiedene Rollen spielten. Diese Verschiedenheit hängt aber 
von nichts anderem, als von dem verschiedenen poli- 
tisch- wirtschaftlichen und religiös- sittlichen Zustande 
dieser Klassen ab. | 

Zunächst haben wir die höhere Aristokratie oder die 
Magnaten' des Grossfürstentums Litauen zu besprechen. 

Die politische Macht der litauischen Magnaten haben 
wir schon als bedeutend kennen gelernt. Denn als 
die niedern Adeligen noch keinen Einfluss in .po- 
litischen Dingen besassen, waren es allein die Magnat.en, 
die neben dem Grossfürsten im Senate wie in den allge- 
meinen. Versammlungen, die höchste Gewalt in Händen 
hatten .! 

Ihre Macht auf politischem Gebiete war um so grösser, 
weıl, wie Orzelski ein Schriftsteller jener Zeit sagt, der 


1 Vergl. 8. 16ff. Ebenso Liubawskij, Ocerk istorii Litowsko 
russkago gosudarstwa S. 75. Während in Polen schon längst der Adel 
die Regierung in den Händen haite, besassen in Litauen der (xross- 
fürst und die Magnaten die Macht. Doch infolge der Union wurde 
der polnische Einfluss auf Litauen immer stärker. Im XVI. Jahr- 
hundert begann der litauische Adel dieseiben Rechte zu verlangen, 
wie sie der polnische Adel hatte. ‘Anfänglich war dieses Streben ohne 
besondere Resultate, erst die Union zu Lublin im Jahre 1569 
sicherte dem litauischen Adel die gleichen Rechte, die der polni- 
sche Adel längst besass. Seit dieser Zeit beginnt die innere Ver- 
fassung in Litauen die gleiche zu sein wie in Polen. 


— 50° — 


Iitauische Kleinadel immer das wollte, was Radwila Chod- 
kiewic und den anderen Magnaten lieb war.! 

Aber auch auf wirtschaftlichem Gebiete hatten die 
litauischen Magnaten bedeutenden Einfluss. 

Zum Beispiel nannte Johannes Kiszka, ein Vorsteher 
(Starosta) in Samogitien, 70 Flecken und grosse Dörfer 
und ungefähr 400 Latifundien sein eigen.” Trotzdem 
gehörte er noch lange nicht zu den reichsten wie Gasztold. 
Kiejzgallo, Radvila, Holszanski und viele andere.3 

So war es kein Wunder, dass diese Magnaten eine 
grosse Rolle spielten, sowohl bei der Verbreitung wie auch 
beim Niederringen des Protesiantismus. 

Fragt man nach den Sitten und nach dem Glauben 
der Grossen, so sieht man schon ohne eingehendere 
Untersuchung, dass da nichts Günstiges zu sagen ist. 
Der Leichtsinn dieses Jahrhunderts, der, wie wir sahen. 
die Kleriker, die Bischöfe selbst und die Kapitel in einen 
so traurigen Zustand brachte, steckte noch mehr die Welt- 
leute und besonders die Aristokraten an. 

Es gibt viele Dokumente, welche beweisen, dass auch 
bei den Magnaten gute Sitte und Religion in Verfall 
geraten waren. Die Autoren konstatieren nämlich, dass zu 
Anfang des XVI. Jahrhunderts wie in Polen so auch in 
Litauen die Sittlichkeit schlechter zu werden anfing. * 

‘Die Friedenszeit® und der Reichtum brachten Luxus 


1 .Lappo, Welikoje Kniazestwo Litowskoje, S. 112. 

Orzelski, Bezkrolewia Ksiag osiem Petersb. 1856 II, 126 f£. 

?2 ‘Bock, Historia antitrinitariorum Regiomonti et Lipsiae 1774 
Ss. 424 $. 

3 Die Kiejsgalli stellten zum Beispiel (im Jahre 1528) 768 be- 
waifnete Reiter, ferner musste jeder Magnat ungefähr 9 Reiter von 
jedem grossen Grundbesitze stellen. Nach diesem Ansatze sehen wir, 
dass die Keisgalli ungefähr 90 jzrosse a besassen. 

 Lappo, S. 263, 493 ff. 

Dzieduszycki, Skarga i jego wiek, Krakow 1866, S. 25. 

3 Jaroszewiez, Obraz Litwy III, Seite 2 ff. 

Kojalowiez, Historiae Lithuaniae II, S. 350. 

5 Im zweıten Teile der Regierung des Königs Sigismund II. (l) 


u. le 


und Weichlichkeit ins Land, deren Folgen Müssiggang, 
Genussucht, Habsucht und andere Laster waren. 

Der Mittelpunkt, von wo aus sich Verderbnis und 
Unsittlichkeit in ganz Litauen verbreiteten, war der Hof 
Sigismunds-August!, den die Zeitgenossen in den düster- 
sten Farben schildern. „Der Hof des Königs Sigismund- 
August“, sagt der Zeitgenosse Christoph‘ Warszewski, „war 
in sittlicher Beziehung sehr verdorben ; von dieser Zeit 
ab begannen die Sitten der Polen von der alten Strenge 
abzuweichen und es trat ein grosser Leichtsinn ein‘“2?. 
Dasselbe bestätigt auch der Fürst Kurbski.? 

Die Syphilis griff am königlichen Hofe so sehr 
um sich, dass man sie fortan Hofkrankheit (choroba dwors- 
ka) nannte.*+ | = 

Da sich am königlichen Hofe sehr viele Magnaten 
und deren Söhne aufhielten, um sich die Gunst des Königs 
zu erwerben und um eine höfische Erziehung zu geniessen, 
so wurden auch sie von der Schlechtigkeit des Hofes 
angesteckt.®° Dazu kommt noch, dass König Sigismund- 
August gewöhnlich in Litauen Hof hielt.6 


und unter Sigismund-August wurden überhaupt fast keine Kriege 
geführt. 

1 Manuskript 197, Ossolineum Lemberg. 

2.Im Werke: Jaroszewick, Obraz Litwy III, S..159. 

2 Im Werke Jaroszewicz, Obraz Litwy III, S. 159. 

Dzieje Narodu Litewskiego IX. Beilagen S. 29. 

4 Stryjkowski, Kronika S. 654. 

Narbutt, IX, S. 73. 

5 Jaroszewicz, III, S. 2 ff. 

6 Relacye Nuncyuszow I, S. 65f. 

Grabowiecki, ein Höfling Sigismunds-August schildert in einem 
Briefe an Kardinal Hosius den königlichen Hof folgendermassen : „Vi- 
vitur enim ex arbitrio et desiderio, nemo est, qui nostrae libidini 
imponat frenum vel habenas. Arguit nemo, corripit nemo ac admonct 
nullus. Ita prorsus, ut nunc ad internecionem omnia nata esse vi- 
‚deantur. Ego dum agnosco istam petulantiam, dum considera Jissolutos 
mores, maeresco quidem tam effrenata cupiditate. Deum invoco, ut 


Auch das ist zu berücksichtigen, dass aich viele Ma- 
gnaten ausserhalb des Vaterlandes an Höfen, Universi- 
täten und anderen Orten des Westens herumtrieben, wo be- 
kanntlich die Sittlichkeit damals ebenfalls sehr tief stand.! 

Der Luxus, der Pomp und die Trunkenheit der 
Magnaten setzten die Ausländer in Staunen. „Bei ih- 
nen (den Magnaten) besteht die Freude des Lebens 
in den ausgesuchtesten und gut zubereiteten Mahlzeiten mit 
dem teuersten Wein, in Spielen und Tänzen gemeinsam mit. 
ihren Schmarotzern‘“.? | | | 


suscitet, nobis aliquem Danielem vel Joannem, qui nos almoneat, ut 
resipiscamus‘‘... 1556, 28/I. Epistoliae cord. Hosii, 1268. Aetlu 
historica IX. Christoph Warszewicki, ein Höfling Sigismunds-Au- 
gust und bekannter Schriftsteller, berichtet von ihm folgen!s: 
„Sigismund-Augustus Wilnam reversus et matrimonio solutus, vo- 
luptatibus, quibus a juventute assueverat, operam dare cocpit et eJus 
rei alministros facile invenit‘. Caesarum, regum ct principem 
vitarum libri duo. Frankforti 1604, S. 306. Ebenso: Uzacki T. 
Dziela III S. 12. 

1 Lappo, Welik. Kniazestwo Litowskoje S. 207 ff. 

Jaroszewicz, Obraz Litwy III, S. 2. 

® ,... bei ihnen (den Magnaten) sind recht ausgesuchte Mahl- 
zeiten und Leckerbissen, die teuersten Weine, Spiele und ständim. 
Tänze gemeinsam mit ihren Schmarotzern, das einzige Vergnügen ıhies 
Lebens. Beim Zeltgelage pflegen sie mit Hochmut zu prahlen. in- 
dem sie sowohl Moskau als auch Konstantinopel für niehts haltn. 
Nach ihrer Meinung können sie den Türken, auch wenn er am Him- 
melsgewölbe wäre, herabreissen und verhauen. Wenn sie sieh in ınrv 
Lager, (las mit weichen Felerbeiten ausgestattet ist, hinl:gen, daun 
erwachsu sie erst am hellen Tag und stehen infolge des Bierrausch"s 
mit verbundenen Köpfen auf. Aus diesem Grunde... wurde man 
gleichgültig für das Wohl des Vaterlandes, und vergass nicht 
nur die Taten der Vorfahren, sondern auch das Schicksal der 
Mitbürger, die in der Konechtschaft des Feindes schmachten. 
Ebenso kümmern sie sich gar micht um die Bauern, die jedes Jahr 
von ihren eigenen Augen mit Frauen und Kindern in ungezählter 
Menge in die Sklaverei weggeschleppt werden... Sie schämen sich 
darüber nicht, noch rührt sie die allgemeine Klare, welche das 
Landvolk laut werden lässt. Wenn sie nun zur Waffe greifen und 


ins Feld hinausziehen, dann laufen sie in grosser Entfernung hinter 


Zu. ER 


Ein anderer Zeitgenosse schildert die Trunksucht 
der Magnaten folgendermassen : „Die Grossen sitzen bei 
(rastmählern vom Mittag bis Mitternacht, trinken und 
essen ununterbrochen und stehen nur dann vom Tische 
auf, wenn sie die Natur dazu zwingt; sie fressen bis 
zum Erbrechen und bis sie die Besinnung verlieren‘“.!- 
Der Litauer Volanus, ein zeitgenössischer Schriftsteller, 
beklagt sich über den Luxus, die Trunksucht und Völlerei 
der Magnaten, die er in den dunkelsten Farben schildert. 
Wie er berichtet wurden bei den Gastmählern der Mag- 
naten, ausser den verschiedensten Weinen, dreissig bis 
vierzig Gänge aufgetischt.? | 

Fast alle auswärtigen Botschafter, die unter Sigis- 
mund-August in Polen weilten, bezeichnen Luxus, Völlerei 
und Trunkenheit als die herrschenden Laster in Polen 
und in Litauen.” Mit der sinkenden Sittlichkeit musste 


0} 


den Bissurmannen (Tartaren) her und fürchten sich anzugreifen und 
lıszuschlagen... der ganze Feldzug endigt so mit einer Jagd, die zwei 
oder drei Tage dauert. Was nun aber die Tataren noch übrig 
gelasser. haben, oder was die Bauern in den Wäldern zu verbergen 
nicht versianden haben, sei es Vieh oder Futter, das alles verzehren 
Giler rauben sie und lassen den unglücklichen Leuten nichts von 
den kläglichen Ueberbleibseln‘‘. 

Skasanija kniasia Kurbskago 1, S. 82 ff, 

Ebenso: Narbutt, Dzieje narodu litewskiego IX, Beilagen XI, 
2.20: 
Kurbski, ein Russe und Höfling des moskauischen Grossfürsten 
Johann IV. (des Schrecklichen), entfloh vor dem Zorn seines Herrn 
nach Litauen und verblieb da auf immer. Er hinterliess interes- 
sante Memoiren. 

1 Mathias Michowiae, De Sarmatia Asiae et Europaea (Polonicar. 
rerum latini seriptores, Basileaee 1582 S. 147 £. 

® A. Wolan, O wolnosci Rzeezypospolitey S. 64 ff. 

3 Relacye Nuncyuszow I, S. 127 £., 131 £., 169 f., 252. 

Roysius, der Sekretär des Königs Sigismund-August und Kano- 
n'ker zu Vilnius, sagt, dass die Mahlzeiten der Litauer und Polen 
von der untergehenden Sonne und die Abendmahlzeiten von der 
aufgehenden Sonne beschienen würden. Ms. 159, S. 261, Ossolineum 
I.emberg 


auch die Religion sinken! um so mehr weil der Klerus 
weit davon entfernt war durch Wort und Beispiel frommen 
und religiösen Sinn zu wecken, sondern durch seine Schlech- 
tigkeit: bei den Laien grossen Anstoss erregte. 

Aehnlich wie mit den Magnaten, verhielt es sich 
mit dem naedern Adel. 

Ueber die politische Macht des litauischen Kleinadels 
brauchen wir nicht zu sprechen, da diese, wie wir es 
schon sahen, bis zur Mitte des XVI. Jahrhunderts fast 
gleich Null war. 

Wenn man sie endlich auch zum Reichstag berief, 
so hatten sie doch keine entscheidende Stimme,? weil sie 
sich dem Willen der Magnaten unterwerfen müssten. 

Ihre wirtschaftliche Lage war sehr verschieden. Viele 
der niedern Adeligen kamen an Reichtum den weniger 
begüterten Magnaten ganz nahe; aber der grössere Teil 
der Adeligen war so arm, dass er sich den Lebensunterhalt 
mit der Hände Arbeit verdienen musste. 

In seinen Sitten ahmte der .Kleinadel die Magnaten 
nach. Wie die Magnaten am königlichen Hofe sich sonnten 
und verdorben wurden, so der Niederadel an den Höfen der 
Magnaten.* | 

Als herrschende Laster unter den niedern Adeligen 
Litauens und Po!ens bezeichnen die zeitgenössischen Schrift- 
steller im XVI. Jahrhundert übermässigen Luxus, Völle- 
rei, Trunksucht, Unzucht, Totschlag und fortwährende 
Streitigkeiten. 

Michailo und Wolan, zwei litauische Schriftsteller des 
XVI. Jahrhunderts, beklagen weitläufig die Sittenverderbnis 
der Adeligen. Vor allem stand das Laster der Trunksucht 


1 Ms. 168 fol, 7Off. fol. 103ff. Ossolineum Lemberg. 


2 Lappo, Welikoje Kniazestwo Litowskoje, S. 112 ff. 
Liubavskij, S. 203 ff. 

3 Lappo, S. 472 ff. 

1 Lappo, S. 498. 


in vollster Blüte. Minderjährige und Erwachsene, Männer 
und Frauen, alle betranken sich ausnahmslos. Beim Becher 
begannen und beschlossen sie den Tag. Wo immer sie sich 
auf Reisen befanden, sei es im Feldzug, sei es auf dem Wege 
zu heiligen Orten, führten sie Wein oder andere be- 
rauschende Getränke bei sich. Nach Michailo waren in den 
Städten Litauens viel mehr Bierbrauereien und Schnaps- 
brennereien als Werkstätten anderer Handwerker.! 

Die beständige Trunkenheit hatte zahllose Streitig- 
keiten und Morde zur Folge. Der schon genannte Schrift- 
steller Volan berichtist, es gebe sehr wenige adelige Häuser; 
in denen keine Trauer herrsche wegen Ermordung des Va- 
ters, des Bruders, des Sohn>s oder Gatten. Nach ihm kamen 
die Morde auch deshalb so häufig vor, weil das litauische 
Recht solche Verbrechen bei den Adeligen nur mit Ge- 
fängnis von einem Jahre und einer kleinen Geldbusse 
bestrafte.? 

Michailo Litwin sagt, dass der litauische Adel bei 
weitem mehr von Streitigkeiten in den Gasthäusern zu 
Grunde gehe als im Kriege.? | 

Ebenso berichtei: der Botschafter Lippomano : „Gewalt- 
tätigkeit, Totschlag und Räuberei nahmen überhand, die 
ungestraft blieben. Man spricht von 12000 gar nicht 


1 Michailo Litwin - Memuary otnosiascijasia Kistorii Juzno) Russt 
Ill. S. 251, 

Wolan A-O. wolnosci Rzeezypospolitej, S. DNFf. 

2 Wolan A-O., wolnosci Rzeezypospolitej, S. 40 ff. Die Sirn- 
fen für einen Mord waren nach dem litauischen Gesetz im allg-- 
meinen gering. Nach dem ersten Statut (1529) zahlte ein Adliger, 
wenn er einen von Seinesgleichen im Streite erschlug 200 Schock 
Groschen, hundert in die Staatskasse, und die andern den Ver- 
wandten des Erschlagenen (Kap. VI. S 28). Für die Tötung eines 
Unfreien brauchte man nur 10 Schock Groschen zu zahlen. (Kap. 
NT. Ar, 172,3), | 

Das zweite (1566) und das dritte Statut (1588) haben die Strafe 
um etwas erhöht. 

? Memuary otlnosiaseiasia k'istoris juznoj Russi, S. 43. 


ui 


Gericht verhandelten Morden“.! Aehnlich berichtet. 
oe der Botschafter Buongiovanni. ° 

Streitigkeiten, Kämpfe und Prübdisien zogen gericht- 
liche Verhandlungen nach sich, von deren ganz unglaub- 
licher Anzahl im XVI. Jahrhundert die gerichtlichen 
Akten. bezeugen. In einem einzigen Kreise von. Upita, in, 
dem höchstens 3000 adeligen Familien sein konnten, zählte 
ich in den gerichtlichen Akten einzig aus dem Jahre 1568 
860 Kriminalprozesse, von denen die Hälfte Morde und 
Verwundungen betrafen .3 | 
Dasselbe berichten Schriftsteller dieser Zeit von 
Luxus. Völlerei, Unzucht und anderen Lastern der niedern 
Adeligen Polens und Litauens.? 


I Relacye Nuncyuszow I, 65 £. 

„Es häufen sich Gewalten, Morde und Räubereien, die alle 
ungestraft. bleiben. Der Geschädigte kann nicht zu seinem Recht 
gelangen. denn der Adel hat das Vorrecht, dass er nur am Reichstag 
in «der Gegenwart des Königs verurteilt werden darf... Man sagt, 
dass 12000 nicht beendigie Gerichtsprozesse wegen Mordes zu- 
rückgeblieben sind, die vom Adel begangen wurden. 
Polsce przez Nunceyusza Aloizy Lippomano. z. r. 155%. 

” „Wehe dem in Polen, der weniger kräftig ist und sich nicht 
selbe‘ vor Gewalt un: Räubereien schützen kann, die sich in diesem 
Lande häufen -“ | 

Opisanie krolewst. Polsk. przez Bernarda Buongiovanni biskupa 
Wameriuskiego Relacye Nuneyuszow I, S. 96. 

3 Wilenskij centralnyj Archiv (Zentralarchiv zu Vilnius) Mss 
1112-1115. | | 

4 Wilenskij Archeograficeskij sbornik, Bd. XVI. Andr. Wolan.— 
O woluosct Rzeczypospolitej, S. 41 ff. 

Michailo Litwin. — Memuary otnosiase k’istorii juzno) Russi. 
Se LIE. 

Relacye Nuneyuszow, T. I. Fulvius Ruggieri im J. 1565: 
„Der Adel lebt gewöhnlich in grossem Luxus, hält mit Vorliebe viele 


[2 


Relacya o 


Yiene> und Pferde, sodass mancher Adlige 100 oder mehr besitzt... 
er ıst beständig auf Reisen. Zu Freunden und Verwandten fahren sie 
mitunter gegen 100 Meilen weit, was für sie eine Leichtigkeit ist, 
da sie in genügender Zahl Pferde und Wagen besitzen. 


Unterwegs schlafen sie alle, Männer und Weiber, rund herum auf 


a I an 


Durch die Sittenverderbnis war die Religion schon 


Stroh, und weil sie unterwegs das Trink- und Festgelage nicht auf- 
‚geben, so kommt es, dass es wenig sittsame Weiber gibt; es fehlt 
„uch nicht an öffentlichen Dirnen. Trotz ihrer raschen Auffassungs- 
gabe gehen sie auf ein ‘gründliches [Erkennen der Sache nicht ein ; lieber 
lernen sie das schon Erfundene, als dass sie sich Mühe geben würden, 
eiwas in ler Wissenschaft oder in den Künsten zu entdecken. Sie 
bemüher sich nicht, in irgend etwas zur Vollkommenheit zu gelangen, 
und das vielleicht aus dem Grunde, weil sie einem zu bequemen und 
lustigen Leben ergeben sind... in Polen blüht jetzt die Wissenschaft 
nicht mehr, wie das vor 170 Jahren nach der Gründung der 
‚Akademie zu Krakau der Fall war. Mit unaussprechlicher Leich- 
tigkeit erfassen sie Gebräuche und Sprache fremder Völker... Der 
polnische Adlige bekümmert sich wenig um eine geordnete Wirt- 
‚schaft, macht grössere Ausgaben als er Einnahmen hat, weswegen 
beinahz der ganza Adel verschuldet ist.“ S. 127 £. 

. Julius Ruggieri 1568. ‚Sie lieben die Untätigkeit und die 
lockere Letensweise und ertragen nicht den geringsten Zwang... 
Sich zu betrinken ist bei ihnen eine löbliche Gewohnheit, ein un- 
zweifelhafter Beweis der Offenheit und der guten Erziehung, dagegen 
wird die Nüchternheit als Unhöflichkeit angesehen... Sie sind 
freigebig bis zur Verschwendung, sogar weniger Begüterte haben je 
nach ihrem Stande silberne Tischgeräte und andere Einrichtungen, 
die zum bequemen Leben dienen... Der ganze Adel hat die 
Gewohnheit sich reich zu kleiden, trägt meistenteils verschieden - 
farbige Bekleidung, wie dies in Ungarn üblich ist; manchmal 
kleidet er sich auch nach italienischer Art, nicht nur in seidene 
‚sondern auch in goldgestickte mit teuerem Pelz gefütterte Ge- 
wänder... Was wir über die Polen gesagt haben, bezieht sich zum 
Teil auch auf die Litauer..‘ S. 169. 

Lippomano im J. 1575. „Die Polen, unter welchem Namen 
‚alle Völker, die dem polnischen Szepter untertan sind, zu verstehen sind, 
sind grösstenteils von hoher Gestalt... Die Adligen lieben es sich stolz 
und reich zu kleiden, im Sommer in seidene, mit Gold und Si!ber durch- 
wobene Gewänder von mannigfalliger Farbe, im Winter in Tuch, mit 
teurem Pelz gefüttert. Mitunter tragen hinter ihnen die Diener, die 
ebonfalls reich gekleidet sind, gewaltige Säbel ; jeder reiche polnisch» 
Edelmann unterhält eine zahlreiche Dienerschar, für die er keine 
Ausgaber scheut; und so mancher macht Ausgaben über sein 
Vermögen nur um glänzend auftreten zu können. Mit einem Worte, 
um Bewundsrung zu erregen und Beifall zu ernten, überschreiten sie 
‚das Mass im Trinken... und im Essen sind sie cbenfalls unmässig, 
:scllass es vorlommt, dass sie 7—S Stunden bei Tische sitzen. Diese 


— 598 —. 


so geschwächt, dass man bereits zu jener Zeit unter den 
Magnaten und Adeligen Atheisten fand. ! 

Hierzu kam die Unwissenheit der Adeligen, die wie 
sicher feststeht, gross gewesen ist. Denn während die 
Magnaten und auch die reichen Adeligen ausserhalb der 
Heimat sich die Bildung holen konnten, war der bei weitem 
grössere Teil das Adels wegen Mangel an Geld nicht im 
Stande in’s Ausland zu reisen und blieb, da es in der 
Heimat an Schulen fehlte, in tiefer Unwissenheit stecken.? 

Wenn auch nach dem Zeugnis der Autoren, die Ade- 
ligen weniger verdorben und nicht so sehr mit Lastern 
behaftet waren wie die Magnaten, ® so war doch ihr sitt- 
licher und religiöser Zustand sehr niedrig. 

Ich muss aber bemerken, dass alles das, was ich 
bisher von den niedrigen Adeligen gesagt habe, nur von dem 
Teile gilt, der sowohl an Reichtum wie auch an Le- 
bensführung den Magnaten ähnlich war. Der gewiss be- 


Neigung zum Trinken, die sie den Spiegel der Seele nennen, bewirkt, 
dass sie rasch zornig werden...‘ S. 251 £. 

Lappo, Welik. Kniaz. Litowsk. 572. 

Przyalgowski, Zywoty biskupow wilensk. I, p. 71, 114, 115. 

Wolonczewski, Zemajtiu wiskupiste I, S. 91. 

1 Zebrowski, Recepta na plastr Czechowicza, Krakow 1597. 

„»...vor nicht langer Zeit ereignete sich in Litauen bei dem 
vorvoriger Tribunalgericht zu Vilnius (also vor dem Jahre 1597, in 
welchem das Buch erschienen ist), dass der Adel einen Richter, namens 
Lowejka, aus einem litauischen Bezirke von Mozera, vor sein Gericht 
gerufen hat, weil er nicht glaubte, dass die Seelen unsterblich seien, 
sondern so stien wie die der Tiere ; desgleichen glaubte er nicht an cine 
Auferstehung ‘und an das jüngste Gericht; dazu sagte er en 
die Welt sei nicht erschaffen, sondern bestehe von Ewigkeit her . 
Ss. alf. Ä 

Reszka, D: Atheismis ei Phalarismis Evangelicorum, Neapoli 

Merczyng, Polsey deisei i wolnomyslici.l2 za Jagiellonow Warsz. 
1911, Ss. 1 ff. 

Brjickner, Roznowierey polscy Warsz. 1905. S. 198 ff. 

2 Lappo Welik, Kniaz. Litowsk. S. 499. 

3 Jaroszewiez, Obraz Litwy TII, p. 1ff. 

Narbutt, Dzieje narodu Litewskiego IX, S. 490. 


=. 50; 2 


deutend grössere Teil der Adeligen, der in wirtschaftlicher 
Hinsicht fast nicht höher wie die Bauern stand, war auch 
im sittlichen Leben den Bauern ziemlich ähnlich. Hierüber 
aber später.! 
Da die Städte gleichsam die Ausgangspunkte der neuen 
Lehre waren, so müssen wir auch über diese sprechen. 
Bekanntlich waren die Städte Litauens weder zahlreich 
noch gross.” Wie die polnischen wurden auch die litauischen 
Städte von Ausländern, besonders von Deutschen bewohnt. 
Der Nuntius Fulvius Ruggieri (1565) sagt, dass alle 
polnischen und litauischen Städte voll von Deutschen seien’? 
und. dase man keine andere Sprache als die deutsche höre. ! 
Ebenso enthalten die Verordnungen des Grossfürsten- 
tums Litauen im XVI. Jahrhundert Klagen über die Masse 
der Ausländer, besonders der Deutschen und Italiener in 


! Lappo, Seite 498. 

2 Herberstein, Rerum Moscoviticarum commentarii: De Lituania 
(im Werke: Rerum Moscovitarum autores varıii. Francoforti, 160), 
Seite 76.) 

Guagnini, Sarmatiae Europeae discriptio, (corpus historiac Po.o- 
niae, Basilcae 1582, p.40ff.). 

Guagnini nennt als hervorragendste Städte in Litauen, »odo- 
lien und Wolhynien ausgenommen, Vilnius, Gardinas, Kaunas, Minsk, 
Novogrwlok, Brestia, Pinsk. Der Verfasser nennt auch viele andere 
Städte, aber er nennt nur die obigen „amplas‘, „amplissimas‘“. In 
Samogitia scheint es keine bedeutendere Stadt gegeben zu haben, da 
der Verfasser bei der Beschreibung dieses Landes keine Stadt nennt 
(Im gleichen Werke Seite 45—47). 

Lasicki berichtet von \en Städten Samogitiens „...Disperse per 
silvas camposque degunt, rara oppida, nee pagos nimium mulios.' 

Johannes Lasicki, De diis Samogitarum caeterorumque Samatarum 
(in seinem Buche: Res publica sive status Regni Poloniae, Prussiae, 
Lituaniae etc. Elseviriae 1626, S. 296). Ebenso: Opisanie Ksiestwa 
Zmojdzkiego Ms. 113. Ossolineum, Lemberg. 

3 Opis Polski przez Fulwinsza Ruggieri wr. 1565. Relaye 
Nuncyuszow, I, p. 131. 

4 Ebendaselbst, Seite 127 f. S. Galekiswski, Czasy Zygmunta 
Augusta II, p. 77. 

Deieduszycki, Skarga i jego wiek, p. 25. 


= 60: = 


Jen Städten Litauens, weil die Eingeborenen von ihnen 
bedrängt wurden.! 

Ueber Sitte und Religion der Stadtbewohner und be- 
sonders der Ausländer, berichten die zeitgenössischen Quel- 
len, die wir zur Hand haben, nichts. Wir können aber 
schliessen, dass die Städter und vor allem die Ausländer 
keine guten Sitten hatten, denn die Verordnungen be- 
klagen sich, dass die Einheimischen von den Ausländer 
verdorben und durch schlechte Sitten angesteckt würden. ° 

Die Städter waren die ersten, welche der neuen Lehre 
auhingen und an ihr zähe festhielten. 


An letzter Stelle müssen wir über die niederen Schicht- 
en des Volkes und besonders über den Bauernstand spre- 
chen. j 

Wie fast überall, so war auch im Grossfürstentum 
Litauen zu dieser Zeit das Los des niederen Volkes sehr 
elend und beklagenswert. | 

Hören wir, um unsere Behauptung zu begründen, die 
Zeitgenossen : „Die Bauern werden kaum anders behandelt 
als Sklaven oder Tiere‘, schreibt Frycz Modrzewski. * 
Und an einer einer anderen Stelle: „Man kann sehen, 
dass das Leben der Bauern ähnlich dem der Sklaven ist, 
die an Scholle und. Pflug beständig gleichsam ange- 
bunden sind ; den ganzen Tag hindurch arbeiten sie ent- 
weder für sich selbst oder für ihre Herren. Vielen reicht 
das Brot kaum für die Hälfte des Jahres ; den übrigen 
Teil des Jahres leben sie sehr elend. Wer von ihnen 


' Kozuchowski,, Constytucye Koronne, „W. X. L. „In ver- 
schielenen Städten des Grossfürstentums Litauen, besonders in der 
Hauptsiadt Vilnius, liess sich eine grosse Anzahl fremder Kauf- 
leut: nieder, die Uns und dem Reiche keinen Eid geschworen haben 
un! «leshalb im Handel und Kauf den Bürgern und Städtern 
vielfach grossen Schaden zufügen.‘ S. 335. 

? Kozuchowski, Constytucye Koronne yW.X.L. ‚...welche (frem- 
“de Kaufleute) nicht nur die Städte und Kaufleute des Königreiches 
angesteckt, sondern auch lem Reiche nicht geholfen haben...“ p. 354. 

3 Andreae Frycii Modrevii. Commentariorum de re publica emen- 
«danda, libri quinque, Basileae 1554, S. 179. 


ul Be 


reicher ist, erfährt grössere "Ungerechtigkeit. Die unge- 
rechten Herren haben viele Möglichkeiten die Bauern. 
zu schinden, denen weder das Recht zusteht über ihre 
Herren zu klagen, noch sie vor Gericht zu ziehen. Ich 
weiss nicht, ob die ägyptische Knechtschaft grösser war 
als die der Bauern“.! | 

„Die Adeligen‘, sagt der Nuntius Lippomano, „haben. 
fast unumschränkte Gewali über ihre Bauern, die sie 
in den Stand der Sklaverei erniedrigten‘“.? 

Eine längere Beschreibung des unglücklichen Loses 
der Bauern in Polen und Litauen gibt der Nuntius Fulvius 
Ruggieri (1565).? 

Nach einigen Autoren war die Knechtschaft in Li- 
tauen härter als in Polen ; denn Hieronimus Lippomano, der: 
Gesandte Venedigs, schreibt: „Es gibt auf der Welt keinen 
unglücklicheren Menschen als den litauischen „Cmetho‘ 
(Bauer), der gar nichts sein Eigen nennt, ausser was ihm 
seinHerr aus Wohlwollen schenkt, was meisi für die dringe- 
endsten Lebensbedürfnisse nicht ausreicht. Sie werden 
nicht nur von ihren Herrn bedrückt und geschunden, son- 
dern aucn noch von den in den Gemeinden und Dörfern 
hausenden Soldaten. Was die Herren den „Umethonen 
an Vermögen noch gelassen haben, das rauben die Soldaten, 


I Frycius Modrevius, Op. eit., S. 181. 

?2 Bericht des Nuntius Alois. Lippomano über Polen im J. 159€. 
(Relacye Nuncyuszow I., p. 65). 

„Für den polnischen Adel arbeitet das ländliche Volk als Sklave 
und muss für alles aufkommen.‘ Schilderung des. Königreiches Pel’n 
durch B. Bongiovanni, im J. 1560 (Relacye Nunceyuszow I, p. 98). 

3 Beschreibung Polens durch Fulvius Ruggieri, 1565. Relarye 
Nuncyuszow, I. p. 128 f. ‚Die ‘Bauern bestellen das Feld und 
sind die Untertanen ihrer Herrn, die über sie das Recht über 
Leben und Tod haben, ohne dass ihnen ein Appellationsrecht 
eingeräumt wird. Grundeigentum besitzen diese nicht, ausgenommen 
in manchen geistlichen Gütern; sie müssen einige Tage in der 
Woche für ihre Herren arbeiten, wofür sie ein Stück Land, das sie in 
den freien Tagen bebauen, zu ihrem Unterhalt bekommen. Auf den 
geistlichen Gütern sind! sie besser dran, wie z.B. in Preussen wo es 


= 36 


sodass sie sich öfters gezwungen sehen, vor der Gewalt 
mit Kindern und Vieh in die Wä,lder.zu fliehen‘“.! 


schöne Dörfer gibt ; aber auf den andern Gütern führen sie grösstenteils 
ein elendes Leben, so dass man mitten im kältesten Winter barfusse 
und ärmlich gekleidete Frauen, die im tiefen Schnee herumwaten, 
anireffen kann. In ihren Häusern haben sie hur ein Zimmer, in 
dem sich ein Ofen ohne einen nach oben führenden Schornstein be- 
findet, sodass beständig Rauch in der Wohnung ist. Oft lassen die 
Adliger ihre Untergebenen für geringfügige Vergehungen unbarm- 
herzig schlagen, mitunter sogar aufhängen, und obwohl sie diese ohne 
Ursache töten, sind sie von jeder Strafe frei, wenn sie 10 
Skude (italienischer Taler) zahlen, während für einen getö- 
teten Hund mehr bezahlt wird. Diese schwere Sklaverei erniedrigte 
die Bauern in dem Masse, dass sie, wenn sie Schläge bekommen, was 
sich oft ereignet, ihrem Gebieter noch dafür danken, sodass man 
mit Recht sagen kann, auf der ganzen Welt gibt es keinen tiefer 
stehenden Sklaven, als es ein polnischer Bauer ist. Die Bauern 
dürfen ohne Erlaubnis ihres Herrn nicht in ein anderes Dorf über- 
siedeln da sie an ihre Scholle gebunden sind und s4 kommt es, dass, 
wenn ein Besitzer das Dorf verkauft, er zugleich auch die dort wohn- 
enden Bauern verkauft, die mitunter ihre Freiheit für acht Skudi 
pro Kopf erwerben können. Sollte sich ein Bauer ohne die, Erlaubnis 
seines Herrn aus dem Dorfe entfernen und würde er auf die erste 
Aufforderung nicht zurückkehren, so wird er gefangen, in Fesseln 
gelegt, und zum Tode geführt, wenn er sich nicht loskaufen kann.“ 

„Aber über die Untertanen des Adels hat weder der König noch 
sonst jemand die Gewalt; einzig und allein der Adel entscheidet 
über seine Untertanen. Gegen das vom Adel gefällte Urteil hat der 
Bauer keir. Appellationsrecht mehr.‘ — Bericht über Jie Zustände 
ia Polen durch J. Ruggieri 1568. Relacye Nuncyuszow I, S. 174. 

1 Relacya o Polsce zr. 1575, przcz posla weneckiego Hieronima 
Lippomano. Relacye Nuneyuszow I., S. 248. M 

Wie ich bereits oben gesagt habe, betrug die Strafe für die Tötung 
eines Bauern (gemäss dem ersten Statut) 10 Schock Groschen, für 
einen Handwerker zahlte man mehr. Diese Strafen zahlte man in 
Wirklichkeit nur dann, wenn man einen fremden Menschen tötete. 
Ueber seine eigenen Leute besass jeder Herr, wenn nicht de jure, so 
doch de facto die Gewalt über Leben und Tod. | 

Die Quellen bezeugen ausdrücklich, dass die Herrn ihre Leute 
‘ quälten und töteten, ohne ‘dass sie deswegen zur Verantwortung 
gezogen wurden. Michailo Litwin, Memuary otnosiasezijasia k’istorii 
Juznoj Russi S. 38 £. ' 


= I, u 


Alexander Guagnini, der um die Mitie des XVI. 
Jahrhunderts lange Zeit in Litauen weilte und die verschie- 
denen Teile als Oberst durchstreifte, berichtet vom nie- 
deren Volke in Litauen folgendes: „Ein bedauernswertes 
Volk; es wird besonders in den Dörfern und Ge- 
meinden von harter Knechtschaft bedrückt, denn ein jeder 
kann von einer Schar von Dienern umringt in das Haus 
ırgend eines Bauern hineingehen, dort ungesiraft tun, was er 
will, die nötigen Lebensmittel nehmen und den Bauern 
grausam schlagen“. | 

„Den Bauern steht der Weg zu den Herren, wenn sie 
diese aus irgendeinem Grunde einmal aufsuchen wollen, nur 
dann offen, wenn sie Geschenke mitbringen. Die Bauern 
arbeiten fünf Tage lang, zuweilen sechs für ihre Herren. 
Der Montag ist frei für Privatarbeit und zumeist arbeiten 
sie auch an Sonntagen (denn es gibt für die Landleute keine 
Feiertage), bebauen den Acker, ernten, mähen und dreschen.! 
Wenn man fragt: „Warum arbeitest du am Sonntage ?“ 
dann pflegen sie zu antworten: „Muss man nicht auch 
am Sonntage essen?‘ Jedes Jahr zahlen sie drei und 
viermal. eine für die Landesverteidigung bestimmte Geld- 
summe und sie werden von ihren Herren auch mit Hilfs- 
trıbuten schwer belastet. Sie essen schwarzes, ärmliches 
Brot, in dem Weizen mit Kornähren verarbeitet sind‘.? 
„Auch kann man bei ihnen sehen, dass wenn jemand 
zum Tode verurteilt ist, er auf Befehl seines Herrn 


1 De lituanae gentis origine et moribus ex Alexandri Guagnini 
Sauromatica Europea. In seinem Buche: Respublica sive status 
Regni Poloniae, Prussiae, Lituaniae, Livonicae etc. Elzeviviis 1626, 
p. 281. 

Ebenso Cromerus, Polonia, Coloniae Agrippinae 1589, pag. 249 a. 

? Guagnini, 8. 281. ) 

Johannes Lascius schreibt über die Wohnungen der Samo- 
gitier: „Sie bauen Hütten, die sie Türme nennen, die oben 
eng sind, woraus der Rauch und die schlechte Luft ent- 
weicht, diese sind offen und aus Balken, Stangen, Stroh und Baum- 
rinde. So wohnen die Leute mit allem Eigentum auf dem mit 
Brettern belegten Boden. Da liegt der Familienvater an der Tür, 


= bh 


sich selbst den Tod geben muss; sollte er sich weigern, 
so wird er durch Drohungen und Schläge gequält und dazu 
gezwungen.“! 

Nach dem zeitgenössischen Schriftsteller Wolan ver- 
schlang der unglaubliche Luxus der Magnaten und Adeligen 
ein gewaltiges Vermögen, zu dessen 'Beschaffung alle Feld- 
früchte ins Ausland ausgeführt und verkauft werden muss- 
ten. Deshalb wütete unter dem niederen Volke der Hunger 
oft so enisetzlich, dass man in den Städten und Dörfern 
zahllose Leichen von Leuten sehen konnte, die vor Hunger 
gestorben waren.? 

Die Herren hatten eine unbeschränkte Gewalt über 
Leben und Tod ihrer Untertanen. Michailo, ein .Litauer 
jener Zeit, der selbst Untertanen hatte, sagt: „Wir miss- 
brauchen unsere Gewalt gegen die Untergebenen dadurch, 
dass wir sie quälen, verstümmeln und töten ünd zwar ohne 
jegliches Urteil bloss wegen eines zufälligen Verdachtes‘“. 

Ich muss aber bemerken, dass nicht alle Bauern in 
Litauen unter dem gleichen Lose zu leiden hatten. Das 
niedere Volk schied sich in drei besondere Klassen, von 
denen die erste Klasse aus den eigentlichen Sklaven he- 
stand. Dass ihre Zahl gross war, ist bekannt. Sklaven wur- 
den: 1) Kriegsgefangene, 2) Abkömmlinge von Sklaven, 
3) solche, die mit Sklaven Ehen eingingen, 4) sol- 
che, die sich selbst in die Sklaverei verkauften und 5) sol- 
che, die ihren freien Stand nicht nachweisen konnten. 





damit er alles im Auge hat und die schädlichen wilden Tiere und 
die Kälte vom Vieh fernhält. Die Wache über das Feuer ist dem 
Herdgotte anvertraut, damit nicht das Feuer der Wohnung Schaden 
tut oder die glühenden Kohlen des Nachts erlöschen. Hier kommt 
es häufig vor, dass ein Schwein oder ein Hund aus dem Topfe, 
der auf dem Herde steht, Fleisch wegstiehlt oder sich am heissen 
Wasser (ie Schnauze verbrennt.“ De diis Samogitiarum, p. 296#£ 

I Guagnini, Sauromatia Europea (im Buche: Respublica ete. 
p- 39 

® Wolan Andrzej, O wolnosei Rzezypospolitei, S. 64 Ä#f. 

3? Michajlo Litwin. Memuary olnosiase. Kistoril juzno) Russi, 
Ss. 3Sf£. ge Br 


{ ; = es ) 


=, "05 


Diese alle waren völlig rechtlos und wurden von den Herren 
wie Sachen oder Vieh behandelt. 

Zur zweiten Klasse gehörten die an die Scholle gebun- 
denen Bauern. Diese hatten einige Rechte ; sie durften 
z.B. gewisse Kontrakte abschliessen und bewegliches Ge- 
‘rät besitzen. Im 16. Jahrhundert aber gehen sie all- 
mählich in der Klasse der Sklaven auf. 

Die dritte Klasse, die Wandernden oe; um- 
fasste die freien Bauern. Diese betrieben den Ackerbau und 
konnten von einem Herrn zum andern zu verabredeter 
Zeit frei übergehen. Sie genossen volle persönliche Frei- 
heit ; unbewegliche Güter zu besitzen, war ihnen aber ver- 
boten. Diese Klasse war in der Zeit, die wir besprechen, 
nicht mehr zahlreich‘; in der Folgezeit verschwindet sie 
gänzlich .! 

Im. allgemeinen kann man jedoch sagen, dass es 
von .der höchsten Gewalt gesetzlich festgesetzte Rechts- 
bestimmungen über die gegenseitigen Verpflichtungen von 
Untertanen und Herren nicht gab. Infolgedessen waren 
natürlich die Untertanen ‘gänzlich vom Willen ihrer 
Herren abhängig. Darum war das Los der Untergebenen 
bei guten und verständigen Herren erträglich, zuweilen 
sogar gut, dagegen seufzten die Untertanen bei schlechten 
und grausamen Herren in unerhört schrecklicher Knecht- 
schaft. 

Es ist völlig überflüssig zu beweisen, dass das nie- 
dere Volk Litauens zu dieser Zeit im tiefsten Dunkel der 
Unwissenheit lebte. Denn bei dem Mangel an Ele- 
mentarschulen musste dem Volke jede weitere Kenntnis 
fehlen. 

Fragt man nach dem moralischen Zustand des niederen 
Volkes in Litauen, so muss man sagen, dass die Ge- 
sittung des einfachen Volkes entschieden besser war, als die 


1 Archiv jugozapadnoj Rossi, Th. VI, B. U, S. 10£f. 
Kutrzeba, St. Historya ustroju Polski w zarysie (Litwa), -S. 
12 ff. 


3 


66 — 


der Magnaten und Kleinadeligen. Dennharte Knechtschaft 
und bittere Not hielten das niedere Volk von Völlerei, 
Trunksucht, Luxus, Pomp, ‘von stolzem Wesen,‘ weich- 
lichem Leben und von allen jenen Gelegenheiten ab, in 
denen die guten Sitten zu verderben und die Laster zu 
wachsen pflegen. Unter dem Drucke der Knechtschaft 
führte das niedere. litauische Volk ein hartes Leben und 
hielt darum grösstenteils an den von den Vätern ererbten 
strengen Sitten fest.! 


 1'Johannes Lasicius, der in der zweiten Hälfte des 16. Jahr- 
hunderts lange Zeit in Litauen weilte (Fr. Max Sobicsz- 
czanski, Encyclopedia powsz. Orgelbranda 1864. XVII, Seite 536— 
538) überliefert über die Gesittung des niederen litauischen Volkes 
folgendes : „Männer wie Frauen sind sehr liebenswürdig und ehrbar. 
sehr selten kommt bei ihnen Mord, Diebstahl, Unzucht und Blut- 
schande vor. Das Mädchen verfolgt den, der es zur Unkeuschheit 
‘ reizt, mit blankem Messer. Es geht mit zwei vorwärts und rück- 
wärts hängenden Klingeln und bei Nacht mit einer Fackel einher, 
wodurch die Eltern aufmerksam gemacht werden, wo die Toch- 
ter ist und was sie treibt... Die Jungfrau heiratet nicht vor dem 
dreissigsten Jahre oder sie zählt mindestens 24 Jahre, und sie 
verfertigt eigenhändig einige Körbe mit Kleidungstücken, um sie 
mit ihrem Bräutigam an alle, die zu ihnen kommen, zu verteilen ; 
dabei gibt sie nämlich diesen einen Ueberrock, ein Vortuch, 
ein Handtuch, oder aus Wolle gewobene Strümpfe und Handschuhe ; 
sie geht nicht eher auf das Land hinaus, bis sie die Eltern bedient 
hat und ihnen in allem zu Willen gewesen ist; ebenso macht es der 
Sohn. Und die Werber, welche sie zur Frau begehren, sehen zu- 
nächst und vor allem’ darauf, ob sie den Eltern gehorsam ist und ob 
sie häuslichen Sinn hat... Wenn der Vater eine Gattin für den Sohn 
sucht, so schaut er nicht auf schöne Gestalt und Mitgift. Er glaubt,- 
dass sie genügend Mitgift hat, wenn sie sittsam, kraftvoll und er- 
wachsen ist, sie wird mit grosser Freude in's Haus des Schwie- 
gervaters eingeführt.‘ 
| J. Lasieii, De diis Samogitarum, im Buche: Respublica sive 
status Regni Poloniae, Prussiae, Lituaniae etc., Elzeviriis 1626, 
p. 298. 
Jaroszewicz, Obraz Litwy III, S. 2£. 
Narbutt, Dzieje narodu litewskiego IX, S. 490. Wenn auch 
‚andere Schriftsteller des 16. Jahrhunderts die Sitten der Bauern 
Litauens nicht loben, so sprechen sie doch nirgends von einer Ver- 


Obwohl es feststeht, dass, wie auch einige Autoren 
behaupten,! ‚die Verderbnis der obern auch in die .nie- 
deren Schichten des Volkes einzudringen begann, so wissen 
wir nichtdestoweniger bestimmt, dass bis dahin nur das 
niedere Volk seine guten Sitten unverfälscht bewahrt hatte.? 

Aber die Religion des niederen Volkes war viel schlech- 
ter als seine Sitten. Denn nach guter Ueberlieferung 
waren im 16. Jahrhundert, und besonders in Samogitien, 
noch sehr viele Ueberreste des Heidentums vorhanden.? 

Grossfürst Sigismund-August schrieb im Jahre 1547 
über den religiösen Zustand Litauens: „Wir haben eine 
neue Pflanzstätte für ‘den christlichen Glauben in un- 
serem Grossfürstentum Litauen. Denn mit Ausnahme der 
Stadt Vilnius ist es hauptsächlich in Samogitien, um 
von anderen abergläubischen Gebräuchen zu schweigen, 
wo das rohe und unkultivierte Volk Wälder, Eichen, Lin- 
den, Flüsse, Steine, auch Schlangen als Götter verehrt 
und ihnen öffentlich und zu Hause Schlacht- und Brand- 
opfer darbringt“.* 

Guagnini sagt: „Es gibt noch‘ heute mehrere Götter- 
kulte“. Er beschreibt auch die heidnischen Gebräu- 
che der Litauer.® Desgleichen schildert der oben er- 


dorbenheit der bäuerlichen Sitten, das geschieht aber sehr oft, 
wenn sie von den Sitten des Kleinadels und der Magnaten sprechen. 

Relacyc Nuncyuszow, I, S. 64 ff, 96ff, 113ff, 165£f, 238 ff. 

Jaroszewicz, Obraz Litwy III, S. 1 ff. 

Golebiowski S., Czasy Zygmunta Augusta II, S. 155£f, 281£f. 

‘Guagnini, Sarmatiae Europeae descriptio und viele andere. 

1 Jaroszewiez, S. 1 ff. 

2 Jaroszewiez, S. 2 f. Narbutt, IX, S. 490. 

® Opisanie Krolewstwa polsk. przez Bernarda Buongiovanni 
3r. 1560. Belacaye Nuncyuszow I, S. 98. 

Opis Polski przez Ful. Ruggieri wr. 1565. Belaoya Nuncyus- 
zow, I, S. 160. 

Relacya o Polsce przez posla weneckiego Hieron. Lippomano, Bela- 
cye Nuncyuszow I, S. 248. 

4 Epistola Sigismundi-Augusti ad S. Maciejowski 1547 an. 
Vilnae (acta Historica IV, N A 29). 

9  ..gewisse Schlangen mit vier kurzen Füssen nach Art der 


— 68 — 


'wähnte Johannes Lasicius in seinem Buche „De diis 
Samogitarum‘“ eingehend den heidnischen Aberglauben Sa- 
mogitiens im 16. Jahrhundert, mit allen seinen Riten, 
Zeremonien und seiner umfassenden Mythologie.! Fast alle 
Schriftsteller sagen, dass das Heidentum nur in Samogitien 
in Blüte gestanden habe. Aber es fehlt in den Quellen 
nicht an Dokumenten, welche uns überliefern, dass im 
XVI. Jahrhundert die heidnischen Gebräuche im gesamten 
ethnographischen Litauen, also soweit es von Litauern be- 
wohnt war, verbreitet gewesen seien.? Ä 
Die Ursachen dieser Erscheinung waren mannigfach. 
Die Christianisierung des niederen litauischen Volkes. 
war meist mit der Spendung der Taufe beendet. Die 
Bauern wurden zwar auf Befehl ihrer Herren getauft, aber 
der Unterricht in der Religion fehlte ihnen gänzlich. Denn 
Kirchen . waren sehr selten, zumal bei der ungeheuren 


Eidechsen, mit einem schwarzen und dicken Körper, die sie in 
der heimischen Sprache Givojiten nennen, ernähren sie als die 
Hausgötter ihrer Behausung. In einem geweihten Hause unter- 
gebracht kriechen diese Schlangen an bestimmten Tagen an die vor- 
gesetzte Speise und werden dann von den Leuten solange umstanden. 
bis sie gesättigt in ihre Behausung zurückkehren, welche mit einer 
gewissen Furcht verehrt wird. Wenn ihnen ein Unglück zustösst, 
so glauben die Leute, dass ihr Hausgott, die Schlange, nicht gut 
empfangen und nicht satt geworden sei... Es gibt auch vier Meilen 
von Vilnius entfernt ein königliches Landhaus, Lavariszkes (Lawariski). 
in dem von vielen’ bis auf den heutigen Tag noch'Schlangen verehr: 
werden. Obwohl dieses nicht in Samogitien vorgekommen ist, sondern jn 
Litauen, so habe ich es doch als Beispiel angeführt.“ Alerander 
Guagnini, De Ducatu Samogitiae, im Buche: Respublica sive status 
Regni Poloniae, Prussiae, Lituaniae, Livoniae etc. Elseviriis 1626, 
Ss. 276 ff. 

1 De diis Samogitarum caeterorumque Sarmatarum im Buche: Res- 
publica sive status Regni Poloniae etc., S. 291 ff. 

2 Relacye Nuncyuszow, I, S. 98, 160, 248. Mess. (Bibliothek 
zu Vilnius) 158, 1895. Wie lange die Litauer an den heidnischen 
Gebräuchen festhielten, ersieht man schon daraus, dass noch heute 
sehr viele heidnische Elemente beim einfachen Volke zu finden sind, 
und zwar am meisten dort, wo die Kultur weniger Fortschritte gemacht 
hat. 


=. 60 


Ausdehnung des Grossfürstentums Litauen.! Die Bewoh- 
ner wohnten zerstreut in den Wäldern und manche von 
ihnen besuchten wegen der Entfernung und der sehr 
schlechten Wege die Kirche sehr selten oder sogar nie. 

Bei solchen Zuständen konnte nur ein wahrhaft apost- 
olischer Eifer etwas ausrichten. Wir haben aber schon 
früher gesehen, war für Apostel der litauischen Kirche 
vorstanden. | 

Insbesondere unterliessen es die litauischen Bischöfe, 
dafür zu sorgen, dass der Priesterstand aus den Einhei- 
mischen sich rekrutierts ; sie betrauten Ausländer, meistens 
Polen, mit dem Seelsorgeramt ; Leute, die wegen ihrer 
schlechten Führung aus Polen vertrieben worden waren.? 

Diese Aus!änder verstanden die litauische Sprache nicht 
und vernachlässigten es zumeist, sie zu erlernen, weshalb sie 
mit Recht „stumme Hirten‘ genannt werden konnten (Man 
darf nicht vergessen, dass das Litauische von den slavischen 
Sprachen ganz verschieden ist und den Slaven grosse 
Schwierigkeiten zu machen scheint). 

Endlich übten die verdorbenen und habgierigen Kle- 


1 Zacharias Ferrerius, Apostolischer Nuntius, spricht im Hand- 
weiser für die Diözesen Litauens vom Jahre 1520 seine Verwunderung 
über die „grosse Entfernung der Kirchen vom Volke und deren 
Seltenheit in einer so weiten und ausgedehnten Gegend‘ aus. 

Lukaszewiez, Historya szkol w Koronie i w Wielkim Ks. Li- 
tewskim II, S. 66f. Note 3. 

2 Ich habe oben das Zeugnis des Nuntius Commendoni ange- 
führt, das berichtet, dass die litauische Kirche nur vertriebene 
polnische Priester (die verdorbensten Ausländer) gehabt habe, die weder 
sittlich gut waren, noch den nötigen Unterricht gehabt hatten, und 
die obendrein nicht einmal die Sprache und die Sitten der Litauer 
kannten. Aber hören wir auch andere zeitgenössische Zeugen : „Die 
Bauerr sind in der Religion ungebildet, weil sie keine Priester und 
Pfarrer haben, welche ihre Sprache kennen.‘“ Cromerus M. Scrip- 
tores rerum Polonicarum XV, S. 174. 

„Wenn wir die Diözese Vilnius besuchen würden,... wie viele 
Pfarrkirchen würden wir gegen des Priestermangels in jener 
Diözese von ihren Leitern verlassen. finden. Wir haben erfahren, 


riker eine grausame Herrschaft über die Untergebenen aus: 
die oft grausamer war als die der Laien* und machten so 
die Litauer. von. sich, wie auch von der Religion abr 


wendig. 

Das sind die Gründe, welche uns end erklären, 
warum das niedere litauische Volk noch ungefähr 150 Jahre 
nach der Ausbreitung des Christentums mehr heidnisch 
als christlich war. In diesen Schichten war an ein 
verständnisvolles Eintreten für die katholische Lehre über- 
haupt nicht zu denken. 

So:war also der Boden Litauens für dis Aufnahme 
des Samens der neuen Lehren nur.zu gut vorbereitet. ‚Die. 
welche den Samen der katholischen Lehre säen und pflegen 
sollten, vernachlässigten ihre Pflicht, und scheuten sich 
nicht einmal die Saat des Aergernisses mit eigener Hand 
auszustreuen. Der geistige Boden, auf dem das religiöse 


dass sie schon lange Zeit preisgegeben seien und dass, wenn man zu- 
fällig in einigen Kirchen einige Priester findet, diese, wie wir gesehen 
haben, wegen der Unkenntnis der litauischen Sprache für die Kirche 
und das Volk jenes Landstriches völlig unnütz sind. Wir haben 
bemerkt, dass wegen des Priestermangels und ihrer Unkenntnis 
der Sprache, das Volk nicht nur ohne jeden Unterricht, der zum 
Heile beim Sakramentenempfang. notwendig ist, geblieben ist, son- 
dern fast ohne Kenntnis Gottes und der Sakramente, gleichsam wie 
dummes- Vieh dahinlebt und dass die Kinder sehr oft ohne 
die hi. Taufe aus dem Leben gehen.‘ Alexandri Cumulei ad Septen- 
trionales Principes Nuntii Apostolici et Visitatoris sede vacante in 
Episcopatu Vilnensi Provisio Seminarii pro alendis viginti juvenibus 
Lituanis et Bursae Valerianae melioratio (vom Jahre 1595). 

Balinski. Akademja. Wilenska. 

1 Die Kapitel sprechen sich in ihrer Antwort an den Nun- 
tius Lippomano (1555—1557) über die Art und Weise, wie die 
Kleriker ihre Untergebenen behandeln, folgendermassen aus: „Wir 
geben hier die harten Abgaben und Verpflichtungen, sowie die sehr 
schwere Last an,die sie ihren Untergebenen dadurch aufbürden, dass sie 
diese auch an Sonn- und Feiertagen zur Arbeit zwingen, sodass sie 
sich nichts daraus machen, wenn sie es hierin den Adligen gleich 
tun, und diese in vielen anderen Hinsichten sogar noch übertreffen.. 

Relacye Nuncyuszow I, S. 46 £. 


=. I Se 


Leben hätte erblühen sollen, lag teils brach, teils nährte er 
unfruchtbare und schädliche Kräuter. Hier konnte jeder, 
ae Macht hatte, säen, was er wollte: 


II. 


Die Anfänge der Glaubenspaltung in Litauen. 


Wege, auf denen der Protestantismus nach Litauen kam: Herum- 
wändern der Magnaten und niedern Adeligen. Handel und Verkehr. 
Der erste Samen der neuen 'Lehren in Litauen und seine ersten Ver- 
breiter: Tortyllowicz, Abraham Culvensis, Albrecht von Preussen 
und seine Tätigkeit zur Verbreitung des Protestantismus in Litauen. 
Ausbreitung der neuen Lehre in ‚Litauen. Hindernisse, die der neuen 
Lehre in den Weg gestellt wurden. — Die Bischöfe von Vilnius: 
Johannes de Ducibus Lituanise; Paulus, Dux Holszanensis, seine 
Tätigkeit, um die Fortschritte der neuen Lehre zu hemmen. — 
Die Bischöfe von Samogitjien: Wenzeslaus Vierzbicki. — Beziehung 
der weltlichen Macht zur neuen Lehre. König Sigismund I. Seine 
Edikte gegen die Verbreitung der .neuen Lehre. Ursachen, welche die 
Litauer für die Annahme der Neuerungen empfänglich machten: 
Sittenverderbnis des Klerus, ungenügendes Eindringen der katholischen 
Lehre in Litauen. Die Sitten der Litauer und Eigentümlichkeiten 
der Zeit; Leichtlebigkeit und ‚‚Nachäfferei‘‘ der Magnaten und 
des niedern Adels. Dar Humanismus in Litauen.  Herrsch- und 
Habsucht der Magnaten. Ursachen, welche die Neuerungen ins Land 
brachten. | 


I. 


Nachdem wir gesehen haben, wie der Boden Litauens 
zur Aufnahme der neuen Lehre vorbereitet war, müssen wir 
auch die, welche die Aussaat besorgten, die Aussaat selbst 
und die günstigen Umstände, welche den Sprösslingen för- 
derlich waren, und ihr Wachstum kennen lernen. 

Die Geschichte überliefert über die ersten Verkünder 
des Protestantismus und seine Verbreitung in Litauen 
sehr wenig. | 


I 


Wann die ersten Samenkörner der neuen Lehre in 
Litauen ausgestreut wurden und werdie ersten Säer waren. 
ist nicht sicher bekannt. | 

Wir wissen jedoch, dass die protestantischen Ideen 
auf zwei Wegen in Litauen. Eingang gefunden haben. 

Zunächst wurden die Magnaten und Kleinadeligen. 
die nach damaliger Sitte in den Ländern des Westens um- 
herzogen und die Universitäten besuchten, dort mit den 
neuen Lehren bekannt, die sie dann in der Heimat unter 
ihren Landsleuten aussäten.! 

Doch gab es auch Priester, die der Studien halber die 
Universitäten des Westens besuchten und so für die neue 
Lehre gewonnen wurden.? 

Ein zweiter Weg war der Handel und Verkehr mit 
Deutschland und besonders mit Preussen. Die Kaufleute 
aus Litauen besuchten oft die Städte Deutschlands und 
besonders die Preussens.. Ebenso kamen Deutsche des 
Handels wegen nach Litauen ; viele von diesen und an- 
dere Ausländer pflegten in Litauen zu bleiben, wie wir 
bereits gesehen haben.? Kein Wunder, wenn also die neue 
Lehre, besonders unter den Bewohnern der Städte, Ver- 
breitung fand. 


— nn — oo 


1 Die Sitte nach dem Westen zu gehen, um die verschiedenen 
Lehrer zu hören und die Universitäten zu besuchen, war unter 
Jen Magnaten Polens wie Litauens, zumal im 16. Jahrhundert, sehr 
verbreitet. Dies galt für eine bessere Bildung als unumgäng- 
lich notwendig. In Litauen war es in den Gesetzen festge- 
legt, dass niemand diesen Aufenthalt im Auslande hindern könne 
(Statut Litewski, Rozdz. I, art. 16). Die Friedenszeit und der 
Reichtum begünstigten diese Wanderungen in's Ausland sehr. Die 

3 Kozuchowski, Constytucye koronne yW. Ks. Lit. Mokrsk 
dem Drange, in der Fremde neue Dinge, Abenteuer und Gefahren 
aufzusuchen. 

2 Ossolinski, Wiadomosci historyczno-Krytyezne IV, S. 179. 

3 Kozuchowski, Constytucye koronne y W. Ks. Lit. Mokrsk 
1132, S. 354 f. 

Golebiowski, Czasy Zygmunta Augusta II, 8. 253 £. 

Czacki T., O litewskich i polskich prawach I, S. 107, 135. 


u. wi 


Wer die neuen Lehren in Litauen zuerst offen aus- 
zustreuen begann, darüber sind die jüngeren Autoren ver- 
schiedener Meinung.! Soviel wissen wir aber bestimmt, dass 
schon einige Jahre nachdem Luther zum Abfall von der 
katholischen Kirche aufgerufen hatte, unter den Litauern die 
neue Lehre derartig verbreitet war, dass der Bischof von Vil- 
nius, Johannes, genannt „de ducibus Lituaniae‘, für dieses 
Uebel ein Gegenmittel suchen musste und im Jahre 1526 
oder 1527 eine Diözesan-Synode berief, auf. der er ien 
‚Zustand in seiner Diözese mit folgenden Worten schilderte: 
„Angesichts der gegenwärtigen Lage wundern wir uns, dass 
in unser Grossfürstentum Litauen so mannigfaltige Riten 
des christlichen Glaubens, so viele Abwege und Unterschiedr 
der Religionsübung, deren täglich leider neue entstehen; 
eingedrungen sind, wodurch die einfachen und ungebil- 
deten Kleriker angesteckt, durch’ schlechte Sitten und ver- 
‚abscheuungswürdige Gewohnheiten verdorben, in schwere 


nn 





1 A. Wegierski (Regenvolscius), ein Schriftsteller aus der Mitte 
des 17. Jahrhunderts, der noch als Quelle in Betracht kommt, nennt als 
ersten ' Verbreiter des Protestantismus in Litauen den Abraham Culven- 
sis: „Bei den Litauern fassten vom Jahre 1539 an die Anhänger 
Luthers aus Deutschland Fuss, und zwar unter Leitung eines gewissen 
Abraham Culva, eines Doktors der Theologie, der in der Stadt Vilnius 
eine Schule eröffnete, in der er 60 Schüler unterrichtete.‘‘ Sys- 
tema historio-chronologicum 1652. Trajeci ad Rhenum, p. 74. 

Kojalowicz, ein Zeitgenosse des Wegierski, der ebenfalls zu den 
_Quellenschriftstellern gerechnet werden darf, nennt als ersten Verbreiter 
‚des Protestantismus in Litauen einen gewissen Viklef (nach anderen 
Vincler) ‚Im Jahre 1555 erschien zuerst in Vilnius ein Ausländer, na- 
mens Viklef (dem Stande nach Priester, wie er angab). Dieser erhielt 
die Erlaubnis den Bewohnern der Stadt und den Ausländern in 
‚deutscher Sprache zu predigen. Dieses tat er unter grossem Zulauf in 
der St. Anna-Kirche, sodass er keiner Behörde als verborgenes 


Gift erschien.‘ Miscellanea, S. 64. R 
Friese, vom Ausgange des 18. Jahrhunderts, gibt ein ganz 
anderes Zeugnis: ‚In Litauen soll die evangelische Lehre schon 


1525 ihren Anfang genommen und im selben Jahre ein Fran- 
':ziskanermönch, der schon viel Einsicht gehabt, Luthers Lehre öffent- 
lich gepredigt haben. Um das ‘Jahr 1535 hatte sich diese schon 


_ A —_ 


Gefahren für die Seele geraten, um nicht zu sagen, dass sie 
den kanonischen Strafbestimmungen anheimgefallen sind“ .! 

Dennoch scheint es an solchen Neuerern gefehlt zu 
haben, die, nachdem sie die katholische Religion verlassen 
hatten, offen ihre Lehre bekannten, und ebenso fehlte es an 


durch ganz Litauen verbreitet, und es mögen ohne Zweifel viele 
durch die Einwohner aus dem benachbarten Preussen, aus Kur- und 
Livland dazu gebracht worden sein... -Die bekanntesten Lehrer waren 
Georgius Martinus Moscovidius, Stanislaus Rappagelanus, der erst 
ein Franziskanermönch gewesen, dann die Kutte weggeworfen, nach 
Wittenberg gegangen und sich eine lange Zeit bei D. Luthern auf- 
gehalten, von ihm auch zum Doktor der Theologie gemacht worden .... 
Aus seinem Schreiben, so dieser Rappagelanus 1543 an den König 
von Polen ergehen lassen, sieht man, dass noch mehr gelehrte 
Litauer gewesen, die wegen der Verfolgung ausserhalb Landes ge- 
gangen sind... so Abraham Culva, welcher erst zu Krakau studierte, 
von da begab er sich nach Wittenberg, studierte unter Melanchthon 
und kam um das Jahr 1538 nach Litauen zurück. 1539 hielt 
er ansehnliche Collegia zu Wilda ;(Vilnius), wohin er viele andere 
Polen und Litauer, die vorhin unter seiner Direktion zu Witten- 
berg studiert, gezogen, sodass über sechzig junge Leute beisammen 
waren, hernach aber ist er wegen der Verfolgung nach Königsberg 
gegangen‘‘. Beiträge zur NBReformationsgeschichte 1786, S. 70 £. 
Soweit die alten Schriftsteller. Unter den jüngeren Autoren sind die 
Meinungen ebenfalls sehr verschieden. 

Jaroszewicz folgt Wegierski und fügt nichts selbständiges hinzu. 
(Obrak Litwy III. S. 31 £.). 

Bukowski hat in der Hauptsache die Friesesche Ansicht über- 
nommen (Dzieje Reformac. I, 338 ff.). 

Przyalgowski schliesst sich Wegierski an und gibt dessen An- 
sicht wieder, wenn er sich auch nicht auf Wegierski beruft 
(Zywoty Bisk. Wilensk. I, S, 147 ff.). 

A. F. Adamowicz scheint in seinem kleinen, aber durchaus 
wissenschaftlich gehaltenen Büchlein Friese zu folgen, aber er 
erwähnt weder diesen noch andere Quellen (Kosciol Augsburgski 
w. Wilnie 9—12). Allen jüngeren Autoren ist jedoch Wotschke 
vorzuziehen, der nicht nur Wegierski und Friese vor Augen hat, 
sondern wichtige Quellen und unbekannte Briefe anführt. Deshalb folge 
ich ihm vor allen anderen. Siehe seine Werke: Geschichte der 
Reformation in Polen, Leipzig 1911. S. 87 ff. Abraham Culvensis 
in der ‚Altpreussischen Monatschrift‘“. Bd. XLIl. H. 3, 4. 

1 Jocher A., Obraz bibliografizno-historyczny literatury i nauk 
w Polsce, Vilnius 1839—58. III, S. 381. 


u, IE 


ständigen Predigern, welche die neue Lehre hätten verkünd- 
en können.! 

Die ersten EN Dreier der ee 
Lehre, über die wir sichere Zeugnisse haben, sind Tor- 
tyllowicz und Abraham Culva. 

Torbyllowiez, Pfarrer zu Szilale (Sileli) in Semogikiäi 
gab den katholischen Glauben um das Jahr 1535 auf und 
versuchte Luthers Lehre in seinem Lande auszubreiten. Zur 
Flucht gezwungen ging er nach Preussen, wo er sich! 
niederliess (Er ist der Ahnherr der bekannten ostpreussi- 
scher. Familie Tortyllowiez v. Batocki-Frieben geworden) .? 





Bukowski, Dzieje Reformacyi w Polsce I, 547 f. 

.Golab J. Starania Polski osobor powszechny, Krakow 1911, 
S. 120 ff. | 

Bukowski sagt, dass Wiese Synode zwischen den Jahren 1519 
und 1523 abgehalten worden sei. Przyalgowski verlegt sie in das Jahr 
1526. Golab endlich versichert (in seinem bereits erwähnten Werke), dass 
diess Synode im Jahre 1526 oder 1527 stattgefunden habe. Die An- 
sicht Bukowskis ist zu verwerfen, da sie sich auf kein Argument 
stützt und einigen Tatsachen widerspricht. Mehr Glauben dagegen ver- 
dient die Golabsche Ansicht. Auf dieser Synode wurden viele 
nützliche Bestimmungen erlassen. 

*In einem Manuskript aus dem Jahre 1536, das ich ohne 
Titl und arg verstümmelt in der Bibliothek des Seminars 
zu Vilnius fand, las ich (im Vorwort folgendes: „Alles ist näm- 
lich derart verwirrt, alles derartig in Auflösung, dass kaum ir- 
gendwo eine Spur der Tugend. zu finden ist... überall macht 
sich Verdorbenheit ‘und Ueppigkeit breit... die Priester ver- 
abscheuen jede heiligmässige Lebensführung, durch jede Art van 
Schandtaten sind sie entweiht und geben sich der Schlemmerei 
und Unzucht hin... Und was noch schlimmer ist, viele scheinen 
sich heimlich haeretischen Ansichten und Irrtümern anzuschliessen, 
die aus Deutschland in unser Grossfürstentum eingeführt sind.“ 
Am Schlusse des Vorwortes befindet sich eine Bemerkung über das 
Jahr, in welchem die Handschrift geschrieben worden ist, aber Ver- 
fasser und Entstehungsort bleiben unbekannt. 

Das Manuskript der Seminarbibliothek zu ‚Vilnius, das vor der 
Mitte des 16. Jahrhunderte geschrieben ist, bezeugt, dass die 
neue Lehre unter dem Bischof :von Vilnius, namens Johannes de 
Dueibus Lituaniae (1519—1536) ziemlich verbreitet worden sei, aber 
sich heimlich eingeschlichen habe und keine ständigen Prediger hatte. 

2 Wotschke, Abraham Culvensis, p. 169 ff. 


Abraham Culva, ein vornehmer Litauer, besuchte ver- 
schiedene Universitäten Westeuropas, u.a. auch die zu 
Wittenberg und erwarb sich dort die akademischen Grade. 
Von reformatorischem Eifer beseelt, kehrte er in die Heimat 
zurück und fand die Unterstützung der Königin Bona. 
Durch deren Gunst war es ihm möglich in Vilnius eine 
höhere Schule zu gründen, in der er die Kinder aus dem 
Magnaten- und Adelstande (ungefähr 60 an der Zahl), 
vier Jahre hindurch (von 1538—1542) in den Sprachen 
unterrichtete und ihnen zugleich die protestantische Lehre 
beibrachte. Auch verkündete er die neuen Lehren von der 
Kanzel herab. Lange Zeit verstand er es, sich dem wach- 
' samen Auge des Bischofs zu entziehen. Endlich überführt 
musste er auf Grund eines Ediktes des Königs Sigismund I. 
(1542) in die Verbannung gehen.! | 

Wenn wir auch nur von diesen protestantischen Pre- 
digern unter der Regierung des Grossfürsten Sigismund 
II. in Litauen sicheres wissen, so unterliegt es keinem 
Zweifel, dass es deren viel mehr gegeben hat.? 

Das wichtigste Zentrum, von dem aus sich die Flut 





Derselbe, Geschichte der Reformation in Polen, S. 837 £. 

INach einjähriger Verbannung kehrte Culva in die Heimat 
zurück, um unter dem Schutze von Nikolaus Radvila (des 
Schwarzen) gegen die Katholiken zu kämpfen. Er liess sich von 
neuem in Vilnius nieder, doch raffte ihn bald eine Krankheit 
hinweg. Wotschke behauptet unter Bezugnahme auf den Brief der 
Mutter des Culva an Herzog Albrecht, dass Abraham von den 
Katholiken durch Gift beseitigt worden sei. Aber die Mutter, 
die dies nur vermutet, erbringt in diesem Briefe keinen Beweis dafür. 
Wotschke, Abraham Culvensis, S. 154 ff. \ 

? Einige Autoren rechnen den Italiener Lismaninus aus dem 
Franziskanerorden, den Beichtvater der Königin Bona, der, wie man 
bestimmt weiss, ein Neuerer war, ferner Stanislaus Rapagelanus (Ra- 
pailovitz), Georg Mosvidius, Georg Zablocki und Georg Haustinz, lauter 
Litauer, zu ‘den ersten Verkündern des Protestantismus in Litauen. 

Georg Zablocki hatte, nach Wotschke, 1540 in Wittenberg stu- 
diert und war als Unterlehrer an der Schule Culvas tätig. Dann ging 
er nach Polen, wo er „‚seines evangelischen Bekenntnisses wegen“ 
‚sein Lehramt aufgeben musste und schliesslich wieder mit Cul%a 


der Neuerungen über Litauen ergoss, war Preussen, dessen 
Herzog Albrecht die protestantische Sache in Litauen 
mit allen Kräften begünstigte. 

Geradezu erstaunlich ist der Eifer, mit den Albrecht. 
an der Ausbreitung des Protestantismus in Litauen ar- 
beitete. Mit Wort und Tat förderte er die neue Lehre 
und scheute sich durchaus nicht zu ihrer Förderung grosse 
Kosten auf sich zu nehmen, obwohl er selbst nicht über 
ein grosses Vermögen verfügte.! Es ist nicht anzunehmen. 
dass er einzig aus reinem Eifer für den Protestantis- 
mus so gehandelt hat, vielmehr dürfte er sich aus der 
Verbreitung des Protestantismus in Litauen und Polen 
die grössten politischen Erfolge versprochen haben. Wot- 
schke hat den Briefwechsel zwischen ihm und den litaui- 
schen Magnaten, der Königin Bona und Sigismund-Augusit 
herausgegeben. Darin empfiehlt Albrecht den Magnaten die 
protestantischen Lehrer, schützt diese vor Verfolgungen, 
sorgt dafür, dass die Kinder der Magnaten und Klein- 
adeligen in seine Akademie geschickt werden und ordnei, 
andere Angelegenheiten, welche die Verbreitung des Protes- 
tantismus in Litauen betreffen.? | 

Kurz, Albrecht arbeitete in dieser ersten Periode an 





nach Vilnius kam‘. Die anderen Autoren und Quellen, die ich sin- 
dier%* habe, wissen von ihm, wie von den anderen obgenannten, fast 
nichts. 

Adamowiez A.-F., Koseiol Augsburski w Wilnie, 8. 7 ff. 

Bukowski, Dzieje Reformac. w Polsce, I, S. 337 ff. 

F'riese. Beiträge zur Reformationsgeschichte II., Th. I, S. «Of. 

Wotschke, Geschichte der Reformation in Polen, S. 37 ff. 

Derselbe, Abraham Culvensis, S. 169 ff. . 

1 Im übrigen liess er auf seine Kosten litauische und polnische 
Büche. drucken und protestantische Prediger erziehen, die er nach 
Litauen sandte und dort unterhielt, auch nahm er die von dort 
vertriebenen auf. 

Liubowiez, Albrecht Herzog Prusskij i reformacia w Polsche. 
Zurnal Min. Narodn. Pr. 1885, B. 240, S. 125 £f. (russisch). 

2 Wotschke, Abraham Culvensis, Beilagen I, TL, DL IV, VW, 
VI. u.s. w. bis XXXIV. 


der Ausbreitung des Protestantismus in Lütauen so sehr, 
‚dass er zweifellos dessen eifrigster Förderer war.l 

Fast alle Historiker, welche über den Protestantismus 
in Litauen geschrieben haben, glauben, dass der Anfang der 
'Glaubenspaltung. in die ersten Jahre der Regierung Si- 
giemunds-August zu legen sei. Doch fehlt es nicht an Ar- 
‚gumenten, welche beweisen, dass schon vor dem Tode des 
Königs Sigismund I. der neuen Lehre heimlich gehuldigt 
wurde. 

So besagt eine alte Inschrift der Kirche zu Jeznas, 
dass die neue Lehre bereits um das Jahr 1545 im: Gross- 
fürstentum Litauen eine gewisse Macht besass.? 

Sodann sagt das Manuskript der Seminar-Bibliothek 
zu Vilnius (aus den Jahren 1610—15) deutlich, dass schon 
in den ersten Jahren der Regierung des ‚Bischofs von 
Vilnius, Algimunt Holszanski (1536—1555), die neuen 
Lehren überall an Ausdehnung gewonnen hatten, wenn- 
‚gleich sie sich aus Furcht vor N II. verborgen 
‚genalten hätten.’ ' 


1 Gewiss begünstigten schon sehr viele litauische Magnaten den 
Protestantismus, jedoch förderten sie ihn noch nicht so energisch wie 
nachher in der zweiten Periode, wie wir noch sehen werden. 

2 Jeznas ist eine kleine Stadt im .Regierungsbezirke Trakai 
(Diözese Vilnius). Hier lagen einst grosse Landgüter des Geschlechtes 
‚der Pac. In einer alten, mehrmals restaurierten, sehr schönen Kirche 
befanden sich mehrere Inschriften, die heute in den Manuskripten 
-des Pfarr-Archive aufbewahrt werden, von denen die folgende be- 
merkenswert ist: ‚Diese Kirche, die 6 Jahre später die Häretiker, 
welche zu dieser Zeit in Litauen heimlich zu” Werke gingen, sich 
‚aneigneten, gründete im Jahre 1540 Nicolaus Pac, Karvede (Woje- 
woda) n wun Podlachia .“ 

® „Als Paulus Algmundus, Herzog von Holszany, Bischof war 
(1536—1555), wuchs die neue Lehre so sehr, dass sie sehr viele An- 
hänger unter den niedern Adligen und Mägasten hatte. Anfangs hielten 
‚die Häretiker, obwohl sie schon zahlreich waren, ihre Schlechtigkeit 
versteckt, als aber Könjg Sigismund I., der mit starker Hand den 
Uebermut der Häretiker gezügelt hatte, tot war, setzten’ sie eine Ka- 
tholikenverfolgung ins Werk.‘ Manuskript in der Seminar-Bibliothek 
za Vilnius. 


- 


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Endlich beweist der neulich herausgegebene Brief- 
wechsel zwischen den litauischen Magnaten und dem Her- 
zog Albrecht von Preussen klar, dass vom Jahre 1536 
ab die ersten litauischen Familien, namentlich: Chodkie- 
wicz, Radvila« Keyzgallo tund andere der neuen Lehre 
offen zugetan waren und sie gefördert haben.! 

Mag auch schon vor dem Tode des Königs Sigis- 
mund I. der Protestantismus unter den Magnaten und dem 
Kleinadel viele Gönner gehabt haben, so fehlten ihm aber 
doch die Kirchen. und die Diener zum Gottesdienste.? 
Viele begünstigten zwar die Neuerung, aber sie scheuten 
sich, offen von der angestammten Religion der Vorfahren 
abzufallen. 


Mit dem Tode Sigismund I. hört die erste Periode 
der Geschichte des Protestantismus in Litauen — die man 
dıe vorbereitende nennen kann — auf. 

Ihr wichtigstes Merkmal ist die geheime Ausbesiking 
des Protestantismus, der sich rasch viele Gönner und An- 
hänger erwarb. Ä 

Es fehlte aber auch nicht ganz an Widerständen 
gegen die Neuerer. Johannes de Ducibus Lituaniae berief 
als Leiter der Kirche von Vilnius die bereits erwähnte 
Diözesan-Synode vom Jahre 1527, auf der er zur Reform: 


1 Wotschke, Abraham Culvensis: Beilagen : II, VI, XII, Xlll, XIV, 
XXU, XX1l, XXV, XXVII, XXVIIIL, XXIX, XXX, XXXI, XXXIL, 
XXXII, XXXV. Mit meiner Ansicht scheint auch der Historiker 
Czacki übereinstimmen, Vergl. Dziela wyd. Raczynski Poznan 1845, 
Ill, S. 12. S. ferner Friesa, Beiträge zur a III, 
Th. 1, S. 70 £. 

® Nirgends ist zu lesen, dass unter König Sigismund I. auch nur 
eine Kirche der Neuerer in Litauen bestanden . hätte. Siehe die. 
vorgenannten Autoren... H.M(erzyng)-Zbory i senatorowie w dawnej 
Rzeczpospolitej, . Warszawa 1905, S. 83 ff. Nicht mit- Unrecht 
glaubt man, dass die erste von den Neueren erbaute Kirche, die 
zu Vilnius gewesen sei. Natürlich bestehen über die Zeit ihrer Ent- 
stehung abweichende Ansichten, aber es wird von niemand behaup- 
tet, dass sie vor dem Jahre 1550 erbaut worden sei. | 

A(damowiez) A.F., Kosciol Augsburgski w Wilnie, S. 22 £. 


— 80 — 


der kirchlichen Disziplin viele heilsame Verfügungen traf.1 

Doch glaubte der Bischof nach‘ der Mitteilung dieser 
Verordnung an die Priester für die kirchliche Reform genug 
getan zu haben ; er widmete sich seitdem ganz der Verwaltung‘ 
seiner ungeheuren Güter und der Errichtung von Bauten, 
sodass er während der langen Zeit, in der er Bischof war, 
ausser jener Synode fast nichts mehr tat, um die von 
Tag zu Tag wachsende neue Lehre zu zügeln oder die 
Sitter. der Kleriker zu reformieren.? 

Auf Johannes folgte Paulus Algimuntus, Dux Hol- 
szanensis, der von seinem Vorgänger durchaus verschieden 
war. Er war ein tatkräftiger, unerschrockener, hervor - 
ragender Mann. Er umgab sich mit königlichem Pomp 


! Die verschiedenen Missbräuche bei den heiligen Riten wurden 
abgeschafft. Es wurde Weisung erteilt, dass an allen Pfarrkirchen 
Elementarschulen errichtet werden und dass keine deutschen Leh- 
rer in den Schulen zugelassen werden sollten. Dem Volke sollte die 
hl. Schrift erklärt werden u.s. w. Die Bestimmungen dieser Synode 
sind gedruckt worden. Das Büchlein ist heute sehr selten. Sein 
Titel lautet: Statuta Vilnensis dioezesis synodaliter per illustris- 
simum Principem et Reverendissimum Dominum Joannem de Duci- 
bus Lituaniae (Das Druckjahr ist nicht angegeben). 

Jocher A., Obraz bibliografiezno-historyezny literatury i nauk 
w ‚Polsce, Wilno 1839—58, III, S. 381. 

?2 Przyalgowski, Zyaly biskupow Wilenskich I, 102 ff. 

Nicht alles was Przyalgowski erzählt, erscheint glaubenswürdig ; 
der Verfasser führt auch wenig Quellen an. Da aber bis jetzt 
niemand eine bessere Lebensbeschreibung der Bischöfe von Vilnius 
verfasste, musste ich eben dieses Werk benutzen. 

Kojalowiez, Naramowski und Rzepnicki bringen fast nichts über 
diesen Bischof. Bischof Johannes kam im Jahre 1536 auf den 
bischöflichen Stuhl von -Posen, wo er 2 Jahre später starb. 
In den Akten des Posener Kapitels finden sich über ihn folgende 
Worte: „Dominns Johannes de Ducibus Lituaniae episcopus posna- 
niensis, Setcundo sui episcopatus anno defunctus est; hic nullam re- 
formationem in clero neque aliquam ejus defensam fecit‘‘. Akten des 
Posener Kapitels vom 18. Februar des Jahres 1538 (Acta Histo- 
rica, XIII). 

3 Das bereits genannte Manuskript des Seminars zu Vilnius, 
geschrieben im «Anfang es 17. Jahrhunderts, sagt über Bi- 


ER 


und Luxus ! und wollte auch eine königliche Gewalt aus- 
üben. Daher rückte er der Reform nicht mit geistigen, 
sondern mit weltlichen Waffen zu Leibe. 

Er erteilte Befehle, die Neuerer aufzuspüren, sie zu 
fangen, in die Gefängnisse zu werfen und zu töten. 

Dieser Art die Religion zu schützen, mochte sie auch die 
zu jener Zeit übliche sein, musste aber wirkungslos bleiben. 
d& sie nur Anwendung finden konnte, wo der Bischof 
die volle weltliche Gerichtsbarkeit hatte. In den 'Ter- 
ritorien der Magnaten hatte der Bischof zwar theo- 
retisch die Gerichtsbarkeit gegen die Neuerer, prak- 
tisch aber konnte er diese nur mit der ausdrücklichen 
Zustimmng der Herren ausüben. Dort also, wo die Mag- 
naten den Neuerern ihren Schutz angedeihen liessen, konnte 
der bewaffnete Arm des Bischofs diese nicht erreichen, 
Uebrigens scheint auch dieser Bischof ein Mäcen und 
mehr ein Beschützer der Künste, als der Religion ge- 
wesen zu sein, wie aus glaubwürdigen Quellen hervorgeht. ? 

Die Kirche von Samogitien wurde in dieser Sturm- 
und Drangzeit von Wenzeslaus Vierzbicki geleitet (1534— 


schof Paulus folgendes: ‚....qui non nudum nomen, sed fortitudinem 
Ducum Holszaniensium gessit: Qui vir strenuus, fortis, animo in- 
flexibili fuit... haereticam pravitatem non mollibus verbis, sed, 
exiliis, incarcerationibus atque aliis poenis eradicare adnisus est. 
ıAanuskript ohne Nummer). 

I Przyalgowski,, im zitierten Werke Bd. I, S. 141ff. 

Lappo. Welikoje Kn. Lit., S. 5%. 

2 Manuskript der Seminar-Bibliothek zu Vilnius ‚,...Haereti- 
corum pertinaciam gladio infringere non dubitavit...“ 

Przyalgowski, I, S. 147. Ob wirklich dieser Bischof einen Neuerer 
mit dem ‚Tode bestrafen liess, können wir nicht bestimmt beweisen. 
Gestützt jedoch auf das oben genannte !Manuskript und auf 
den Brief der Königin Bona an den Herzog Albrecht von Preussen, 
glaube ich dieses annehmen zu müssen. Wie wir schon sahen, hatten 
die Bischöfe und übrigen Magnaten über ihre Untertanen absolute 
Gewalt. Da sie diese schon wegen geringen Ursachen zum Tele 
verurteilen konnten, so war dies bei Haeresie natürlich noch mehr: 
der Fall. 

3 MS. 168., fol. 103. Ossolineum, Lemberg. 


— 92 — 

1555)1. Aus seinem Leben und seinen Werken wissen wir 
nur, dass er den Reichtum liebte, eine reiche Erbschaft hin- 
terliess? und eine Diözesan-Synode zusammenberief. Ob 
und wie er die neue Lehre bekämpfte, die unter seiner 
Regierungszeit schon weit um sich: gegriffen hatte, ist uns 
gänzlich unbekannt. Aber aus dem Schweigen der Zeit- 
genossen über seine Regierungszeit, die von langer Dauer 
war, können wir schliessen, dass er nichts Nennenswertes 
getan hat.? Es sind also von Seiten der Kirche der 
neuen Lehre wenige oder gar ‚keine Hemmnisse bereitet 
worden. 

Aber auch darüber braucht man sich’ durchaus nicht 
zu wundern. Denn obwohl die Kirche gegen ihre Gegner 
genügend geistige Waffen hat, so sind doch nicht immer 
die geeigneten Leute zur Hand, um mit diesen den Feind 
zu bekämpfen. 

Wie wir gesehen haben, waren die Diener der 
Kirche zu jener Zeit so sehr heruntergekommen, dass 
sie solche geistige Hilfsmittel weder anwenden, noch' ver- 
stehen konnten. 


1 Nach dem Tode des Bischofs Radvila (1522) verwaltete der 
Kanonikus Georg Taliat als Kapitularvikar die Kirche von Samogitien 
ungefähr 10 Jahre lang. Ueber sein Leben und seine Werke wissen 
wir nichts. 1532 kam Nikolaus Wizgajlo (Visgalis) auf den Bischofs- 
stuhl von Samogitien. Von ihm berichtet Kojalowicz, dass er in sei- 
nen weisen Entschlüssen ein leuchtendes Vorbild und von hervorragender 
Sittenreinheit gewesen sei (Vom Volke erhielt er den Beinamen 
„Eiferer für's Vaterland“). Valancius bezeugt, dass dieser Bi- 
schof ein kluger und geschickter Mann (,‚buklus‘) gewesen sei. 
Er verwaltete aber das Bischofsamt nur kurze Zeit, denn er starb 
im folgenden Jahre. Auf ihn sollte Georg Taliat folgen, aber bevor 
er den bischöflichen Stuhl besteigen konnte, sank er ins Grab. Dessen 
Nachfolger wurde dann Wenzeslaus Vierzbicki. Cf. Kojalowiez, Mis- 
eellanea rerum, S. 85. Naramowski, Facies rerum sarmaticaum Bd. 
41, 8. 532 ff. Wolonczewskis, Zemaijtiu wiskupiste I, 79f£f. 

2 Kojalowicz und Naramowski sagen, dass der Bischof dieses Geld 
zu Gunsten der Kirche habe bestimmen wollen. 

9 Kojalowicz, Naramowski, Wolonczewskis in den bereits genannten 
Werken. 


9 — 


Wie verhielt sich die Zivilbehörde gegenüber den Fort- 
schritten des Protestantismus ? 

Die protestantische Lehre begann sich der Zeit öffent- 
lich in Litauen zu verbreiten,! als König Sigismund I., als 
schwächlicher Greis, den früheren Eifer verlierend, es 
aufgab, durch strenge Edikte gegen die Protestanten vor- 
zugehen .? 


Die Edikte, die früher von Sigismund I. gegen die 
Protestanten erlassen worden waren,3 bezogen sich wahr- 


1 Bewegungen, die durch die neue Lehre hervorgerufen: waren, 
traten nach dem Jahre 1535 zu Tage. MS. in der Bibl. des 
Priesterseminars zu Kaunas. 

Wotschke, Geschichte der Reformation in Polen, S. 87 ff. 

2 Wegierski sagt über die letzten Jahre Königs Sigismund I.: 
„Verum tamen Sigismundus I. Pater Augusti sub finem vitae suae 
plurimum mutatus et lumine Spiritus Sancti illustratus, maxime de- 
lectabatur, contionibus sacerdotum, vitia et errores Pontificios re- 
prehendentium, purique Evangelii praedicatione ad Jesum, unicum 
mundi Salvatorem, conscientias humanas deducentium. Quos etiam pa- 
trocinio suo fovebat, et contra persecutiones a clero Papistico pro- 
tegebat, ut Ilsam sive Jacobum Ilszensem, ad S. Stephanı tempiuu. 
:Cracoviae, a vicario loci ordinarii ÜCracoviensis. Nicolao Bedlenio, 
‚anno 1531 haereticum pronuntiatum et alios.‘“‘ Systema Historico- 
.chronologicum ecelesiarum slavonicarum, p. 208. 

® König Sigismund I. veröffentlichte das erste Edikt im Jahre 
1520 zu Torun (Thorn), in welchem er bei Strafe der Verbannung und 
‚Einziehung der Güter verbot, die Bücher Luthers einzuführen 
und zu verkaufen. 1522 erneuerte er dieses Edikt zu Gardinas 
und betonte besonders dessen Vollstreckung. Da dieses nicht genügte, 
erliess er zu Krakau im Jahre 1523 ein neues, das strengste von allen, 
.das die Einfuhr von häretischen Büchern und die Annahme der neuen 
Lehre unter Androhung der Strafe der Verbrennung auf dem Scheiter- 
haufen verbot. Das vierte Edikt vom Jahre 1534 befahl, dass 
‚alle Studierenden Polens aus den Schulen zu Wittenberg in die 
Heimat zurückkehren sollten, und dass der Besuch dieser Schulen 
unter der Strafe ewiger Verbannung verboten sei. Sechs Jahre später 
:arbeitete König Sigismund das Edikt wieder um, dehnte es auf die 
meisten Städte Deutschlands aus und verschärfte die darin fest- 
gesetzten Strafen; 1543 wird ein neues Edikt veröffentlicht, das 
aber sehr gemildert war, denn es wird nicht das Bekenntnis, sondern 
-die Verbreitung der Irrtümer mit Strafen belegt. Der Besuch der 


u — 


scheinlich nur aufdastKönigreich Polen und wurden nicht. 
auf Litauen ausgedehnt.!. Ä 

Trotzdem ist es sicher, dass von König Sigismund I. 
auch gegen die Neuerer in Litauen einige Edikte erlassen 
worden sind.”2 Aber deren Zeit und Dauer lassen sich 
bis heute noch nicht feststellen, da die Autoren hierin. 
nicht übereinstimmen und direkte Quellen fehlen.” Mit 
Berufung auf diese Erlasse zwangen die Bischöfe die oben 
genannten Prediger in die Verbannung zu gehen. 

Im Allgemeinen aber schadeten diese Edikte dem Fort- 
schritt der protestantischen Sache nicht viel, denn einerseits 
drang der König zu wenig auf die Ausführung seiner 
Vorschriften und anderseits fanden die Protestanten bei 


deutschen Schulen wird wieder gestattet. 1544 endlich erlässt Si- 
gismund sein letztes Edikt gegen die Einfuhr und Verbreitung von 
Büchern der neuen Lehre. Aber diese Erlasse kamen überhaupt 
nicht zur Ausführung und verhinderten auch die Verbreitung der 
neuen Lehre kaum. 

Kautz, Praecipua et publica religionis evangelicae in Polonia 
fata sub Sigismundo I. et Sigismundo-Augusto, Hamburgi 1735, 
p. 13, 18 ss. 

Friese, Beiträge zur Reformationsgeschichte Th. IL, Bd. 1. 
Ss. 36, 50 f., 57 ff. 

Zakrzewski, powstanie i wzrost reformac. w Polsce, S. 22 ff£.,. 
226 ff. | 

Zukowiez, Kardinal Gosij i polskaja cerkov, S.P.B. 18S2, 
S. 70 ff. (russisch). 

1]n diesen Erlassen wird nämlich Litauen nicht erwähnt und 
die litauischen Senatoren haben keinen dieser Erlasse unterschrieben. 
Dass das nötig gewesen wäre, kann nicht bestritten werden, da 
Litauen damals ein von Polen getrennter Staat war. Auch schienen 
solche Erlasse für Litauen nicht nötig zu sein, denn (wie ich schon 
öfters bemerkt habe) wagte der Protestantismus sich erst nach dem 
Jahre 1535 an die Oeffentlichkeit. 

Bukowski, Dzieje reform. I, 342 f. 

Jaroszewicz, Obraz Litwy III, 23ff. 

2 Akty zapadnoj Rossii S.P.B. 1846—1853, III, 8. Akty 
iuzno; i zapadnoj Rosii, S.P.B. 1863— 1877, Bd. 1, S. 

Lukaszewicz, Dzieje wyznania helweck. w Litwie, Bd. I, S. 6 ff. 

Bukowski, Dzieje reform. I, 342 f. 

3 Die oben zitierten Quellen geben uns nur Einzelerlasse wieder. 
Allgemeine Erlasse sind in den von -mir benutzten (uellen nicht 


«den überaus mächtigen Magnaten, die wir als Begünstiger 
‚der neuen Lehre kennen gelernt haben, fortwährend sichere 
Zuflucht .! 

Die Wirkungslosigkeit der Edikte hr ferner An, 
dass man zu jener Zeit nicht nur in Polen, sondern auch in 
Litauen anfing, die königliche Autorität und die Gesetze 
‚gering zu schätzen. Daher leisteten Kirche und Staat in 
‚dieser ersten Periode des Protestantismus der Verbreitung 
der neuen Lehre zu wenig Widerstand, und so kann man 
‚sich nicht wundern, wenn diese, die sich bis dahin in 
Stillen verbreitet hatte, nun ın der zweälten Periode eine 
ungeheure Verbreitung fand. 


11. 


Bevor ich diese zweite Periode behandle, wıll ich 
Einiges über die tieferen Ursachen vorausschicken, welche 
‚die Entstehung und den Fortschritt des Protestantismus im 
‚Grossfürstentum Litauen begünstigten. 

Sehr viele Ursachen, die den Fortschritt des Protestan- 
tismug bewirkten, sind innerlich eng verknüpit mit. der 


a — 


‚enthalten. Es wird nur kurz erwähnt, dass solche allgemeine Dekrete 
erlassen worden seien. Von den modernen Autpren teilen Kojalowiez, 
Narbut, Daukantas, Przyalgowski überhaupt nichts über solche, General- 
erlasse gegen die Protestanten mit. Bukowski nennt zwei solcher Edikte, 
.aber mit Unrecht. Das erste Edikt, dessen Inhalt er kurz erklärt, 
führt er auf das Werk Zaluski (Cephasi Zelosivii, Dwa miecze, 
Warszawa 1731), als Quelle zurück. Aber entweder hat der Ver- 
fasser (Bukowski) sich getäuscht, oder er will den Leser hinter's 
Licht führen. Denn in dem Werke Zaluskis gibt es ein Edikt 
.dieses Inhalts von diesem Jahre nicht; auch reicht die Seiten- 
zahl, die Bukowski angibt, im Werke Zaluskis nicht so weit. 
Er gibt nämlich als solche 251 an, während das Werk Zaluskis 
nur 226 Seiten zählt. Es folgt noch Verschiedenes als Anhang, aber 
ohne Angabe der Seitenzahl. Siehe Bukowski, Dzieje Reformacyi, 
S. 340, Anm. 2. 

1 Aus dem Briefwechsel zwischen Herzog Albrecht von Preussen 
und den Magnaten Litauens ersehen wir, wie sehr diese den Neuerern 
ihren Schutz angedeihen liessen. Siehe: Wotschke, Abraham Culvensis 
‚(Beilagen). Ebenso Kojalowicz, Miscellanea rerum, p. 64, s. 


—_ 6 — 


Entwicklung und dem Untergang der neuen Lehren, wie 
wir im weiteren Verlaufe sehen werden. Geschichtliche 
Ereignisse kommen nicht so von ungefähr, sondern sind 
durdh die Reihenfolge der vorausgehenden Geschehnisse 
vorbereitet ; Leibnitz drückt das mit dem Satze : „Praesens 
futuro praegnans est“ aus, d.h. die Zukunft wird nicht 
nur aus der nächsten, sondern auch aus der entfernteren, 
ja entferntesten Vergangenheit geboren. Wenn man daher 
die Ursachen eines Ereignisses wissen will, so muss man 
auch seine entferntere Geschichte erforschen. 

Man. kann für die Entstehung und den Fortschritt 
des Protestantismus in Litauen zwei Arten von Ursachen un- 
terscheiden : erstens solche, die das litauische Gemüt der 
katholischen Religion entfremdeten und es für die An- 
„nahme der neuen Lehre empfänglich machten, zweitens 
solche, die die Einführung dieser neuen Lehre in Litauen 
äusserlich beeinflussten. 


Es ist wahrscheinlich, dass die Litauer, wenn sie aus: 
‚voller Ueberzeugung der katholischen Religion ergeben ge- 
wesen wären, sich niemals einer neuen Lehre angeschlossen; 
hätten. Aber diese Bedingung war nicht vorhanden. Was 
am meisten für die Religion empfänglich macht und sie 
tiefer ins Menschenherz eindringen lässt, das sind gute 
und heilige Diener der Kirche. 

Schlechte und verdorbene Diener, besonders solche, wie 
sie im vorigen Kapitel geschildert wurden, erwecken Ab- 
neigung und Hass gegen die Religion. Jene Priester 
konnten infolge ihrer schlechten Sitten und wegen ih- 
rer Unwissenheit weder durch‘ Worte, noch durch ihr 
Beispiel jemanden belehren und fromme, religiöse Gesin- 
nung schaffen ; sie, von denen ein Augenzeuge berichtet : „Sie 
sind lieblos, unzüchtig, genussüchtig, faul, weil sie nicht 
zelebrieren und nicht predigen, sondern Aergernis geben ; 
eie sind als Herren zeitlicher Güter lieb- und: erbarmungslos 
geworden, sie haben die Frömmigkeit und den Frieden ver- 
loren. Sie, die als Weg des Heiles dienen sollten, eind 


zum Wege der Verderbnis geworden.‘! 

‘ Ausserdem ist zu beachten, dass der katholische Glaube 
in Litauen noch jung war, sodass er ins Herz des Volkes, 
vor allem des niederen, noch nicht hatte eindringen 
können?, um so mehr, weil die Priester, als Fremdlinge 
der litauischen. Sprache nicht mächtig und zudem in sehr 
geringer Anzahl waren. 

Das ist die erste Ursache, die das Gemüt der Gläubigen 
dem katholischen Glauben nicht näher brachte. 

So konnte es also geschehen, dass man anfing die katho- 
lische Religion zu verachten, ihre Gebräuche zu verspotien 
und ihre Diener zu hassen, was für ein Zeichen guter 
Erziehung und höherer Bildung angesehen wurde .3 

Weiter bekunden viele Schriftsteller des 16. Jahr- 
hunderts, dass die Polen und Litauer sehr bereitwillig die 
Gebräuche anderer Völker angenommen und die Ausländer 
nachgeahmt haben .* 

Mit dieser Unbesonnenheit ist ein unglaublicher Wan- 
kelmut und eine dauernde Neuerungsucht eng verknüpft. 
Sie verachteten alles ihnen Eigentümliche, schätzen aber 
alles Fremde überaus hoch und strebten ihm nach 
und doch behielten sie nicht das, was sie einmal als 
etwas Neues von andern angenommen hatten, sondern 


1 Prophetiae Danielis tres horribiles a Vincentio ordinis praedi- 
catorum, Cracoviae 1527, fol. 5 £. 

? Wie wenig der katholische Glaube in der Bevölkerung Li- 
tauens im 16. Jahrhundert festen Fuss gefasst hatte, ersieht 
man aus den zahllosen Spuren des Heidentums, wovon alle Schrift- 
steller dieses Jahrhunderts berichten. Es gibt noch viele heidni- 
sche Ueberbleibsel bis auf den heutigen Tag. 

® Cichocki (Sawicki), Alloquiorum ossiecensium libri V, Craco- 
viae 1615, S. 201. 

Kojalowicz, Geschichte Litauens II. Teil, S. 428. 

Jaroszewicz, Obraz Litwy III, 31. 

* ‚Mit unaussprechlicher Leichtigkeit bürgen sich die Gebräuche 
und die Sprache anderer Völker ein.“ Fulvius Ruggieri, Be- 
schreibung Polens im Jahre 1565 (Berichterstattung der päpst- 
lichen Gesandten, Bd. I, S. 128). 


Rn. : pe 


wandten sich von unersättlicher Begierde nach Neuerungen 
beunruhigt, bald wieder etwas Neuem zu.! Ferner zählen 
fast alle jüngeren Autoren die Ueberreste der hussitischen 
Lehre zu den Ursachen, die dem Protestantismus in Li- 
tauen die Wege ebneten ; aber diese Ansicht stützt eich 
auf keine feste Grundlage, denn es gibt keine An- 
haltspunkte, die beweisen könnten, dass noch’ im 16. Jahr- 


„Sie haben ausserdem eine aussergewöhnliche Leichtigkeit. im 
Erlerner anderer "Sprachen, und passen sich ebenso leicht den 
Bräuchen anderer Völker an, nach denen sie sich zu kleiden 
lieben und die sie in allem nachahmen..‘“ Julius Ruggieri, Bericht 
über den Zustand Polens, der dem Papst Pius V.' im Jahre 1568 
vorgelegt wurde (Berichte der päpstlichen Gesandten, Bd. I, 5,170). 
Fıicius Modrevius, De republica emendanda, Basileae 1554, C. 5, TH+£. 

Wolonczewskis, Zemaijtin Wiskupiste I., S. 7. 

il In divinis autem rebus ac caelestibus hallucinari, non jam 
quovis supplicio vindicandum, sed cum extremo scelere conjunctum 
putandum. Et tamen hoc vitium illud est, quo passim hodie laboratur 
levitas, inguam hominum et quaecumque dicuntur essentiendi faci- 
litas... venere homines... impudenti facie.... blasphemi, ingrati, sce- 
lesti, sine pace, criminatores, proditores, protervi, tumidi, ac contra 
majorum suorum religiosissimorum mortalium sanctissimam discipli- 
nam loqui ceperunt: repente apud lenissimos homines, fidem merue- 
runt.“ Andreas Jurgewic, Responsio. Fol. 1. 

„Es gibt keine noch so sonderbare Chimäre, die in diesem 
Reiche nicht ihre Sahöpfer und Nachahmer gefunden hätte.” Alber- 
trandi-Malinowski, Listy Commendoniego I, 38. 

„Cum igitur tanta sit istarum, quidvis credendi et opinandi 
facilitas: quid jam non credent et in quas foveas non cadent, qui 
rem tam absurdam et impossibilem atque ex solis nefandis calumniis 
coniestam persuaderi sibi a suis magistris patiuntur ? „P. Skarga, 
Artes duodecim sacramentariorum (Epistola dedicatoria Stephano regi, 
fol. 6-7). 

Cichocki (Sawicki;, Alloquia ossecensia, p. 205. Lukaszewiez, 
„Endlick besass der litauische Adel dieselbe Neuerungsucht, dasselbe 
Streben nach dem Ausländischen, sogar in Sachen der Religion, und 
denselben Leichtsinn wie der Adel im Königreiche‘‘, in Dzieje 
wyznania helweckiego w Litwie I, 2. 

Golebiowski S., Czasy Zygm. Aug. II, 77. 

Bukowski, Dzicje Reformac. w Polsce I, 334. 

Karieiew, Ocerk istorii reformacionnago dwizenia i katoliceskoj 
recake. w Polsie, S. 5öff., 86£. 


89 —_ 


‘hundert Spuren dieser Lehre in Litauen existiert hätten ..! 

Dagegen kann man den Einfluss des Humanismus, 
der wegen der dauernden Bezieliungen mit dem Westen 
im 16. Jahrhundert in Litauen und Polen sehr verbreitet 
‚gewesen war, nicht mit Stillschweigen übergehen. Sicherlich 
haben diese humanistischen Ideen die Geister, zumal der 
Magnaten, zur Annahme der Neuerungen nicht wenig emp- 
fänglich gemacht ..? 

Endlich ist es die habsüchtige Gesinnung der Mag- 
naten und der Kleinadeligen, ferner die Begierde über die 
Kirche zu herrschen, die viel dazu beitrugen, dass man der 


Brückner, Roznowiercy polscy, S. 109, Anmerkung. 

1 Lukaszewicz, Dzieje wyznania helweckiego I, 1. 

Golebiowski, Czasy Zygm. Aug. II, 77. 

Bukowski, op. citato 1, 332 £. 

Lukaszewicz trat zuerst mit dieser Ansicht hervor, ohne jedoch 
.die Quelle anzugeben, aus der er sie schöpfte. Seine Ansicht hat Gole- 
‚biowski wörtlich in sein Werk übernommen, und auch er gibt gar 
keine Quelle an. Diesen beiden schloss sich Bukowski an. Es gibt 
überhaupt keine Beweise für diese Ansicht, viel eher könnte man 
.solche finden, die dagegen sprechen. Denn Kojalowicz, der zu den 
Quellen gehört, versichert, dass das Grossfürstentum Litauen von 
jeder Haeresie (ausgenommen dem Schisma) bis zur Zeit Luthers 
frei gewesen sei (Miscellanea rerum, p. 62). Meiner Meinung nach 
kommt hierbei vielmehr das orientalische Schisma in Betracht, das 
in der Diözese Vilnius so viele Anhänger hatte, dass sie an vielen 
‘Orten und in der Stadt Vilnius an Zahl selbst den Katholiken 
überlegen waren. Wenn auch Staat und Kirche die Schismatiker 
‚durchaus nicht begünstigten, so waren sich die Katholiken doch 
so wenig ihres Glaubens bewusst, dass sie das Schisma dem Katholi- 
zismus gleich hielten. Jewlaszewski, ein vornehmer litauischer Schrift- 


steller des 16. Jahrhunderts, sagt: „‚...In damaliger Zeit wurde 
‚durch die Religionsverschiedenheit die Freundschaft nicht im ge- 
ringsten gestört.“ Memuary otnosiasc. kistorii juznoj Russi II. 


Kiev 1896, 7. 
Lappo, Welik Kniaz. Litowsk, S. 235. 
2 Jaroszewiez, Obraz Litwy III, p. 31. 
Bukowski, Dzieje Reform. w Polsce I, 55 ff. 
Kariejew, Ocerk istorii... S. 41 ff: 
Zukowicz, Kardinal Gosij, 61 ff. 


=. 60; 


neuen Lehre folgte. Denn die Kirche hatte Ueberfluss an 
grossen Gütern und Privilegien, die bei den herrsüchtigen 
Magnaten und niedern Adeligen Neid und Eifersucht er- 
regten .! 

Diese Magnaten waren an eine fast unbegrenzte Macht 
gewöhnt ; sie waren sehr unwillig darüber, dass die Kirche 
nicht nur frei und aller möglichen Lasten ledig war, sondern 
auch eine grosse politische Macht in den Händen hatte. 
Sie hätten sie am liebsten beraubt und ihrer eigenen Ober- 
hoheit unterstellt. Der Protestantismus bot nun den Mag- 
naten und Kleinadeligen die allerbeste Gelegenheit, die Kir- 
che unter ihre Botmässigkeit zu bringen. Dieser Grund 
ist für die Verbreitung des Protestantismus wesentlich, 
da er vor allen andern der neuen Lehre Tür und Tor 
öffnete. 


Dieses sind die hauptsächlichsten Ursachen®?, durch wel- 
che Magnaten und Niederadel vom katholischen Bekennt- 
nisse sich abspenstig machen liessen und sie zur Annahme 
der neuen Lehre sehr geneigt machten. 

Diejenigen also, die den Samen des Protestantismus 
nach Litauen bringen und ihn auf einen vorbereiteten Boden 
aussäen liessen, waren vor allem die Magnaten und niedern 
Adeligen, die der Erziehung halber und als Gesandte oder 
auch ohne besonderes Ziel im Westen herumgestreift und 
dabei besonders von der Neuerung ergriffen wurden, und 
in die Heimat zurückgekehrt, eie unter ihren Landsleuten 
aussäten. 


1 Zakrzewski W., Powstanie i wzrost reformac. w Polsce, S. 38 ff. 

Bukowski, im zitierten Werke, S. 62 ff. 

Liubowicz, Nacalo katoliceskoj reakcii, S. 26ff. 

Zukowicz, Kardinal Gosij, S. 41ff. 

Der Kampf um Rechte und Privilegien zwischen Klerus und 
Adel war im 16. Jahrhundert besonders in Polen entbrannt. Be- 
kanntlich war er in Litauen viel gelinder. 


2 Ich sage die „hauptsächlichsten Ursachen‘, denn es kann auch 
andere gegeben haben und wahrscheinlich gab es solche. 


- 1 — 


Wenn wir ausserdem beachten, dass zu jener Zeit die: 
Kultur im Westen sich bereits einer hohen Blüte erfreute, 
die Lrtauer die Zivilisation aus dem Westen erhielten. 
und zur Nachahmung alles Ausländischen sehr geneigt 
waren, so darf man sich nicht wundern, dass alle jene, wei- 
che aus dem Westen kamen, in hohem Ansehen standen und. 
in Wort und Tat als das beste Vorbild nachgeahmt wurden. 


Ebenso führten die Kaufleute, die des Handels halber 
besonders die Städte Deutschlands besuchten, mit ihren 
Waren den Samen der neuen Lehre nach Litauen ein. 


Dazu kamen noch sehr viele Ausländer, die beson- 
ders im 15. Jahrhundert unsere Länder überschwemmten, 
Ehre und Reichtum oder wenigstens ein angenehmes. 
Leben suchten und die Nerderunis mit ihren Lehren allent-- 
halben ausstreuten .t 


Besonders von dem benachbarten Preussen, wo der 
Protestantismus von. seinen ersten Anfängen an ver- 
breitet, tief Wurzel gefasst hatte,? ergoss sich‘ die pro- 
testantische Lehre auf Betreiben des Herzogs Albrecht. 
auch über Litauen. | 


: Es war also kaum anders möglich, als dass die bisher 
noch nicht gehörten Glaubensätze der Reformatoren, die 
den Westen erschütterten, auch in Litauen recht bald. 
‚viele nn und Anhänger bekamen. 


1 Relacye: Nuncyuszow I, 127 #£. 
Andrzej Wolan, O woluosei Rzeczypospolitej, S. 59. 


2 Albrecht, Hochmeister des deutschen Ordens, bekannte sich bereits 
im Jahre 1525 mit seinen Untertanen zum Protestantismus und 
wurde von 'König Sigismund I. als erbberechtigter Herzog anerkannt. 
Albrecht wurde dadurch ein tatkräftiger Förderer und Gönner des 
neuen Bekenntnisses, das er überall, besonders in Polen und. 
Litauen, verbreitete und aufrecht erhielt. Auch kam der Protestantis-- 
mus aus Livonien, das im Jahre 1522 von der neuen Lehre ergriffen. 
und in kurzer Zeit zum grössten Teil, besonders in den Städten 
protestantisch geworden war nach Litauen (Bujnicki K. ‚ Encykl. powsz: 
XII, 8. 552 £.). | 


II. 


Die Ausbreitung der neuen Lehre unter dem Groß- 
fürsten Sigismund-August bis zum Tode Radvilas 
des Schwarzen (1548—1565). | 


Ursachen, welche die Neuerer zwangen sich zu verbergen. -- 
Geistesanlagen Sigismunds-Augusts. Stellung und Beziehung des Gross- 
fürsten Sigismund-August zu den neuen Lehren. — Viele Grosse treten 
offen zum neuen Glauben über. — Radvila der Schwarze als An- 
hänger und Vorkämpfer des Kalvinismus. — Seinem: Beispiele folgen 
fast alle Magnaten und Kleinadeligen Litauens. — Die Verbreitung der 
neuen Lehre. Die Hemmnisse, welche Her neue Glaube in der zweiten 
Periode fand. — Protasewiez, Bischof von Vilnius. Die Bischöfe 
‘von Samogitien. Geringe Erfolge der neuen Lehre unter dem Volke. 
— Reform der Kirchen. — Die Verdienste Radvilas um die Aus- 
breitung des Protestantismus.. — Verbreitung des Protestantismus 
vor dem Tode Radvilas. | 


I. 


Mag der Protestantismus während der Regierung des 
Königs Sigismund I. auch mehrere Gönner und geheime 
Anhänger unter den litauischen Magnaten, Kleinadeligen, 
Zugewanderten und Bürgern gezählt haben, so besass er 
doch nur wenige offene Bekenner, sodass die Protestanten 
weder Kultdiener noch Kultstätten besassen. 

Das entsprang werschiedenen Ursachen : 

Wenn zunächst König Sigismund I. auch wenig auf 
die Ausführung seiner gegen die Häretiker erlassenen 
Dekrete zu sehen schien, wenn er in seinen letzten Le- 
bensjahren die Neuerer sogar duldete, so kann er trotz- 
dem nicht als Begünstiger und Verteidiger der neuen 
Lehre bezeichnet werden .! 





1.Wegierski hält Sigismund I. in seinen letzten Regierungs- 
jahren für einen Neuerer oder wenigstens für einen Begünstiger 


_.3 — 


Ohne Zweifel hielt vielmehr das Beispiel des Gross-- 
fürsten von Litauen, der grosses Ansehen genoss, viele 
Magnaten von der Neuerung zurück. 

Sodann war die jüngere Generation, die vom neuen 
Glauben ergriffen war, noch nicht mächtig genug, da sie 
keine der höchsten Staatstellen inne hatte, und die ältere 
scheute sich die alte Religion, in der sie erzogen worden. 
war, offen zu verlassen .! | 

Obgleich schliesslich die protestantischen Ideen ziemlich 
weite Verbreitung gefunden hatten, so waren doch nur 
wenige Leute von ihnen beeinflusst worden. Wir sind 
gut darüber unterrichtet, dass die Meinungsverschieden- 
heiten über religiöse Anschauungen nicht plötzlich auf- 
tauchten und keine plötzliche Sinnesänderung hervorrie- 
fen, sondern dass es hierzu einer mehr oder minder ge- 
raumen Zeit bedurfte. 

Erst als Sigismund.- August den litauischen Thron- 
bestiegen hatte, trat die neue Lehre deutlicher ans Tages- 
licht und fing allmählich an, sich Eingang und Rechte 
zu verschaffen. 


der neuen Lehre. Aber diese Behauptung scheint uns übertrieben 
zu sein, da man kein ähnliches zeitgenössisches Zeugnis über 
König Sigismund I. aufweisen kann. Ja, in den Berichten der 
Nuntien wird der König wegen seiner Treue zum Katholizismus nicht 
selten anderen Fürsten als Beispiel empfohlen (Relac. Nuncyuszow 
I, S. 1, 76). Keiner von den neueren katholischen Autoren hest 
Zweifel an der Rechtgläubigkeit Sigismunds I., die er bis an 
sein Lebensende bewahrte. Sie beschuldigen ihn nur den Nachlässig- 
keit und Saumseligkeit gegenüber den Neugläubigen. 

Jaroszewiez. Obraz Litwy III, S. 29. 

Golebiowski, Czasy Zygmunta II, S. 1. 

Zukowiez, Kardinal Gosij (Hosius), S. 78£. 

Bukowski, Dzieje Reformaecyi w Polsce I, S. 600 ff. 

Krasinski, Zarys dziejow powstania i upadku Reformac. I, S. 
87 ff. | 

Zakrzewski, Powstanie i wzrost reformac. w Polsce, S. 22 ft.. 

1 Kariejew, Ocerk istorii reformacionnago dwizenia, S. 93. 


= 9: 


Die Neuerer begannen nicht nur ihre Lehre öffentlich 
zu verteidigen, sondern sie gingen auch dazu über, katho- 
lische Gotteshäuser für sich in Anspruch zu nehmen und 
‚die Katholiken in den Hintergrund zu drängen. 

Zeitgenossen, wie auch neuere Historiker, schreiben das 
‚Anschlagen dieser schärferen Tonart dem Grossfürsten 
‚Sigismund-August zu.! 


Dazu ist zu sagen, dass der neue Grossfürst durch 
‚seine Haltung bei den Protestanten die grösste Hoffnung 
‚erweckte und ihnen Mut einflösste, sodass er auf diese 
Weise mehr passiv als aktiv der neuen Lehre Vorschub 
leistete. | 


Aus der Ehe eines litauischen Vaters und einer ital- 
ienischen Mutter geboren, vereinigte er in sich in seltener 
. Weise die entgegengesetztesten Eigenschaften : litauische 
Kaltblütigkeit, Langsamkeit, Hartnäckigkeit und Ausdauer 
:mit italienischem Feuer, Schlauheit, List und Gewandtheit.? 
Diesen Charakterzügen muss man dann noch' die Güte, 
‚Freigebigkeit und Wankelmütigkeit als jogailonisches Erbe 
hinzufügen. Er hatte einen scharfen, durchdringenden 
‚Geist, aber auch einen unbeständigen, leicht einzuschüch- 
ternden Willen .? 


1 Kariejew, Ocerk istorii reformacionnago dwizenia, S. 921. 


* Die Arglist Sigismunds-August kommt in den Briefen an 
‚die „Bojaren‘“ Johannes IV., des Grossfürsten von Moskau, klar zum 
Vorschein, in welchen sie Sigismund-August zum treulosen Abfall von 
ihrem Grossfürsten aufforderte. Danilowicz II, S. 2373, 2374, 2375. 


3 Hören wir einige zeitgenössische Zeugnisse über den Charakter 
und die Gesinnung Sigismunds-August: 


„...Ein König, aber kein Scheinkönig, könnte sehr viel wirken ; da- 
gegen liebt der jetzige vor allem die Ruhe und scheut nicht nur 
die Mühen, vor denen die Vorfahren im Kriege wie im Frieden nicht 
zurückwichen, sondern schiebt sogar die Reichstagversammlungen hin- 
aus, die ehemals in wichtigen Staatsangelegenheiten alljährlich 
‚stattgefunden haben... Der König wird sich niemals als Neuerer er- 
klären, denn wie er durch seine Friedfertigkeit und um jeder Sorgen 


— 95 u 


Ein» weichliche Erziehung am Hofe seiner Mutter, 
der Königin Bona, unter meist ausländischen Frauen, wo 
keine Tugenden, wohl aber viele Laster heimisch waren, 


.*- 


zu entgehen, die Neuerer nicht unterdrückte, wie er eigentlich den 
Landesgesetzten gemäss hätte tun sollen, so besitzt er auch nicht 
den Mut, die grosse Anzahl der katholischen Senatoren zum Wechsel 
des Glaubens zu zwingen, die ihm offenen Widerstand leisten würden. 
Deshalb glaube ich, dass er aus Furcht die Dinge ihren Lauf gehen 
lässt, d.h. dass er einem jeden erlaubt in der Religion zu bleiben, die 
für der einzelnen die beste ist. Er selbst beichtet zu Ostern, kommuni- 
ziert unter einer Gestalt, hört jeden Tag eine hl. Messe; mit einem 
Wort. er lebt nach katholischer Art.“ B. Bongiovanni an den 
Kardinal Moroni (Relac. Nuncyusszow I, S. 86 ff). 

„‚...Der König kleidet sich einfach, besitzt aber die verschieden- 
sten Kleider,... Kleinode liebt er überaus. Eines Tages zeigte er 
mir sie geheimer Weise, denn er verheimlicht sie vor den Polen, 
um zu vermeiden, dass sie erfahren, welch gewaltige Summen er 
für (diese ausgegeben hat; mit einem Worte, ich habe soviel Kleinode 
gesehen, wie deren nie an einer Stelle. Diese Kleinode kann man 
weder mit den venezianischen, noch mit den päpstlichen — die 
ich ebenfalls gesehen habe — vergleichen. Er lässt jeden nach seinem 
Gefallen leben, denn er ist so gut und liebenswürdig, dass er nie- 
mandem die geringste Sorge verursachen wollte. Ich würde bloss 
wünschen, dass er wenigstens in der Religion etwas strenger sein 
wollte. Er geht zwar alljährlich zur Beicht und täglich zur hl. 
Messe, hört jeden Feiertag eine Predigt an und singt mit den 
anderen Sängern mit lauter Stimme in der Kirche.‘ Beschreibung 
des polnischen Königreiches durch B. Bongiovanni (Relac. Nun- 
cyuszow I, S. 99£.). 

„...Er ist von kleiner Gestalt, ganz hager und schlank, mit 
spärlichem, schwarzem Bartwuchs, dunkler Gesichtfarbe und scheint 
von nicht allzu starker, sondern eher von delikater Konstitution 
zu sein, weswegen er Strapazen und Unbequemlichkeiten des Lebens 
nicht aushalten kann... In der Lebensweise hält er in jeder Jahres- 
zeit stets dieselben Regeln inne, die aber von den allgemein angp- 
nommenen ganz verschieden sind. So steht er im Winter ungefähr 
5 Stunden vor Tagesanbruch auf. Das Mittägessen nimmt er in der 
Nacht ein und das Abendessen am Tage; schlafen geht er ein paar 
Stunden nach Sonnenuntergang. Im Sommer steht er um 7 Uhr 
auf, isst um 11 Uhr zu Mittag, um 8 Uhr nimmt er das 
Nachtessen ein und geht um 11 Uhr schlafen. Er isst sehr wenig, . 


= 6 


nährte seine angeborene Willensunbesiändigkeit und ver-: 
zärteltie ihn, machte ihn weibisch und sinnlich .t 


Frei von: Zorn, geduldig und weich gestimmt, suchte 
er allen zu genügen. Wenn er gezwungen war zwischen. 
zwei Dingen zu wählen, so wollte er das so getan wissen, 
dass, wie man sagt, der Wolf gesättigt wird und das 
Schaf doch unversehrt bleibt. 


Leute dieser Art sind zur Wahl der goldenen Mit- 
telstrasse d.h. stets zu gemässigten Entscheidungen geneigt.- 
Wenn sie aber gezwungen sind, ihre Meinung zu äussern, 
dann pflegen sie möglichst lange zu warten und ihre Ent- 
scheidung stets auf morgen zu verschieben. Daher pflegte 
man Sigismund - August unter seinen Zeitgenossen den 
„Warte-König“ (Dojutrek) zu nennen.? 


Seine ganze Handlungsweise war launisch. Er konnte 
oft in Amtsachen entscheiden, um kurze Zeit darauf den 
Entschluss wieder rückgängig zu machen oder abzuändern. 

Im Versprechen war er vorsichtig und sparsam, wenn 


aber trinkt sehr oft, sodass er, kaum zu Tisch gegangen, schon 
zu trinken anfängt; er bedient sich aber kleiner Becher und, 
trinkt ungarischen Wein ohne Wasser beizumischen. Sein Aeus- 
seres ist sehr angenehm und sanziehend, und gein Charakter 
eher mild. Im Sprechen ist er zurückhaltend, versteckt, vor- 
sichtig ‘und misstrauisch. In Staatsangelegenheiten hat er ausser- 
gewöhnliche Fähigkeiten, aber in seinen Antworten drückt er sich 
so zweideutig aus, dass die Antwort zumeist einen ganz entgegen- 
gesetzten Sinn haben kann; so ist es leicht zu begreifen, dass er 
diejenigen niemals der Hoffnung berauben will, mit denen er zu 
tun hat. Bevor die Notwendigkeit ihn nicht zwingt, sich klar 
auszudrücken, will er nie etwas Bestimmtes versprechen. Er bemüht sich 
zuerst jene Angelegenheiten vorzubringen, in denen sein cigenes 
Interesse eine untergeordnete Stelle einnimmt ; dazu braucht er viel 
Zeit zur Ucberlegung, und das kommt daher, weil er seit seiner 
Jugend im Handeln sowohl im Frieden, als auch im Kriege schr 
langsam ist.“ Relacya Juliusza Ruggieri 1568 (ibid. p. 181). 
U Bukowski, Dzieje Reformacyi, I, S. 334 If. 


? Roysius, Carmina II, p. 23 ss. 


er aber etwas versprochen hatte, so pflegte er sich immer 
ein Hintertürchen offen zu halten.! 

Es kann uns deshalb nicht wundern, dass es für seine 

Zeitgenossen, wie auch für die späteren Geschlechter sehr 
schwer war (und auch immer schwierig sein; wird) für Sigis- 
mund-August volles Verständnis zu gewinnen. 
Die Protestanten hielten ihn bis zu seinem Tode für 
den ihrigen und erwarteten mit jedem Tage seinen offenen 
Uebertritt zum Protestantismus. In seiner ganzen Eigenart 
erinnert er nicht wenig an Heinrich VIII. oder an Phi- 
lipp II., ohne sie jedoch in seiner Handlungsweise 
zu erreichen. Hartnäckig, und bisweilen auch heftig, war 
er nur in solchen Sachen, die unmittelbar seine Per- 
son betrafen. Eigensinnig war er in politischen An- 
gelegenheiten nur dann, wenn er gezwungen wurde, ein 
Staatsgeschäft schnell zu erledigen ; aber auch hier be- 
stand die Hartnäckigkeit nur darin, dass er sich‘ weigerte, 
sofort zu entscheiden und die Erledigung auf den folgenden 
Tag verschoben wissen wollte. 

Endlich müssen wir noch die ausgesprochene Neigung 
zu sinnlichen Genüssen und das lockere Leben des Fürsten 
in Betracht ziehen,? ein Umstand, der ohne Zweifel auf 
seine Geistesrichtung und seine religiösen Anschauungen 


grossen Einfluss ausübte. | 
Zakrzewski bemerkt daher mit Recht: Ein Urteil über 


1 Warszweski Christoph, ein Höfling Sigismunds-August, der 
den König in seiner ganzen Eigenart kannte, schreibt über ihn: 
„Princeps posteritatis non indignus memoria nisi cunctator dandis. 
responsis iisdem dubiis et una eademque re uni et alteri simulcon- 
ferendo ei denique vario et multiplici ingenio aliquendo notatus“. 
Caesarum, regum et principum vitarum libri duo. 8. 403. 

®2 Der Vater Sigismunds-August, Sigismund I., war ein Mann 
von reinen Sitten, aber seine italienische Mutter, Bona, stand sittlich 
viel tiefer. Das Schloss dieser Königin, die besonders in den letzten 
Lebensjahren ihres Gatten von diesem getrennt lebte, wird von Zeit- 
genossen als ein Herd der Sittenlosigkeit bezeichnet. So wurde Sigis- 
mund-August, der am Hofe seiner Mutter erzogen wurde, von diesem 


7 


ı 


-— 8 — 


Sigismund-August zu fällen, ist äusserst schwierig. Unter 
den Begünstigern der neuen Lehre erzogen, ist er selbst 
ein Schirmherr derselben geworden. ? 

Uebrigens scheint er in religiösen Dingen von einer 
Gleichgültigkeit gewesen zu sein, die man heute mit In- 
differentismus bezeichnet ; ein Verhalten, zu dem ihn nicht 
zuletzt: sein lockeres Leben bestimmte .3 


Verderben beeinflusst; denn dieser Fürst hatte ausser seinen drei 
rechtmässigen Frauen, die schnell nach einander starben, noch mehrere 
Konkubinen. 

Warszewickö Chr. Caesarum, regum, principum vitarum libri 
duo. S. 306. | 

Balinski, Pisma historyczne I, S. 257. 

Czacki F.,. Dziela III, S. 124 und viele andere. 

1 Zakrzewski, Powstanie i wzrost reformac. w Polsce, S. 55. 

Die polnischen Historiker gehen in der Beschreibung des Charak- 
ters Sigismunds-August weit auseinander. Szujski nennt diesen König 
den Retter des Katholizismus, von grossem Geiste, grossen Tu- 
genden und unbeugsamer Energie. Nach Szujski wies der in po- 
litischen Dingen so weise König Sigismund-August das Amt eines 
litauischen-polnischen Kirchenhauptes ab und rettete durch sein Zögern 
den Katholizismus in Polen. (Szujski, Dzieje Polski II, S. 251. 
Derselbe, Odrodzenici reformacyja S. 94 ff., 105 £.). Bobrzynskü 
g’bt ein ganz entgegengesetztes Urteil über Sigismund-August ab. 
(Dzieje Polski w zarysie, Wyd. 2. Warszawa 1881, II S. 76 £f.). 
Mit DBobrzynski scheint der russische Historiker Kariejew ganz 
übereinzustimmen (Kariejew, Ocerk istorii reformacionnago dwizenia, 
Ss. 102 ff.). 

Ungefähr in ähnlicher Weise schildert Zakrzewski den Charakter 
Sigismunds-August. Die Meinung dieser Historiker scheint auf jeden 
Fall richtig zu sein und wird durch die Briefe des Commendone, 
der Sigismund-August persönlich gut kannte, hinreichend bewiesen. 

Albertrandi Malinowski, Listy Commendoniego I, 22, 199, LI. 
S. 123 f., 126, 136, 212. 

? Relacy Nuncyuszow, I, S. 68, 88, 95. 

Wotschke, Abraham Culvensis. Beilagen 169 ff. 

MS. 168, Ossolineum Lemberg, fol. 34—37. 

Rycheicki, (Dzieduszycki) Skarga i jego wiek I, S. 67. 

Lukaszewiez, Dzieje wyznania helweckiego w Litwie I, S. 6 £. 
Anm. 

Kariejew, Ocerk istorii reformac. dwizenia. S. 102—105. 

® So betrachten ihn sowohl die Katholiken, als auch die Protes- 


—- 9 — 


Die Religion als solche betrachtete der Grossfürst zwar 
:als eine Stütze des Staates, aber auf die religiöse Form kam. 
es ihm wenig an.l! Auch liebäugelte er mitder neuen Lehre 
aicht so sehr aus Ueberzeugung, als vielmehr aus Neu- . 
gierde, wie er es denn auch nie wagte, den Glauben seiner 
Väter zu verlassen.” Mit einem Worte, die ganze Eigen- 
art des Grossfürsten ging dahin, die grossen Hoffnungen 
‚der Protestanten zu nähren, ohne sie zu erfüllen. 

Obwohl er schon im Jahre 1529 zum Grossfürst von 
Litauen gewählt worden war, nahm er erst 1544 sei- 
nen Wohnsitz in Litauen und übernahm allmählich die 
Regierung, die bis dahin in den Händen seiner Mutter ge- 
‚blieben war.° Alsbald wurde die Hofburg des jungen Gross- 
fürsten eine Zufluchstätte für die Neuerer, die Sigismund» 


tanten als den ihrigen. Sigismund-August empfing bei sich Prediger 
und las Werke Luthers, die ihm Albrecht zugesandt, beschützte die 
Anhänger der neuen Lehre und besuchte ihren Gottesdienst. Zugleich 
unterschrieb er Dekrete gegen Häretiker und gab sich als guter 
Katholik aus. Siehe auch: 

Bukowski, Dzieje Reformac. w Polsce I, $. 345. 

Zakrzewski, Powstanie i wzrost reform, S. 55 ff. 

Wie wenig Sigismund-August um den Katholizismus besorgt 
‘war, bezeugt sein Brief an Radvila aus dem Jahre 1553.. Als er 
‚erfuhr, dass der Grossfürst von Moskau sich mit der katholischen 
Kirche vereinigen wolle, wofür er vom Papste die Krone versprochen 
‚bekam, beauftragte er Radvila, alle Mittel anzuwenden um dies 
zu verhindern. „Man muss‘‘, sagte er, ‚den Papst zu überreden suchen, 
‚dass er schwere Bedingungen stellt, vor allem, dass er die gänzliche 
Lossagung vom orientalischen Ritus fordert. Eine solche Bedin- 
gung wird der Grossfürst von Moskau nie annehmen, da dies die 
Revolution hervorrufen könnte‘. Weiter erklärt er, müsse man auch 
in Moskau alles tun, um dies zu verhindern. Sollte auch dies nicht 
helfen, so müsse man die Krone unterwegs abzufangen versuchen. Lästy 
.Zygm. Augusta do Radziwilla Czarnego wyd. Lachowicz Wilno 1842. 
8. 87 £t. | | | 

1 Zakrzewski, Powstanie i wzrost reformac, S. 56. 

® Bukowski, Dzieje Reformac. I. S. 347 ff. II, S. 146 £. 

Zakrzewski, Powstanie i wzrost reformac. w Polsce, S. 56. 

® Lukaszewiez, Dzieje wyznania helweckiego w Litwie I, S. 6. 


=. 400 = 


August und seine Mutter, die Königin Bona, jetzt offen be- 
günstigten.! Die Prediger, wie Joh. Kosminczyk und. 
Lorenz von Przasnysz, „Discordia“ genannt, wagten 
Luthers Lehre offen von der Kanzel zu verkünden.’ 
Als der Bischof von Vilnius, Paul Holszanski, sich darauf 
anschickte, ihnen das Predigtamt zu nehmen, fanden sie bei 
dem jungen Grossfürsten Schutz und Sicherheit. Von. 
Albrecht von Preussen, dem grossen Verbreiter der pro- 
testantischen Sache, liessen der Grossfürst und seine 
Mutter sich protestantische Bücher und Prediger kommen 
und gewährten den letzteren Schutz und Unterkunft.* So: 
zogen Sigismund-August und seine Muiter eine Anzahl 
Neuerer, die anderswo ausgewiesen worden waren, nach Li- 


1 Wotschke, Abraham Culvensis. (Beilagen.) 177, 178 £f. 

Lubieniecki A., Historia, reformationis polonicae 1685, S. 18, 21 ff.. 

2 Ludwig Dietz, Gesandter oder besser Kundschafter Albrechts 
‚von Preussen, hat über seine Eindrücke betr. Religiosität am Hofe 
Sigismunds-August an seinen Fürsten folgendes geschrieben : „Es mag 
mir Ew. F.:D. glauben, dass man das Wort Gottes also gewaltig bey 
uns prediget, als es in einer Kirchen der Christenheit gepredigt mag. 
werden, man verschonet niemandt und halt ein christliche weis nie- 
mandt zu schelten, so under jedermann vunder dem sussen joch des 
hern zue erhalten, niemandt auszuetilgen, alle menschen, vunder den 
auch beider standts die grossen prelaten vund allein mein gn. 
her ertzbischof ausgenommen, welcher auch junner nit fast frisch 
ist vund lest aber sein hochwürdigst genadt der warheit die also 
on lesterung gepredigt‘.... : 

Wotschke, Abraham Culvens. S. 175f. (Beilagen.). 

® Im Jahre 1548 schreibt Sigismund-August folgendes an Rad- 
vila: ‚Gerne möchten wir die Ursache erfahren, weswegen der 
Bischof von Vilnius unseren Predigern zu predigen verboten hat, 
und deshalb wünschen wir, dass Ihr uns einen hinreichenden Be- 
scheid darüber erteilen möchtet. Wır hören auch, dass ihnen von 
seiten der dortigen Geistlichen Ungerechtigkeit und Verachtung zu- 
teil wird ; deswegen beschützet sie im Verein mit Herren Lubelski,. 
bis wir uns, so es Gott will, sehen werden .“ 

'Bobrowicz, Zbior pamietnikow I, S. 303. 

4 Wotschke, Abraham Culvensis (Beilagen), S. 171 £., 176. 


— 11 — 


‘tauen,! wo sie vom Grossfürsten, von Magnaten und vom' 
niederen Adel auf das gastfreundlichste aufgenommen wur- 
‚den und überall ihre Ideen weiterpflanzen konnten. ° 
Solches hatte sich‘ auch schon zu Lebzeiten des Königs 
Sigismund I. zugetragen. Aber nach dem Tode dieses 
Königs gestaltete sieh das Los der katholischen Religion in 
Litauen äusserst traurig. Sehr viele Magnaten und Adli- 
ge schwuren dem katholischen Glauben ab- und gingen 
offen in das protestantische Lager über. Ja, man scheute 
sich nicht, katholische Priester zu vertreiben und an de- 
ren Stelle Diener der neuen Lehre anzustellen und in den 


1 Ms in der Bibliothek des Priesterseminars zu Vilnius. 

Ebenso schreibt Gratiani in seinem Werk ‚Vita Commendoni“ 
folgendes : „Post mortem ejus (Sigism. I)... Secutum filii matrisque 
-dissidium, quo regis legumque resoluta majestas, late aditum excu- 
bantibus in occasionem haereticis patefecit continuoque omnis errorum 
.ac perditarum opinionum cohors irrupit... Ita regnum brevi, ex 
levissimi cujusque libidine, peregrinis sacris, institutisque et opinion- 
ibus novis oppletur dispergentibus late virus multis novitatis duc- 
-toribus.“ 

Lukaszewiez, Dzieje wyznania helweckiego w Litwie I, S. 10. 
‚Anmerk. 

2 Wotschke hat mehrere Briefe von litauischen Grossen veröffent- 
licht, aus denen man ersieht, wie freigebig und gastfreundlich die 
Andersgläubigen vom Grossfürsten, dessen Mutter und den Mag- 
naten aufgenommen und gegen die Angriffe der kirchlichen Obern 
ın Schutz genommen worden waren (Abraham Culvens. Beilagen 
p. 169 ss). 

„Nach dem Tode des Vaters (Sigismund I.) strömten unzählige 
Andersgläubige in Litauen zusammen‘ a Magno Duce et proceribus 
peramanter suscepti.‘ 

Ms aus dem Anfange des 17. Jahrhunderts in der Bibliothek des 
Priesterseminars zu Vilnius. 

„Nec Rex Sigismunds- Augustus absistere poterat tot haeresum 
.exanimibus turmatim in regnum ipsius convolantibus et sese nunc 
hue nunc illuc protendentibus, tanquam si muscas ventilabro abigere 
volueris, ubi paululum remiseris manum, eaedem et multo plures 
vel in ipsos oculos agminatim involant et molestia sua ipsa prope 
‚defatigant, crebrius aesdem abigere volentem.“ Cichocki, Alloquia, 
P- 4, 


— 102 — 


katholischen Kirchen den neuen Ritus einzuführen. ' Am 
meisten bemühte sich um die Ausbreitung der neuen Lehre 
die Familie Radvila, die damals die mächtigste und 
vornehmste war. Das Haupt dieser Familie war zu dieser 
Zeit Nikolaus Radvila, nach der Farbe seines Bartes der 
„Schwarze“ genannt, der Fürst von Nieswiez, seit 1549 
Karvede von Vilnius. Da dieser Mann im litauischen. 
Protestantismus die Hauptrolle spielte, müssen wir ihn 
näher kennen lernen .? ee 


' 1 


Mit grossem Scharfsinn begabt, von ernster ne 
und unbeugsamer Willensenergie, von feinster höfischer 
Bildung, voll heissen Verlangens nach grossen Leistungen, 


1 „Qui (haeretici advenae) multis nobilibus persuaserunt, ut 
eiurata fide catholica presbyteros catholicos expellerent, templis in 
synagogas haereticorum permutatis ministros constituerent. Hoc ne- 
fandum consilium multi secuti sunt praesertim pravo M. Ducis 
exemplv seducti.'‘ Zitat aus dem Manuskript in der Bibliothek des 
Priesterseminars zu Vilnius. 

.  *Kotlubaj E., Galerja Neswiezka portretow Radziwillowskich. 
Wilno, 1857. 

Niesiecki, Korona III, S.. 822 f£. 

Ms. panegyryk Wojeiecha Ksiecia Radziwilla. (Aus dem 16.. 
oder Anfang des.17. Jahrhunderts in der Bibliothek der katholischen 
geistlichen Akademie zu. Petersburg). 

Wotschke, Abraham Culvensis, Beilagen. 

Gornicki, Dzieje w Koronie Eohkie) za Zygm. I. i Zygmunta II; 
S. 59, 171. 

Relacye Nuncyuszow, I, S. 13f., 461. 

Hystoria wierna o Kacerstwach Ms. aus dem Anfang des 17. 
Jahrh. in der Bibl. der geistlichen kathol. Akademie zu Petersburg .. 

Albertrandi Malinowski, Listy Commendoniego I, S. 17, 73, 
82, 165, 251; II, S. 171, 204. 208, 212. | 

Cichocki (Sawicki) Alloquia Ossiecensia Crac. 1615. S.83, 200 ff. 

Bobrowicz, Zbior pamietnikow o dawnej Polscze I, 290 ff. 

Kojalowicz, Fasti Radziwillani, Vilna 1653, S. 42 ff. 

Lukaszewicz, Dzieje wyznania Helweckiego w Litvie I, S. 11 ff. 

Golebiowski, Czasy Zygmunta Augusta II, S. 10, 14, 74. 80. 

Dies sind die Hauptquellen, aus denen ich zur Charakterisierung 
Radvilas geschöpft habe. Ausser diesen habe ich noch viele andere 
benützt, die ich unten zitieren werde. 


=. 103. — 
stach Nikolaus Radvila aus allen litauischen Grossen 


hervor. Zudem war er sehr reich und verfügte über einen 
derartigen Grossgrundbesitz, dass seine Ländereien nach 
der Ansicht vieler den vierten Teil der Karvedschaft bil- 
deten.t Aber nicht nur durch Begabung und materiellen 
Reichtum, sondern auch durch seine Tugenden, war er 
allen anderen voraus. In der allgemeinen Sittenverderbnis- 
hielt er sich rein und übertraf die anderen Edeln weit an 
Freigebigkeit, Wohltätigkeit und Vaterlandsliebe. Alle Zeit- 
genossen, auch die Katholiken — trotzdem sie schwere An- 
klagen gegen ihn erheben — sprechen mit Achtung von die- 
sem Manne, während die Nichtkatholiken ihn mit Lob- 
sprüchen bis in den Himmel heben. 

Er genoss nicht bloss unter dem Adel, sondern auch bei 
den Grosssen des Reiches, hohes Ansehen und wurde überall 
' als Sachwalter des Königs geachtet. Nach Kojalowiez er- 
freute er sich einer solchen Verehrung und Hochschätzung 
ım ganzen Reiche, dass man ihn — da Sigismund-August 
kinderlos war — als Thronfolger betrachtete.2 Wegen seines 
ausgezeichneten Charakters und seiner Tüchtigkeit war 
er von Sigismund sehr geschätzt. Radvila wurde zu den 
geheimsten Beratungen herangezogen, wodurch er natürlich 
auf den König einen bedeutenden Einfluss ausübte.? Durch 


1 Ms. in der Bibliothek des Priesterseminars zu Vilnius. 

- „Non multum ab hinc distat annus familiae funestus morte 
Nicolai Radivili Palatini Vilnensis, ducis in Nieswicz et Olyka; 
viri cum in vivis esset tantae apud principem et universos aestima- 
tionis, et seu votis, seu suspicionibus aliquarum, A.ugusto prole orbe, 
successor in magno ducatu designaretur‘, Kojalowiez, Fasti Radzi- 
willani, p. 44 s. 

3 ‚Den Schwarzen (Mikolaj Radziwill) achtete er so, dass, 
so oft Mikolaj der Schwarze mit seinem zahlreichen Gefolge den 
litauischen Senat betrat, der König selbst sich von seinem Throne 
erhob und ihm einige Schritte entgegen ging und es gar nicht zuliess, 
dass er dort Platz genommen hätte, wo die gewöhnlichen Karveden 
aus Vilnius sassen, sondern er setzte ihn, nicht weit vom Throne 
unter den goldenen Baldachin, um so seine Tugend mit besonderer 
Ehre auszuzeichnen‘. 


— 14 — 


seine Gestalt, sein Benehmen, seine Beredsamkeit, ja sogar 
durch seine Kleidung, übte dieserrMann auf seine Umgebung 
einen aussergewöhnlichen Einfluss aus. Selbst die. Polen, 
die Radvila seiner Macht wegen hassten — und das vor allem 
weil er Gegner der Union Litauens mit Polen war — 
sprechen mit Achiung und Bewunderung von ihm.! 
Deshalb wurde er mit Würden und Ehrenstellen über- 
häuft, so z.B. mit der Karvedschaft von Vilnius u.a. Fast 


„Aus dem Schreiben Ew. Gnaden (sagt Sigismund-August in 
einen Briefe an Rayuvila) entnehmen wir, als wenn Ew. Exzellenz 
einige Bedenken über Unsere Gnade hätten, obwohl wir keineswegs 
beabsichtigten, jemanden oder irgendeines Verdienste höher zu schätz- 
en, als die Ew. Exzejlenz selbst, oder dass Wir jemanden, was 
Gott behüte, die Oberhand über Ew. Exzellenz geben wollten... 
Solche Gesinnung haben Wir .nie gehabt und wollen sie wahrhaf- 
tig nie haben. Daher möge Herr Karvede und FExzellenz ge- 
ruhen, nie an Unserer Gnade zu zwf£ifeln, denn wie Wir stets vor. 
allen anderen die würdigen, nützlichen und treu ergebenen Verdienste 
Ew. Exzellenz zu Uns kannten, so wollen Wir auch in Zukunft stets 
zeigen, dass Wir Ew. Exzellenz vor allen anderen Unsere Gnade noch 
mehr angedeihen lassen, wessen Sie ohne jedes Bedenken stets 
versichert sein können, da Wir Unser Denken und Fühlen mit Recht 
auf Ew. Exzellenz gerichtet haben, und worin Wir, gebe es. der 
liebe Gott, uns nie ändern wollen‘ (Lukaszewicz, Dzieje wyznania 
helweckiego I, S. 11, Anmerk.). Wie nahe Radvila seinem Herrn, 
Sigismund-August, stand und wie sehr er von ihm geschätzt, ge- 
achtet und geliebt wurde, ersahen wir aus den Briefen, die 
Sigismund-August an Radvila richtete (Bobrowicz, Zbior pa- 
mietnikow, I, S. 290 ff.). Radvila wurde mit den wichtigsten 
Botschaften, besonders an Kaiser Karl V. betraut, von dem er auch 
den Fürstentitel erhielt. Als Vertreter und Prokurator vertrat er 
Sigismund-August, als dieser die Tochter des Kaisers Ferdinand 1. 
heiratete. Im Gefolge Radvilas befand sich auch Gornicki, der 
später die Hochzeitsfeier beschrieb (Gornicki, Dzieje w koronie pols - 
kie), S. 62 £.). 

! Christoph Wearszewski, ein Pole, beschreibt die Erscheinung 
Radvilas auf dem Reichstage zu Warschau 1563 folgendermassen : 

„Veste is longa et lugubri a morte suae conjugis et amplis- 
simo planeque regio omnis generis, ut semper apparatu utebatur; 
et partim natura, partim etiam studio ea ornamenta habuerat, plane 
ut admirabilis multidini videretur; ab eademque ob faciem bar- 
bamque nigram et exquisitum vestium epularumque nitorem et mag- 


— 105 — 


ganz Litauen war in seiner Gewalt, denn ausser den aus- 
‚gedehnten Erbgütern und dem, was er vermöge seiner Würde 
beherrschte, hatte Sigismund-August ihm noch alle Staats- 
ländereien, die fast die Hälfte des Grossfürstentums aus- 
machten, auf Lebenszeit übertragen.! 

Auch pflegte Sigismund-Augusi, wenn er verreiste, 
die gesamte Reichsregierung in Radvilas Hand zu legen.? 

Dieser Mann nun, an Tüchtigkeit, Ansehen und Reich, 
tum so überaus mächtig, auf den alle Augen der Magnaten. 
Kleinadeligen und des Volkes im ganzen litauischeni Reiche 
gerichtet waren, wurde Haupt und Führer der Protestanten, 
und zwar so eifrig und so entschieden, dass Nuniius Com- 
mendoni kein Bedenken trug, über ihn den Satz niederzu- 
schreiben : „Die katholische . Religion weiss gegenwärtig 
ın Polen, wie ausserhalb dieses Landes, vielleicht kei- 
nen grössseren Verfolger zu nennen, als ihn“ (Radvila).? 
Kein Wunder ! Radvila hatte eben den Rückgang beo- 
bachtet, der — wie wir es oben zu beschreiben versucht 
— im religiösen und sitilichen Leben Litauens immer 
'traurigere Früchte zeitigte. Solches konnte ein Patriot 
wie Radvila nicht ohne tiefen Schmerz ansehen. Viel- 


nificentiam, quam in aula Caroli V. Caesaris didicerat, Hispanus 
.dicebatur. 

His igitur in conspectum prodidens regium, meditata oratione 
-de hoc negotio unionis habita, ita regem ejusque commovit animum, 
lacrimas ut ipsi excutere et quibusdam Polonis, qui facundiam 
et principatum linguae Polonicae sibi vindicaverant, in admirationem 
sui quodammodo rapere videretur‘ (Warszewski, Caesarum, regum, et 
principum vitarum libri duo, p. 374). 

1 Boniecki, Poczet rodow W. Ks. Litewsk. w XV: XVIw. 8. 275. 

„Der Karvede von Vilnius [Radvila], der mächtigste Mann 
nicht nur in Litauen, sondern auch in allen anderen Ländern 
dieses Reiches‘‘ so schildert ihn der Nuntius Commendoni (vergl. Al- 
bertrandi Malinowski, Listy Commendoniego II, S. 208). 

2 Lukaszewicz, Dzieje wyznania helweckiegoe w Litwie I, S. 13 

8 Boniecki, Poczet Rodow W. Ks. Litewskiego w XV ; XVI w. 
.S. 275. 

Danilowicz, Skarbiec Dyplomatow II, 2361. 


— 106 — 


leicht hat er gewartet und von den Bischöfen eine Er- 
neuerung gehofft. Während er als Gesandter im Westen, 
besonders am Hofe des Kaisers Karl V./weilte, erfuhr er 
von den reformatorischen Bewegungen und lernte auch 
bald die Reformatoren selber kennen. Diese sannen nun auf 
Mittel, wie sie den gewaltigen Magnaten auf ihre Seite 
bringen könnten, denn dessen Einfluss auf Sigismund-Au- 
gust war ihnen nicht unbekannt und so durften sie hoffen, 
durch Radvila den König selbst vom katholischen Glauben 
abwendig machen und auf diesem Wege nicht nur Litauen, 
sondern auch Polen für ihre Lehre gewinnen zu können.! 
Wie und wann Radvila zur neuen Lehre ablenkte, darüber 
gehen die Meinungen auseinander. Sicher ist jedenfalls,. 
dass er um das Jahr 1550 die katholische Religion öffentlich: 
abgeschworen hatte, sich bereits zum Kalvinismus bekannte, 
und als Verfechter dieser Lehre auftrat.?2 Als seine Gattin, 
seine Kinder und das Hauspersonal auf seine Veranlassung 
hin den gleichen Schritt getan hatten,? begann er die neue 
Lehre über Litauen hin zu verbreiten ; das aber mehr mit: 
Gewalt, als durch Ueberzeugung, was ihm ein Leichtes war, 
da er — wie wir oben sahen — fast über ganz Litauen ver- 
fügte und zudem das volle Vertrauen des Königs genoss. 


1 Albertrandi Malinowski, Listy Commendoniego II, S. 204.. 
Radvila unterhielt eine sehr umfangreiche Korrespondenz mit 
den schweizerischen Theologen, besonders mit Kalvin. 

Wotschke, Der Briefwechsel der Schweizer mit den Polen. 

Opera Calvini, Bde. XVII, XVIII, XıX, XX. 

Nuntius Commendoni schreibt in seinen Briefen, dass niemand. 
von den Königen und Herzögen so umfangreiche Beziehungen mit 
protestantischen europäischen Herrschern und verschiedenen Sekten 
unterhalten habe, wie Radvila. 

2 Provinciae poloniae Societ. Jesu Ortus et progressus, I15 628,. 
Ossolineum Lemberg, fol. 63. 

Wegierski, Systema historico-chronologicum, p. 141. 

Lukaszewicz, Dzieje wyznania helweckiego, I, S. 13. 


8 Wegierski, S. 141. 
Lukaszewicz, S. 12. 


— 107 — 


Zuerst liess er in der Vorstadt Lukisiai in Vilnius ein 
kalvinisches Gotteshaus errichten und suchte zunächst das 
Volk dadurch an sich zu ziehen, dass er ihm ein grosses 
Gastmahl gab.! Bald jedoch lockte er es nicht nur durch. 
Leckerbissen, sondern trieb es auch durch Strafen zur An- 
nahme der Lehre Kalvins.? 

Kurze Zeit darauf liess er eine andere Kirche, diesmal 
in der Stadt selbst, erbauen. Obgleich Radvila auf seinen 
und den grossfürstlichen Gütern den Katholiken die Kir- 
chen mit Gewalt entrissen und den Kalvinisten über- 
geben hatte, glaubte er dieses in der Hauptstadt selber nicht. 
wagen zu dürfen ; einerseits, weil er den Bischof und viele. 
andere, die dem Katholizismus noch nicht vollkommen ab- 
trünnig geworden waren, fürchtete, anderseits aber auch, . 
weil er Bedenken trug, ob der Grossfürst Sigismund-August 
— der zwar die Neuerungen begünstigte — ein derarüiges- 
Vorgehen billigen würde. 


1 „Hic Lukiszkis excitata amplissima aula, Calvini erroribus 
seminandis initium dedit; usus ‘opera duorum presbyterorum a 
catholica religione profugorum. Trahebatur ad nova sacra ex civitate 
populus, mensa, in qua venientibus lautae epulae proponebatur, ita. 
quidquid aut odii aut metus ex insolentia sacrorum creari poterat, 
munificentia ducis apud pronum in gulam populum leniebatur.... 
ornatum in praedicta faciebat sericum villosum coloris nigri... alba. 
ceruce in medio distinetum; ...ad communionem ZEucharistiae sub 
atraque specie admittebantur flexi genua, praemissaque prius con-- 
fessione auriculari... 

Ritus hi paulo post Palatino displicuere, quare imperavit ut, 
qui Eucharistiam sumpturi essent, non flecterent, sed discumberent‘‘ 
(Of. Kojalowicz, Miscellanea rerum, p. 66). 

Wegierski, Systema historico-chronologicum, p. 142. 

MS (1631—1640), in der Bibliothek der geistlichen Akademie: 
zu Petersburg, S. 3, 7, 13. 

2 Vergl. dasselbe Msc. 

Wegierski, Systema historico-chronologicum, p. 142. 

MS in der Bibliothek der geistl. Akademie zu Petersburg. 

Lukaszewicz, Dzieje wyznania helweckiego, S. 13. 

Golebiwwskt S., Czasy Zygmunta Augusta II, S. 79 £ 


— 108 — 


Auf seinen und den grossfürstlichen Gütern liess er 
‚die Priester, die sich nicht zum Kalvinismus bekennen 
wollten, vertreiben und führte in den Kirchen den kal- 
vinischen Gottesdienst ein.! Seine Priester. liess er zum 
‚grössten Teile aus Polen und Preussen kommen, aber auch 
‘unter den einheimischen Priestern fand er einige, die ihm 
‚genehm waren.? So setzte er z.B. den Polen Krzyszkowski 
in Nesviezis, den Preussen Falconius ın Kleck, die Polen 
Zaczye in Brasta und ‘Wedrychowski und Üzechowiez ın 


1 ‚Neque enim contentum se esse voluit, quod ipse cum sua aula 
‚Christi doctrinam amplexus esset, nisi eadem luce omnes latissi- _ 
marum suarum ditionum homines cerneret illustratos. Proindeque 
‘.citra moram conquisitis undeque piis evangelicis ministris singulis 
eivitatibus attribuit... Praeterea templa iconalatrarum aut claudi 
‚aut‘ repurgari iussit et alia, quae tantum principem decet, peragi 
auravit‘‘... so Schreibt Budrig, der litauische Prediger von Kleck, 
im Jahre 1563 an Bullinger (vergl. Wotschke. Der Briefwechsel der 
Schweizer mit den Polen. 272). ‚In ditionibus quoque suis ortho- 
‚doxas Ecclesias passim aperuit, et Ministris verbi idoneis regendas 
commisit‘. 

2 Cichocki, „Von allen Seiten eilt eine gewaltige Menge von 
Priestern zu ihm, gleich wie die Raben über die von wilden Tieren 
zeriissenen Kadaver herfallen. Die kathoäischen Priester wurden zuerst 
‘verspottet und hatten dann viele Verfolgungen zu erdulden, end- 
lich wurden sie sogar vertrieben und gezwungen, ihre Heimat und 
ihre Gotteshäuser ruchlosen Dienern zu überlassen. Mitten auf dem 
Markte von Vilnius erbaute man eine Synagoge mit einem hohem 
Turme, nach der auch die vornehmsten Bewohner der Vorstadt Lu- 
kiszki kamen. Als sich nun jene dort versammelt hatten, kam 
auch eine gılosse Menge von Predigern nach der Synagoge. Der 
letzie Verfall der Kirche schien zu drohen.‘ Cichocki, Alloquia Ossie- 
-censia, p. 201. 

„Es gab auch katholische Priester, lie dem Willen der Grossen 
nachlebten und so zu Predigern der neuen Lehre geworden sind, sich 
.dann verheirateten und die katholischen Kirchengüter verschwendeten .“ 

Historia wierna o Kacerstwach. MS in der Bibliothek der katho- 
lischen Akademie zu Petersburg. 

Kojalowiez, „usus opera presbyterorum a catholica religione pro- 
fugorum‘. Miscellanea, p. 66. 

Lukaszewiez, Dzieje wyznania helweckiego, S. 13. 


Vilnius ein.! Den letzten sandte Radvila in die Schweiz,;da-- 
mit er dort den Ritus und die Lehre Kalvins kennen lerne.” 

Dem Beispiele Radvilas des Schwarzen, der durch’ sein 
Ansehen die Aufmerksamkeit aller auf sich lenkte, folgten 
alle Magnaten und der gesamte sonstige Adel. Schon im. 
Jahre 1555 finden wir in Litauen vornehme Familien 
welche die neue Lehre öffentlich bekennen. Die Prunski, 
Holowezynski, Puzyna, Pac, Wollowiez, Szemiot, Doroho- 
stajski, im oberen Teile von Litauen; die Kiszka, Chod-- 
kiewiez, Chlebowiez, Gorski und viele andere in Samo- 
gitien bekannten sich öffentlich zur neuen Lehre und 
halfen sie verbreiten.“ Vom niederen Adel brauchen wir 
nicht zu reden, denn er ahmte die Magnaten wie in 
allem, auch in der Religion nach.° Eine Handschrift. 
aus dem Jahre 1624 berichtet uns, dass bereits im Jahre 
1555 die neue Lehre so gewaltig an Ausbreitung gewonnen 
hatte, dass in ganz Litauen kaum ein Magnat oder 


I Ms in der Bibliothek des Priesterseminars zu Vilnius. 

Lukaszewiez, S. 9. 

® Lubieniecki, Historia reformationis polonicae, p. 129. 

3 „Besonders durch das Ansehen Radvilas in die Enge getrieben, 
sind sie fast alle evangelisch geworden... Der Adel hat deswegen 
auf seinen Besitztümern die von ihren Vorfahren erbauten Kirchen 
in reformierte verwandelt; die Kirchengüter haben sie eingezogen, 
Kelche und Messgewänder verschenkt, Altäre und Bilder hinaus- 
geworfen und je nach Belieben damit gewirtschaftet.‘‘ (Historia. 
wierna v Kacerstwach. MS in der Bibliothek der katholischen 
Akademie zu Petersburg.) 

Lukaszewicz,, I, S. 12, 15. 

4 MS. in der Bibliothek zu Vilnius. 

Lukaszewicz I, S. 17. 

5 „Das Beispiel Nicolaus Czarnys (Radvilas) zog in Litauen, 
welches damals noch viel mehr von Ehrfurcht für die monarchische 
Gewalt beseelt war, als das Königreich Polen, fast alle zur blinden 
Nachahmung desjenigen, der in jener Provinz in mancher Hin- 
sicht die Peıson‘ des Königs vertrat. Der litauische Adel... ver- 
liess den Glauben seiner Väter scharenweise, den katholischen wie 
den orientalisch-orthodoxen, und führte auf seinen Gütern und den 
von ihm verwalteten Kronbesitzungen den Kalvinismus ein, baute 


= 10. 


sonst ein Adeliger sich noch zur katholischen Lehre be- 
%kannte.! Paulus Vergerius, der im Jahre 1555 Litauen 
besuchte, versichert dort viele Kirchen nach schweizerischem 
‚Muster gefunden zu haben.? Und Stanislaus Rescius, ein Se- 
kretär des Kardinal Hosius, bezeugt, dass im Jahre 1552 
.den Katholiken in Litauen schon ungefähr 3000 Kirchen 
‚genommen gewesen seien.? Hosius beklagt sich im Jahre 
1555 in einem Briefe am Bischof Kromer, dass Litauen von 
.den neuen Lehren so überflutet sei, dass die angrenzenden 
Länder, und besonders Polen, von ihr angesteckt würden.‘ 
Ueber die Ausbreitung der neuen Lehre in Samo- 
‚gitien in dieser zweiten Periode, haben wir wegen Quel- 
lenmangel von zuverlässiger Seite nur wenig Bestimmtes. 
‚Jüngere Geschichtschreiber wie Valancius,5 Lukasze - 


ihm neue Kirchen oder übergab ihm die katholischen und orien- 
talischen..‘“ Lukaszewiez, S. 15. 


1 „Die Häresie bahnte sich schnell einen Weg ins ganze 
Grossfürstentum Litauen und sie breitete sich dort so rasch aus, 
‚dass nach dem Tode des Bischofs Paulus Holszanski (f 1555) kaum 
noch irgendein Magnat oder Kleinadeliger den katholischen Glauben 
bekannte“ (MS in der Bibliothek zu Kaunas, geschrieben im Jahre 
1624). 


?2 Lukaszewicz, Dzieje wyznania helweckiego w :Litwie I, 17. 

3 Diese Behauptung von Rescius scheint übertrieben zu sein, 
denn mit Skarga (siehe weiter oben), der die Zustände in Litauen 
besser kannte, tragen wir kein Bedenken anzunehmen, dass unter 
der von Rescius angegebenen Zahl der Kirchen, auch die den Katho- 
liken in späteren Zeit genommenen, zu verstehen ist. ZRescius, De 
Atheismis et Phalarismis evangelicorum, p. 543. 


* „Mea quidem sententia sicut initium antea sic progressum nunc 
habent haereses non aliunde nisi ex Lituania‘‘. Epistolae card. 
Hosii, 1410 (Acta historica IX). 


®° Valancius scheint sehr von der Wahrheit abgewichen zu 
sein, wenn er in seinem Werke behauptet, die Anfänge des 
Protestantismus in Samogitien fielen in die Zeit des Bischofs 
Pietkiewiez (1567—1574). Er erwähnt vor der Zeit dieses Kir- 
chenfürsten keine Irrlehre (Wolonezewski, Zemaijtiu viskupiste I, 
25 ff.). 


— 111 — 


wicz! und andere (Dambraukas ?) berichten, dass die Aus- 
breitung der neuen Lehre in Samogitien unter der Regie- 
rung des Bischofs Georg Pietkiewiez (1567—1574) stattge- 
funden habe. Doch unterscheiden die Quellen, die wir vorher 
angeführt haben, dort wo sie von einer schnellen Ausbrei- 
tung des Protestantismus sprechen, in keiner Weise zwi- 
schen Samogitien und den übrigen Teilen Litauens.? Und 
wenn wir die geographische Lage in Betracht ziehen, so 
ist kaum anzunehmen, dass die neue Lehre in Samogitien 
später als in den übrigen Teilen des Grossfünstentums 
Litauen ausgebreitet worden ist. Wir haben oben bereits 
gesehen, dass der Protestantismus besonders von Preussen 
und Livland aus nach Litauen vordrang; weil nun aber 
Samogitien einerseits an Preussen und Livland, anderseits 
an das eigentliche Litauen (Augstajtija) grenzt, so ist es 
selbstverständlich, dass der Protestantismus, um nach 
Ober-Litauen vorzudringen, sich zuerst den Weg über Sa- 
mogitien bahnen musste ..* 

Wenn wir alles, was wir über die Ausbreitung des Pro- 


l Lukaszewiez, Dzieje wyznania helweckiego I, S. 15 f. Ko- 
jalowicz, auf den sich die Aussage Lukaszewicz gründet, spricht nicht 
so sehr von der Ausbreitung des Protestantismus, als vielmehr 
von dem Verfall des Katholizismus, der eine Folge dieser Ausbreitung 
war. Dieser Ruin habe sich besonders unter der Regierung des. 
Bischofs Pietkiewicz gezeigt, was auch aus anderen Stellen die- 
ses Autors hervorgeht. Die Ausbreitung der protestantischen 
Lehre in Samogitien wird sehr oft an den Namen des Bischofs 
Pietkiewicz geknüpft, da Kojalowiez (Miscellanea, p. 67) bezeugt, 
dass nach dem Tode dieses Bischofs in der ganzen Diözese nur 6 
katholische Priester übrig geblieben seien. 

?2 Dambrauskas, pradzia ir issipletimas protestantizmo Lietuvoje 
16. simtm. 

$ Dies geht besonders aus Cichicius hervor, der auf die schr 
grosse Verbreitung des Protestantismus (besonders in Samogitien) 
unter Radvila Niger hinweist. 

* „Albrecht von Preussen fiel nicht nur selbst mit seinen 
Untertanen vom wahren Glauben ab, sondern versuchte dieses hae- 
retische Gift auch in die benachbarten Länder, und besonders in 
Samogitien, einzuführen. Seine ruchlosen Versuche hatten eine solche 


—: 419. 2= 


testantismus angeführt haben, in Betracht ziehen, so sehen 
wir, welch grossen Fortschritt die protestant'sche Lehre schon 
sechs Jahre nach dem Tode Sigismunds I. gemacht hatte. Wa- 
rum Staat und Kirche eine so grosse Ausdehnung der neuen 
Lehre duldeten, und nur wenig oder fast gar nichts zur 
Verteidigung des katholischen Glaubens versuchten, wissen 
‘wir schon. Wenn auch ’der Grossfürst bis dahin den 
neuen Glauben noch nicht bekannt haben mochte, so be- 
schützte und begünstigte er die Häretiker dennoch‘. Die 
lasterhaften, unwissenden und verhassten katholischen 
Priester vermochten den besser unterrichteten Predi - 
gern! des neuen Glaubens, die durch die Machtmit- 
tel und das Wohlwollen der Magnaten gesichert waren, 
keinen Widerstand zu leisten. Beim Regierungsanfang Si- 
gismunds-August hatte Paulus Holszanski — der uns schon. 
aus den vorhergehenden Kapiteln bekannt ist — die Leitung 
der Kirche in Vilnius inne. Dieser Kirchenfürst bekämpfe, 
wie wir gesehen haben, die Verbreiter der neuen Lehren 
mit Waffen, Gefängnissirafen und Verbannung. Aber 
nachdem schon zu Lebzeiten des Grossfürsten Sigismund 
II. diese Kampfmethode sich! als ohnmächtig erwiesen hatte, 
— weil die Neuerer immer den Schutz der mächtigen Mag- 
naten genossen — so war nach dem Tode dieses Fürsten 


Wirkung, dass bald darauf (Mitte des 16. Jahrhunderts) die Irrlehre 
in Samogitien weit verbreitet wurde, und nur wenige Magnaten 
dem katholischen Glauben treu blieben.‘‘ MS aus dem Jahre 1624 in 
der Bibliothek des Priesterseminars Kaunas. 
Ebenso Wotschke, Abraham Culvensis Beilagen, S. 170 ff. 

1 Viele Prediger des neuen Glaubens waren durch akademische 
Grade ausgezeichnet, wie z.B. Abraham Culvensis, Rappagelanus 
und viele andere (siehe Wotschke, Abraham Culvensis, Beilagen 
S. 170 f££f.). Dagegen konnten die meisten katholischen Priester 
kaum lesen und schreiben, auch war ihr Wissen sehr be- 
schränkt. ‚Die Unwissenheit des Klerus war derart, dass es selbst. 
einige gab, die nicht zu schreiben verstanden‘ sagt ein Autor vom 
Anfang des 17. Jahrhunderts (Manuskript in der Bibliothek zu Vil- 
nius). 

Ebenso Przyalgowski, Zyvoty biskup. Wilenskich I, S. 150. 


=; 3. 


ein derartiger Kampf gegen die neuen Lehren fast unmög- 
lich, denn nicht nur die Magnaten, sondern auch der Gross- 
fürst begünstigte die Neuerer ganz offen. Da der Bischof 
einsah, dass die weltlichen Waffen nichts nützten, suchte 
er nach geistlichen und berief eine Diözesansynode, in 
der über die Reformierung des Klerus und über die Aus- 
rottung der neuen Lehre verhandelt werden sollte, aber der 
Tod kam ihm zuvor, da er im Jahre 1555 starb.”® Im 
Uebrigen überliefern uns die Quellen über diesen. Bischof, 
wie über die übrigen Kirchenfürsten Litauens, sehr wenig. 
Die von ihm angekündigte Synode wurde unter dem Vor- 
sitze des Praelaten Wenzeslaus Vierzbicki, des Bischofs von 
Vilnius, in Samogitien abgehalten (1555). Nach Pau- 
lus Holszanski wurde Valerianus Protasewiez-Suskowski 
Bischof von Vilnius, ein Mann, den die Jesuiten als ei- 
frigen Ausrotter der neuen Lehre mit grössten Ehren fei- 
erten.? | 


1 Przyalgowski, Zyvoty biskupow wilensk. I, S. 153£. 

2 Kojalowiez (Miscellanea, p. 78) und Naramowski (Facies 
rerum sarmaticarum II, p. 357) setzen seinen Tod in das Jahr 1553; 
Rzepnicki (vitae Praesulium Poloniae et Lituaniae II, p. 182) und 
Przyalgowski (Zyvoty biskupow wilensk. I, S. 132, 153) behaupten, 
dass er im Jahre 1555 gestorben sei. Diese Meinung ist in 
den massgebenden Quellen enthalten (MSS. in der Bibliothek des 
Priesterseminars zu Vilnius und wird auch von den neueren Autoren 
vertreten (Kurzewski, Kalendarium dioecesanum 1904, S. 251, Der- 
selbe, Biskusptwo Wilenskie, S. 35f£.). 

$ So lobt zum Beispiel der Jesuit Kasimir Kojalowiez den Bi- 
schof Protasewicz mit folgenden Worten: „Ut immortalitatem merere- 
tur, immortalia factorum monumenta saeculis intitulit ; ut vero vinceret, 
divisis per multa merita virtutis insignibuss, amplius extendit. 
Tantum igitur supra multorum vivorum illustrium fortunam eminet 
quantum illi supra communem‘. Panegirici heroum, Vilnae 1668, 
p. 160 ss. 

Ein anderer Jesuit (Naramowski) schreibt über Bischof Pro- 
tasewicz' ,„A teneris annis brevisimam ad virtutum fasti- 
gium semitam invenit pietate morum promotione scientiarum, utrum- 
que sic perfecit, ut simul serpentem acephalae haeresos conficeret 
hydram (?!) Prolabentium in haeresim animorum vitia suae vitae 

8 


— 14 — 


Protasewicz war Sekretär der Königin Bona, die 
ihm grosses Wohlwollen entgegenbrachte und ihn sogar 
auf den Bischofstuhl von Vilnius setzte. Dieser sanft- 
mütige Kirchenfürst liebte Bequemlichkeit und Ruhe. Ob- 
gleich er in seiner ganzen Diözese die neuen lehre weit 
verbreitet fand, bekümmerte er sich wenig um kirchliche 
Angelegenheiten, sondern ging ganz in den politischen 
Geschäften auf, sodass selbst die sonst so saumseligen 
und sorglosen Kapitularen! es zweimal für notwendig 
fanden, den Bischof an seine Residenzpflicht zu erinnern und 
zu ermahnen, für die immer tiefer sinkende Religion besser 
zu sorgen zu wollen.? Obwohl er sein eigentliches Amt ver- 
nachlässigte, neigte er doch! nicht zur neuen Lehre ; auch 
war er kein Mann von schlechten Sitten, wie viele andere 
Bischöfe dieser Zeit. Als er vom Kapitel und den aposto- 
lischen Nuntius gemahhnt wurde, begann er auch besser für 
‚seine Diözese zu sorgen, hatte aber damit nicht viel Erfolg.> 
Schliesslich verzweifelte er gänzlich ‘an der Wirksamkeit 
seiner Tätigkeit und an: der Erneuerung des katholischen 
‘Glaubens in seiner Diözese. 1557 schrieb er an Kar- 
dinal Hosius, der ihn immer und immer wieder instän- 
‚dig ermahnt hatte: „Ich tue, was ich kann und höre nicht 
‚auf, mein Möglichstes zu tun, aber öfters sehe ich mich 


reformavit exemplis‘. Facies rerum sarmaticarum II, p. 358 ». 

Ebenso Rzepnicki, vitae praesulum Polon. et Lituan. II, p. 1825. 

Diese Schriftsteller preisen die Tugenden und Taten ihres 
Gönners nur obenhin. Wenn sie aber das Wirken dieses Mannes 
erwähnen, können sie weiter nichts berichten, als dass er die 
Jesuiten nach Litauen berief und dass er bei der Hochzeit des 
finnländischen Herzogs Johann mit Katharina, der Schwester Si- 
sismunds-August, die in Vilnius gefeiert wurde, assistierte. 

1 Dass im damaligen Vilniuser Domkapitel vieles schlecht stand, 
‚geht aus seinen Akten hervor. Die Domherrn lagen wegen der 
Pfründen und deren Einkünfte in beständigem Streit und Zank 
und hatten für die immer tiefer sinkende Religion kein Auge. 
Siche Bohusz, Summaryjny wypis z Aktow Kapit. wilenskiej. 

?2 Bohusz, S. 22%£. 

® Commendoni schreibt über den Bischof Protasewicez an Ca- 
rolus Borromäus : „Der Bischof von Vilnius (Protasewiez)... hat es nie 


— 115 — 


‚gezwungen, Eurer Eminenz zu schreiben, dass die Sache 
unserer Gegner auf dem Punkte angelangt ist, wo nur noch 
der Schutz Gottes. allein die Kirche retten kann.‘‘l Das 
‚grösste Verdienst erwarb sich dieser Bischof durch die 
Berufung der Gesellschaft Jesu nach Litauen. 

Nach‘ Wenzeslaus Vierzbicki bestieg der Pole J An: 
nes Domanowski den Bischofsitz in Samogitien , Dieser Kir- 
‚chenfürst, der bei Roysius wegen seinen juristischen Kennt- 
nissen und Gerechtigkeit lobend erwähnt wird,? hatte gesunde 
Ideen, mit denen er die Disziplin des Klerus und das re- 
ligiöse Leben in seiner Diözese möglichst zuheben trachtete. 
Doch unterband seine politische Tätigkeit sein Wirken, 
-denn als geschickter Diplomat wurde er zunächst für ver- 
schiedene Botschaften verwendet?, und hierauf vom Gross- 
fürsten zum litauischen Justizminister ernannt. Er musste 
infolgedessen die Sorge für seine Diözese dem Kapitel über- 
lassen und residierte nunmehr in Vilnius (1556—1563).% 

Nach Domanowski Tode kamen innert zwei Jahren 
‚zwei Bischöfe auf den samogitischen Stuhl : Stanislaus Nar- 
kustis und Viktorius Vierzbicki 5 Ihnen folgte Georg 
Pietkiewiez, einMann, der in der Geschichte der samo- 
‚gitischen Kirche als nachlässiger Seelenhirt bekannt ist. 

Das waren die Männer, welche das äusserst gefährdete 


unterlassen dem Papste gegenüber Achtung und Unterwürfigkeit zu 
bezeugen. Er hat mich sofort besucht und schilderte mir mit 
grosser Genauigkeit und Offenheit den Glaubenszusiand in Witanen, 
der bei weitem schlimmer ist, als in Polen... Wenn Ew. Exzellenz 
geruher. wollte, in einem Briefe einige den guten Willen dieses Prae- 
laten lobende Worte hinzuzufügen, so würde ihn dies sehr an- 
.spornen.‘‘ Albertrandi-Malinowskü, Listy Commendoniego I, S. 32. 
1 Epistolae Hosii (Acta Historica IX). 

? Roysis Petri, Decisiones Lituanicae Crac. 1563. D.2. N. 80 
® Ms. 159, fol. 102—104 im ÖOssolineum, Lemberg. 

* Kojalowicz,, Miscellanea, p. 85. 

Rzepnicki, Vitae praesulum II, s. 31s. 

Niesiecki, Corona Polska II, S. 57. 

Woelonczewskis, Zemaijtiu wiskupiste I, 87 ff. 

5 Vergl. dieselben Autoren in den oben zitierten Werken. 


— 116 - 


Schifflein der katholischen Kirche in Litauen lenkten ; Män- 
ner, die weder der neuen Lehre huldigten, noch mit den 
Krebsschäden der damaligen Zeit behaftet waren, wie man- 
che ihrer bischöflichen Amtsbrüder ,! die aber in politi- 
sche und weltliche Sorgen verstrickt, die Pflichten ihres Hir- 
tenamtes vergassen. Selbst die klare Erkenntnis vom tiefen. 
Verfall des religiös-sittlichen Lebens vermochte ihren See- 
leneifer nicht anzuspornen.? Sie waren darum nicht die 
Hirten, die den Fortschritt der Irrlehre hätten eindämmen: 
können, da sie zudem am niedern Klerus keinen Rückhalt 
fanden. | 

So befremdet es uns nicht, wenn die neue Lehre sich 
über ganz Litauen verbreiten konnte und ihr Fortschritt 
kaum merkliche Hemmnisse fand. 

Die örtliche Ausbreitung und das Aufgehen der pro- 
testantischen Saat haben wir gesehen. Es gilt noch’ einen 
Blick auf Wie innere Entwicklung zu werfen und zu 
sehen, wie der Protestantismus das innere geistliche Leben 
der einzelnen Gesellschaftklassen durchdrang und beein- 
flusste ; denn von dem mehr oder minder tiefern Eindringen. 
der neuen Lehre in die einzelnen Volkschichten können. 
wir die Stosskraft des Protestantismus ermessen. 

Soweit die Quellen bei der Behandlung des litauischen. 
Protestantismus in Betracht kommen, bezeugen sie, dass nur 
Magnaten, Kleinadel und Bürgertum und ganz besonders 
die Zugewanderten an der protestantischen Aktion betei- 
liegt waren.® Von einer aktiven Teilnahme des Land- 


1Z.B. waren manche Bischöfe Polens nicht nur sittlich gesunken, 
sondern auch der neuen Lehre zugetan. Instructio Nuntiis Capituli 
(Oracsviensis ad synod. a 1551 Acta Historica, I, p. 477 ff.). Zitate 
aus dieser Instructio finden sich in den Anmerkungen. Damalewicz, 
Vita vladislanensium episcoporum a, 1642, p. 388 ss. 

2 ‚Glaube jeder, was er will, wenn nur meine Einkünfte unver- 
sehrt bleiben‘‘, so sollen manche Bischöfe öffentlich gesprochen haben. 
Responsiones capitulorum ad consultationem Nuntii Apostol. (Belacye 
Nuncyuszow I, S. 47). | 

8 Siehe die oben an verschiedenen Stellen zitierten Quellen über. 
die Ausbreitung des Protestantismus. 


— 17 — 


volkes an der Reformbewegung berichten diese Quellen 
nichts.!' Auch finden wir nirgends Spuren, die auf eine 
solche Anteilnahme bei den Landleuten, sei es aktiv oder 
passiv, hinwiesen. 

Wohl finden wir in den Quellen Zeugnisse, die 
von der Gleichgültigkeit des Landvolkes gegenüber der 
neuen Lehre sprechen.? Durch harte Knechtschaft gedrückt 
und durchaus ungebildet, wurden sie von ihren Herren 
gezwungen, wie früher in die katholischen, so jetzt in die pro- 
testantischen Kirchen zu gehen, und den sonst den katho- 
lichen Geistlichen gewährten Unterhalt, entrichteten sie 
jetzt den protestantischen. Um Dispute über Glaube und 
Kirchendisziplin — die damals bei Magnaten und Vornehmen 
an der Tagesordnung waren — kümmerten sie sich wenig .? 
Hatten sie früher vom Katholizismus wenig gewusst, so 





l Ich sage ‚aktive‘ Teilnahme, denn passiven Anteil an der 
neuen Religion hatte das Volk gewiss; sie gingen ja getrieben von 
ihren Herrn in den reformierten Gottesdienst und gewährten der neuen 
Religion Unterhalt und verrichteten auch sonstige Dienste für sie. Siehe 
Gruzewski, Kosciol ewangelicko-reformowany w Kielmach, S. 91. 

2 „Die Häresie nistete sich besonders beim Adel ein, der seine 
Wohnsitze auf dem Lande hat und seine Untergebenen zum Verläugnen 
des Glaubens seiner Vorfahren zwingt‘‘, so schreibt Buongiovanni, von 
1560—1564 in Polen, an Kardinal Moroni (Relacye Nuncyus- 
zow I, S. 87). Aehnliches berichtet Nuntius Fulvius Ruggieri 
im Jahre 1565: „Der Adel, der auf seinen Gütern eigenmächtig ist, 
verfügt auch nach seinem Belieben über die Religion, eignet sich 
katholische Kirchen an und befiehlt dann seinen Untergebenen den 
Uebertritt zu seiner Religion‘. Die Beschreibung Polens von Ful- 
vius Ruggieri, Relacye Nuncyuszow I, S. 160. 

„Das Landvolk allein blieb der wahren Religion treu. Aber auch 
dieses wurde von den andersgläubigen Herren gezwungen, ihrem Got- 
tesdienst beizuwohnen, ihre Predigten zu hören und ihre Religions- 
diener zu unterhalten. Und weil es gewohnt war, seinem Herrn un- 
bedingten Gehorsam zu leisten, so fat es dies auch.‘“ Manua- 
kripte aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts in der Seminar- 
bibliothek zu Vilnius. 

Ebenso: Rychiecki, Piotr Skarga i jego wiek, S. 26. 

$® „Dogmatische Dispute waren so allgemein üblich, dass nur 
noch die Landleute sie nicht kannten.‘ Ms. eben zitiert. 


— 18 — 


wussten sie jetzt vom. Protestantismus noch: weniger. Kurz, 
das Volk benahm sich so, als merke es von der grossen. re-- 
ligiösen Verwirrung gar nichts. | 

Es ist also festzuhalten, dass die Magnaten, dieniedern: 
Adeligen und ein Teil der Städter an der protestantischen 
Aktion beteiligt waren. Die Einführung der neuen Lehre ge- 
schah in der Weise, dassein Magnat oder Kleinadeliger, der 
offen zum Protestantismus übergetreten war, in den Di- 
strikten seines Dominiums die katholischen Geistlichen vor 
die Wahl stellte, entweder zum neuen Glauben überzutreten: 
oder auszuwandern. Dann führte er unter Mitwirkung von 
protestantischen Geistlichen in den Kirchen den refor- 
mierter: Gottesdienst ein, den zu besuchen das Volk ge- 
zwungen wurde .t 

Aus all diesem geht klar hervor, dass der Protestan- 
tismus in Litauen ein Magnaten- und zum Teil Stadtpro- 
testantismus war?, und dass das ungebildete, stumm sich. 
beugende Volk der neuen Religion nur gezwungen folgte.. 

Eine eigentliche Stütze hatte der Protestantismus- 
nur am Magnatenstande. Da dieser in jeder Bezie- 
hung der mächtigste war und die übrigen von ihm ab- 
hingen, so war es kein Wunder, dass die protestantische 
Bewegung in Litauen eine so allgemeine Umkehr der Dinge. 
bewirkte. | 

Nachdem wir nun den Verbreitungsbezirk des Pro-- 


1 „Der Adel hingegen verwandelte auf seinen Besitzungen die: 
von seinen Ahnen erbauten Kirchen in protestantische Bethäuser. 
Kirchliche Güter wurden eingezogen ; Kelche, Ornate und andere 
kostbaren Paramente verschenkt ; Altäre und Bilder aus den Kirchen 
entfernt oder verunstaltet. Es gab Pfarrer, die ihren Herren voll- 
ständig untertänig waren und deshalb von ihnen zu protestantischen. 
Pastoren ernannt wurden. Diese Geistlichen verheirateten sich und. 
verschleuderten die kirchlichen Güter.‘‘ Hystoria wierna o Kacerst- 
wach“. Ms in der Bibliothek der geistlichen Akademie zu Peters- 
burg. Ebenso: Cichocki, Alloquia ossiecensia, p. 33, 201. 

Jaroszewicz, Obraz Litwy III, S. 35f. | 

Kojalowiez, Miscellanea, p. 67. 

Kariejew, Ocerk istorii reformacionnago dwizenia, S. 99, 

2 Lukaszewicz, Dzieje wyznania helweckiego w Litwie, S. 15£.. 


— 119 — 


testantismus bezeichnet und die Beziehungen der einzelnen 
lıtauischen Stände zur neuen Lehre klargelegt haben, müssen 
wär uns noch fragen: Haben die Protestanten etwas getan, 
um ihre Religion rechtlich sicher zu stellen, um die Prin- 
zipien ihrer Lehrer den Anhängern einzuimpfen und zum 
die innere Konstitution ihres Lehrgebäudes nach der dog- 
matischen und disziplinären Seite hin fest zu begründen ? 
Während in den Reichstagversammlungen in Polen 
ein heftiger Kampf über Rechte und Privilegien des Kle- 
rus und über die rechtliche Stellung des Protestantismus 
zwischen den Katholiken, besonders dem Klerus, und den 
Protestanten tobte,! finden wır in Litauen von all dem 
keine Spur? | 

Damit hat es folgende Bewandtnis : 

Zunächst wurden in Litauen kurz nach dem Jahre 
1555 fast alle Senatoren und Magnaten (die Bischöfe na- 
türlich ausgenommen) protestantisch.? Deshalb gab es 


1 So namentlich auf dem Reichstag zu Petrikau 1550, 1552 
(Suspensio jurisdietionis Episcoporum), 1555; Warschau 1557, Pe- 
trikau 1558, 1562, 1565. Zukowiez, Kardinal Gosij (Hosius) i 
polskaja cerkow, S. 153 ff., 176 ff., 213 ff., 254 ff., 257 ff., 
299. | 

Liubowicz, Nacalo katoliceskoj reakcii i upadok reformacionnago 
dwizenia w Polsze, S. 31 ff., 53 ff. 

® Man kann in der Tat weder im Senate, noch im Reichs- 
tag von Litauen Kämpfe zwischen Katholiken und Protestanten 
feststellen. So hüllen sich denn auch alle Autoren, ältere und neuere, 
hierüber in tiefes Schweigen, und die Quellen, die wir durchsucht 
haben, berichten nichts davon. Wenn auch die Tagebücher des 
Reichtages nicht ‚mehr vorhanden sind, so müssten wir doch — wenn 
derartige Kämpfe stattgefunden haben sollten — zweifelsohne in den. 
Quellen des 16. Jahrhunderts eine Spur davon finden. 

®.H.M.(ercyng), Zbory i Senatorowie protestantey w Dawne;j 
Rzeczypospolitej, S. 138£. 

Cichocki, Alloquia ossiecensia, p. 83, 210. 

Der polnische Senat hatte weniger protestantische Mitglieder, als. 
der litauische; denn Nuntius Fulvius Ruggieri sagt vom polni- 
schen : ‚Dennoch sind drei Viertel der weltlichen Senatoren katho- 
lisch.‘‘ Beschreibung Polens von Fulvius Ruggieri im Jahre 1565. 
Relacyce Nuncyuszow I, S. 160. 


— 120 ° — 


niemand mehr, weder im Senat noch in der Reichstagver- 
sammlung, der die neue Lehre bekämpft oder die Rechte 
der katholischen Religion verteidigt hätte, da die Bi- 
schöfe wegen ihrer geringen Zahl ! und auch aus anderen 
Gründen den übermächtigen Magnaten, denen die Kleinade- 
ligen folgten, gegenüber wenig vermochten. Eine Verteidi- 
gung der väterlichen Religion wäre dem Kleinadel auch fast 
unmöglich gewesen. Wenn er auch gewöhnlich zum Reichs- 
tag? berufen wurde, so spielte er doch nur eine ganz 
nebensächliche Rolle und wagte kaum den übermächtigen 
Grossen entgegenzutreten. 

Anderseits fanden die Protestanten nichts, was sie, 
als ihnen widerstrebend oder schadenbringen, hätten be- 
kämpfen sollen. Gesetze gegen den Protestantismus gab es 
nicht 3 und die Rechte und Privilegien der wenigen Geist- 
lichen verloren vor der Gewalt der Magnaten fast alle 
Kraft* Da also niemand, weder ım Senate noch im 
Reichstag, die Protestanten angriff, letztere aber auch keinen 
Grund zum Kampfe hatten, blieb ein politischer Kampf 
zwischen Katholiken und Protestanten fast völlig aus. 

Ein anderer Grund, der einen Religionskampf aus Li- 


1 Die Anzahl der Senatoren Litauens lässt sich nicht genau 
feststellen, wir können auf ungefähr 40 schliessen. Darunter waren 
nur 4 Bischöfe. Wolff J., Senatorowie i dygnitarze W. Ks. Litews- 
kiego, S. 1—3. 

Lappo, Welik. Kniaz. Litowskoje, S. 564, 670. 

2 Siehe weiter oben. 

® Wohl sind nach dem oben Gesagten von König Sigis- 
mund I. einige Gesetze erlassen worden. Indess der Kern und die 
Tragweite dieser Edikte sind ziemlich unbestimmt, und es ist sehr 
wahrscheinlich, dass sie keine allgemeine Gültigkeit hatten, son- 
dern nur auf Zeit und Ort beschränkt waren. Das geht schon 
daraus hervor, dass der Bischof von Vilnius, Paul A. Holszanski, 
genötigt war, für die Ausweisung des Abraham Culvensis ein besonderes 
Edikt zu erbitten. 

1 Dje Magnaten Litauens konnten nicht — wie wir es anderswo 
antreffen — durch die Lockspeise der Kirchengüter zum Kampf gegen 
Rechte und Besitzungen des litauischen Klerus aufgestachelt werden, 
weil sie eben selber grosse Reichtümer und alle Rechte besassen. 


— 1241 — 


kauen fernhielt, war eine gewisse religiöse Toleranz, die 
aus dem Umgange mit Orthodoxen ! und Mohammedanern 
erwuchs und alle Gesellschaftsklassen, auch die Geistlichen 
‚beseelte. ? | 

Dazu kommt noch die politische Kurzsichtigkeit der 
Protestanten, die vor Freude über den so leicht errungenen 
.‚Sieg,® auf ihre Kraft und die Schwäche der Katholi- 
ken bauend, wenig um das künftige Geschick ihrer Religion 
besorgt waren. 

So kam es, dass die Protestanten zur rechtlichen Be- 
festigung ihrer Religion nichts taten. 

Wenn auch keine Gesetze gegen die Protestanten be- 
standen, so wurden doch anderseits auch keine Gesetze er- 
lassen, die den Protestanten bezüglich des öffentlichen Auf- 
tretens dieselben Rechte eingeräumt hätten, wie den Katholi- 
ken. Solange die Protestanten die Katholiken überragten, be- 
durften sie keiner Schutzgesetze ; aber später, als sie all- 
.mählich schwächer wurden, verspürten sie deren Mangel 
sehr nachteilig. Nur eines erachteten sie für notwendig, 
dass nämlich Sigismund-August — auf Radvılas Betrei- 
ben* — das Statut aufhob, das Andersgläubige und Grie- 
chisch-Orthodoxe für immer von allen Würden ausschloss, 
und dasvon Vladislaus Jogaila in Horodlo erlassen worden 
war.’ Aber dieses Privileg nützte nicht so sehr den 





1 Wie wir weiter oben sahen, waren in der Diözese Vilnius (Augs- 
taitija) vielerorts bei weitem mehr Orthodoxe als Katholiken. Bei- 
‚spiele siehe: Relacye Nuncyuszow I, S. 160. ,...Dennoch gibt es 
dort (in Vilnius) bei weitem mehr ruthenische, als römische Kirchen. 
Herberstein, Rerum Moscoviticarum commentarii in op. RBRerum 
Moscovwiticarum auctores varii, Frankfurt 1600, p. 78. 

?2 Siehe weiter oben. 

3 In der Tat weiss der Protestantismus kaum in einem anderen 
Land« einen so schnellen und leichten Sieg über die katholische 
Religion zu verzeichnen, wie in Litauen. 

% Lukaszewicz, Dzieje wyznania helweckiego I, S. 22 £. 

5 Das Statut von Vladislaus Jogaila hatte folgenden Wortlaut: 
„Praedictis libertatibus, privilegiis et gratiis tantummodo illi Ba- 
rones et Nobiles Terrae Lituaniae debent uti et gaudere quibus arma 


— 12 — 


Protestanten, als vielmehr den Griechisch-Orthodoxen, da 
die Protestanten bereits vor dieser Proklamation im Be- 
sitze aller Würden des litauischen Grossfürstentums waren. 

Nun erübrigt sich noch die Frage : Haben die Protes: 
tanten sich die Mühe gegeben, die Anhänger von der neuen 
Lehre zu überzeugen und im neuen Glauben zu befes- 
tigen ? 

Die sich zum Protestantismus bekennenden Magnaten 
sorgten für die Vertreibung und den Abfall der katholischen . 
Geistlichen und stellten nötigenfalls protestantische Relı- 
gionsdiener an. Damit hielten sie aber auch die ganze Re- 
formationsarbeit für erledigt, da sie glaubten, jede weitere 
Aufklärung des Volkes den Geistlichen überlassen zu müss- 
en. Aber diese Geistlichen, die vorzüglich Ausländer und 
gelehrte Männer waren, zeigten sich nur an den Höfen der 
Magnaten und in den Städten ..! 


clenodia Nobilium Regni Poloniae sunt concessa, et cultores christianae 
religionis Romanae ecclesiae subjecti, et non schismatici vel alii in- 
fideles.“ Volumina legum I, p.31. Sigismund-August änderte Jas 
Statut von Vladislaus Jogaila in folgender Weise ab: „Wir beschliessen 
und bestimmen, dass nicht nur der Adel, die Bojaren und ihre 
Nachkommen katholischer Konfession, sondern auch alle anderen 
in gleicher Weise und für ewige Zeiten von den gleichen Begünsti- 
gungen und Privilegien Gebrauch machen sollen. Desgleichen sollen 
Aemter und Würden bei unserem Hofrate u.s.w. nicht nur den 
Katholiken, sondern allen Leuten ritterlichen Standes und christlichen . 
Glaubens den Verdiensten und Würden gemäss zugänglich sein. 
Niemand soll (wenn er Christ ist), infolge seiner Religion von 
einem Amte zurückgewiesen werden.‘ Monuments Reformationis Po- 
loniae et Lituaniae. Ser. I, Heft I, S. 16 £. 

Prawa i wolnosci dyssydentow w Koron. Polsk. W. Ks. Li- 
tewsk. 1720. S. 1 ff. 

1 Leute dieser Art waren Abraham Culvensis, Wiclef, (Koja- 
lowicz, Miscellanea, p. 64 e.); nach .anderen Winkler (Jarosze- 
wiez, Obraz Litwy III, S. 32 £.). Johann Kozminczyk, Lo- 
renz von Przasznysz (Lukaszewicz, Dzieje wyznania helweck. I. 
S. 19). Volanus, Sudrovius, Czechowicz u. die anderen. Siehe- 
Lukaszewiez, op. eit., S. 190—238, 266—290. 

Wotschke, Abraham Culvensis, S. 170 ff. 


— 123 — 


Auf dem Lande setzien sich diese, wie wir schon: 
gesehen haben, zum grossen Teil aus flüchtigen, unwiss- 
enden und verbrecherischen Leuten zusammen. ! Meistens. 
waren es abgefallene katholische Priester,? die sittlich 
heruntergekommen waren. Sie kümmerten sich wenig um 
die Religion und ihre Hauptsorge war die Erwerbung 
zeitlicher Güter. Sie waren womöglich noch schlimmer 
als die frühere katholische Geistlichkeit. 

Die Zeitgenossen werfen den protestantischen Predigern. 
dieselben Gebrechen und Ausschreitungen vor, die unter- 
der katholischen Geistlichkeit zu beklagen waren. Zü- 
gellosigkeit, Trunksucht, Habsucht, Hader und Gottlosigkeit 


1 Die im Jahre 1583 in Wloclawek versammelte Synode zählt 
eine lange Reihe von Lastern ihrer Religionsdiener auf: ‚„Trunkenheit, 
Schwelgerei, Verschwendung, Würfel- und Kartenspiel, Geiz, Wucher,. 
Unterdrückung der Untertanen, Nichtswürdigkeit gegen den Nächsten,. 
die nicht jedem das Seine gibt ; Händeleien, Schuldenmachen, Grausam - 
keit, Stolz, üppige Kleidung, Tanz, Buhlerei, Flüche, Hader, Feind- 
schaft, Beleidigung des Nächsten und Mord, Faulheit, Flucht 
vor Arbeit und Standesgeschäften, ärgerniserregende 'Unterlas- 
sung der Predigt und des Gottesdienstes aus den geringfügigsten Ur- 
sachen, Vernachlässigung der hl. Kommunion, Nichtbeachtung der 
Mahnungen und der Disziplin. Communionis idolatiiae et blas- 
phemiae respectu, sui sive liberorum suorum etc. non evitatio quo-- 
rundam etiam ab ariolis sciscitatio, et incantatricum ac ejusmodi Allu- 
sionum variarumque superstitionum usus, et his similes abominationes. 
peccata jverbo Dei contraria et plurimum mali secum vehentia.“ Jun- 
gius S. J. Synopsis Novi Evangelii seu de doctrina, moribus fruc-- 
tibus etc. rectariorum Posen 1545, S. 235 f. Cichocki (Alloquia. 
ossiecensia) beschreibt ‘die furchtbare Unwissenheit und Lasterhaf-- 
tigkeit der protestantischen Religionsdiener. Er. wirft ihnen viele 
schreckliche Laster vor. Wenn sein Zeugnis auch etwas scharf und 
verdächtig ist, so enthält es doch viel Wahres, was durch andere: 
Quellen bestätigt wird. Die gerichtlichen Akten, die wir in der 
Seminarbibliothek zu Kaunas fanden, enthalten Darlegungen der 
verschiedensten Verbrechen protestantischer Religionsdiener. 

 * Dass viele katholische Priester ihre Kirche verlassen haben: 
und protestantische Praedikanten geworden sind, geht aus den Quellen 
klar hervor: Ms von 1624 in der Bibliothek der Priesterseminars. 
zu Kaunas. Historia wierna v. Kacerstwach (1631—1640), p. 43. 


— 14 — 


‘waren nach unseren Quellen ziemlich häufige Erscheinungen 
unter den protestantischen Praedikanten. Hätten so ge- 
artete Prediger jemand für die neue Lehre gewinnen oder 
‚die Seelen der Zuhörer ihren Grundsätzen erschliessen, 
oder die Angeworbenen im neuen Bekenntnisse bestärken 
können ?! Aber es waren auch gute Prediger unter ihnen, 
leider nur wenige. Oder haben vielleicht die Protestanten 
‚sich Mühe gegeben, wenigstens der Jugend durch Ein- 
richtung von Bildungsanstalten, besonders von Elementar- 
schulen, ihre Lehre beizubringen ? 

Auch das nicht. Obgleich schon wenige Jahre nach 
König Sigismunds I. Tod fast der gesamte litauische Adel 
zum Protestantismus sich bekannte, so war von ihnen 
vor dem Tode Sigismunds-August höchst wahrscheinlich 
nur eine einzige Schule, die zu Vilnius, eröffnet worden.! 

In Samogitien wurde die erste protestantische Schule 
gar erst im Jahre 1592, d.h. nachdem schon fast 50 
Jahre seit dem Eindringen des Protestantismus verflossen 
waren, eingerichtet.” Erst am Ausgange des 16. und am 
Beginn des 17. Jahrhunderts begannen die Protestanten 
Schulen zu gründen,® besonders aus Wetteifer gegen die 
Jesuiten. Doch erkannten sie ihren Irrtum zu spät, erst 
dann als der wiederauflebende Katholizismus sich: bereits 
anschickte dem geschwächten Protestantismus den voll- 
ständigen Untergang zu bereiten. 

In Litauen, wie anderswo, machten die Protestanten 





1 Kojalowicz, Miscellanea, p. 67. Siehe auch weiter oben. 

2 Wolonczewskis, Zemaijtiu wiskupiste, II, S. 8—10. Das ist 
‚also jene Quelle, aus welcher nach Krasinski ein Strom von Wissen 
und Bildung über ganz Litauen und Polen sich ergossen haben, 
und nach dessen Versiegen Finsternis und Barbarei über beido 
Länder hereingebrochen sein soll. Krasinski, Zarys dziejow powastania 
i upadku Reformacyi w Polsce, Warszawa 1903, S. 3 ff. 

3 Tatsächlich haben die Protestanten in Litauen die Mehr- 
zahl ihrer Schulen im 17. Jahrhundert gegründet. Ohne Zweifel 
wird sie zu dieser eifrigen Tätigkeit der namhafte Erfolg der Je- 
‚suitenschulen angespornt haben. Lukaszewiez, op. cit. 11., S. 157— 


169. 


— 15 — 


fast ausschliesslich durch Bücher Propaganda. Noch vor: 
dem Tode Sigismunds-August hatten die Protestanten in 
verschiedenen litauischen Städten fünf Druckereien gegrün- 
det;! aus diesen ergoss sich dann eine Hochflut von 
Schriften über das ganze Land.? Trotzdem entsprach' der 
Erfolg keineswegs dem ungeheuren Aufwand von Mühe, 
Kosten und Material. 

Der Grund des Misserfolges lag in der Tatsache, dass 
nur die obersten Klassen genügende Bildung und Mittel 
besassen, um den Inhalt der Bücher sich zu eigen. machen. 
zu können. Der grösste Teil des Adels und des Bürgertums: 
und das Landvolk fast in seiner Gesamtheit waren Anal- 
phabethen .? 

Ferner haben die litauischen Protestanten so gut wie 
gar nichts getan, um ihrem Bekenntnisse in doktri- 
närer oder in disziplinärer Beziehung ein festes, dauer- 
haftes Gefüge zu verleihen. Jeder Praedikant hatte seine: 
eigene Lehre, wobei der Gutsherr die Lehren seines Pre- 
digers bekannte.* Die litauischen Grossen, samt den Ade- 


! Vor dem Tode Sigismunds-August sind protestantische Drucker- 
eien sicher in den Städten Brest-Litowsk, Losk, Nieswiez und Vilnius 
eröffnet worden. Lukaszewiez, op. eit. II, p. 170—189. Bandke, 
Historya drukarn w Kr. Polsk i W. Ks. Litewskim. I, S. 55— 58, 
427—431; II. S. 8—20, 265—319. 

2 Die Bücher wurden besonders in lateinischer aaa polnischer 
Sprache gedruckt ; in litauischer erschienen dagegen nur sehr wenige; 
denn bis Stephan Batory sind in litauischer Sprache etwa 5—7 
Bücher gedruckt worden, gewiss darum, weil schon damals das 
Litauische fast nur vom gewöhnlichen Volke gebraucht wurde. Ver- 
gleiche Baltramaitis, Spisok litowskich i drewnierusskich knig iz- 
dannych s 1553 po 1903 god. S.P.B. 1904, S. 1 f£. 

3Wegen Mangel an Elementarschulen war nicht nur dem gewöhn- 
lichen Volke, sondern auch dem ärmeren Adel jeglicher Weg zur 
Bildung verschlossen. Daher waren in den unteren Schichten der Na- 
tion so viele Analphabeten. Lappo, Welik. Kniaz. Litowskoje. 
Ss. 499 ff. 

% Jeder Adelige hielt sich einen Prediger, von dem er mit 
seiner ganzen Familie Lehre und Sakramente empfing. Viele von 
ihnen schrieben ihren Predigern vor, was sie zu lehren und wie sie: 


— 1236 — 


ligen, waren grösstenteils Kalvinisten, während in den 
Städten, namentlich unter den sehr zahlreichen Deutschen, 
‚der lutherische Glaube vorherrschte. Diese übernommene 
Abteilung der Konfessionen gilt in Litauen nur obenhin, da 
die Prediger, aus aller Herren Ländern zusammenströmend, 
‘von einander wesentlich abwichen, .und ein jeder seine 
Lehre, die er selbst erfunden hatte, als die Luthers oder 
Kalvins anpries. Die Entfernung von Wittenberg und 
‘Genf war sehr gross ; ein gemeinsamer, oberhirtlicher Mit- 
telpunkt bestand nicht; deswegen entstanden unter den 
Prädikanten und unter ihren Gönnern unzählige Strei- 
tigkeiten.! 

Jeder Prediger bot alles auf, um seinen Rivalen aus 
dem Felde zu schlagen ; keiner wollte irgend eine Autorität 
anerkennen ; jeder erklärte Gott allein verantwortlich zu 
sein und von keinem andern Menschen, höchstens noch: von 
seinem Schlossherrn oder Gönner abzuhängen.? Die Gros- 
sen taten nichts, um dieser Anarchie zu steuern ; im Gegen- 
teil, sie förderten :diese noch dadurch, dass sie Praedi- 
kanten zusammenriefen, um sich dann an ihren heftigen 
Disputen zu ergötzen.? | 


die Sakramente zu spenden hätten.‘“‘ Handschrift in der Bibliothek 
des Seminars zu Kaunas. 1624, fol. 31. 

1 Cichocki, Alloquia ossiecensia, f. 58, 61. 

Relacye Nuncyuszow, I, S. 192. 

H. Jungius, Synopsis novi evangelii seu de doctrina, moribus, 
fructibus etc. sectariorum, p. 45 es., 49 uq., Öl, sq., 429. 

P. Skarga S.J., Artes duodecim Sacramentariorum, Wilnae 1582, 
Epistola dedicatoria Stephano regi fol. 3, 4, 5. 

2P. Skarga, op. citato: „In toto orbe terrarum nullus est, 
cujus se subdere cognitioni velint. Imo audet iste idem, qui ita 
coram Majestate Tua queritur et judices postulat, asserere, non modo 
multorum hominum, sed ne Myriadibus quidem Angelorum autori-. 
tati se acquieturum, si non id, quod illi videtur rectum, sentiant et 
decernant... Jam ergo nec terra nec caelum habet ullum cui se credant 
et cujus sententiae pareant. Ita ad hunc dolum et tantam hypocrisim 
nihil accedere potest amplius cum judices quaerunt et nullum in terra, 
‚sub toto coelo etiam admittunt.‘‘ Fol. IX. 

3 „„Nobiles haeretici ministros suos in unum conducebant, ut acer- 


— 127 — 


Die litauischen Grossen selbst haben. durch ihre Nach- 
lässigkeit den Zerfall und den Untergang des Protestantis- 
‚mus in ihrem Lande beschleunigt, indem sie es vernach- 
lässigten die neue Lehre auf eine juridisch feste Grund- 
lage zu stellen und ein dauerhaftes inneres Gefüge, mit 
‚hierarchischer Ordnung und dogmatischer Einheitlichkeit 
zu schaffen und eine weite Ausbreitung unter dem Volke 
ın die Wege zu leiten. 

Radvila allein machte von dieser Fahrlässigkeit « eine 
Ausnahme. Als eifriger Bekenner der neuen Lehre leis- 
tete er dieser nach‘ Kräften Vorschub.! Er allein hat sich. 
bei Herzog Albrecht darum bemüht, fähige, gelehrte 
Prediger aus Preussen nach Litauen zu bekommen.? Zu- 
.dem schickte er litauische Praedikanten, z.B. einen Üze- 
.chowicz zu Kalvin in die Schweiz, damit er von diesem 
‚den Kalvinismus und die Zeremonien lerne. Er stand mit 
Kalvin, Bullinger, wie auch anderen schweizerischen Theo- 
‚logen, in brieflichem Verkehr, bat um Ratschläge und 
Unterweisungen und beschenkte sie. Kalvin hat ihm seinen 
Commentar zu den Akten der Apostel gewidmet.* Rad- 
'vıla eröffnete auch die ersten protestantischen Schulen. 
Besonders liess er sich die Propaganda durch Bücher sehr 
‚angelegen sein; Anfangs liess er solche aus Preussen kom- 


rimas eorum disputationes de articulis fidei recreationis causa au- 
.dirent.“ Handschrift von 1624 in der Bibliothek des Priesterseminars 
zu Kaunas. 

Liubowiez, Naczalo katoliczeskoj reakeii i ipedek reformac. dwi- 
‚zenia w. Polsze, S. 159 £. 

1 Siehe weiter oben. 

2 Wotschke, Abraham Oulvensis, Beilagen XXXV, LII, LXI, LXII, 
LAXXI. Radvila der Schwarze hielt an seinem Hofe viele Pre- 
.diger, ibid. LXI. 

3 Lubieniecki, Historia Reformationis Polonicae, p. 129. 

Lukaszewicz, Dzieje wyznania helweck, S. 15. 

1 Siehe Wotschke, Der Briefwechsel der Schweizer mit den Polen 
‚(Archiv für Reformationsgeschichte, Ergänz. Bde 3, 4) und v)pera 
‚Calvini. Bd. XVII—-XX. 

5 Lukaszewiez. Dzieje wyznania helweckiego II, S. 157—169. 


— 13 — 


men,! später liess er in eigenen Druckereien ? Bücher her- 
stellen, unter denen die berühmte Bibel von Brest ‚„Biblia 
Brzeska“ hervorragt?®. Für die Ausbreitung dieser Lite- 
ratur hat er ungeheure Summen aufgewandt. Seine Geld- 
unterstützungen reichten sogar über die Grenzen Litauens 
hinaus.* Endlich vermochte Radvila — dank seines grossen 
Ansehens — eine äussere Einheit (scheinbar wenigstens) im 
Protestantismus aufrechtzuerhalten,® dadurch, dass er u.a. 


1 Wotschke, Abrah. Culv., Beilagen XLIV (Briefe Albrechts a 
Radvila ; ebenso LXXI, LXXXV. 

2 Lukaszewiez, op. eit. II., p. 170 ft, 

3 „Biblia swieta to jest Ksiegi Starego i Newego Zakonu wlas- 
nie z zydowskiego greckiego i lacinskiego, nowo na polski 
jezyk pilnoscia i wiernoscia wylozone, Roku panskiego 1563.“ Fol. 
max. An der Uebersetzung, die angefertigt wurde, beteiligten sich 
Joh. Laski, Simon Zacijus, Gregor Orsacius, Peter Statorius, Thion- 
villanus Gallus, Andreas Trzecieski, Jakob Lubelezyk, Lismaninus 
Bernhard Ochinus, Georg Blandrats, Joh. Paul Alciatus, Martin 
Krowicki, Thenaldus, Witrelinus Brelius, Gregor Pauli, Georg Scho- 
mannus ; von diesen waren nur Zacijus, Trzecieski und Lubelczyk 
Reformierte oder Kalvinisten, die übrigen aber sämtlich Socinia- 
ner. Sehr viele Exemplare dieser Bibel hat Nikolaus Radvila 
Sierotka, der Sohn Radvilas des Schwarzen, zusammengekauft und 
in Vilnius mit anderen ketzerischen Büchern verbrannt. 

Niesiecki, Korona III, p. 832. 

L. Otto, Enceyklop. Orgelbr. III, S. 725 .£. 

4 Radvila hat unter anderen dem bekannten polnischen Priester 
Stanislaus Orzechowski Geldunterstützung bewilligt, solange er mit 
dem kathol. Episkopate im Streite lag. „Aufdas Jahrgeld,das E.M. 
durch eigenes Handschreiben mir genehmigt, habe ich zu hoffen 
schon aufgehört... nun ist es bereits das dritte Jahr, dass mir es 
nicht mehr auszahlt wird‘, schreibt Orzechowski an Radvila. 
Lukaszewicz, Dzieje wyznania helweckiego I, S. 14. Anm. 2. 
Denselben Orzechowski nahm Radvila gegen die Bischöfe in Schutz, 
Golebiowski, Czasy zygm. Augusta II, S. 10. 

® Lukaszewiez, (op. eit. I, S. 17, 21. 

Regenvolscius (Wegierski), Systema hystorico-chronologicum, p. 
142. Wenn gleich Radvila bestrebt war unter den Protestanten 
in Litauen Einigkeit zu stiften, so verhinderte er trotzdem jede Eini- 
gung mit den polnischen Neuerern. Der Grund wird ersichtlich aus- 
S. 82, Anm. 1. 

Lukaszewiez, Op. cit., S. 22. 


— 129 — 


protestantische Synoden zusammenrief. Doch eine dogmati- 
sche Einheitlichkeit oder eine Hierarchie hat er nicht er- 
zielt.! Radvilas Verdienste um den Protestantismus in 
Litauen sind so gross, dass er mit Recht Vater und 
Säule des litauischen Protestantismus genannt werden 
kann ; denn weder in Litauen, noch in Polen kam ihm 
darin einer nahe.” Ohne Bedenken dürfen wir behaupten, 
dass der Protestantismus in Litauen nicht so rasch 
in sich zusammengefallen wäre, wenn Radvila länger ge- 
lebt hätte. Aber schon 1565 starb er eines jähen Todes. ? 


1 Lukaszewicz, Op. eit., -S. 25, 27. 

Golebiowski, Op. cit. IL, S. 81. 

2 „Quidquid est nunc purae religionis in Lituania, id maxime 
Nicolao Radziwilo debemus.‘“ Lasicki. Pro Volano et puriore Reli- 
gione, p. 142 bei Lukaszewicz, op. eitat. I. p. 15, nota. „In 
Litauen stand Radvila einzig da als herrliche Ausnahme, sodass 
man ihm im damaligen Polen niemand entgegenstellen konnte.‘ Brück- 
ner Roznowiercy Polscy, S. 8. Nach Lukaszewicz und Bukowski war 
Radvila wohl deshalb ein so eifriger Vorkämpfer der Reforma- 
tion, weil er den Wunsch hegte, nach dem Tode des kinderlosen Si- 
gismund-August, selbst Grossfürst von Litauen zu werden. Diesem 
Plane stand am meisten eine Union zwischen Litauen und Polen ent- 
gegen. Darum war Radvila nach Kräften bestrebt, Litauen zu 
kalvinisieren, um damit jeglichen Einfluss Polens auf Litauen zu 
verunmöglichen, und sich auf diese Weise den Weg zum grossfürst- 
lichen Throne zu bahnen. Aus dem gleichen Grunde widersetzte- 
er sich auch jeder Einigung mit den polnischen Kalvinisten. 
Lukaszewicz, II, 21 f. Diese Meinung klingt wahrscheinlich, und 
scheint auch durch die Quellen erhärtet zu sein. ‚,In Litauen 
ist Radvila, der Karvede von Vilnius, nicht nur mit Waffenmacht 
in Vilnius eingezogen und hat sich des königlichen Schlosses bemächtigt, 
sondern er hat nicht aufgehört Ränke zu schmieden, angeblich um 
die Freiheit Litauens zu schützen, die der König durch eine Union 
mit Polen zu nehmen beabsichtigt.‘ Albertrandi-Malinowski, Briefe 
Commendones II, S. 170 £. 

Kojalowiez, Fasti Radziwillani, p. 44. 

3 Ueber den Tod Radvilas des Schwarzen berichtet Commendone 
folgendes : ‚Schon seit einigen Jahren litt der Karvede an Fussgicht ; 
von Schmerzen gequält und von Sünden gedrückt verfiel er auf 
den Gedanken, sich selbst zu entleiben; doch als er vernahm, 
dass einer seiner Höflinge sich durch Einreiben mit Quecksilber 

9 


— 130 — 


Zur Vervollständigung der Darstelulng muss hier noch 
einmal der Grossfürst Sigismund-August erwähnt werden. 
Dieser Fürst ist seiner Lebtage derselbe geblieben, als der wir 
ihn weiter vorn geschildert haben. Die Protestanten ganz Eu- 
ropas hatten auf den mächtigen Herrscher der beiden Rei- 
che Litauen und Polen ihr Augenmerk gerichtet, von steter 
Hoffnung erfüllt, er werde am Ende doch noch zu ihnen 
übertreten ; aber der Fürst vereitelte ihre Hoffnung. Die 
schweizerischen Reformatoren hörten nicht auf, sei es durch 
den mächtigen Einfluss eines Radvilas, sei es durch Briefe, 
Sigismund-August zu bestürmen!, um ihn zum öffentli- 
chen Abfalle von der römischen Kirche zu verleiten. In- 
dessen hatten die Katholiken aber treue Wache gehalten. 

Die fähigsten Diplomaten und die eifrigsten Geist- 
lichen, wie Commendone, Buongiovani u.a., weilten stets am 
Hofe Sigismunds-August. Rührige polnische und litaui- 
sche Bischöfe, mit Kardinal Hosius an der Spitze, taten 
ihr möglichstes, um den König in der katholischen Religion 
zu erhalten. Dieser hielt es inzwischen mit beiden Parteien 
und machte beiden Versprechungen. 

Auf der einen Seite korrespondierte er mit schweiz- 
erischen Reformatoren, liess sich von ihnen ihre theolog- 


geheilt habe, befahl er, dass eine solche Salbe auch für ıhn 
zubereitet werde, entgegen einer ausdrücklichen Warnung der Aerzte. 
Als diese sich nun weigerten, ihn damit zu behandeln, rieb er sich 
selber ein, und zwar nicht nur die Gelenke und Pulse, sondern auch 
‚die Schläfen und den Kopf. Bald darauf wuchsen die Schmerzen und 
plagten ihn drei Tage hindurch ununterbrochen so arg, dass ihm 
Augen, Mund und Ohren barsten, die Seiten sich öffneten und 
zuletzt der Kopf entzwei sprang, sodass er in seiner Einbildung 
sich von Gott verlassen wähnte und mit schrecklichem Heulen, fast 
mit eigenen .Händen sich tötend, seinen Geist aushauchte.‘ Alber-: 
trandi-Malinowski, Briefe Commendones, II. S. 212£. 

Das ist zweifellos eine, grösstenteils erfundene, tendenziöse 
Schauermäre. 

1 Wotschke. Der Briefwechsel der Schweizer mit den Polen 
(zahlreiche Briefe). Ebenso: 

Opera Calvini, Bd. XVII—XX. 


— 131 — 


ischen Streitschriften widmen,! liess sich durch Al- 
brecht von Preussen Luthers Werke zusenden ?, hielt an 
seinem Hofe Prediger und spielte sich als ihr Beschützer 
und Gönner auf.? Auf der anderen Seite unterschrieb er 
Dekrete gegen die Häretiker, und versicherte die päpst- 
lichen Gesandien und den Papst selber, dass er alles auf- 
bieten werde, um die ln Kirche in seinen Rei- 
‚chen zu stärken. 

Einen Mittelweg Een Katholizismus und ne 
formation einhaltend, legte Sigismund-August 1556 
Rom einen Plan zur Reformierung der Dolnieh Aienlächen 
Kirche vor, dessen Hauptpunkte der Gebrauch der Volks- 
sprache in der gesamten Liturgie, Kommunion unter beiden 
‚Gestalten, Priesterehe und Volksynoden für die poinisch- 
litauische Kirche waren. ?® Als aber Papst Paul IV. den 
‚Plan verwarf, verhielt sich der König siill, ohne aber sein 
Doppelspiel aufzugeben. Erst in den letzten Jahren seiner 
Regierung, als er gewahr wurde, wie die katholische Kirche 
immer mehr wuchs — während zu gleicher Zeit der Protes- 
tantismus mehr und mehr zurückging — stellte sich Sigis- 
mund-August immer entschiedener auf die Seite des 
Stärkeren, d.h. der katholischen Kirche. Er gab a’so den 
streitenden Parteien volle Freiheit, um sich dann dem 
Sieger anzuschliessen. 

Diese gassive Rolle, die Sigismund-August in ‚der 
reformatorischen Bewegung gespielt hat, sollte wichtige 
Folgen haben. 

Bevor wir weiter fortfahren, müssen wir uns das 
üppige Wachsen des Protestantismus unmittelbar vor dem 


1 Ebenda: Wotschke u. Opera Calvini. 

® Wotschke, Briefwechsel, S. 146, Anm. 
Höfling der Könige Sigismund-August, Heinrich und Bathorv 
diger (Archiv für Reformations-Gesch. H. 16, S. 1). 

4 Theiner, Monumenta Poloniae et Lituaniae II, p. 569. 
5 Brief des Fürsten di Palliano an Nuntius Lippomano vom Jahre 
1556. Relaeye Nuncyuszow 1, S. 29 ff. 


— 132 — 


Tode Radvilas näher ansehen. Bereits 1557 schrieb Jo- 
hannes Piekarski, ein katholischer grössfürstlicher Hof- 
prediger, an Kardinal Hosius: „Mein Geist grämt sich. 
unaufhörlich wegen der auftauchenden Häresien, welche 
die Gottlosen auszustreuen nicht aufhören. Je mehr sich 
diese Haeresien ausbreiten, desto mächtiger werden sie; 
denn schon hat diese Verirrung fast alle Litauer und Ru- 
thenen umgarnt, so dass sie dem Glauben ihrer Väter den. 
Rücken kehren und den Neuerungen huldigen, während die 
Unsrigen nicht nur nicht widerstehen, sondern dies sogar 
dulden.“ 1 

‘Vor allem waren viele Magnaten von der katholischen 
Religion abgefallen, sodass im ganzen litauischen Senate nur 
noch der eine oder der andere dar Senatoren katholisch war .? 
Dem Beispiele der Magnaten folgten auch die niedern Ade- 
ligen scharenweise und vor Radvilas Tode waren unter 
diesen nur noch wenige katholisch ; so fand sich z.B. 


1 Epistolae Hosii No 1847 (in Acta Historica IV). 

2 Cichocki, Alloquia ossiecensia: „Et profecto illis temporibus. 
res Catholicorum fere deplorata erat, cum in amplissimo senatu, vix 
unus atque alter, praeter Episcopos, qui se insanis molitionibus op-- 
ponerent, reperiebantur.‘‘ p. 83. Einige Schriftsteller (z. B. auch Gole- 
biowski, Czasy Zygm. Augusta II, S. 4), behaupten, die eben ange- 
führten Worte Cichockis müssten auf den polnischen Senat bezogen 
werden. Das ist ein Irrtum, denn an einer anderen Stelle gebraucht er 
dieselben Worte ausdrücklich für den litauischen Senat. Hier sein 
Ausspruch : ‚Senatus Lituanicus multo majori ex parte jam ex 
Catholicis constat, cum antea praeter duos Episcopos, vix unus aut 
alter reperiretur, qui non fuerit haeresim professus.‘“ pag. 210. 
Dasselbe geht aus einem zeitgenössischen Dokument, das Szujski aufge- 
_funden hat, hervor und worin das Glaubensbekenntnis aller Sena- 
toren Polens und Litauens von 1569 angeführt wird. Diesem Doku-- 
mento zufolge waren unter den litauischen Senatoren nur zwei 
katholisch (die Bischöfe allerdings ausgenommen), die übrigen aber 
protestantisch. Scriptores rerum polonicarum, I, p. 154. 

H. Mercyng,, Zbory i Senatorowie Protestant. w dawnej Rzecz.. 
S.,138 £. 

Der polnische Senat hingegen war zum grossen Teil katholisch .. 


(Relacie Nuncyuszow, 1, S. 160). 


— 133. — 


1563 im ganzen Gebiete der wilkomirischen Bezirke kein 
"einziger katholischer Adeliger mehr. ! Dasselbe galt vom 
‘Gebiete um Vilnius wie auch von einigen Gegenden Samogi-. 
tiens.? Aber nicht bloss Magnaten und Kleinadelige, sondern 
auch. Kleriker, selbst Domherren, waren massenhaft zum 
Protestantismus übergegangen. Leider lässt sich die Ziffer 
der abgefallenen Priester aus den Quellen nicht genau 
feststellen. 5 | 

Die meisten der katholisch gebliebenen Priester wur- 
‚den von den Kollatoren von ihren Pfründen vertrieben 
und irrten umher. * Die Zahl der protestantischen Bet- 
häuser in Litauen lässt sich nicht genau bestimmen, mag 
jedoch wohl etwa 300 erreicht haben.5 In sehr vielen Ge- 
genden wurde das Landvolk von den Gutbesitzern zur 
Annahme der Reformation gezwungen ;# besonders in Sa- 
mogitien wurde es seiner Kirchen und Priester beraubt, 


1 Handschrift der Bibliothek des Seminars zu Vilnius. 

2 Handschrift aus dem Jähre 1575 in der Bibliothek des Semi- 
nars zu Vilnius. 

® Historia wierna o Kacselesch Ms. In der Bibliothek der 
geistl. Akademie zu Petersburg. S. 43 (Siehe auch weiter oben). 

Kojalowicz, Miscellanea, p. 67, 

Handschrift in der Seminarbibliothek zu Vilnius, aus dem Anfange 
des 17. Jahrhunderts: ‚Schon viele Priester hat die Haeresie so be- 
tört, dass sie ihre Religion verlassend und ihr Gelübde vergessend, 
das liederliche Amt der Praedikanten annahmen und ihrem Gelübde 
zum Hohne sich beweibten .‘“ 

* Skarga, Artes duodecim sacramentariorum, p. 402. 

Cichocki, Alloquia ossiecensia, p. 201. 

9 Skarga, op. cit., p. 402. 

Jurgiewic, Anatomia libelli famosi, Vilnae 1591. Caput: Evan- 
-gelica mendaeia, dist. LI. Die. Seiten sind nicht numeriert. 

6 Siehe weiter oben. 

Kojalowicz erzählt, dass nach dem Tode des Bischofs Piet- 
kiewicz (1574) in der ganzen samogitischen Diözese bloss noch 7 
Priester katholisch waren (Miscellanea, p. 67). 

Diese Worte haben spätere Schriftsteller, wie Naramowski 
‚(Facies rerum sarmaticarum tom. II, p. 282), Rostowski und sämtli- 
‚che neueren angeführt. Die Erzählung des Kojalowicz klingt un- 


JA = 


worauf es sich dem Götzendienst seiner Ahnen hingab, 
indem es die längst verlassenen Opferstätten aufsuchte und 
den ehemaligen Gottheiten Opfer darbrachte.! 

So geschah es, dass schon Cichoeius bezeugen konnte: 
„Kaum ein Tausendstel der ehemaligen Katholiken ist noch: 
übrig geblieben, fast ganz Litauen ist vom Unglauben an- 
gesteckt und stosst überall lästerliche Stimmen gegen Gott, 
die Heiligen und die römische Kirche aus‘“.?2 Die äusserst 
gelichtete Schar der noch ausharrenden Katholiken war dem 
stetig wachsenden und erstarkenden Protestantismus gegen- 
über ganz machtlos und sah bange dem Untergang ihrer: 
Kirche entgegen. 

So also stunden die Dinge, als Radvila der „Schwar- 


wahrscheinlich, denn alle älteren Quellen, die von .dem Fortschritte 
der Reformation in Litauen berichten, führen nichts ähnliches an. 
Uebrigens scheint derselbe Kojalowiez noch das Märchen erdichtet. 
zu haben, dass nämlich, als Sigismund-August mit Radvila dem 
Schwarzen sich einmal in ein protestantisches Bethaus soll begeben 
haben, er von Cyprian, dem Suffragan von Vilnius, vor dem Eintritte 
gezwungen worden sei, in eine katholische Kirche zu Bauen (Miscel- 
lanea, p. 13). 

Diese Erzählung wird von späteren Geschichtschreibern wieder- 
holt, namentlich von Stebelski (Chronologia albo porzadek wedlug lat 
zebrane, Wilna 1781—1783, S. 131), Naramowski (Facies rerum. 
sarmaticarum I, p. 229 s.), wie mit gewissen Aenderungen auch 
von einigen neueren. Kojalowäcz schreibt diese mutige Tat Cyprian 
allein zu, während Naramowski ihm noch den Bischof Paul Holszanski’ 
zugesellt, und (endlich Przyalgowski Zywoty biskupow wilenskich I, S. 
151 f.) dies dem letzteren allein zuerkennt. U.'E. ist diese Er- 
zählung eine Erfindung, weil die älteren Quellen darüber schweigen. 
Ausserdem war in der Zeit (1550—1555) des angeblichen Ereignisses 
nicht Cyprian, sondern Albin Suffragan von Vilnius. 

Bohusz (Summaryjuy wypis 1550, 1568, 1570). Cyprian, Jer 
erst nach Albin Suffraganbischof geworden war, starb 1596, konnte 
also zur Zeit des angeblichen Ereignisses kaum: Priester gewesen sein. 

Bohusz, op. cit. sub an. 1596. 

1 Wolonezewskis, Zemaijtiu wiskupiste I, S. 100 ff. Rostowski; 
Lituanicarum, S. J. historiarum pars I., Wilnae 1768, p. 11, 118, 
120, 164. 

2 Alloquia ossiecensia, p. 201 f. 


ze“ eines hen Modes starb. Auf den Trümmern der ka-. 
tholischer Kirche triumphierte in Litauen die neue Lehre. 


IV 


Der Zerfall des Protestantismus. 


Solange Radvila an der Spitze des Protestantismus in 
Litauen stand, war die neue Religion noch vorherrschend und. 
obgleich sie schon von Anfang an die Keime eines raschen 
Unterganges in sich trug, schien sie nach aussen hin doch 
stark. Als aber diese feste Stütze des Protestantis- 
mus zusammenbrach, da begannen auch die neuen Lehren 
ihre Anziehungskraft zu verlieren. Und so rasch wie die 
Verbreitung, ging dann auch die Auflösung vor sich‘; denn 
kaum zehn Jahre nach. dem Tode Radvilas des Schwarzen 
sehen wir fast nur noch die Ruinen der früheren Herrlich- 
keit des Protestantismus. 

Was unsere Aufmerksamkeit in dieser dritten Periode 
der litauischen Glaubenspaltung besonders auf sich lenkt, 
sind die inneren Zwistigkeiten und Kämpfe und endlich 
der Zerfall der neuen Lehren. 

Zunächst breitete sich in Litauen die Lehre Luthers 
aus,1 was besonders der Tätigkeit Albrechts von Preussen 
Zuzuschreiben ist. Diese Lehre verbreitete sich haupt- 


1 Ms. Im Kirchenarchiv, zu Jeznas (ungeordnete Dokumente) Re- 
genvolscius, Systema historico-chronologicum, S. 139 £. 

Friese, Beiträge zur Reformationsgeschichte in Polen und Li- 
tauen besonders II. T., Breslau IB, S. 71f. Friese (II. Bad. 2, 
Teil, S. 92 ff.) behauptet, dass bis 1536 fast alle protestantischen 
Kirchen in Litauen der augsburgischen Konfession angehört hätten. 
Friese irrt hierin. Es steht heute fest, dass das Luthertum — wie 
ich weiter oben öfters dargestellt habe — nur inden Städten Aufnahme 
gefunden hat. Darüber siehe Lukaszewicz, Dzieje wyznania hel- 
weckiege I, S. 117 f. Anm. 2. Rescius, De atheismis et phalaris- 
mis evangelicorum, p. 167 . 


— 136 -— 


sächlich in den Städten, wo die Zahl der Deutschen über- 
wog. Unter den Magnaten und Kleinadeligen aber fand sie 
keinen besonderen Anklang, trotzdem sie unter diesen viele 
Gönner und Beschützer zählte. Mit der Zeit würde das 
Luthertum gleichwohl festen Fuss gefasst haben, wenn 
nicht der Kalvinismus mit ihm wetteifert hätte, denn 
sobald dieser auf den Plan trat, wurde das Luthertum bei 
den Magnaten und Kleinadeligen zurückgedrängt. 

Das entsprang mehreren Ursachen. Unter den Li- 
tauern war noch manches von dem Hasse gegen die Deut- 
schen aus den ehemaligen Kriegen mit den deutschen Rit- 
terorden zurückgeblieben. Die Quellen bezeugen, dass noch 
im 16. Jahrhundert die Litauer den Deutschen abgeneigt 
waren und alles, was von ihnen kam, ungern sahen .! 

Auch stimmen fast alle Geschichtschreiber darin über- 
ein, dass der litauisch-polnische Adel und die Grossen sich: 
als Anhänger der neuen Lehre erklärten, und zwar nicht so 
sehr aus Ueberzeugung, als aus Neugierde, Leichtsinn und 
Nachahmung.? Freilich gab es dabei auch viele Ausnahmen. 

Der Kalvinismus war nun eine neuere, fortschrittli- 
chere, radiıkalere und individuellere Lehre ; er besass alle 
Eigenschaften, welche die stets nach Neuerungen strebenden. 
eigenwilligen und leichtsinnigen Magnaten anziehen konn- 
ten. ? ; 

Vor allen Dingen aber war der Kalvinismus durch den 
allmächtigen Radvila den Schwarzen gefördert worden. 
Dieser eifrige Vertreter der kalvinistischen Lehre, der die 
Regierungsgewalt Litauens in seinen Händen hatte, besetzte 
alle hohen Stellungen mit Anhängern Kalvins, erwies ihnen 
besondere Aufmerksamkeiten und Gnaden, und so kam es, dass 


1 Siehe darüber die interessante Rede des Melesko, Kastellans von 
Smolensk (XVI. Jahrh. Akty otniosiasciesia k'istorii juznoj i zapadn. 
Russii, II, S. 188 ff. Ebenso: Golebiowski, Czasy Zygm. Augusta 
II, S. 52. 

® Siehe auch weiter oben. Lukaszewicz, I, S. 2, 17 £. 

Relacye Nuncyuszow 1, S. 187, an 

5 Jaroszewiez, Obraz Litwy III, S. 33. 


— 137 — 


«dieser Mann nach und nach — bald durch Gnadener- 
weisungen, bald durch überzeugendes Zureden — alle hohen 
Persönlichkeiten auf seine Seite bekam .! 

' So geschah’ es auch, dass fast nur die Deutschen in: den 
Städten dem Luthertum anhingen, während alle übrigen 
Protestanten sich zum Kalvinismus bekannten.? Indessen 
erklärten sich die Lutheraner nicht sogleich für besiegt 
‘und der Kalvinismus sah sich gezwungen mit dem Luther- 
tum den Kampf aufzunehmen .3 

Aber auch auf Seiten der Kalvinisten selbst fehlte die 
Eintracht. Aus den verschiedensten Ländern und Natio- 
nen waren die Anhänger zusammengeströmt* und ver- 
teidigten ihre Meinungen, die sich scharf gegenüberstan- 
den? Und dies um so mehr, als sie sahen, dass die 
Magnaten immer nach Neuerungen strebten. 

Ich beschränke mich darauf aus diesen Wirren nur 
‚die markantesten Ereignisse hervorzuheben. 

Schon um das Jahr 1556 — also kaum einige Jahre 
nachdem die Ausbreitung des Kalvinismus in Litauen be- 
gonnen hatte — fing der kalvinistische Prediger Peter von 
-Goniadz (Peter Gonesius) an, die Lehre des Served zu 
‘ verbreiten und fand unter den anderen kalvinistischen 
‚Predigern bald viele Nachahmer.* 


l Siehe weiter oben. 
2 Jablonski, Historia consensus sandomiriensis. 
3 Rescius, De atheismis et phalarismis evangelicorum, S. 167 ff. 


4 Wilkowski, Przyezyny nawrocenia sie do wiary powszechnej, 


8. 88. 


5 IRescius, De atheismis ‚,...ipsi (Calvinistae) nunguam in eadem 
sentia» et opinione nec in eisdem decretis et legibus caeremoniis per- 
manserunt, sed post mille mutatas opiniones, post sexcentos scriptos 
-et revocatas coctas et recoctas confessiones...‘‘, p. 167 3. 

Wilkowski, Przyczyny nawrocenia sie II, 14. 

6 Regenvolscius, Systema historico-chronologicum, p. 146. 

Lukaszewicz, Dzieje wyznania helweck. I, S. 26 f. Gonesius 
-war ein gelehrter Mann und hatte verschiedene ausländische Univer- 


= 198. = 


Zwei Jahre nachher verwarf derselbe Gonesius auf der 
Synode von Brzesc-Litewski öffentlich die Kindertaufe 
und die Dogmen der allerheiligstens Dreieinigkeit, wie der 
Gottheit Christi und scheute sich nicht andere, gewagte 
Meinungen über die Fundamentaldogmen zu äussern. ! 

Diese neue Lehre wird verschieden bezeichnet, beson- 
ders aber ist sie unter dem Namen ‚„Arianismus‘‘ bekannt, 
weil Arius die Gottheit Christi leugnete. Diese Lehre ge- 
wann besonders unter den Kalvinisten mehrere Anhänger .? 

Um das Jahr 1560 kamen viele italienische Neuerer, 
die aus ihrer Heimat und später auch aus der Schweilz 
vertrieben worden waren, nach Polen und Litauen. 

Unter ihnen waren besonders bekannt: Stancaro, Gre- 
gorius Pauli, Blandrata, Spinella, Gentilis, Alciata, welche 
sich alsbald mit ‘den Arianern verbündeten. Sie waren. 
Männer mit höherer Bildung, talentvoll, redegewandt und 
es ist daher kein Wunder, dass der Arianismus durch. 
sie sehr gefördert wurde .? 

In kurzer Zeit wurde die Zahl der -Arianer so gross, 
dass sie bereits eigene Synoden abhalten konnten.* Als. 


Bam 00 


sitäten besucht und ist Verfasser mehrerer theologischer Werke. Er 
erfreute sich eines grossen Ansehens. 

Grabowski T., Literatura aryauska w Polsce Krak. 1908, S. 
45 ff. | 
1 Lubieniecki, Historia Reformationis polonicae, p. 144 ff. 

? Regenvolscius, Systema. ‚Petrus Gonesius Piekarseium Falko- 
nium, Catechistam et praeceptorem scholae in suam adduxit senten- 
tiam... 'Authore Blandrata, in diversam de Deo sententiam abiit 
Laurentius Krziskovius, Minister Eccles. Niesviezensis... cum eoque 
Martinus Czechovicius, Minister Ecel. Vilnensis, Nicolaus Vendro- 
govius, Minister Ecel. Vilnensis, Simon Budnaeus, Minister Eccl. 
Clecensis, Thomas Falconius, Gregorius Niger“, p. 146. Rescius,- 
167 £. 

Kojalowiez, Miscellanea „Calviniani Ministri tandem in Aria- 
nam impietatem plerumque dilabebantur.‘“ S. 71. 

% Ms in der Bibliothek des Priesterseminars zu Vilnius. Jacobus: 
Sylvius Calvino, Opera Calvini XIX, 3866. 

i Regenvolscius, Systema, P. 146. 


— 139 — 


die Kalvinisten vergebens versucht hatten mit den neucn 
Sektierern übereinzukommen, brachen sie jede Verbin- 
dung mit ihnen ab! und begannen die Arianer mit 
grösster Leidenschaft zu verfolgen. Sie warfen ihnen die 
unglaublichsten Schandtaten vor und forderten die weltliche 
Obrigkeit auf, die Anhänger des Arianismus mit dem Tode 
zu bestrafen. So legten die Kalvinisten den Arianern 
gegenüber die grösste Intoleranz an den Tag.” 

Dieses Vorgehen der Kalvinisten darf uns nicht wun- 
dern. Sie sahen eben in den Arianern die grösseren Feinde, 
als in den Katholiken und fühlten heraus, dass der bereits 
so blühende Kalvinismus durch den Einfluss des Arıa- 
niemus in Litauen vollständig vernichtet werden könnte. 

Der Arianismus nahm trotz der Bekämpfung so sehr 
überhand, dass er sich mit Erfolg den Kalvinisten wi- 
dersetzen konnte. Viele Magnaten, die immer nach Neue- 
rungen trachteten, traten als Begünstiger und Bekenner 
des Arianismus auf.? Der berühmteste unter diesen war 


1 Auf Jder Synode zu Vilnius im Jahre 1566. 

Lubieniecki, Historia Reformationis, p. 184 ss. Wahrscheinlich 
schon vorher ; siehe Ms in der Bibliothek zu Vilnius aus dem 17. 
Jahrhundert. 

Lukaszewiez, Dzieje wyzn. helweck. I, S. 29 ff. 

2 Ms in der Bibliothek des Priesterseminars zu Vilnius. 

Wilkowski, Przyczyuy nawrocenia sie II, S. 18. 

Rescius, De Atheismis 310 £. 

Lukaszewiez, I, 29 ff. 

Brückner, Roznowiercy polsey, 195ff. Es gab wohl kein Vor- 
wurf, der die Kalvinisten den Arianern gegenüber nicht unterlassen. 
hätten ; besonders wurde diesen die abscheulichste Fleischeslust vor- 
geworfen, neben anderem, wie Verschwörungen, revolutionäre Um- 
triebe u.s.w. 

® Et aliae haereses detestabiles fabricante diabolo illo tempore: 
in Lituania natae sunt. Quae utut doctrinas omnino paganas et 
plane horribiles effutiebant nihilominus sectatores multos maxime- 
inter nobiles et proceres invenerunt.“ Ms in der Bibliothek des. 
Priesterseminars zu Vilnius. 


— 10 — 


Johann: Kiszks von Ciechanowiec, der Vorsteher von Sa- 
ınogitien, ein steinreicher und angesehener Mann.! Nach' 
seiner Bekehrung. zum “Arianismus liess: er auf seinen, 
zahlreichen Gütern die Anhänger des Kalvinismus aus 
‚den Kirchen vertreiben und ersetzte sie durch’ Arianer.? 
Viele Magnaten und sonstige Edelleute folgten seinem Bei- 
‚spiele. | BR 

Sogar Radvila der Schwarze, der doch ein so eifriger 
Kämpfer für den Kalvinismus gewesen, schloss sich in 
seinen letzten Lebensjahren dem Arianismus an.? Zuerst: 
liess er — wahrscheinlich auf Veranlassung seiner Prediger: 
— neue Gebräuche einführen. Als ersich nachher vo.lständig: 
dem Arianısmus angeschlossen hatte; fing er sogar än, die: 
Kalvinisten als Ketzer zu verfolgen.* Er selber aber hielt 
sich für einen orthodoxen Kalvinisten, liess darum von 
‚den schweizerischen Theologen nicht ab und ging sie, 
immer. wieder um ihren Rat und ihre Meinung an. Noch 
im Jahre 1564 schrieb er einen ausführlichen ‚Brief an 
Kalvin, worin er sıch über die zahllosen Zwistigkeiten 
unter den Protestanten -betreffs der Fundamentaldogmen 
beklagte und dann von ihm Rat und Hilfe erbat. Zugleich 


1 Bock, Historia antitrinitariorum, p. 424. 

® Kojalowiez, Miscellanea, p. 71. 

Lukaszewiez, I. S. 31. 

3 H. Mercezyng, Zbory i senatorowie protestantey, S. 133. 

Liubowicz, Nacalo katolicesk reakcii, S. 114. 

Brückner, Roznowierey, S. 245. 

* Der Nuntius berichtet in seinen Briefen, dass Radvila nach dem ° 
Tebergange zu den Arianern seine Meinung so sehr verändert habe, 
‚lass er zu einem der hartnäckigsten Verfolger des Kalvinismus wurde: 
„Der Karvede von Vilnius (Radvila der Schwarze 1563), der grösste 
Förder und Beschützer der Trinitarier (Arianer), vertrieb alle kal- 
vinistischen Kultusdiener, die seine Anschauung in der Trinitätlehre 
nicht annahmen, aus seinen Gütern und andern Orten. 

(Albertrandi Malinowski I, S. 165.) 

Diesem Berichte Commendones widerspricht Wegierski, der von 
Radvila folgendes berichtet: ‚Nicolaus Radziwill, Niger dietus, Palat. 
Vilnens. constans ad obitum usque suum religio-Evangelicae promotor 


— 141 — 


legte er die verschiedenen Meinungen über die Dogmen 
auseinander.! Das geschah im Juli, Kalvin war aber schon 
ım Mai zuvor gestorben. Als Radvila den: bevorstehen- 
den Ruin des Protestantismus erkannte, schrieb er noch im‘ 
selben Jahre zwei Briefe an dieschweizerischen Theo.ogen in 
"Zürich und Genf, worin er ihnen den aus mannigfachen 
äusseren und inneren Kämpfen entspringenden, bedauerns-- 
werten Zustand des Protestantismus in Litauen klarlegte. 
Noch einmal bittet er dringend um Hilfe und er- 
‚klärte wieder seine Meinungen über die Dogmen.? In 
einem längeren Schreiben beweisen ihm die Zürcher 
‚Theologen, dass er den Irrlehren des Arianismus verfallen 
sei, und trachteten ihn wieder zu ihrem Glauben zurück- 
‚zubringen.? Radvila aber ‘starb, bevor er diesen Brief 
empfangen hatte. | 

Auch unter den Arianern entstand eine grosse Mei- 
nungsverschiedenheit über die Lehre von der Trinität, 
der Menschwerdung, der Erlösung, der Sakramente, u.s. w. ' 

Bei Lebzeiten Radvilas wurde unter den Neuerern 
der innere Kampf meistens vertuscht ; sie beugten sich vor 
dem mächtigen Magnaten, der an der Einheit und Stärke 
des Protestantismus nicht rütteln lassen jwollte. Aber sobald 


ac defensor.‘‘ (Systema historico-chronologicum, p. 147). Man muss 
jedoch den Worten Commendones mehr Wert beilegen, da er ein 
Zeitgenosse war und zudem in dieser Zeit in Polen und Litauen weilte. 
Die anderen Quellen bezeugen wehl, dass Radvila tatsächlich zum 
arianischen Glauben übergetreten ist, von einer Verfolgung der Kal- 
vinisten seitens Radvilas, wird in diesen aber nichts erwähnt. 

i Opera Calvini XX. 4125. — Der Brief wurde am 16. Juli 
1564 geschrieben. | 

2 \Wotschke, Der Briefwechsel der Schweizer mit den Polen, 328 
und 329. Der erste Brief ist am 14. September 1564 geschrieben, 
der zweite am 10. Oktober gleichen Jahres. 

$ Woltschke, 332. 


4 Liubowicz, Nacalo katolicesko) reakeii i upadok reformacionnago- 
dwizenia w Polschie, S. 106, 146, 150 ff. 


Radvila gestorben war, zerfiel der litauische Protestan- 
tismus in zahlreiche Sekten. 

Es würde zu weit führen, die vielen Sekten Litaueng 
hier beschreiben zu wollen. Ueberdies fehlen auch genauere 
Angaben und Quellen, welche die Entwicklung und die 
Lehren der einzelnen Sekten genügend erhellen. Ich will 
deshalb nur einige Zeugnisse von Zeitgenossen anführen, 
die uns die litauischen Sekten einigermassen zeichnen soilen. 

Silvius Czekanowski berichtet über die Sekten in Polen 
und Litauen folgendes : „Wo gibt es jetzt noch eine Provinz, 
ja, wo eine Stadt, ein Dorf oder ein Haus, wo man sich nicht 
über die verschiedenen Sekten stritte? Wenn es nicht so 
mühsam wäre, könnten wir hier die verschiedenen Führer 
aufzählen ; ganz unmöglich ist es aber, ihre einzelnen 
Gruppen zu nennen, weil es deren eine Menge gibt. Es leben 
bei uns wieder mehrere neuere Sekten auf, die früher schon 
verurteilt worden sind.“ ! 


Dann zählt er die einzelnen Sekten wie folgt auf: 
Stankarianer, welche behaupten, dass es drei Gottheiten 
gebe ; 
Servebüaner, welche die Trinität leugnen ; 
Illiırianer, welche sagen, dass der Logos keine Person sei; 
Anabaplesten, welche wieder in folgende Sekten zerfallen : 

Stebleri, die den Waffengebrauch und die Rache des 
Unrechts mit Gewalt verbieten ; 

Sabbatarier, die an Stelle des Sonntags den Samstag 
feiern und nur Gott den Vater anrufen, während sie 
den Sohn und den hl. Geist leugnen ; 

Clancularier, die ihre Lehre verheimiichen und abstrei- 
ten, dass sie Anabaptisten seien. Diesen gegenüber 
stehen die Manifestarier ; 

Daemoniacer, die behaupten, dass die Teufel einmal 
gerettet werden ; 


- —— 


I Czekanowski, De corzuptis moribus utrinsque partis, pontifi- 
ciorum et evangelicorum. Die Seiten sind nicht numeriert. 


— 143 — 


Iommunisten, die alles gemeinsam besitzen wollen. 


Eiulantes, deren Andacht in in Weinen und 
Wehklagen besteht ; 

Die Georgianer leugnen die Existenz der Teufel ; 

Nach den Mennonisten hat Christus den enschliehen 
Körper nicht aus der Jungfrau Maria empfangen ; 

Die Polygamisten lehren, dass man mehrere Frauen 
halten könne. 

Ferner gibt es Sakramentarier, die wiederum in mehrere 
Sekten verteilt waren: in Signtficatiwe, nach denen die 
Eucharistie nur ein Zeichen des Leibes Christi ist ; in Tro- 
pisten, welche die Eucharistie nur als eine bildliche Dar- 
stellung des Leibes Christi ansehen und Arrahlnarier, 
welche die Eucharistie nur als ein Unterpfand (arraho) des 
ewigen Heiles auffassen. 


ädessenarnis, die sich wiederum in mehrere Sekten spalten, 
die den verschiedensten Ansichten über die Trans- 
substantation anhängen ; 

Neutrale, welche alle Sakramente verwerfen, da ihnen der 
Glaube allein genügt; 

Konfessionisten, welche der Lehre Luthers folgen ; diese 
verteilen sich in rigidi, molles und antıinomi; 
Injernalen, welche die Hölle leugnen. Ihnen gegenüber 

. stehen andere Infernalen, die nicht nur die Existenz 
der Hölle behaupten, sondern auch lehren, dass Uhris- 
tus dort gelitten habe, als er zur Unterwelt stieg ; 

Antidiaphoristen, die alle Zeremonien verwerfen ; 

Amsdor kanar, Antikalvinianer ; | 

‚Manus impositorier, nach denen nur die Handauflegung 
ein Sakrament ist; 

Sacerdotales, welche Ichren: dass such die Frauen alle 
priesterlichen Aemter ausüben können ; 

‚Biblisten, die nur den einfachen Text der hl. Schrift 
annehmen, wo nach ıhrer Lehre alle Bücher, auch 
die profanen, als teuflische Erfindungen dem Feuer 


— 144 — 


preisgegeben werden müssen. Sie verwerfen jegliche: 

Kunst und üben allein die Handarbeit aus ; 

Endlich noch die Bisakramentalen, Trisakramentalen, 
Ossiandrianer, Antiossiandrianer, Maioristen, Poenilentia- 
rier, Neu-Pelagianer, Sincretisanten, Swidnicensen. ! 

Ein anderer Zeitgenosse, Lubieniecki, ? der die Sekten. 
in Litauen beschreibt, beurteilt viele Ansichten der Sek- 
tierer und: stellt sie als monströse und! unerhörte dar, wie 
z.B. die Ansichten über Gott, die Trinität, die göttlichen 
Personen, die Sakramente, die Erlösung, über die letzten 


Dinge u.s. w. 

Ferner gab es nach Lubieniecki noch Sekten, welche die 
ganze hl. Schrift verwarfen und die sich bei ihren Zusam- 
menkünften Erscheinungen und Träume als göttliche Offen- 


I Czekanowski, De corruptis moribus, etc. 

2 Lebjeniecki Andreas, ein Pole, war lange Zeit hindurch ein 
Heinrich und Bathory, Höfling der Könige Sigismund-August 
(1576—1586). Er war Arianer und blieb es auch bis zu seinem 
Tode. Er war Minister in Kleinpolen, übersiedelte dann aber nach Li- 
tauen. Er hing dem gemässigten “Arianismus an. Sein Tod 
fällt in das Jahr 1613. Aus seinen Schriften spricht ein tie- 
fer, überlegener Geist und eine hohe Gelehrsamkeit. Sein Haupt; 
werk, betitelt: ‚‚Poloneniychia albo Polskiego Krolestwa szezescie 
a przytem i ,W. Ke. Litewskiego. A potem tego szezscia Szwan- 
kowanie, ist in der Handschrift vorhanden, von der drei  Ab- 
schrifter stammen. Ich benutzte ‘die Abschrift der Biblio - 
thek „Ossolineum‘‘ (112) zu Lemberg. Von dieser Handschrift ist 
bis jetzt erst ein Teil herausgegeben worden. In diesem Werke be-- 
schreibt und glossiertt Lubieniecki die wichtigsten Ereignisse der 
Geschichte Polens und Litauens. Am ausführlichsten schildert er 
das 16. Jahrhundert, in dem er selbst lebte. Ziemlich weitläufig. ist- 
die Glaubenspaltung in Litauen und Polen behandelt. Die ganze Ten- 
denz dieses Werkes ist gegen die, unter Sigismund III. herrschende 
katholische Reaktion gerichtet. Lubieniecki bemüht sich darzustellen,. 
dass Litauen und Polen solange glücklich waren, als sie den Be- 
kenntnissen vollständige Freiheit gelassen hatten. Wenn auch Lu- 
bieniecki tendenziös geschrieben hat, so weist sein Werk Objek- 
tivität und Ruhe auf, was besonders dessen Wert als Geschichte- 
quelle erhöht. | Es 


— 145 — 


barungen mitteilten. Dann gab es wieder andere, die jegliche 
Autorität und die äusseren Riten verwarfen und das allein 
für wahr hielten, was durch ein Wunder bekräftiget war. 

Es traten auch solche auf, die sich zu einem extremen 
Kommunismus bekannten und allen Besitz und Würden 
zurückwiesen. Sie führten ein ländliches Leben und sorgten 
mit ihrer Hände ‚Arbeit für ihren Unterhalt. Lubie- 
niecki zählt selbst einige Würdenträger auf, die ihr Amt 
niederlegten und ein Bauernleben führten. 

, Einige leugneten die Gottheit Christi, nahmen aber die 
ganze hl. Schrift an, und zwar die einen nur das Neue, 
die anderen das Alte Testament. Die letzteren neigten zum 
Judaismus, feierten den Samstag, enthielten sich des Ge- 
nusses von Schweinefleisch und beobachteten noch andere 
Gebote des Judaismus. j 

Zuletzt bemerkt Lubieniecki noch, dass eine solche 
Unmenge von Sekten dagewesen sei, dass es unmöglich: sei, 
sie alle aufzuzählen, geschweige denn sie zu beschreiben.! 

Fast dasselbe berichten der unbekannte Autor des Ma- 
nuskriptes vom Anfange des 17. Jahrhunderts,? Rescius,? 
weiter Skarga und noch andere Zeitgenossen über die Sekten 
in Litauen .* Die Historiker wundern sich über die zahl- 
reichen Sekten Polens ‚aber noch: viel verwunderlichen steht 
Litauer. da, denn wir erfahren aus den Geschichtsquellen; 
dass es in Litauen noch viel mehr, als die aufgezählien 
gab. ‚Die Zeitgenossen, zählten in Litauen sogar 72, in 
Polen dagegen nur 34 Sekten.? Skarga, ein Jesuit, der 
in Litauen lange Zeit gegen die Sektierer kämpfte, 
sagt: „In Litauen herrscht der grösste Unglaube und die 


1 „Neben diesen grösseren Sekten bestanden noch eine Unzahl 
von kleineren, die man unmöglich aufzählen kann. Lubieniecki, 
Polonentychia. 

2 Ir der Bibliothek des Priesterseminars zu Kaunas. 

3 Rescius, De Atheismis et phalarismis evangelicorum. 

4 Ms. in der Bibliothek der geistl. katholischen Akademie zu 
Petersburg. Ms im Pfarrarchiv zu Jeznas. 

5 Morawski, Dzieje Narodu Polskiego II, S. 438. 


ie 


grösste Gottesleugnung‘“‘. ! Und Herbest, ein anderer Zeit- 
genosse, der im Kampfe gegen die Sekten Polen und Litauen 
durchzog, schreibt: „Wenn du in Gross-Polen den Orden 
verlässest, so musst du zu den Hussiten übergehen (Böhmi- 
sche Brüder) oder zu den Lutheranern ; tust du dies in 
Kleinpolen, so musst du entweder den Kalvinisten oder den 
Trinitariern beitreten. In Litauen aber, da triffst du 
Stankarianer, Anabaptisten, Circumeisionen, und jene, die 
den Judaismus und Mohammedanismus e.nführen wollen.“ z 


1 Skarga P., Wzywanie do pokuty obywaleli Korony Polsk. i. W. 
Ks. Litewsk., S. 3. 

2 Herbest, Epistola ad quendam, Krakoviae 1567, fol. 11. In 
diesem Werke führt auch Herbest einen um das Jahr 1565 in Vilnius 
geschriebenen Brief an, der klar und deutlich die damaligen reli«, 
giösen Zustände in Litauen schildert. Ich möchte daher an dieser 
Stelle auf diesen Brief hinweisen: „Die Kultusdiener von Vil- 
nius gehören schon seit mehr als drei Jahren dem Arianismus 
an. Die Lehre von der Trinität wird von diesen in unglaublichster 
Weise verunglimpft, sie proklamieren unwürdige und falsche Glau* 
benslehren und verurteilen andere religiöse Anschauungen aufs hef- 
tigste. Die Erinnerung an den Heiland wolien sie mit aller Ge/- 
walt dem Herzen unseres Volkes entreissen. Festtage, wie z.B. Weih- 
nachten, Ostern, Pfingsten und andere, beseitigen sie. Der wahre Re- 
ligionsunterricht wird natürlich vernachlässigt. Die Kindertaufe ver- 
werfen sie; dass Abendmahl halten sie sehr selten, und‘ dann in recht 
unwürdiger Weise ab und betrachten es als eine ganz überflüssige 
Sache. Statt Predigten wissen sie, gleich wie die Wiedertäufer, 
von ihren Prophezeiungen recht viel zu erzählen. Diese Prophe- 
zesungen sind aber nichts anderes als leere Träume und Erscheinungen, 
wahrhaft die abscheulichsten Gotteslästerungen. Sie predig:n Viel- 
'weiberei und Kommunismus, verwerfen dagegen die öffentlichen 
Aemteı und Gerichtshöfe und verlangen die Gleichberechtigkeit aller 
Menschen (Abschaffung der Kasten). Sie reden sich unter einander mit 
Brüder an und gebrauchen diesen Namen auch für alle ihre Vorgesetz- 
ten. Beim Essen sitzt der Herr mit seinem Diener am selben Tische. 
'Ganz einfache und ungebildete Laien versehen alle kirchlichen Funk- 
tionen. Nach ihrem Gutdünken erlassen diese die verschiedensten 
Dekrete und verachten jede Obrigkeit. Man spricht in Vilnius davon, 
‚dass alle jene von Abendmahle ausgeschlossen werden sollen, die 
ihren Leibeigenen die Freiheit nicht wiedergeben wollen. In der Kircho 


— 141 — 


Unter den verschiedenen Gruppen ziehen die Arianer 
(anderswo Wiedertäufer genannt) die Aufmerksamkeit auf 
sich. Sie vertreten ın Litauen den Rationalismus und 
Radıkalismus reinsten Wassers.! Während näm.üich die 
Kalvinisten, Lutheraner und andere nicht nur auf die 
hl. Schrift, sondern auch auf die ersten drei Jahrhunderte 
der Kirche ihre Lehren begründeten, nahmen die Arianer 
nur die Bibel an und verwarfen die christliche Tradition 
‚als eine Erfindung des Teufels.? 


findet man nichts als einen grossen Ladentisch in der Mitte. Sie 
vernachlässigen ihre Friedhöfe. Ehen, Begräbnisse und andere heilige 
Sachen werden dem öffentlichen Spotte preisgegeben. Wenn dieses 
Begiment hier noch weiter andauern sollte, so werden nicht nur un- 
:zählige Irrtümer verbreitet, sondern ist auch ein allgemeiner Auf- 
stand zu befürchten‘. Wypisanie drogi fol. 2—4. 

1 Mss. in der Bibl. zu Vilnius; Ms. in der Bibliothek des 
Priesterseminars zu Kaunas. 

Lubieniecki, Polonentychia, Ms. 

Skarga, Zawstydzenie nowych Aryaln i wyzwanie ich do poku- 
ty i wiary chrzescianskiej, Krak. 1608. 

Czechowiez, Rozmowy christianskie etc. 1575. 

Wilkowski, Przyeyny. nawrocenia sie etc. 1583. Wilno. [Mss. 
ın der Bibliothek zu Vilnius; Ms in der Bibliothek des Priesterse- 
minars zu Kaunas]. | 

Czechowic, Odpis Jacoba Zyda. 

Piotr z Goniadza, OÖ Synü Bozym 1570. 

Budny, O urzedzie miecza uzywajacym 1580. 

Niemojewski Jakob, O jednosci boskiej nierozdzielnej przeciw 
wieku dzisiejszego bledom i bluznierstwom Aryanskim, Krak. 1566. 
Das sind die Schriften der zeitgenössischen, katholischen und aria- 
‚nischen Autoren, auf die ich mich bei der Beurteilung des Aria- 
nismus besonders gestützt habe. Diese Werke sind sehr schwer zu 
„erhalten, da nur einige Exemplare vorhanden sind. Ausserdem habe 
ich noch folgende spätere Autoren berücksichtigt: 

Bibliotheka Antitrinitariorum sive catalogus scriptorum et suc- 
‚cincta narratio de vita eorum auctorum etc. Chr. 

Sandii, Freistadii 1684. 

Fr Sam. Bock, Historia Antitrinitariorum maxime socianismi et 
Socianorium 1776. 

A. Brückner, Roznowierey polscy. Warsz.‘ 1905. 

T. Grabowski, Literatura Aryanska. Kraz. 1908. 

2 Budny, O urzedzie miecza uzywajacem. 


— 145 — 


Einige verwarfen auch noch das neue Testament. " 
Diese sogenannt judaisierenden Sekten beobachteten das 
mosaische Gesetz und das Zeremonialgesetz des alten Tes- 
tamentes, enthielten sich des Schweinsfieisches, feierten statt 
des Sonntags den Samstag, beteten in den Synagogen der 
Juden und hielten die übrigen Gebote des mosaischen Ge- 
setzes.?2 Ja, einige scheuten sich nicht einmal, der Be-- 
schneidung der Juden sich zu unterziehen.? Die Begrün- 
der und Führer der judaisierenden Partei waren der Li- 
tauer Budny und ein gewisser Glirius, über dessen Her- 
kunft man nichts weiss. Diese judaisierende Partei war in. 
Litauen den andern an Zahl überlegen. 

Andere  verwarfen nicht nur das neue, sondern auch. 
auch das alte Testament mit Ausnahme des Decalogs.t 

Endlich gab es auch noch solche, welche die ganze 
hl. Schrift verwarfen5® und eine Art Natureligion hat- 


1 Lubieniecki, Polonentychia Ms. 112, im Ossolineum Lemberg. 

?2 Rescius, De Atheismis, p. 167 s., 353. 

Skarga, Zawstydzenie nowych Aryan... p. ‚104 £. 

Wilkowski, p. 24, 86. 

Czechowic, Rozmowy, fol. 4 f. 

Herbest, Porzadna odpowiedz, fol. 11. 

Lubieniecki, Polonentychia, Ms. 

Ms in der Bibliothek zu Vilnius. 

3 Ms in der Bibl. der katholischen geistlichen Akademie zu 
Petersburg. | 

Brückner, Roznowiercy, S. 204. 

% „Wir verstehen, dass nur jene verloren gehen werden, die die 
Heilige Schrift und das Neue Testament verwerfen, die unseren 
Heiland verleugnen, sein Blut mit Füssen treten und in abscheu- 
lichster Weise verspotten. (Das beweisen ihre Schriften, die sie mass- 
enhaft unter dem Volke verbreitet haben. Sie wollten das Volk 
angeblich zu Gott, zu Moses, zum alten Testament bekehren ; aber: 
nachdem sie alles verworfen hatten, verpflichteten sie das Volk 
nur zur Beobachtung ‘der zehn Gebote. Dieses taten sie in der Mei- 
nung, dass die zehn Gebote mit der Lehre Berosus, Platos, Aristo- 
teles und den anderen heidnischen Philosophen übereinstimmten .“ 
Czechowiez, Rozmowy christyanskie etc., fol. 4. 

Lubieniecki Polonentychia, Ms, fol. 56—60. 

° „Es gab auch solche, welche die ganze Heilige Schrift für ein: 


— 149 — 


ten. Diese wurden von ihren Zeitgenossen des Mohamme- 
danismus beschuldigt.‘ Doch wissen wir nur wenig Be- 
stimmtes über sie. 

Nachdem die Arianer die hl. Schrift reformiert hat- 
ten, sahen sie sich natürlich auch gezwungen die Dogmen 
‚zu verändern. 

Hier tritt nun eine gewaltige Meinungsverschieden- 
heit zu Tage. Die meisten verwerfen die Gnadenlehre, die 
Sakramente, die Erlösung und die Lehre über die Gott- 
heit Christi (deshalb heissen sie Arianer).? Ueber das 
Wesen des hl. Geist gingen ihre Meinungen weit auseinan- 
der ; einige leugneten ihn kurzerhand ; andere bestritten 
seine Person, wieder andere stellten sich darunter eine vom 
Vater verschiedene Natur vor, weshalb man sie auch Bi- 





leeres, totes Wort ansahen, dagegen aber ihre Träume u. Erscheinungen 
(Phantasievorstellungen) zur Seeligkeit durchaus als notwendig erach- 
teten... Sie haben Verbrechen begangen, die sogar das weltliche Recht 
‘bestraft... Solche Leute gab es nicht wenige...‘“ Lubieniecki, Polonen- 
tychia. 

Ebenso Wilkowski II, 86. 

1 P. Skarga, Zawstydzenie nowych Aryan, S. 112. 

Wilkowski, II. 86. 

Herbest, Epistola ad quendam, fol. 11—11. 

2 Wilkowski,, 137 ff. „Sie behaupten, dass Christus weder 
‚der verheissene Messias gewesen, noch für uns gestorben und von den 
Toten auferstanden sei... Diese irrige Lehre hat heutzutage viele Ver- 
treter‘‘, so spricht Czechowic in seinem Katechismus (Rozmowy 
christyanskie, fol. 5) von judaisierenden und radikalsten Arianern, 
lie Christus nur als einen ganz gewöhnlichen ‚Menschen ansahen . 
An der Spitze dieser standen Budny, Glirius, Dawidowicz und an- 
dere. Die gemässigteren Arianer erkannten Christus zwar als den 
Messias an; nach ihrer Auffassung war er jedoch nur ein ganz 
gewöhnlicher Mensch, von Gott auserwählt, mit besonderen Tugenden 
und Gaben ausgestattet. Die gemässigsten Arianer endlich er- 
kannten Christus nicht nur als Messias, sondern auch als Gott an, 
der jedoch einen Anfang gehabt habe und geringer sei als Gott 
Yater. Auch Üzechowic predigte, neben vielen andern, diese Lehre 
Es ist jedoch schwer die einzelnen Lehranschauungen der Arianer zu 
bestimmen, da sie diese oft so leichtfertig wechselten, wie man es 
mit Handschuhen zu tun pflegt. 


— 150 — 


deisten nanntel und die übrigen stritten sich‘ über die 
Trinität. 

In der Meinung, dass der Antichrist (so nannten sie den. 
Papst und den Katholizismus im allgemeinen), die ganze 
Welt verderbe und verunstalte, ? glaubten die Arianer 
alles ändern zu müssen und fingen an, die Sitten, das 
öffentliche und ökonomisch-soziale Leben zu reformieren. 

Die Polygamie wurde erlaubt,? wenn auch nicht bei. 
allen arianischen Sekten ; sie erklärten alle bürgerliche 
Macht und ihre Behörden, Krieg, Todesstrafe und den. 
Waffengebrauch für abgeschafft. Selbst für angetane 
Unbill sich zu rächen, galt ihnen sündlich, dagegen müsse 
man Schlechtes immer mit Gutem vergelten ; Liebe, Frei- 
heit, Gleichheit und Brüderlichkeit, müssten sie alle wohl 
beachten. * Diese Ideen verbreitete besonders der bekannte:- 
Ozechowicz und seine Anhänger.® In der Tat gab es 
manche, welche diese Vorschriften wörtlich erfüllten. Ei- 
nige Magnaten und viele angesehene Männer legten ihre 


1 Czechowic, Rozmowy, 68. 

Ms. in der Bibliothek zu Kaunas. 

Pech Calvino. Opera Calvini XVIIL. 3245. 

2 Budny, O urzedzie miecza uzywajacym 102 ff. 

3 Czekanowski, De corruptis moribus. 

Ms in der Bibl. der geistlichen Akademie zu Bike O8s0- 
lönski, wiadomosci historyczno-krytyezne II, S. 38f. 

* Lubieniecki, Polonentychia Ms. 56 ff. 

Budny, O urzedzie miecza uzywajacem. Die Meinungen der 
Arianer über die weltlichen Macht und die Anwendung von Waffen- 
gewalt waren verschieden. An der Spitze der Verwerfer jeder. welt-- 
lichen Macht, jedes Krieges und jeder Waffengewalt, standen Peter 
von Goniadz und ÜCzechowic. Ihnen gegenüber standen Budny, der 
Gründer der judaisierenden Sekte, Paleolog Glirius u. andere. Siehe 
Buyny, Ourzedzie miecza uzywajacym, fol. 102 ff. 

5 „Wir sollen unsere Feinde mit Geduld, Bescheidenheit, Demut, 
Bitte und Wohltat überwinden. Wir dürfen sie nicht töten oder 
sonst Hand an sie legen, sondern müssen ihre bösen Gesinnungen in. 
ihnen besänftigen und ihre erhitzten Gemüter mit Wohltaten be-- 
ruhigen. 


— 151 — 


Würden nieder, entliessen ihre Untergebenen, verteilten 
ihren Besitz in der Gemeinde und führten dann selbst ein 
Bauernleben, indem sie mit eigener Hand für ihren Le- 
bensunterhalt sorgten.” Besonders über die Entlassung 
der Leibeigenen entstand unter den Arianern ein grosser 
Streit; denn viele hielten es für unerlaubt, dass ein Bru- 
der über seinen Bruder wie über ein Tier herrsche. 
Budny gibt in seinem Werke? eine Schilderung der 
arianischen Synode von Jwje (in der Karvedschaft von. 
Vilnius) im Jahre 1568, die zwei Tage über die Notwen- 
digkeit der Freilassung der Untergebenen verhandelte. Die- 


„Die Lust nach Verteidigung und Rache ist den Tieren eigen,. 
und das deshalb, weil sie ohne Verstand sind und unseren Heiland nichi 
nachahmen können. Es ist unerlaubi die weltliche Macht um Schutz: 
zu bitten; man muss alles mit Geduld ertragen.“ (S. 242)/ „Für 
eine christliche Gemeinschaft ist eine Obrigkeit oder Behörde, dia 
sich des Schweries, des Gefängnisses, des Feuers oder Henkers, des 
Strickes oder Galgens bedient (ohne des sich die weltliche Macht 
nicht halten kann), unzulässig. S. 248. „Sollte die weltliche 
Macht befehlen in den Krieg hinauszuziehen, zu kämpfen und zu 
töten, so darf man ihr nicht gehorchen ; auch in den Krieg zu 
ziehen, um nicht zu töteh, ist nicht erlaubt.‘ So lehrt Czechowie in. ' 
seinem Katechismus : Rozmowy Christyanskie. S. 253. 

1 Lubieniecki, Polonentiychia, Ms, fol. 52 ff. „Auch Leute von 
hoher Abstammung wurden Bauern, kleideten sich ärmlich und 
schliefen und assen ebenso ; dies sahen pie als ein Gott wohl&e- 
fälliges Werk am und wer es ihnen nicht gleich tat, den glaubten sie 
von der Seligkeit ausgeschlossen. Viele angesehene Persönlichkeiten 
verliessen ihre welilichen Aemter, die der König dann anderen übergab. 
Andere wiederum gaben ihr Vermögen preis und schickten ihre Leib- 
eigenen weg.‘ Als Beweis führt er den Ozarowski und Ficley an. 
Der Verfasser der Handschrift aus dem Anfange des 17. Jahr- 
hunderts (Bibliothek im Seminar zu Kaunas) sagt: „Viele vermögende 
Herren, besonders in der Karvedschaft zu Vilnius und Trakai gaben. 
ihre Güter der Gemeinde zur Niessung und schenkten ihren Unter- 
gebenen die Freiheit, während sie selbst ein ärmliches Leben führten. 
Zu ihnen zählte sogar Wolowicz und auch Bilewicz, der Vorsteher 
(starosta) von Samogitien, die beide Besitzer zahlreicher Ländereien 


“cs 


waren. 
® Budny, O urzedzie miecza uzywajacym, fol. 101 ff. 


— 12 — 


se Synode wurde vom Präsidenten Paul von Wizna mit 
folgenden Worten eröffnet: „Der Antichrist (Papst), wen- 
dete sobald er in der Kirche seine Stellung einnahm, stets 
alle seine Kräfte an, um alles vom Kleinsten bis zum 
Grössten umzugestelten, zu vernichten und zu verunstalt:n... 
deswegen müssen wir alles von Grund auf erneuern. Ich' sehe 
viele Dinge, welche nichts anderes sind, als ein seines Papst- 
tum... vor allen Dingen bin ich überzeugt und glaube, dass 
es einem Gläubigem unerlaubt ist, Untergebene oder sogar 
Sklaven und Sklavinnen zu haben, denn es geziemt sich 
nur dem Heiden über seinen, Bruder zu herrschen, seines 
Schweisses oder vielmehr seines Blutes sich' zu bedie- 
nen. Die hl. Schrift bezeugt, dass Gott aus einem Blute 
die ganze Menschheit geschaffen hat, weswegen wir uns 
alle gleichgestellt sind; denn sind wir eines Blutes, so, 
sind wir auch alle untereinander Brüder. Wie darf nun 
der Bruder über seinen Bruder herrschen und sich seiner 
Hände Arbeit bedienen ?“ Sie nannten sich untereinander 
Brüder und führten ein bescheidenes und arbeitsvolles Le- 
ben. Die Magnaten, wie auch die Edelleute und Bauern, 
trugen dieselbe Kleidung und assen dieselben Speisen. ! 
"Sie waren so sittenrein, dass selbst die Jesuiten, die sicher 
ihre heftigsien Feinde waren, sie deswegen loben mussten .? 

Der Arianismus war gleichsam die radikalste Reaktion 
gegen den Ruin des Glaubens und gegen die sozialen Miss- 
stände jener Zeit. Wir können hier feststellen, dass die 
Lehren fast aller radikalen Richtungen unserer jetzigen Zeit 
sich damals schon im Arianismus vorfanden. So finden wir 
hier vollständig ausgebildete Ideen des Sozialismus, Anar- 
chismus und Kommunismus, ja wir finden sogar in den 


I Lubieniecki, Polonentychia Ms, fol. 52 ff. Ms in der Bibl. 
Priesterseminars zu Kaunas. Herbest, fol. 2—4. 

® Termin na protestacje ministra jednego ewängelickiego etc. przec 
Ks. M. Zagiela, Wilno 1599. Fol. E. 4. „Die Arianer zeichnen sich 
besonders durch Tugend, Andacht, Ordnung und Eintracht aus, so 
dass ihre Gemeinschaft sicherlich alle überragt.“ 


— 15 — 


Werken der Arianer, besonders bei Ozechowicz, ! die voll- 
ständige Lehre des berühmten russischen Schriftstellers 
Tolstoi. Viele Arianer, welche jegliche Autorität verwar- 
fen und dem Rationalismus folgten, gerieten zuerst in die 
Bahn des Naturalismus und schliesslich in die des Atheis- 
mus. Besonders leugneten sie die Wiedervergeltung nach 
dem Tode und das Vorhandensein der Hölle ,? diese Mei- 
nung vertrat u.a. auch Czechowicz.3 Nachdem sie einmal 
die Wiedervergeltung und die Existenz der Hölle bestritten 
hatten, bezweifelten sie auch die Unsterblichkeit der mensch- 
lichen Seele. Einige gingen noch weiter und stellten sogar 
das Dasein Gottes in Frage. Auf solche Weise gelangten sie 
allmählich zum Atheismus und endlich zum Nihilismus.* 

Wir sehen also in der litauischen Reformation eine 
logische Reihenfolge der verschiedensten Sekten. Angefan- 
gen von den orthodoxen Lutheranern und Kalvinisten, ge- 
langen wir nach zahllosen Variationen der Anabaptisten, 
Arianer und Rationalisten zu den Atheisten und Nihilisten. 


I Siehe seinen Katechismus : Rozmowy Chrystyanskie. 

?2 Sogar Budny, der Gründer der judaisierenden Sekte, begann 
schliesslich die Unsterblichkeit der Seele zu verneinen: „Die Seele 
ist nichts anderes als das Leben des Menschen oder sein Körper, dass 
aber irgendwelche Seelen nach dem Tode existieren oder gequält 
werden, oder auch die Freuden des Himmels geniessen sollen, das sind 
reine Fabeln.‘‘ Budny, O przedniejszych wiary christyanskiej ar- 
tykulech etc. Losk 1576, fol. L. 2. 

3 Zebrowski, Recepta na plastr Czechowica S. 50, 53, 55. 
Czechowicz verstand unter dem Ausdruck „anima‘“ in der hl. Schrift 
das Leben und unter dem Worte ‚„inferi‘‘ das Grab. 

4 Wilkowski, II, 86. - 

Zebrowski Recepta 51 £., 82. 

Ms in der Bibliothek zu Vilnius. ,,...alii semper nova et inaudita 
quaerentes. primo existentiam inferorum dein anima2 immortalis tan- 
dem (horribile dietu) etiam existentiam Dei negarunt, proinde non 
solum omnem Scripturam sed et cultum omnem omnemgque religio- 
nem rejecerunt ad instar - animalium insipientium facti. Haec blas- 
phemia inaudita tahto timore multos perculsit, ut tempora Antichristi 
et ultimum judicium instare crederent.‘ 


— 154 — 


Alle diese Sekten bekämpften einander aufs heftigste, 
sodass unter den Neuerern ein grimmiger Streit entbrannte. 
Dieser Kampf wurde hauptsächlich in zahllosen Disputa- 
tionen und polemischen Schriften geführt. Man muss sich 
tatsächlich wundern, dass in einem so wenig kultivierten 
Lande, wie es Litauen zu jener Zeit war, so viele Schriften 
veröffentlicht werden konnten. Noch mehr wurde de 
Kampf in Worten: in zahllosen Privatgesprächen und 
öffentlichen Disputationen geführt. 

Eine reine Disputierwut hatte alle so sehr ergriffen, 
dass nicht nur Theologen, Vorsteher und Prediger, son- 
dern auch Laien, wie Beamte, Kaufleute, Soldaten und 
Künstler ihre Geschäfte bei Seite liessen und alltäglich 
Zusammenkünfte abhielien, wobei sie nicht nur ganze 
Tage, sondern sogar Wochen und noch länger mit Dispu- 
tieren zubrachten.”2 Politische Zusammenkünfte wurden 
in theologische Synoden verwandelt, in denen die Mag- 
naten und Edelleute heikle und komplizierte Fragen über 
die Erbsünde, die Erlösung, die Gnade, die Sakramente, den 
freien Willen, besonders aber über die Trinität und an- 
deres sich auseinandersetzen .? 


1 Wilkowski, S. 76. 

Grabowski, Literatura Arianska w Polsce. Von den Neuern, 
besonders den Arianer, sind nur wenige Schriften vorhanden. Diese 
stellen eine bibliographische Seltenheit dar, denn die Gegner, beson - 
ders die Katholiken, vernichteten diese wo sie nur konnten. 

?...quasi pestis quaedam ardor disputandi omnes invasit. Non 
solum duces et ministri, sed homines laici, officiales, mercatores, 
milites, opera sua quotidiana negligentes totos dies; imo hebdomades 
in disputationibus vehementissimis transigebant, sed absque ullo 
effectu nam quo magis flisputabant, eo magis animo inter se dif- 
ferebant.‘“ Ms in der Bibliothek des Priesterseminars zu Kaunas. 

Ebenso Lubieniecki, Polonentychia Ms., fol. 52 ff. 

Wilkowski, 147 £. 

3 Budny, O urzedzie etc. 102 ff. 

Lubieniec, Polonentychia, 

Ms in der Bibliothek des Priestersemina’s zu Kaunas. 


— 15 — 


Alle diese Disputationen und Streitigkeiten brachten: 
indessen keine Eintracht und Einigkeit, sondern verwirrten. 
die Ansichten nur noch mehr, vervoliständigten die Zer- 
würfnisse und führten zu neuen Sekten. ! 

Ausser den Zwistigkeiten, welche den Glaubensneue- 
rungen in Litauen so sehr schadeten, muss man noch 
die seltsame Unbeständigkeit in den Meinungen der Neue- 
rer in Betracht ziehen. | 

Seibst die Vorsteher und Führer blieben nicht bei der: 
Lehre, die sie einmal aufgestellt hatten, sondern getrieben: 
von einer unersätilichen Begierde nach etwas Neuem 
änderten sie dieselbe fortwährend. Ein zeitgenössischer Aria- 
ner charakterisiert seine Vorsteher und Führer folgendermass- 
en: „Keine Beständigkeit und keine Sicherheit ist bei Euch. 
vorhanden. Früher sagtet ihr, das Alte Testament habe 
keine Bedeutung und man müsse sich an das Neue Testa- 
ment halten. Darauf sagtet ihr, das Neue Testament sei 
nichts und das Alte Testament soll als Richtschnur die- 
nen. Schliesslich haben viele von Euch an der hl. Schrift 
zu zweifeln begonnen und sich der Lehre Berosus’, Platos 
und Aristoteles’ zugewandt. Was ihr gestern behauptet 
habt, leugnet ihr heute und umgekehrt‘ .? 
| Aber noch viel mehr als die Führer, änderten ihre 
Anhänger die Ansichten. Es gab Leute, die fast alle 


— mu 


Wilkowski schildert die Zusammenkünfte folgendermassen : „Wenn 
sic zusammenkommen um in ihren Lehren etwas festzulegen, er- 
zielen sie kein Resultat, denn nachdem sie 6 oder 8 Tage unter- 
einander gestritten haben (den Zuhörern und sich selber lästig), fahren 
sie heim umd ein jeder bleibt bei seiner Meinung.“ 8. 147 f£. 
Ferner sagt der Verfasser, dass daraus neue Zweifel und auch neue 
Sekten hervorgehen. ‚Jedes Jahr erdichten sie neue Gebräuche und 
neue Formen. Die Lehre einer jeden Gemeinde, einer jeden Gegend, 
jeder Stadt, jedes Dorfe ist eine andere; wie die Zeit, def 
Herr, die Behörde und der Prediger eben ist, so ist der Ritus und 
die Art der Lehre.“ II. S. 82. 

1 Ms in der Bibl. der geistl. katholischen Akademie zu Petersburg. 

® Ms in der Bibliothek zu Kaunas. 


— 156 — 


Sekten durchwandert hatten.! „Als ihr Lutheraner wart, 
so verwünschtet ihr die Sakramentarier; als ihr aber 
Sakramentarier geworden waret, so scheutet ihr die Arianer, 
hasstet ihr die Samosatener und bekämpftet sie, aber 
nach einigen Jahren. lobtet ihr sie wieder‘, so tadelt 
ein gewisser Wilkovski die Neuerer. Er selbst aber hatte 
sich vorher auch schon zu mehreren Sekten bekannt! 

Wenn wir nun ‚alles, was wir bisher gesagt haben, 
zusammenfassen : die grosse Anzahl der Sekten, ihre ra- 
tionalistischen und radikalen Ideen, ihre immerwährenden 
Streitigkeiten und Disputationen und endlich die Unbe- 
ständigkeit ihrer Ansichten, so können wir schon a priori 
schliessen, dass diese Faktoren einen schnellen Untergang 
‚der Glaubensneuerung herbeiführen mussten. Ä 

In diesem babylonischen Wirrwar wussten die Leute 
nicht, wem sie glauben und was sie als recht annehmen 
sollten. ? 

Die eifrigsten Neuerer und Verbreiter der Glaubens- 
spaltung verloren den. Kopf, da: sie nicht wussten, was zu 
tun und wie aus diesem Chaos herauszukommen sei. ° 
Durch die vielen Synoden, Zusammenkünfte und Dis- 
putationen in ihrer Lehre unsicher gemacht, jeglicher Obrig- 
keit, die den Zwist hätte beseitigen können, bar, sprach 


I Wilkowski, II, 86. 


2 Wilkowski, S. 17 £., 136 £., 147 £.; II. 82. 
Herbest, Epistola ad quendam, fol. 11—111. 
Zebrowski, Recepta 58. | 


3 Ms in der Bibliothek der geistl. Akademie zu Petersburg. Selbst 
von Radvila dem Schwarzen berichtet Rescius folgendes: ,Me- 
‚minit mihi vir amicissimus Skarga, quod ille ipse palatinus Vilnensis 
scripsit olim filio suo Nicolao Christophoro ‘se tot sectarum in 
ministris et novarum semper monstruosarumque de rebus divinis 
opinionum ac dissensionum multum pertaesum vix scire quidnam 
sequendum sit in religione, neque se tantos diScordiarum tumultus 
post relictam antiquam religionem expectasse.‘‘ De Atheismis et 
phalarismis, p. 167 £. 


— 157 — 


los über die vielen unerhörten Meinungen, die sich ein- 
ander scharf gegenüber standen, sahen sich endlich die 
Neuerer jeder Hilfe und jeden Rates beraubt. 

Da sie keinen Ausweg sahen, wandten sich die einen 
in ihrer Verzweiflung an den Judaismus und Mohamme- 
danismus oder ersannen verschiedene andere Lehren.! An- 
dere warfen sich dem Skeptizismus oder Nihilismus in die 
Arme ; sehr viele aber blickten. wieder auf den Katholi- 
zismus ;3 denn sobald auf Seite der Neuerer Verwirrung 
und Uneinigkeit sich’ zeigte, fanden auch wieder Ueber- 
trıtte zur katholischen Kirche statt. 

Seit dem Jahre 1568, ın dem die Sekten, beson- 
ders der Arianismus, ihre höchste Blüte erreichten, began- 
nen die Bekehrungen der Grossen und Adeligen zum Ka- 
tholizismus .* Je lauter die Streitigkeiten unter den Neuerern 
tobten, je mehr die Anzahl der Sekten stieg, um so mehr 
Uebertritte zur katholischen: Lehre fanden statt. Als das 
die Neuerer gewahr wurden, wandten sie alle Krafi an, 
um wenigstens zu einer äusseren Einigkeit zu gelangen ; 


t „Viele Gläubige irrten als zerstreute Schäflein von einer 
Sekte zur anderen... und erkannten allmählich, dass weder die 
eine, noch die andere Sekte die einzig wahre Kirche sei. Die cine 
verlassend, der anderen sich nicht anschliessend, blieb nichts anderes 
übrig, als an gar nichts zu glauben. Jene aber, die sich zum Judaismus 
bekannten, fanden dort — wie z.B. Daniel Bielenski — alles öde 
und leer : andere wiederum wendeten sich dem Muhammedanismus zu. 
Doch Ekel und Verachtung der Tyrannei dieser Sekte stiessen viele von 
ihr ab.“ Wiülkowski, II. 86. „Einige wurden in diesem schädlichen 
Wirrwar zur Verzweiflung getrieben, andere zum Judaismus, Mu- 
hammedanismus und zu ‚den verschiedensten Sekten.“ Wisniowski,. 
Rozmowa o prawdziwej znajomosci Boga Ojca, Syna jego i Ducha 
Sw. 1575 w :Luctawicach,: Fol. F. 2. 

2 Zebrowski, Recepta, 51 f. 

Ms in der Bibl. des Priesterseminars zu Kaunas. 

3 Wilkowski, II, 86. 

Herbest, Wypisanie drogi, fol. 61. 

4 „Das göttliche Gericht begann in den letzten Tagen des Königs 
August, das einen Teil der Sekten schwächte, die anderen aber gänzlich 
vernichtete. Dies nahm vier Jahre vor dem Tode des Königs seinen 


— 158 — 


darum wurden viele Synoden abgehalten 1 und beı den 
Theologen des Westens Hilfe gesucht.” Aber wie schon 
{rüher, waren auch jetzt die Versuche fruchtlos.® 

Ohne Zweifel bedeutete der Uebertritt des Nikolaus 
Christoph Radvila — „Sierotka‘“ genannt, der Sohn des 
Schwarzen — zum Katholizismus, im Jahre 1567, für dem 
litauischen Protestantismus eine schwere Nieder.age.* Sie- 
rotka war als Katholik ein unversöhnlicher Gegner der 
Neuerer, er bewog auch seine drei Brüder zum alten Glau- 


Anfang (1568) und dauerte bis zu seinem Ableben (1572) an‘. 

Lubieniecki, Polonentychia, Ms. fol. 54—60. 

1 „Et cum animadverterent harum dissensionum causa quosque 
prudentiores offendi et ad avitam religionem catholicam reverti suasque 
.novitas & deo discrepantes despectui haberi, ut tandem idem sentire 
-viderentur, plurimas synodos concordise jucundae gratia celebra- 
runt.‘‘ Ms 628, fol. 63 f. im Össolineum, Lemberg. 

Alle Akten dieser Synoden sind verloren gegangen, und nur in 
den Quellen kann man einige Erwähnungen über sie finden. Deshalb 
kann ich über diese Synoden keine näheren Angaben machen. 

2 Provinciae Poloniae Soc. Jesu Ortus et Progressus. Ms im Osso- 
lineum, Lemberg, 628, fol. 78. 

3 Jungius, Synopsis novi Evangelii sive doctrina moribus, etc. 
1595, 1. I. c. X, XI, XVIII, XIX, LIII, C. XVII, XIX, XXl. 

Relacye Nuncyuszow I, S. 192. 

„Die polnischen Andersgläubigen haben dreimal öffentlich er- 
klärt, dass sie in Glaubensachen weder einen Richier, noch ein 
Oberhaupt anerkennen, und dass sie eher bereit seien ihr Leben zu zer- 
lieren, als ihre Ueberzeugung preiszugeben .‘‘ So berichtet Nuutius 
Commendone von den Neuerern in seinen Briefen: Albertrandi- 
Malinowski, Listy Commendoniego II, S. 238. Darüber handeln auch 
die Seiten 122, 133, 167, 176, 239, 292 £. 

Ebenso: A. Patricius Nidecius. De Ecclesia vera et falsa, Crac.. 
1583. S. 14 ff. 

4 Siehe: Prof. Mercyngas, Mikalojus, Krisius Radvilas Nas- 
laitelis Period. Blätter. „Pasiuntinys“ 1911. No 5, S. 144 f. 

Kojalowiez führt als Anlass der Bekehrung Radvilas folgende 
Fabel an: „Als an einem Feiertage, an dem die Kirche den Genuss 
von Fleischspeisen verbietet, bei einer Mahlzeit dem Herzog ein g@- 
bratener Hahn aufgetischt wurde und der Herzog bei dieser Gelegen- 
heit eine Verleumdung aussprach, richtete sich der Hahn in der 
Schlüssel auf schlug mit den Flügeln und fing zu krähen an.‘ Miscell. 


— 159 — 


ben zurückzukehren und sorgte dafür, dass sie eifrige 
Katholiken wurden .! 

Die Familie Radvila begann sofort den Kampf gegen 
die neuen Lehren, die von ihrem Vater in den ausgedehnt- 
en Latifundien eingeführt worden waren und unterdrückten 
sie vollständig.” Da die Radvılas in Litauen stets hohes 
Ansehen genossen, folgten bald viele Magnaten und sonstige 
Adelige ihrem Beispiele .3 


p- 70. Dasselbe wiederholen Niesiecki (Korona Polska, III, Seite 
832) und Rostowski (I. Historiarum lituanic. pars I, S. 258 f). 
Der Verfasser der Handschrift ‚Historia wierna o kacrrstwach‘“ 
(Ms in der Bibliothek der geistl. kath. Akademie zu Petersburg) er- 
zählt über die Bekehrung des N. Chr. Radvila: ‚Dieser Kar- 
vede, der Schwarze, schrieb an seinen Sohn Christoph : „Mein Sohn, 
ich bin durch die Verschiedenheit der Lehren und Doktoren so ver- 
wirrt, dass ich über das, was zu glauben ist, völlig im unklaren bin. 
Rate dir selbst“. Welchen Entschluss er gefasst hat, zeigt die durch 
katholische Kirchen und Klöster so reizvolle und schöne Stadt Nies- 
wiez.‘‘ Ueber die Bekehrungsursache des Nikolaus Radvila (Sierotka) 
siehe die Abhandlung von Mercyngas im oben zitierten Blatte. 

1 Cichocki, Alloquia Ossiecensia, S. 200 ff. 

Regenvolscius, Systema historico-chronologicum, p. 144. 

Rostowski J.J., Historiarum lituanicarum I. Teil, S. 158 £. 

2 Skarga, Pro sacratissima Eucharistia, Wilna 1576. „Er (Rad- 
vila, Sierotka) setzte ein neues Priestertum ein, und stellte das alte 
wieder her, vermehrte die jährlichen Einkünfte, sorgte für die 
Wiederherstellung der Tempel und arbeitete auf die Erneucrung der 


Frömmigkeit, die vollständig verschwunden war, hin.“ (Dedicatio, 
Fol. 5.) 
Cichocki, ‚oben angegeben: „Es ist unnötig hier zu erwähnen, 


wieviel Fleiss er für die Erneuerung der katholischen Kirche ver- 
wendete. S. 202 £. 

Historia wierna o Kacerstwach, Ms in der Bibliothek der kathol. 
Akademie zu Petersburg. „In seinem weiten Fürstentume stiftete und 
beschenkte er (Radvila Sierotka) viele Kirchen und Pfarreien... Als- 
dann liess er Schulen und Siechenhäuser erbauen, sodass die alte 
Religion von neuem aufblühte‘“, S. 45. 

® Historia wierna etc., Ms. Indem angesehene Persönlichkeiten 
und Adlige auf die vom Allerhöchsten verursachte Aenderung (die 
Bekehrung Radvilas) blickten, erinnerten sie sich der Andacht 


=. 460: = 


Nicht lange nachher trat auch Johann Chodkiewiez, 
der Starost in Samogitien, zur katholischen Kirche zurück. 
Er war ebenfalls ein reicher Mann von hohem Ansehen, 
Durch Kardinal Hosius angeeifert verwandte er alle seine 
Kräfte zur Bekämpfung der neuen Lehre und der Wieder- 
herstellung der katholischen Religion. Diesem folgten 
bald die Familien Sapieha, Wojna, Wollowiez, Pac, Tys- 
kiewicz und zahllose andere Magnaten und Kleinadelige .? 

Damit stürzte —kaum zehn Jahre nach dem Tode Rad- 
vilas des Schwarzen — der Protestantismus in Litauen 
vollständig zusammen. Obgleich manche noch nicht den 
Mut hatten zum Glauben der Väter zurückzukehren, waren 
sie doch‘ gegen die sich!‘ steis widersprechenden Ansichten 
und gegen die endlosen Stänkereien der Neuerer mit Hass 
erfüllt.5_ Es gab nur noch wenige, welche die Sache der 
Protestanten verteidigten .* 


ihrer Vorfahren, die von den Nachkommen verlassen worden war. 
Von heiligen Eifer erfüllt kehrten sie zur kathol. Kirche zurück,. 
und gaben ihren verwandten Nachbarn und Untertanen das Beispiel.“ 
S. 45. Darüber auch Ms in der Bibl. des Priesterseminars zu Vilnius. 

1 Chodkiewiecz kehrte um das Jahr 1570 zur katholischen 
Religion zurück. Siehe den Brief des Kardinals Hosius, Bischof von 
Ermland... an ihn (im Werke: Hosii opera omnia, Köln 1584, 
II. S. 321). Nicht der Jesuit Warszewski, wie Rostowski be- 
richtet (Historiarum Lituanicarum I. Teil, S.51£f.), hat Chodkiewiez 
zur katholischen Kirche zurückgeführt, sondern Hosius. Dies geht aus. 
einem Briefe des Chodkiewicz an Hosius, und aus einem solchen von 
Hosius an Chodkiewicz hervor (Hosius, Werke II. Teil, S. 142— 
144). 

® Cichocki, Alloquia Ossiecensia, S. 205 ’ff. 

Ms Historia wierna o Kacerstwach, S. 45. 

3 Siehe Brief des Hieron. Chodkiewiez an Kardinal Hosius- 
(Hosii opera omnia Köln, 1584, II. S. 242). „So sehr waren alle 
der endlosen Disputationen und Streitigkeiten überdrüssig, dass ihnen 
die neuen Lehren sehr verächtlich vorkamen‘‘, sagt der Verfasser der 
Handschrift; Ms Anfang des 17. Jahrhunderts. Seminarbibliothek 
zu Vilnius. 

* Ein solcher war Radvila, der Braunrote genannt, Fürst von 


— 161 — 


Aber vom Katholizismus war nach der Niederlage, die 
ihm die Protestanten beigebracht, buchstäblich nur noch 
eine Ruine übrig. Die Kirchen waren zerstört oder von 
den Neuerern in Beschlag genommen, die Priester überall- 
hin zerstreut und die wenigen, die noch. übrig geblieben, 
wegen ihrer Verkommenheit und mangelnder Sprachkennt- 
nis zur Pastoration unfähig. Erst mit der Ankunft 


{ 


Birziai und Dubinkiai, der Vetter des Schwarzen, der bis zu seinem 
Tide (1584) Kalvinist blieb, obgleich er durchaus nicht den Eifer 
zeigte, wie sein Bruder, der Schwarze. 

Regenvolscius, Systema historico-chronologicum, Ss. 114. 

H. Merczyng, Zbory i senatorowie protestantey. S. 9, 133. 
Lukaszewiez, Dzieje wyznania helweckiego I, 25 £. 

1 Cumuleus, der 1595 als apostolischer Legat die Diözese Vilnius 
besiehtigte, zu einer Zeit, in der die Kirche sich von ihrer Schwäche 
schon ziemlich erholt hatte, schreibt: „Ale Wir die Diözese Vilnius 
bereisten, machten Wir die Erfahrung, dass sehr viele Pfarreien 
wegen Priestermangel ihre Pfarrer entbehren ; wenn Wir hier und 
da auch einige antrafen, so sahen Wir bald, dass sie wegen der 
Unkenntnis der litauischen Sprache der Kirche und dem Volke nur 
wenig nützten, und aus Mangel an Ps»iestern und Unkenntnis der 
Sprache musste das Volk sogar die zum Heile notwendige Glau- 
benslehre und den Empfang der hl. Sakramente entbehren ; ja, 
mehr noch, Wir erfuhren, dass das Volk fast ohne Gotteskenntnis, wie 
die Tiere, in seiner Unwissenheit dahinlebe, und dass. sogar sehr 
viele Kinder ohne Taufe aus dem Leben geschieden seien.‘ Be; 
Balinski, Akademie Wilenska, S. 440. 

In Samogitien fanden sich nach dem Tode des nachlässigen 
Bischofs Georg Pietkiewiez, wie Kojalowiez sagt, nur sechs ka- 
tholische Priester (Miscellanea, S. 67; S. 15 desselben Werkes ver- 
merkt deren 7). Obgleich der Bericht des Kojalowicz in den alten 
Quellen keine Bestätigung findet, so zeugt er doch dafür, dass die 
Lage der katholischen Kirche in Samogitien traurig war. Piasecius 
(Kronik Crac. 1545, S. 49) berichtet, dass der Bischof Pietkie- 
wicz ein Neuerer gewesen sei, aber Rzepnicki (vita Praesulum III. 
p. 32) und Niesiecki (Korona Polska III, S. 592 £.) wider- 
sprechen dieser Meinung; die älteren aber, wie Kojalowiez (Mis- 
cellanea, S. 76), und Naramowski, (Facies rerum sarmaticarum 
II. S. 536), erwähnen hiervon gar nichts. 

BRostowski, schildert die Lage der Kirche in Samogitien bei An- 
kunft der Jesuiten sehr schwarz: ‚Das Verhältnis der Diözese 

1l 


.— 162 — 


der Jesuiten in Litauen (1569), begann die Wiederher- 
stellung des Katholizismus. Die Jesuiten, an Zahl zwar 
klein.! aber an Gelehrsamkeit, Eifer und Mut stark, 
eingen nicht nur unverdrossen an die Arbeit der Wieder- 
herstellung, sondern flössten auch dem übrig gebliebenen 
Klerus wieder Mut ein, sodass sie an diesem bald wieder 
einen Mitarbeiter fanden .? 

Von dieser Zeit an begann auch der Rest des Pro- 
testantismus zu verschwinden .? 

Kaum zehn Jahre nach den Tode Radvilas des Schwarzen 
konnte Petrus Skarga an Valerian Protasewicz, den Bischof 
von Vilnius, schreiben : „Jetzt ist der grösste Teil deiner 


war damals elend; auf dem Lande fand man nur wenige, die 
je etwas von Christus gehört hatten. In den Ansiedelungen herrschte 

der alte Aberglaube. Der Blitzschleuderer Juppiter, gemeiniglich 
Perkunas genannt, alte Eichen, die Szermuksznis oder Eberesche, 
Akmo, ein gewaltiger Fels ; alle diese wurden samt den alten heid- 
nischen Götiern von den Landleuten verehrt. Melchior Giedraitis, 
Bischof von Samogitien, sagt: „Im grössten Teil unserer Diö- 
zese wirst Du keinen finden, der in seinem Leben jemals gebeichtkt 
hätte, keinen, der je zur hl. Kommunion gegangen wäre, keinen, 
der das ,.Vater unser‘‘ kennte oder das Kreuzzeichen zu machen 
im Stande wäre, keinen, der irgendwie eine Ahnung von den Ge- 
heiimnissen des Glaubens hätte ; sie begnügen sich mit dem einen und 
sögen: wir sind keine Lutheraner und essen an Freitagen kein Fleisch. 
Vielfach opfern sie dem Donnergotie, verehren die Schlangen, halten 
lichen für heilig, bringen den Seelen der Verstorbenen Speiseopf.sr 
(dar, und verrichten noch viele andere phantastische Dinge, mehr 
aus Dummhest, als aus Bosheit, und halten es deshalb auch nicht 
fur Sünde.“ 

Historiorum lituanicarum pars I, p. 118 ss. 

! Rostowski, Historiorum lituanicarum, pars I, p. 3388. Im 
Jahre 1569 kamen bloss 5 Jesuiten nach Vilnius, deren Zahl sich 
aber bald vergrösserte. | 

"Zu den Geistlichen, die mit den Jesuiten arbeiteten, gehörten 
der Kanonikus Jurgiewiez von Vilnius, der viel gegen die Neucrer 
schrieb, der Kanoniker Giedraitis. ebenfalls in Vilnius, später Bischof 
von Samogitien (1575—1609), der im Rufe der Heiligkeit starb. 

> Kojalowicez, (Miscell., p. 14—16; u. viele andere. 


— 18 — 


Herde zu dir zurückgekehrt, und jeden Tag verlassen noch 
viele Seelen den Irrtum ; daher wollen wir uns hierüber 
freuen und mit den Engeln triumphieren. Nun fängt deine 
Kirche, die infolge der vielen Leiden ermattet darniederlag, 
wieder an, ihre Kräfte zu sammeln und sehnt sich nach der 
schnellen Heimkehr der übrigen, noch zerstreuten Schäflein 
zu dem einen Schafstalle Christi“. Obgleich nun die 
neuen Lehren fast vollständig verschwunden waren, so 
zählten sie immer noch’ — selbst unter den Grossen, — einige 
Anhänger. | 

Der Arianismus und die anderen rationalistischen 
Sekten, die schon bald nachher unter der Regierung Sigis- 
munds-August sehr geschwächt waren, verschwanden zwar 
nach dem Tode dieses Grossfürsten in kurzer’ Zeit vollstän- 
dig, sodass kaum noch ein Rest übrig blieb, dafür gab es 
immerhin noch: ziemlich viele Kalvinisten und einige Lu- 
theraner .? 0 | 

Die Kirche hatte noch einen langen und schweren 
Kampf zu bestehen, weil sie vollständig entkräftet war, 


1 Skarga, Pro sacratissima Eucharistia, Vilnae 1576. Dedicatio, 
fol. 2 

„Nach dem Tode des Königs Sigismund-August stürzte die 
Neuerung schnell in Trümmer’. Ms Seminarbibliothek von Samogitien 
aus dem Jahre 1624. 

Ms in der Bibl. zu Kaunas. 

Ms Provinciae Poloniae Soc. Jesu, Ortus et progressus, 625, 
Ossolineum, Lemberg. 

Relacye Nuncyuszow, I. p. 90 ff., 219. 

Cichocki, Alloquia ossiecensia, p. 93, 200 ff. 

Herbest, Porzadna odpowiedz, K. 6. 

Wilkowski, fol. 1. 

Lubieniecki, Polonentychia, Litterae annuae, S.J: (1606—1607) 
Mogunt., 1608, p. 448ff.; 1608, p. 760 ff.; 1609, p. 646 ff. 
Alle diese Quellen weisen auf den schnellen und vollständigen 
Verfall der neuen Lehren in Litauen hin. 

2 Unter den Magnaten blieb nur eine Familie, die des Fürsten 
Radvila von Birziai und Dubinskiai, bis zum Untergange uieses 
Hauses protestantisch. 


u ah 


und die Protestanten begannen — trotz ihrer geringen 
Zahl, infolge der von allen Seiten drohenden Gefahren — 
neue Kräfte zu sammeln: Aber es war kein Ringen mehr 
um den Glauben des ganzen Landes, sondern nur noch um 
den einiger haeretischer Stützpunkte. 

Nachdem die Kraft des Protestantismus einmal ge- 
brochen war, erreicht dieser seine frühere Blüte niemals wie- 
der und verschwand so schnell, dass nach hundert Jahren 
nur noch kümmerliche Reste von ihm zu sehen waren. 

Es erübrigt sich noch darüber klar zu werden, warum 
diese Lehre, bei so ausserordentlich günstigen Bedingungen 
und nach einem so raschen und glänzenden Aufstieg, zu- 
sammengebroehen ist, ohne dass eine äussere Ursache dabei 
miteinwirkte. Dass beim litauischen Volk für die An- 
nahme der neuen Lehren besonders günstige Umstände vor- 
"handen waren, sahen wir bereits im ersten Kapitel. Der 
beste Zeuge hierfür ist die schnelle Verbreitung des neuen 
Glaubens. Bei ihrer Verbreitung wurden ihnen nur sehr 
wenige Hindernisse — um nicht zu sagen keine — weder 
von der Kirche, noch vom Staate in den Weg gelegt. Denn 
die Kirche konnte nicht gegen die neuen Lehren kämpfen, 
weil sie selber moralisch‘ sehr geschwächt war. Auch der 
Staat verteidigte die katholische Religion nicht, weil die 
protestantisierten Magnaten die höchste Gewalt besassen. 

In Litauen gab es keine Religionskriege. Man kann 
sagen, dass im 16. Jahrhundert in Litauen für religiöse 
Ueberzeugungen kein Tropfen Blut geflossen ist. Wie die 
Magnaten und Kleinadeligen ohne jeden Zwang scharenweise 
zum Protestantismus übergingen, so haben sie ihn später 
auch ohne jede äussere Nötigung wieder abgelegt. Wo sollen 
wir nun die Ursache dieser Erscheinung suchen ? Da es 
keine äusseren Ursachen gab, so mussten doch‘ innere 
vorhanden gewesen sein. Nach meiner Ansicht liegt der 
Hauptgrund des Zerfalles des Protestantismus darin, dass 
die neuen Lehren der Kultur und dem Charakter der Li- 
tauer nicht angemessen waren. 

Wenn wir nämlich die primitive Kultur und den ein- 


— 165 — 


fachen Charakter der Litauer den oft raffinierten pro- 
testantischen Lehren gegenüberstellen, dann erkennen wir 
einen erheblichen Unterschied. Denn nur die Magnaten und 
wenige Kleinadelige besassen Bildung, die übrigen aber — 
viele Adelige nicht ausgenommen — folgten den rohen 
und unkultivierten Sitten ihrer Ahnen. Die Kultur des 
Westens konnte nur in der Zeit der jogailonischen Dynas- 
tie eindringen und breitete sich wegen der grossen Aus- 
dehnung und der dünnen Bevölkerung des Landes nur 
mühsam aus und trug deshalb nur wenig zur kulturellen 
- Durchdringung der litauischen Bevölkerung bei, wie auch 
die Geistesbildung wegen Mangel an Schulen nur: langsame 
Fortschritte machte. | 

Der Litauer ist schwerfällig, aber sehr sentimen- 
tal und phantastisch, was sich besonders in seiner sehr 
reichen Volkspoesie und Mythologie offenbart. Da sie in 
Wäldern wohnten, zwischen Flüssen, Seen und Sümpfen 
zerstreut, fern von Städten, einzig von der Natur angeregt, 
so entwickelte sich in dieser Umgebung eine eigene Mytho- 
logie, und diese ist so inhaltsreich, dass sie der griechis- 
chen kaum nachsteht.! Die heidnische Religion der Litauer 
— wie auch die der anderen unkultivierten Völker — 
besteht fast nur in der äusseren Verehrung der Natur- 
kräfte. | 

Das Christentum war in Litauen erst am Ende des 
14. und am Anfange des 15. Jahrhunderts gepredigt 
worden, und wurde so langsam verbreitet, dass es selbst noch 
in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts viele wirk- 
liche Heiden gab. Zur Zeit als der Protestantismus dem 
litauischen Volke nahe trat, war es noch zur Hälfte heid- 
nisch. Allerdings gilt dies mehr vom gewöhnlichen Vol- 
ke, als von den höheren Klassen ; doch unterschieden 
sich die höheren Schichten in ihrer Kultur von den nie- 


! Lasicki,, De diis Samogitarum (Res publica sive status R.Polon. 
Lituania etc., p. 291 ff.). Narbutt, Dzieje Narodu Litewskiego 
1, S. 1£f. | | 


— 166 — 


deren nur wenig ; sogar die Magnaten und ein klei- 
ner Teil der Kleinadeligen, die ihre Bildung im Auslande 
sich "angeeignet hatten, konnten sich dem Einfluss des 
niederen Volkstandes, unter dem sie wohnten, nicht er- 
wehren. | 

‚Ein Hauptfaktor ist die charakteristische, nationale 
Eigentümlichkeit, die einem jeden Menschen so fest ein- 
gewurzelt ist, dass es lange Zeit, vielleicht ganze Genera- 
tionen erfordert um sie zu verändern. Hätte also der Pro- 
testantismus, diese durchaus rationalitische und indi- 
vidualistische Religion, ohne äusseren Kult und Heiligen- 
verehrung, die gefühlvollen, sentimentalen und noch halb 
heidnischen Litauer befriedigen können ? Der Protestantis- 
mus besitzt den Geist der Universalität und der Anpassung 
an das Volk nicht in einem solchen Masse, wie der Katho- 
lizismus ; dieser kann die Menschen — mögen sie auch' 
auf den verschiedensten Stufen der Kultur stehen — er- 
greifen, gleichzeitig die geistigen Bedürfnisse des ge- 
lehrten Philosophen, wie die des wilden Negers befriedigen ; 
Dies können wir vom Protestantismus nicht ohne starke 
Einschränkung behaupten. | 

Die Religion darf sich‘ nicht allein auf die Vernunft 
stützen, sondern muss sich‘ auch an das Gemüt wenden. 
Die Religion wirkt in der Praxis auch stark auf das 
Gefühl ein, da im Menschen sehr oft das Herz den Kopf 
regiert. Der Protestantismus ist bisweilen zu wenig psych- 
ologisch und vernachlässigt die menschlichen Gefühle. 

Litauische Neuerer, die zum Katholizismus zurück- 
gekehrt sind, legen schriftlich dar, dass sie wegen der 
Aufhebung der Sakramente und besonders der Beichte, 
dann auch wegen dem Mangel an äusserem Kultus und 
der lehrenden Autorität und dergleichen, dem Protestantis- 
mus entfremdet worden seien.! 

Wenn gar die Gebildeten diesen Mangel fühlten, um 


1 Wilkowski, S. 2 f. 
Ms. des Priesterseminars zu Kaunas. 


— 167 — 


wievielmehr mussten es dann die niederen Volkschichten 
empfinden ! Die schnelle Verbreitung der neuen Lehren in 
Litauen widerspricht dieser Ansıcht keineswegs. Sie be- 
zeugt nur, dass die Litauer für die neuen Lehren sehr 
empfänglich waren. Diese Empfänglichkeit rührte aber 
aus Abneigung gegen die trostlosen Zustände in der ka- 
tholischen Kirche und der Sucht nach neuer geistiger 
Nahrung her. 

Auch die Entstehung der individualistisch-rationalis- 
tischen Sekten im litauischen Protestantismus, wieder- 
spricht dieser. Ansicht nicht; sie beweist nur, dass der 
Protestantismus eben nicht die, den Litauern entsprechende 
Religion war. 

Damit will ich aber durchaus nicht behaupten, dass 
der Protestantismus sich nicht dem Charakter der Li- 
tauer hätte anpassen können. Zweifelsohne würde sich 
der Protestantismus, wenn er vom Staate — wie z.B. ın 
anderen Ländern — unterstützt gewesen wäre, sich all- 
mählich an den litauischen Charakter gewöhnt haben.! Aber 
es fehlte in Litauen eben an solchen kernhaften und ziel- 
bewussten Person, wie es im England Heinrich VIII. und 
Elisabeth waren, und so musste der Protestantismus allmäh- 
lich zu Grunde gehen. Religiöse Probleme im Leben der 
Völker sind zur Behandlung so delikat, dass sie entweder 
einer Lösung widerstreben oder nur hiypothetische Re- 
sultate zeitigen. 

Die zweite Ursache für den Untergang der neuen Leh- 
ren war die unheilvolle Zwietracht und die inneren Kämpfe 
unter. den Neuerern. Diese Ursache knüpft an die zuerst 
erwähnte an. 


! Da z.B. die Familie des Radvila, des Fürsten von Birziai- 
Dubinkiai während des grössten Teiles des 17. Jahrhunderts bis 
zam Untergang ihres Stammes, in ihren Latifundien den Kalvinismus 
beibehielt, wurzelte sich diese Religion in jenen Gegenden so fest 
ein, dass sich dort noch bis heute einige kalvinische Religionsinseln 
erhalten konnten. 


— 168 — 


 Zweifellos, gab es auch noch andere schwerwiegende 
Gründe, welche die. Spaltung des Protestantismus in. so 
viele Sekten bewirkten. Nicht wenig trugen hierzu die 
eigenen Vorsteher bei. Diese, aus allen Herren Länder zu- 
sammengeströmt predigten eigene Dogmen, die oft den blü- 
hendsten Unsinn enthielten. Ferner gab es keine Obrigkeit, 
welche die lächerlich vielen Disputationen hätte abstellen 
können. Es fehlte ein litauischer Luther, ein Kalvin, ein 
Zwingli. Ein Magnat aus jener Zeit, der kurz vorher noch . 
ein eifriger Protestant gewesen, schreibt über den inneren 
Kampf der Neuerer folgendes an Kardinal Hosius: „Du 
aber sollst wissen, dass ich solcher Neuerungen und so 
häufiger Aenderungen der evangelischen Religion über- 
drüssig bin, sodass ich daran zweifle, ob sie auch nur ein 
wenig von den Gaben des hl. Geistes besitzt. Daher hege 
ich keinen Zweifel mehr, dass eine solche Religion, je 
mehr sie sich entwickelt, desto mehr in hässliche Irr- 
vümer gerät. Diese Ungeheuer sind nach meiner Ueber- 
zeugung weder die wahre Kirche, noch ist bei ihnen das 
Wort Gottes oder überhaupt etwas Wahres.“ ! 

Ferner muss auch,? die sorglose Nachlässigkeit, wel- 
cher die Neuerer ihrer Religion gegenüber sich hingaben, 
zuden wichtigeren Gründen ihres Sturzes gerechnet werden. 
Und zuletzt dürfen wir nicht stillschweigend an der 
Leichtfertigkeit der Grossen vorübergehen, die so sorg- 
los die Religionen wechselten, als ob sie Hausröcke 
wären .? 


1 Johann Kotkiewicz (Chodkiewiez) Vorsteher von Samogitien, 
Hosio card. epistola ex an. 1567 (Hosii opera omnia II, p. 242 s.). 

2 ‚Johannes ille Chodkievicius (Chodkiewicz), vir sine contro- 
versia magnus, quem vulgus terrorem impr’oborum hominum vocare 
consueverat, bellicis artibus clarus, omnes fere haereses antea pex- 
vagatus tandem levitatem et inconstantiam fluctuantium dogmatum 
detestatus toto animo catholicam amplexus est religionem.“ C;- 
chocki, Alloquia Ossiecensia, p. 205. 


— 169 — 


Was ist nun aber von der katholischen Aktion gegen 
den Protestantismus in Litauen zu halten ? 

Wir haben schon gezeigt, dass die katholische Kirche — 
infolge der Unfähigkeit seines Klerus — dem hereinbre- 
chenden Protestantismus nur schwarzen Widerstand leisten 
konnte. Und vollends als die übermächtigen Magnaten! ins 
protestantische Lager. übereingegangen waren, hatte die 
katholische Kirche den Boden vollständig unter ihren 
Füssen verloren. Trotzdem ihr der vollständige Ruin drohte, 
raffte sich die 'Geistlichkeit erst spät auf, denn bis zur 
Ankunft der Jesuiten im Jahre 1569, erkennen wir keine 
Wendung zum Besseren. Denn so verdorben wie der 
Klerus am Vorabend der Reformation war, so blieb er 
es auf lange Zeit hinaus. Erst die Jesuiten rich- 
teten den scheinbar hoffnungslos darniederliegenden Ka- 
tholizismus wieder auf. Bis zur Ankunft der Jesuiten 
sah der Protestantismus in der katholischen Kirche keinen 
Gegner. Damit will ich' jedoch nicht sagen, dass die Ka- 
tholiken die Flinte ins Korn geworfen und den Kampf 
nicht aufgenommen hätten. Was sie vermochten, das taten 
sie, doch würden sie nicht nur von ihren Gegnern, sondern 
oft auch durch die eigenen „Glaubensbrüder‘‘ gehemmt. 

Ueber die Bischöfe habe ich weiter oben gesprochen, 
doch möchte ich hier noch zwei Persönlichkeiten in Erinne- 


rung bringen, die — obwohl sie nicht in Litauen wohnten 
und keinen unmittelbaren Einfluss auf die religiösen Ver- 
hältnisse ausübten — durch ihre grossartige Tätigkeit in 


Polen auch auf Litauen, das mit jenem Staate eine Art 
von Union hatte, stark beeinflussten : Commendone und 
Hosius. | | 

Commendone! war in den Jahren 1563—65 päpstlicher 


3Commendone, ein Italiener, (1523—1584), Bischof von Zakynth 
und Kardinal, geschulter Jurist, war unter Julius III. mit den 
wichtigsten diplomatischen Aufträgen in Spanien, Portugal, Frank- 
reich und England betraut. 1561 wurde ihm die schwierige Auf- 
gabe anvertraut, die deutschen Fürsten zur Beschickung des Kon- 


— 170° — 


Nuntius in Polen. Durch seine hervorragenden Tugenden, 
seinen Eifer und seine glänzende Beredsamkeit, vor allem 
auch durch. seine ausserordentliche diplomatische Geschick- 
lichkeit, übte er auf Sigismundr August, den Senat 
und den polnisch-litauischen Episkopat einen bedeutenden 
Einfluss aus, und verstand es, sich geschickt für die 
katholische Sache zu verwenden. Wenn er auch nicht 
lange in Polen weilte, so hat er hier doch mehr erreichen 
können, als irgend ein anderer Nuntius und es ist sein 
grosses Verdienst, dass er Sigismund-August und den Senat 
zur Annahme der Beschlüsse des Tridentinischen Konzils 
bestimmen konnte. ! 

Noch grössere Bedeutung um die katholische Rllizien 
in Polen erlangte Kardinal Hosius, der Bischof von Culm 
(später von Ermland)?. Er war eine seltene Erscheinung 
im damaligen polnischen Episkopat. Der selige Canisius 
nennt ihn ‚den glänzendsten Schriftsteller, den vorzüg- 


zils von Trient zu veranlassen. 1563—1565 wirkte er in Polen, 
dann in Wien als Legat zur Durchführung der Konzilsbeschlüsse. 

Vergl. Antonii Mariae Gratiani, de vita Johann. Francisci Com- 
mendoni cardinalis, libri IV, Parisiis 1689. 

Albertrandi-Malinowski, Listy Commendoni do Car. Borromensza, 
2 Bade. 

1 Liubowiez, Nacalo katoliceskoj reakcii i upadok reform. w 
Polsche, S. 151—153. 

? Stanislaus Hosius, der deutscher Herkunft war, wurde 1504 
geboren und starb 1579, 1538 war er Sekretär des Königs Si- 
gismund-August, 1549 Bischof von Kulm und 1551. von Ermland, 1559 
königlicher Nuntius in Rom, 1561 Kardinal und päpstlicher Legat 
für das Konzil von Trient und am Hofe Maximilians II.und 1565- 
Kandidat bei der Papstwahl. Sein Werk: ‚„Confessio Fidei‘‘ er- 
schien 1557 es wurde mehrmals herausgegeben und übersetzt. 

Vergl. Eichhorn. Der Ermländische Bischof und Kardinal St. 
Hosius, Mainz 1855, 2 Bde. 

Zukowicz, Kardinal Gosij, i polskja Cerkov jego wremieni, S. 
P.B. 1862. 

Seine Briefe herausgegeben von Hippler u. Zakrzewski 1879—S8,. 
Krakau, 2 Bde. | Da 


— 171 — 


lichsten Theologen und den besten Bischof seiner Zeit“. 
Hosius war ein Mann von reinsten Sitten, erfüllt von glü- 
hendem Eifer für die katholische Sache und regierte nicht 
nur: seine Diözese musterhaft, sondern dehnte seine Tä- 
tigkeit auch auf ganz Polen und Litauen aus. Besonders: 
richtete er sein Augenmerk auf die Bischöfe ; die pflicht- 
vergessenen und nachlässigen ermahnte er und die eifrige- 
ren unterstütze er mit Rat und Tat. Seinen Bemühungen 
ist es hauptsächlich zu verdanken, dass der polnisch-li- 
tauische Episkopat die katholische Kirche nicht verriet, 
wenn schon einige Bischöfe den neuen Lehren zugetan 
waren. | | 

Eine zweite Sorge des Kardinal Hosius ging dahin, 
Sigismund-August dem Katholizismus zu. erhalten, worin 
ihn .die päpstlichen Nuntii, besonders Commendone, ge- 
schickt unterstützten. 

Schliesslich beeinflusste Hosius: auch die Magnaten, 
besonders die angeseheneren, und war bemüht sie dem 
katholischen Glauben zu erhalten. 

Wenn auch Commendone und Hosius selten und nur 
kurze Zeit in Litauen weilten, so hatten sie dafür Leute, 
die sie über alles benachrichtigten und ihnen als Ver- 
mittler dienten. Hosius stand mit den Bischöfen Litauens 
in Briefwechsel, ermahnte sie und erteilte ihnen Rat- 
schläge. Er war der erste, der die Jesuiten herbeirief und 
nahm auch Protasewicz, den Bischof von Vilnius für sie ein. 
Er bekehrte Johann Chodkiewicz, den Starosten von Sa- 
mogitien, den bedeutendsten und einflussreichsten Mag- 
naten in ganz Litauen. Ebenso soll er auch auf die Be- 
kehrung der anderen Magnaten eingewirkt haben. Ho- 
sius merkte wohl, wie die innere Uneinigkeit den Pro- 
testantismus untergrub, und so unterstützte er die schwä- 
chere Sekte gegenüber der stärkeren.’ Auch durch seine 


i Hosius widersetzte sich der Vertreibung der Arianer aus Polen. 
Zukowicz, Kardinal Gosij (Hosius) i polskaja oerkow, S. 181. 


— 12 — 


theologischen Werke ist Hosius berühmt geworden. Sein 
Werk „Confessio fidei‘‘ fand in vielen Ländern Aufnahme, 
wurde vielfach übersetzt und herausgegeben. 

Noch kurz einen Blick auf die Tätigkeit der Je- 
suiten in Litauen | 

Einige, Historiker wie z.B. Kojalowiez, Naramowski 
und Rostowski und deren Anhänger (Dzieduszycki, auch 
einige Jesuiten) behaupten, dass die Tätigkeit dieses Ordens 
‚die einzige Ursache des Zusammensturzes des litauischen 
Protestantismus gewesen sei; Liubowiez und andere da- 
gegen,! weisen den Jesuiten in der Geschichte des Protes- 
tantismus in Litauen eine weit bescheidenere Rolle zu. 

Beide Ansichten gehen zu weit; denn dass auch andere 
am Ruin der neuen Lehren gearbeitet haben, geht daraus 
hervor, dass schon vor der Ankunft der Jesuiten in 
Litauen der Protestantismus geschwächt und von vielen 
Magnaten wieder preisgegeben worden war.? Zudem konnten 
die wenigen Jesuiten diese Titanenarbeit nicht allein be- 
 wältigen. Ihre Wirksamkeit konnte sich nur allmählich 
entfalten und gelangte erst unter der Regierung Sigis- 
munds Ill. zur vollen Blüte. 

Aber die Verdienste der Jesuiten um die Kirche in 
Litauen muss man sehr hoch anschlagen. 

Auch jesuitenfeindliche Historiker, wie Lukaszewiez 
u.a., sprechen ihnen diese Verdienste durchaus nicht ab; 
denn in der Tat beschleunigten die Jesuiten den Unter- 
gang des Protestantismus und rotteten die Ueberbleibsel 
vollständig aus. Aber bei weitem mehr Verdienste haben sie 
sich um die Wiederherstellung der katholischen Kirche 


ı Kiistorii Jezuitow w litowsko-russkich ziemlach, Warszawa 

2 Die reichsten und angesehendsten Grossen Litauens, wie z.B. 
Nik. Christoph Radvila, der Sohn des Schwarzen, „Sierotka‘‘ (der 
Weise) genannt, Johann Chotkiewiez, Vorsteher (Starosta) von Sa- 
‚mogitien und viele andere, waren schon vor der Ankunft der Je- 
‚suiten (1569) zum Katholizismus zurückgekehrt. 


2 478: 


erworben ; denn sie unterrichteten das Volk in der katho- 
lischen Lehre mit grosser Aufopferung und erzogen es in 
christlicher Tugend. Sie verbesserten den Klerus und 
hauchten ihm einen neuen Geist ein, gründeten zahlreiche 
Schulen, in Vilnius selbst eine Hochschule, und sorgten. 
für einen umfassenden, katholischen Unterricht. Das be- 
rechtigt uns, die Jesuiten als die Reformatoren des Ka- 
tholizismus in Litauen zu bezeichnen. 


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smierti Stef. Batoria, Petersburg 1901 (Das Grossfürstentum 
Litauen von der Union von Lublin bis zum Tode des Stefan 
Batory, russisch). 

Lauterbach 8.-F., Afriano-Socinianismus olim in Polonia, Frank- 
furt 1725. 

Lewickij, Socinianstwo w Polsche i Jugo-zapadnoj Rusi Kiewskaja 
Starina 1882, Bde IV, V, VI. (Der Socianismus in Polen und 
im südwestlichen Russland, russisch). 

Lewitz;, Die Salzburger Protestanten in Litauen, Altpreussische Mo- 
natschrift 1871, VIII, S. 274. 

Litterae annuae Soc. Jesu (1606—1607), Moguntiae 1608. 

— (1608), ibid. 

— (1609), Dilingae. 

—  (1613—1614), Lugduni 1619. | 

Lubieniecki A., Polonentychia albo Polsk. Krolestwa i W. Ks. Litew. 
szezescie, a potem tego szezescia szwankowanie, 1612—1613. 
Ms. 112. Ossolineum, Lemberg (Polonentychia oder Polens 
und Litauens Glück und späteres Unglück. Manuskript, pol- 
nisch). 

Lubieniecius St.,. Historia Reformationis polonicae, Freistadii 1685. 

Liubowiez, Naczalo katoliceskoj reakcii i upadok reformacionnago dwi- 
zenia w Polsche, Warszawa 1890 (Anfang der katholischen 
Reaktion und Zerfall der reformatorischen Bewegung in Polen, 
russisch). 

—  Istoria reformacii w Polsche. Kalwinisty i Antitrinitarii, Wars- 
zawa, 1883. (Geschichte der Reformation in Polen; Kalvi- 
nisten. und Antitrinitarier, russisch). 

— K’istorii Jezuitow w Litowsko-russkich ziemlach w XVI. w 
Warszawa :1888 (Ueber die Geschichte der Jesuiten in den 
litauisch-russischen Ländern, russisch). 


— 12 °— 


Liubawskij, Ocerk istorii Litowsko-Russkago . gosudarstwa Moskwa. 
1910 (Umriss der Geschichte des litauisch-russischen Reiches). 
Liubowiez. N., Liublinskije wolnodumey XVI w Antitrinitarii i Ana- 
 baptisty Warsz. Uniwersit. Izwiestija 1902 (Die liublinischen 
Freisinnigen des’ XVI. Jahrhunderts. Antrinitarier und Ana- 

. baptisten, russisch). | 

Lukaszewiez, Dzieje wyznania helweckiego w Litwie. Poznan 1842, 
I, II, S. 414, 290 (Geschichte der reformierten Kir che in 
Litauen). Leipz. Dyck. 1 1848, II 1850. 

— Historya szkol w Koronie i W. Ks. Litewskim, t. I—-IV. 
Poznan 1849 (Die Geschichte des Schulwesens in Polen und 
und im Grossherzogtum Litauen, polnisch). 

Merczyng H., Polscy deisci i wolnomysliciele za Jagiellonow, Wars- 
zawa 1911. (Die polnischen Deisten und Freisinnigen unter 
der Herrschaft der Jagiellonen, poln.). 

— Zbory i senatorowie protestantey w dawnej Rzeczypospolitej, 

Warszawa 1905 (Die protestantischen Kirchen und Senato- 
ren im damaligen Königreich Polen und Litauen, ‚polnisch ). 

Michailo Lituanus, Quaedam ad Lituaniam pertinentia; in op. 
Respublica sive status »Regni Poloniae, Lituaniae, Prussiae, 
Livoniae ete., Ludguni Bataworum 1627. 

Modrzewski (Modrevius), Fr., Ad populum plebemque polonam. Quae- 
rela de contemptione legis divinae in homicidas, 0.J. 
Modrevius Andr. Fricius, Commentarii de Republica emendanda libri 

‘ quinque, Basileae 1554. 

Monumenta RBeformationis polonicae et lituanicae I, Wilno 1911. 
(Quellensammlung für Reformationsgeschichte in Polen in Polen 
und Litauen). 

Morawski, Szezesny-Aryanie polsey, Lwow 1906. (Die polnischen 
Arianer, polnisch). I 

Morawski J., Dzieje narodu polskiego, Poznan 1876. t. II—III. 
(Geschichte Polens und Litauens, polnisch). 

Naramowski, Facies rerum Sarmaticarum I, II. Vilnae 1726. 

Narbutt P., Dzieje starozytne narodu Litewskiego 1835—1841, Wilno. 
I-ıIX. 

Nidecius (Nidecki) Andreas Patricius, De ecclesia vera et falsa 
Cracoviae 1583. 


— 183 — 


Niemcewiez, Zbior pamietnikow 'o dawnej Polscze. t. I—IV. Lipsk. 
1838 (Sammlungen der Memoiren für polnische und. litaui- 
sche Geschichte, polnisch). 

Niemojewski Jakob, Apologia. Confessyi kosciolow polskich przeciwko 
rozsadkowi katolikow, Krakow 1572 (Die Apologie der Con- 
fession in den polnischen Kirchen gegen die Katholiken, pol- 
nisch). 

— 0 Kosciele Pana Chrystusowym prawdziwym rozprawa osta- 
teczna, Krakow 1580 (Usber die wahre Kirche Jesu Christi, 
eine entscheidende Dissertation, polnisch). 

Niemojewski Jan, Okazanie \iz kosciol rzymski nie jest apostolski, 
1583 (Ein Beweis, dass die römische Kirche nicht die wahre 
apostolische Kirche ist, polnisch). | 

— Obrona przeciw obwinieniu i potwarzom 1583 (Verteidigung 
gegen Verleumdungen, polnisch). 

Orzelski S., Historia interregni Poloniae post obitum Sigismunlli 
Augusti Petersburg 1856. | 

Ossolinski, Wiadomosci historyezno-Krytyezne, Krakow 1812--1340, 
t. I—IV (Die historisch-kritischen Berichte, polnisch‘). 

Piaseck: P., Chronica gestorium, Cracoviae 1645. 

Prawa ti wolnosci dissidentow 1720 (Rechte und Fieiheiten der 
Dissidenten (der Andersgläubigen) in Polen, polnisch). 
Prophetiae Danielis.tres horribiles de casu videlicet et ruina vitae 
spiritualis. De lapsu ecclesiasticae dignitatis et de ruina 
catholicae fidei ac adventu Antichristi et mundi consumma- 
tione. A beato Vincentio ordinis praedicatorum... exvlanatae, 

Cracoviae 1527. 

Provinciae Poloniae Soc. Jesw Ortus et progressus ; Ms. Ossolinski, 
Lemberg 1628. 

Przyalgowski, Zywoty biskupow wilenskich, Petersburg 1861. t. 
I—III (Biographien der Bischöfe von Vilnius, polnisch). 

’Regenvolscius (Wegierski), Systema historico-chronologicum. Trajecti 
ad Rhenum 1652. 

Relacye Nuncyuszow, Apostolkich i innych osob o [Polsce od r. 
1548 do r. 1690. t. I, II. Wydanie Biblioteki .Polskiej w 
Paryzu (Rykaczewski) Berlin, Poznan 1864 (Berichte der 


— AU — 


päpstlichen Nuniien und anderer Personen über Polen vom 
Jahre 1548—1690, polnisch). 

Rescius (Beszka), Epistolarum liber unus, Neapoli 1594. 

-- De Atheismis et phalarismis evangelicorum, Neapoli 1596. 

Rescius St., Vita& Stanislai Hosii, Romae 1587. 

Rostowski, Lituanicarum Soc. Jesu historiarum I p. Vilnae 1768. 

Roysius St. Petrus, Decisiones Lituanicae, Cracoviae 1563. 

Roysius Petrus Maureus, Carmina edidit B. Kruczkiewiez, Cracoviae 
1900, V. I—UI. 

Ruchcicki (Dzieduszycki), Piotr Skarga i jego wiek, Krak. 1863. 
t. LR,II (Peter Skarga u. sein Zeitalter, polnisch). 

Rzepnicki, Vitae praesulum Poloniae et Lituaniae, Poznaniae 1761, 
t. I-II. 

Sandius Chr., Bibliotheca antitrinitariorum, Freistadt 1864. 

Skarge P., Pro sacratissfma eucharistia, Vilnae 1576. 

— Artes duodecim sacramentariorum, Vilnae 1582. 

--- Contradictiones et antilogiae scholae calvinisticae, Vilnae 1576. 

— Siedem Filarow na ktorych stoi katolicka nauka o przenajsw. 
sakramencie Oltarza postawione przeciw nauce Zwinglianskiej, 
J. Wolana. Wilno 1582 (Die sieben Grundpfeiler, auf wel- 
chen sich die katholische Lehre über das allerheiligste Sakra- 
ment aufbaut, im Gegensatz zu den Lehren Zwinglis und Kal- 
vins, polnisch). 

— Dziesiece mocnych dowodow, iz adwersarze kosciola powazech - 
uego w porzadnej o wierze dysputacyey upasc musza, E. Kam- 
piana na polski przeclumaczono. A przytem na antidotum 
calwinskie odpowied tez Nowokrzezencom ruzprawa, Wilno 
1583 (Zehn starke Beweise, dass die Gegner der allgemeinen 
Kirche in einer gründlichen Disputation über Glauben be- 
siegt werden müssen, polemische Schrift, polnisch). v 

—  Zawstydzenice nowych Arianow i wzywanie üch do po- 
kuty i wiary chrzescianskiej, Krakow 1603 (Die Beschämung 
der neuen Arianer und die Aufforderung zur Busse und An-' 
nahme der katholischen Religion, polnisch). 

Sigismund- August (König) siehe: Zygmunt August. 
Stalut Dilesaiı Wilno 1614 ibid. 1774 (Das litauische Statut). 


— 15 — 


Sulikovii, Commentarius rerum polnicarum a morte Sigismundi-Au- 
gusti 1647 Dantisci. 

Szujski J., Dzieje Polski w zarysie, Lwow 1867—1874, t. II—II. 
(Geschichte Polens, polnisch). | 

— Odrodzenie i Reformacya, Krakow 1880 (Renaissance und Bec- 
formation, polnisch). | 

Theiner, Monumenta Poloniae et Lituaniae, t. II, Romae 1861. 

Troskolanski T., Dzieje Reformacyi polskiej w lat .1556—1560. 

— Reformation in Polen in den Jahren 1556— 1560, polnisch). 

Tschakert P., Urkundenbuch ızur .Reformationsgeschichte des Her- 
zogtums Preussen, Bd. I—III, Leipzig 1890. 

Turrian: Fr.S.J., Contra :Andr. Volanum tractatus ad R.D. Vale- 
rianum (Protasewicz), Eppiscopum Vilnens... | 

— Ejusdem contra eundem ad Gorg. Radzivilum Romae 1576. 
— Ds sacratissima Eucharistia... contra Volanum Polonum (Li- 
tuanum), Florentise 1575. 

Warszewski Christoph, Caesarum regum et principum vitarum libri 
duo, Francofurti 1604. 

— Memorabilium rerum et hominum coaevorum ab orbe condito 
ad an. 1585 descriptio. Cracovise (1585). 
— Pro Christi fide et Petri sede orationes tres, Cracoviae, 1583. 

Vega Em., Assertiones Theologicae, Vilnae 1585. 

Vergerios, Zweite Reise nach Preussen und Litauen (Altpreussische 
Monatschrift 1911, S. 221 ff. 

Wilkowski, Przyczny nawrocenia de wiary powszechnej od sekt No- 
wokrzcencow Samosatenskich, Wilno 1583 (Die Ursachen 
der Bekehrung zum allgemeinen Glauben von den Sekten der 
Wiedertäufer, polnisch). 

Wisniowski, Rozmowa o prawdziwej znajomosei Boga Ojca, Syna 
Jego i Ducha sw (Gespräche über die wahre Kenntnis Gott 
Vaters, Gott Sohnes und des hl. Geistes, polnisch). 

Wiszowaty A., Narratio compendiosa, quomodo in Polonia a ri- 
nitariis Reformatis separati sint Christiani Unitarii (An- 
hang zur zweiten Auflage Wegierski-Slavonia reformata, vie 


Regenvolscius). 


— 1856 — 


Wiszniewski, Historya. literatury polskiej (Geschichte der polnischen 
Literatur, polnisch), Krakow 1830, t. I—X. 

Wolf J., Senatorowie i Dygnitarze Wielk: Ks. Litewskiego, Krakow 
1885 (Die Senatoren und Würdenträger des Grossfürstentums 
Litauen, polnisch’). 

Wolan Andr., Ad scurrilem et famosum libellum Jesuiticae scholae 

. Vilnensis 1589. 

— Libri quinque contra Skargae Jesuitae Vilnensis septem missae 
‚sacrificiique ejus columnas. Adjecta adversus  Possevinum pro 
Volano p. Joh. Lasicki, Wilnae 1584. 

— De libertate politica seu civili (dedic. Nicolao Radziwill) 

—  Epistola August. Rotundi Mielesii, Cracoviae 1572. 

— Epistolae aliquot ad refellendum doctrinae Samosatensium er- 
rorem (dedie. Joann Szemiot), Vilnae 1592. | 

— Paraenesis ad omnes; in Regno Poloniae M. Duc. Lituaniae 
Samosatenianae vel Ebioniticae doctrinae professores (dedie. 
Joanni Ostrorog), Spirae 1582. 

— Idololatriae Lojolistarum vilnensium oppugnatio (dedic. Ni- 

. colao Radzivill), Vilnae 1583. 

Woltolini Mat., La Legazione del cardinale Ippolito Aldobrandini in 
Polonia nel 1588. Bessarione 1905. 8, 292 ff. 

Völker K., Der [Protestantismus in Polen auf Grund der einheimischen 
Geschichtschreibung dargestellt, Leipzig 1910. 

Volumina Legum I, II. Petersburg 1859. 

Wolonczewskis, Zemaijtiu wiskupiste, Wilniuj 1848, t. I—II (Das 
Bistum von Samogitien, litauisch). 

Wotschke Th., Abraham Culvensis. Urkunden zur Reformations- 
gesch;ichte Litauens. Separatabdruck aus der Altpreussischen 
Monatschrift, Bd. XLII, Heft 3, 4. 

— Briefwechsel der Schweizer mit den Polen. Archiv für Refor- 
mationsgeschichte Ergänzungsband III., Leipzig 1908. 

— Sigismund-August und seine Hofprediger, Archiv für Refor- 
mationsgeschichte 1907, 4, S. 329 ff. 

Zagiel M., Termin na protestacye ministra jednego ewangelickiego 
etc., Wilno 1599 (Der Termin für die Protestation eines 


evangelischen Ministers, polemische Schrift, polnisch). 


— 1397 — 


— Censura dysputacyi wilenskiej podanej przez Dan. Ni- 
kolajewskiego, Wilno 1600 (Polemische Schrift). 

— Odpor powesciom ewangelickim o sakramencie Ciala i Krwi 
panskiej, Wilno 1600 (Gegenbeweis auf die evangelischen Fa- 
beln, polnisch). 

Zakrzewaki, Powstanie i ‘wzrost Reformacyi w Polsce Lipsk 1870: 
(Entstehung und Verbreitung der Reformation in Polen, pol- 
nisch). | 

Zaleski Jezuici w Polsce, Lwow 1900, t. I—X. (Die Jesuiten in. 
Polen, polnisch). | 

Zebrowski, Recepta na plastr Czechowica, Wilno 1597. (Das Rezept 
für das Pflaster des Czechowicz, polnisch). 

— Kakol ktory rozsiewa Stef. Zizania, Wilno 1595 (Das Un- 
kraut, welches Stephan Sisania aussät, polnisch). 

— Probatia proby na minucie Latosowe, Krakow 1598 (Eine 
polemische Schrift, polnisch). 

Zukowiez, Kaıflinal Gosij \Hosius) i polskaja cerkow ego wremieni. 
S.P.B. 1882 (Kardinal Hosius und die polnische Kirche 
seiner Zeit, russisch). 

Zygmunt August, Listy oryginalne do Mikolaja Radziwila (ÜOzarnego)- 
wyd. Lachowiez, Wilno 1842 (Briefe des Sigismund-Au- 
gust an Nikolaus Radvila, polnisch). 


Sachregister. * 





Aberglauben in Litauen 67f. 

Ackerbau, 65. 

Adel, Abfall vom Katholizismus 109, 
109 No 3, 109 No 5, Grausamkeit 
des A. 56 No 1; Kleinadel 10; 
Landadel 16 No 1; Rechte des A. 
49 No 1; Stellung zum Protestan- 
tismus 116, 117 No 2, 118 No 1. 

Adessenarii, 143. 

Akten, des Zentralarchives in Vilnius, 
5. 

Aktion, gegen die Protestanten, 169 ff. 

Amsdorfianer, 143. 

Anabaptisten, 142, 146, 153. 


Analphabethen, 125. 


Anarchismus, 152. 

Antichrist (Papst und Katholizismus) 
150. 

Andersgläubige, 121. 

Antidiaphoristen, 143. 

Antikalvinianer, 143. 

Antiossiandriner, 144. 

Archivalien, 7. 

Archive, litauisch e A. 7; Pfarra. 6; 
Privata. 6. 

Arianer, 10, 139, 149, 153, 155, 
165 ; gemässigte A. 149, No 7; ju- 
daisierende, radikale A. 149 No 2; 
Schriften der A. 154 No 1; Synode 
der A. zu Jwje (1568) 151; 
Sekten der A. 150; Vertreibung 
des A. aus Polen 171 No 1. 

Arianismus, 138ff, 146 No 2, 152, 
157, 163; Anhänger des A. 138 
No 2. 

Aristokratie, höhere 

Arrahonarier, 143. 


49 ff. 


Atheismus, 58 No 1, 153, 153 No 4A. 

Atheisten 58, 153. 

Aufstände, der Polen (1831 und 1863) 
7. 

Ausländer, in Litauen 59£, 72, 91; 
A. als Geistliche 69. 

Autoren, reformatorische 9. 


Bauern 60ff; freie B. 65; an die 
Scholle gebundene B. 65; Lebens- 
verhältnisse der B. 61 No 2 und 
3; Sitten der B. b4ft. 

Bauernklassen, Einteilung der, 64. 

Beichte 166. 

Besitz, herrenloser B. (possessiones va- 
cuae) 17, kirchlicher 20. 

Bibel, 147; B. von Brest (Biblia 
Brzeska) 128, 128 No 3. 

Biblisten 143. 

Bildungsanstalten, höhere 13. 

Bildungstand, der Litauer 65. 

Bisakramentale 144. 

Bischöfe in Litauen 12 No 2, 15, 
69, 169, 171; B. in Samogitien 
insbes. 33 ff; B. in Polen im 16r 
Jahrhundert 116 No 1; Autorität 
der B. 19 f; B. als Beamte des 
Staates 30; Befugnisse der B. 23; 
Einkünfte der B. 21 ff; B. ım 16. 
Jahrhundert 32; das Leben der B. 
23 f£; Militärgewalt der B. 21; 
Wahl der B. 29. 

Bischofsitze, Verkauf der B. 30. 

Bissurmanuen (Tataren) 52 No 2. 

Bullen, päpstliche 5. 


Charakter, der litauische, 15. 
Christentum in Litauen 165; Einfüh- 


* Das Zeichen No gibt die betr. Fussnote an. 


— 1% — 


rung des Chr. 68ft. 


Circumeisionen 146. 


«Civuni (samogitische Kreisbeamte), 18, 


Clancularier 142. 
Cmetho (litauischer Bauer) 61. 
Confessio fidei (des Hosius) 172. 


‚Daemoniacer 142. 

Decalog 148. 

Deutschen, die, 137.: 

Disputationen, 177, 177 No 3, 126, 
154 No 2 und 3; 155, 156, 168; 
D. der Sekten 154; 

Disputierwut der Litauer 154. 

Distrikte 17. 

Disziplin, kirchliche, 80. 

Dogmen der Sekten 168. 

Dokumente der Protestanten 9. 

Domkapitel von Vilnius 35 £., 
No 1; D. von Samogitien 361. 

Domschule in Vilnius 39. 

Donnergott 161 No 1. 

Driewnije Akty (Akten des Zentral- 
archives in Vilnius) 5. 

Druckereien, protestantische, in Vil- 
nius, Brest Litowsk, Nieswiezis und 
Losk 125 No. 
Preussen 128. 

Druckschriften 9; D. des 16. Jahr- 
hunderts 8. 

Druckverbot in Litauen 3, 10. 


Eberesche 161 Neo 1. 

Edikte von Sigismund I. 120 No 3; 
E. gegen die Protestanten 83; E. 
von Gardinas 1522 83 No 3; E. von 
Krakau 1523 83 No 3; E. 
Thorn (1520) 83 No 3 

Eheprozesse 20. 

Einflüsse, polnische in Litauen, 13. 

Einheitlichkeit, dogmatische der pro- 
test. Kirche 129. 

Einigungsversuche in der litauischen 
Kirche 157, 158, 158 Nb 1 und 3. 

Eiulantes 143. 


114 


von 


1; D. Albrechts v.. 


Episkopat, litauisch-polnisches 170f.; 
polnisches E. 170. 

Erbsünde, Problem . der, 154. 

Erlösung, Problem der, 141, 149, 154. 

Erziehung, religiöse E.der Laien, 45ff. 


Fanatismus, religiöser, 8. - 

Forum 17. 

Gefängnisgtrafen 112. 

Geistlichkeit, katholische 169; li- 


tauische 3, 48; polnische 48. 
Geistliche als Analphabeten 39 No 1. 
Geistesbildung in Litauen 165. 
Gericht (bischöfliches) 20. 
Gerichtprozesse 56 N® 1. 
Gerichtsachen 15. 

Geschichte, politische 2; litauische 3; 
G. der Litauer 8; Erforschung der 
G.8. 

Gewalt, oberste in Litauen 15. 

Glaubenspaltung 1, 4, 8; Anfänge der 
Gl 71££. 


Gnade, Problem der G. 154; Gn- 
Lehre 149. 

Goldfloriner 21; 

Gottheit, Lehre über die G. Christi 


149. 
Götterkult 67 £. 
Götzendienst 134. 


Grosche (litauische Münze) 55N°2, 
62 No 1. 
Grossfürst, Wahl des Gr.) 14 £. 


Grossfürstentum, das litauische 7. 
Grosse, litauische Gr. (Magnaten) 14. 


Handelsverkehr, zwischen Litauen und 
Polen 13, allgemeiner H. 172. 

Hahdschriäten der geistlichen ale 
mie in Petersburg 6. 

Handweiser für die Diözesen Litauens 
69 No 1. 

Heidentum in Litauen, 67, 67 No 5, 
87 No 2, 161 No 1, 165. 

Heiligenverehrung 166. 


Historiya wierna o Kacerstwach, 6. 


— 11 ° — 


Hölle, Existenz der H., 153. 
Humanismus 8. 9 | 
Hussiten (Böhmische Brüder) 146. 


Jdeen, protestantische K. 72. 

Jesuiten 6, 9, 113, 115, 124, 145, 
152, 171; Ankunft der J.3, 6, 161 
No 1, 162, 168, 172; Tätigkeit der 
J. 172. 

Jllirianer 142. 

Infernale 143. 

Inventar, kirchliches, 5. 

Joga‘lonen, Dynastie der J. 165. 

Judaismus 146, 157. 

Judaisten 145, 148. 


Kämpfe, innere der Sektierer, 167. 

Kalvinismus 3, 106, 108, 127, 167 
No 1. 

Kalvinisten 156 ff., 138, 147, 153, 
163, die litäauischen K. 137 ; Kämp- 
fe, zwischen K. und Arianern 139 
No 2. 

Kapitel 3ff.; 
Krakau 25, No 1; K. von Samogi- 
tien 36ff.; K. von Vilnius 34f£., 
39 No 4. 

Kapitulare 114. 

Karveden (Wojewoden) 15, 16£. 

Karvedschaft (Wojewodschaft) 16. 

Kastellane 15. 


Katholiken, Verfolgung der K. 78 
No 3. 
Katholizismus 157, 171; Niederlage 


des K. 161, besiegter K. 169. 

Kaufleute fremde in Litauen K. 72, 
IL; 

Kirchengeschichte, litauische 2, 3, 10. 

Kirchengüterstreit 20. 

Kirche, Rückkehr zur katholischen K. 
157 No 4; katholische K. in Sa- 
mogitien 161 No 1; Wiederher- 
stellung der katholischen K. und die 
Jesuiten 172. Zustand der katho- 
lischen K. 73f.; protestantische K. 


Domk. 23,.K. von. 


133; Schweizerisches Kirchenmün- 
ster in Litauen 110. 

Kirche St. Annak .73 No 1. 

Klerus, Kampf zwischen Kl. und Adel 
90, No 1;; Regularklerus 47 £., 
Streitigkeiten unter dem Kl. 20, 
Unfähigkeit des katholischen Kl. 
169. 

Klöster in Samogitien 48, in der Diö- 
zese Vilnius 47. 

Kommunismus 145, 146 No 2, 152. 

Kommunisten 143. 

Konfessionisten 143. | | 

Konstitution, politische des Grossfür- 
stentums 14. 

Kriminalprozesse 56. 

Kultur, abendländische, 2. 

Kultur der Litauer 164. 

Kulturgeschichte 8. 


Landessprache, litauische, 3. 

Latifundien der Bischöfe 21, 21 No5. 

Leben, das Oekonomisch -soziale in Li- 
tauen 150. 

Legitimation unehelicher Kinder 20. 

Leichtfertigkeit, religiöse der Grossen, 
168. 

Lehre, hussitische L. 88, 
L. 79 8° 1. 
die neue L. 70; protestantische L. 
165. 

Leibeigene, Entlassung der L. 151, 

Litauer, der Charakter des L. 165, 167. 

Literatur r.ligiös-pol’mische 8, 9. 

Lutheraner 146, 147, 153, 156, 161 
161 No 1; 163. 

Luthertum 136; h. in 
135 No 1. 


Luthers 


den Städten 


Magnaten 15, 16, 49 ff.; litauische 
M. 171; protestantische M. 164; 
Sittenlosigkeit der M. 52 No 2. 

Maioristen 144. 

Manus impositorier 143. 

Mennonisten 143. 


— 19 — 


Menschwerdungslehre 141. 

Mittelalter 7. 

Misstände, soziale 152. 

Mohammedanismus 121, 
157. 

Mythologie der Litauer 68, 165. 


Naturreligion 148. 

Neuerer, litauische 166 ; Streite unter 
den N. 157; 

Neuerungsucht der Adeligen 87, No 4, 
88 No 1. 

Neutrale 143. 

Nihilismus 153, 157. 

Nihilisten 153. 

Nuntius, päpstlicher, 10, 114, 170, 
171. j 


Orden, deutsche 7. 
Orthodox-Griechisch O. 
Ossiandrianer 144. 


146, 149, 


121, 12 


VD 


Pany-Herren 14. | 
Papstwahl (von 1565) 170 NP 2. 
Paironaisrecht 46. 

Pelagianer (Neu-P.) 144. 

Pfarreiverkauf 47. 

Plünderungen 7. 

Pochozije (Die Wandernden). 6. 

Poenitentiarier 144. 

Poloneutychia 6. 

Polonisierung Litauens 13. 

Polygamie 143, 150. 

Prädikanten ‚litauische 127. 

Präfekt vor Samogitien 18. 

Prediger, protestantische 12, 
123 f., 126. 

Priester, litauische, 69 f., 69 No 2, 
161 No 1 ; Lebensführung der P. 37 
ff., 75 No 1; Polnische P. in 
Litauen 69 No 2. 

Privilegien 5. 

Protestantismus 1, 3, 4, 6, 8, 9, 77, 
112ff., 116, 118, 166 £., 172, Auf- 
stieg des P. 14, 21 ff., 73 No 1], 
79, S5ff., 110 No 5, 165, 169; 


Taff., 


Ausbreitung des P. 111 No 4, 
116 £f., 11 8£., 121 No 3, 124$., 
127. Zusammenbruch des P. 124, 
135 ff., 160, 162, 163 No 1, 
164, 167 £. 

Rada-Rat 15. 

Rat der Grossen 15. 

Rationalismus 147, 153, 156. 

Reformation (vergl. Protestautismus) 
1, 4, 131, 153, 169, 173. 

Reformatoren 9, 168; Schweizerische 
Rg. 130. 

Religion evangelische 168; individua- 
listische 166; katholische 164; ra- 
tionalistische 166. 

Religionskämpfe 119 No 2, 120 f., 
164. 

Religionsunterricht 68 ff. 

Religionsvergehen 20. 

Religiösität am Hofe 100 N° 2. 

Ritterorden, Deutsche, 136. 


Ritus, lateinischer, 19. 


Sabbatarier 142. 

Sacerdotales 143. 

Sakramentarier 143, 156. 

Sakramentenlehre 141, 149. 

Sakramentenproblem 154. 

Samogitier 63 No 2. 

Samosatener 156. 

Schrift, die hl., 147, 148, 1483 N° 4, 
149, 152, 155. 

Schulen in Litauen 13, 65, 76, 124, 
124 No 3, 125 No 2. 

Schweden, die, 7. 

Sekten, 3, 6, 9, 144ff., 163, 167, 
168. 

Senat, litauischer 15, 170; polnischer 
S. 119 No 3. 

Senatoren 120 No 1, 132, 132 N92. 

Seniunen 17. 

Servetianer 142. 


143. 


Sineretisanten 144. 


Significativi 


— 193 — 


Sitten des lit. Volkes 66 N° 1; 8. 
der Geistlichen 42 N° 2, 44 No 2, 
‘0 No 1, 80; fremde S. 12, 13, 
14. . 

Skeptizismus 157. 

Sklaven 65, 152. 

Skude, italienischer Taler, 61 No 3. 

Sozialismus 152. 

Spaltungen, religiöse, 6. 

Sprache, litauische, 69. 

Städte, litauische, 7, 59 No 2, 5Iff. 

Stadtbrände 7. 

Stände 15. 

Stankarianer‘ 142, 146. 

Starost 16. 

Statut, litauisches (von 
und 1588), 55 No 2. 

Statuta Vilnensis (Diözesanstatuten) 
80 No 1. 

Stebleri 142. 

Strafbestimmungsn, kanonische, 74. 

Studenten, litauische, im Ausland 72 
No. 

Swidnicensen 144. 

Synagogen 108, No 2, 

Syphilis 51. 

Synoden, katholische 79, 113; S. 
der Neugläub!gend, 18 f., 129, 154, 
156, 158. 


1529, 1566 


148. 


Tataren 7. 
Testament, das alte T.. 5, 155; das 


neus T. 5, 148, 145 No 4, 155. 


Theologen, Schweizer Th., 106 No 1, 
140; Zürcher Th. 141. 

Thronerblichkeit, litauische, 14 N07. 

Tradition, christliche, 147. 

Trinitäislehre 141, 154. 

Trisakramentale 144. 

Tropisten 143. 

Trunksucht 55. 

Tugend, christliche, 173. 


Universitäten des Westens 72. 
Untertanen in ‚Litauen 65. 
Unterricht, katholischer, 173. 
Urkunden 7. 


‚Verfassungsurkunden der Grossfürsten 


19 No 3. | a 
Verordnung an die Priester 80. 
Verwaltung 15f. 

Verwirrung, religiöse, 157 Ne 1. 

Vielweiberei 146 No 2. 

Vikare 38. 

Visitation der Diözesen 46. 

Volk, das litauische, 14, 161. No 1, 
164, 166f., 173, Stellung des V. 
zum Protestantismus 117 f£., 117 
No 1. Volkspoesie 165. 

Wandernden, die w. Bauern /Apocho- 
zije) 65. 

Wille, Probl:m des frvien W., 154. 

Zoelibat der Priester 43. 


Zustand, religiöser 6, 18 £., 65 ff, 
146 No 2. 
Zusammenkünfte, politische 154. 


13 


Personenregister. 





‚Albrecht, Herzog von Preussen, S. 77 
f., 79, 81 No 2, 91, 98 No 3, 100, 
100 No 2, 127, 131, 135. 

Alciata, arianischer Prediger aus Ita- 
lien 138. 

Alexander, litauischer Grossfürst, 15. 

Algirdas (Olgerd), litauischer Gross - 
fürst, 15. 

Algmundus (oder Algimuntus), 
Holszanensis, 78 N° 2, SO £. 

Aristoteles, 148 No 4, 155. 


Dux 


Bathory,. Stephan, 125 No 2, 

Berosus, 1458 No 4, 155. 

Blandrata, arianischer Prediger aus 
Italien 138. 

Bobrzynski, Historiker 98. 

Bona, Königin 30, 30 No 3, 77, &1 
No 2, 95, 97 No 2, 100, 114. 

Budny, Führer der Judaianten 9, 148, 
149 No 2. 
151, 153 No 2. 

Bukowski, 4. 

Bullinger, Schweizer. Reformator, 108 
No 1, 127. 


Buongiovanni, Botschafter, 56, 130. 


Canisius, der sel., 170. 

Chodkiewiez, Johann, Starost von Sa- 
mogitien 160, 168 No 2, 171, 172 
No 2; Ch. Rückkehr zur katholi- 
schen Kirche 160 N° 1; die Fami- 
lie Ch. 109. 

Chlebowiez, die Familie, 109. 

Cichocius 134. 

Commendone, päpstlicher Nuntius in 
Polen (1563—1564) 21, 28, 29, 45, 
48, 98, 105, 105 No 1, 106 N® 1, 


'. Ferrerius, 


130, 169 £., 169 No 1, 171. 

Culva, reform. Prediger 73 N° 1. 6, 
112 No 1. 

Cumuleus, apostolischer Legat der Diö- 
zese Vilnius (1595) 161 No 1. 
Cyprian, Suffragan von Vilnius, 133 

No 6. 

Czechowicz, Pole und kalvinischer Pre- 
diger, 108, 127, 149 Na 2, 150, 150 
153; die Lehre des ch. 150, 150 
No 5. 


Czekanowiez, Silvius, 142. 


Dambrauskas, 3, 4, 111. 
Dawidowicz, 149 No 2. 
Domanowski, Johannes, Bischof von 
Samogitien und litauischer Justiz- 
minister 4, 22, 34 No 2, 36, 115. 
Dzieduszycki, Historiker, 172. 
Dzierzgowski N., Erzbischof von Kra- 
kau (1545—1559) 25 No 1. 
Dorohostajski, Familie der, 109. 


Elisabeth von England 167. 
Falconius, Preusse, kalvinischer Pre- 
diger in Klech, 108. 
Zacharias, 
Nuntius, 69 No 1. 
Friese, Historiker No 73 No 1. 


Apostolischer 


Gasztold, Alberi, Karvedis (Wojewoda) 
von Vilnius, 39 No 4; G. Magnat 
50. 

Gediminas, litauischer Grossfürst, 15. 

Gentilis, arianischer Prediger aus Ita- 
lien, 

Georgius, Magister der Künste, 39 
No 4. 


— 1% — 


Giedraitis Melchior (Gedroje), Kano- 
nikus, später Bischof von Samogi- 
tien, 161 No 1, 162 No 2. 

Giovanni, Paolo Emilio, Sekretär des 
päpstlichen Nuntius 

Glirius, Führer der Judaisanten in 
Litauen, 21, 148, 143. 

Goniadz (Gonesius) Peter, kalvinischer 
Prediger, 137, 138. 

Gorski, Familie, 109. 

(Grabowiecki, 51 N° 6. 

Grabowski, Historiker, 9. 

Gratiani 101 No 1. 


Heinrich VIII, von England, 77, 167. 


Herbest, kaiholischer Historiker, 9, 
146. | 

Holszanski, siehe Algimuntus. 

Hosius, Bischof von Ermland und 


Kulm, später Kardinal, 40, 51 No 
6, 114, 130, 132, 160, 168, 170 
ff., 170 No 2, 171 No 1. 


Jewlaszewski, litauischer Schriftstel- 
ler des 16. Jahrhunderts, 89 No 1. 

Jogatla Vladislas, Litauischer Gross- 
fürst, 12 No 1, 20 No 5, 121,-121 
No 5. 


Johann, Herzog von Finnland 133 
No 38. 

Johann, Grossfürst von Moskau, 94 
Ne 2, 

Jsdbienski, Bischof von Posen, 25 
No 1. 


Julius III., Papst, 169 No 1. 
Jungius, katholischer Schriftsteller, 9. 
Jupiter 161 No 1. 

katholischer Schriftstel- 
ler, Kanonikus von Vilnius 9, 162 
No 2, 


Jurgiewiez, 


Kalvin 106 No 
138, 140, 168. 
Kariejew, 


x» 1. 


1, 109, 127, 136, 


Historiker 98, 


russischer 


Karl V. Kaiser, 106. 

Kasimir (aus dem Geschlecht der Jo- 
gailonen) 20 No5. 

Katharina (Schwester des Sigismund- 
August) 113. 

Keistutis 11 No 1. 


Kiejzgall, Magnat, 50; Geschlecht 
der K. 50 No 3. 

Kisszka v. Ciechanowiec, Johannes, 
Starost in Samogitien, 50, 140; 
Familie K. 109. 


Kojalowic, Historiker 19, 73 No 1, 
161 No 1, 172. 


Kosminezyk Johannes, Jlutherischei 
Prediger 100. 

Krasinski 4. 

Kromer, Bischof v., 110. 


Krzyszkowski, Pole und kalvinischer 
Prediger 108. 
Kurbski, Fürst, 1, 10, 51, 52 No 2. 


Lasicius Johannes 10, 59 No 2, 66 
No 1. 

Leezyca, Synode (1547) 41. 

Leibnitz 86. 

Lippomano, päpstlicher Nuntius 27, 
56 No 2, 61, 70 Ne 1. 

Lippomano Hieronymus 61. 

Litwin, *Michailo 10. 

Liubowiez 4, 172. 


Lorenz von Przasnysz (gen. Discor- 
diae) luther. Prediger 100. 
Lowejka, Richter von Mozera, 58 
No 1. 

Lubieniecki Andreas, Minister in 


Kleinpolen 6, 9, 144, 144 No 2, 
145. 

Lukaszewiez, Geschichtschreiber 3, 4, 
110, 172. 

Luther 9, 73, 131, 168. 


Maciejowski, Bischof von Vilnius, 34. 

Maximilian II. 

Melesko, Kastellan von Smolensk 136 
Ne 1. 


) 


— 196 — 


Messias 149 No° 2. 

Michailo, Geschichtsschreiber 40, 54, 
64. 

Mindaugas (Mindove‘, König von Li- 
tauen 12 No 1, 


Modrzewski Frycez, rzformatorischer 
Autor 2, 60. 

Moscovidius (Georgius Martinus), Re- 
formator, 73 N® 1. 

Moses 148 N®° A. 


Napoleon 7. 

Narkustis Stanislaus, Bischof von Sa- 
mogitien 34 No 2, 115. 

Niemojewski, Jakob und Johann 9. 

Noskowski, Bischof von Plock (1546- 
1567), 25 Ne 1. 


Orzelski, Schriftsteller 49. 
Ossolinski 6. “ 


Pac, Nicolaus, Bischof, 4; Familie 
des P. 78 No 2, 109, 160. 

Paul IV, Papst 27. 

Pauli Gregorius, arianischer Prediger 
aus Italien 138. 

Perkunas, Oberster Gott in der heid- 
nischen lit. Mythologie 161 Ne1l. 

Philipp II von Spanien 97. 

Fietkiewiez Georg, Bischof von Samo- 
gitien (1567—1574) 111, 161° 
No 1. 

Piekarski Johann, 
prediger 132. 

Plato, 148 No 4, 155. 

Protasewicz Valerianus, Bischof von 
Vilnius 22, 113£f., 113 No 3, 114 
No 3, 162, 171. 

Prunski, Familie der P. 


katholischer Hof- 


109. 


Radvila (Radziwill), Familie R. 159, 
163, 167 No 1; Albert R., Bi- 
schof von Vilnius 1508-1519) 32 
f.; R. Chodkiewic 50; R. der 
Schwarze (oder Nikolaus) 50, 76 
No 1, 98 No 3, 102 ff., 103 No 


2 u. 3, 104 No 1, 127 f£t., 129 
No 3, 132, 134 f., 140 No 4, 141, 
160, 162. Nikolaus R., Bischof von 
Samogitien (1514—1522) 33, 82 
No 1; Nikolaus Christoph (gen. 
Sierotka) 158 No 4, 159 No 2, 
172 No 2. 

Rappagelanus Stanislaus, Reformator 
in Lit., 73 No 1, 112 Ne11. 

Regenvolscius (A. Wegierski), Schrift- 
steller des 17. Jahrh., 73 N° 1. 

Rescius Stanislaus, Sekreiär des Kar- 
dinal Hosius, 9, 110, 110 No 3, 
145. 

Rostowski, Historiker, 161 N® 1, 142. 

Roysius, Petrus Maurus, Kanoniker 
der Kapitel von Samogitien und Vil- 
nius, 24 No 3, 34, 53 No 3, 115. 

Ruggieri Julius, päpstlicher Nuntius 
13, 21, 56 No 4, 59, 61. 


Sapieha, Familie S., 160. 

Served, Reformator 137 f. 

Sigismund I, König von Polen (1519- 
1536) 12 No 2, 30, 33, 76. 78, 
83, 83 No 2 u. 3, 92, 92 No 1, 
97 Ne 2, 101, 124. 

Sigismund II, litauischer Grossfürst 
(in Polen als König Sigismund I), 
11, 14, 15, 18, 18 No 3, 33, 
50 No 5, 76, 78, 112. 

Sigismund III 30, 34 No 4. 

Sigismund-August II., 13 No 2, 16, 
18 No 3, 28 f., 34 No 2, 36, 50 
No 5, 51, 51 No 6, 53, 67, 77, 
93 ff., 98 No 1, 101 No2, 103 
No 3, 124, 130, 131, 162, 163. 
170. 

Skarga, katholischer Schriftsteller 9, 
145, 162. 


Slonczewski Leonhard, Bischof von Ka- 
mienic, 25 N® 1. 
Spinella, arianischer Prediger aus Ita- 


138. 


lien 





— 


Stankaro, arianischer Prediger aus Iia- 
lien, 138. 

Svidrigaila, litauischer Grossfürst, 11 
Ne 1. 

Szemiot, Familie Sz. 

polnischer 


Szujski, Historiker, 98 


No 1. 
Taliat Georg, Kanoniker von Samogi- 


tien (1522--1531) 34, 82 No 1. 
Tolstoı 153. 


Tortyllowiez von Batocki-Trieben 75. 


Uchanski, Bischof von Cholm (1551- 
1557) 25 No 11. 


Valancius (Wolonczewski), Bischof v. 
Samogitien, 22 No 1, 110. 
Vergerius Paulus 110. 


Vierzbicki Victorius, Bischof v. Sa- 


mogitien, 
115. 

Viklef (oder Vincler), Reformator, 73 
No 1. 

Vincentius, Mönch, 24. 

Vitus, der hl. 12 No 1. 

Vizgajlo (Visgalis) Nikolaus, Bischof 
von Samogitien. 


4, 81 f, 82 No2, 113, 


197° — 


Volanus, litauischer Schriftsteller 9.. 
53, 64. 

Vytautas (Witold) der 
Grossfürst, 15. 


Grosse, lıt.. 


Warszewicki Christoph (Höfling Si- 
gismund-August). 10, 17, 51, 56: 
No 6, 97 No 1, 104 No 1. 

Wedrychowski, kalvinistischer Prediger: 
in Vilnius, 108. 

Wegierski (Regenvolscius) 73 No1. 

Wilkowski, Reformator 156. 

Wizna, Paul v., Arianer, 152. 

Wizna, Familie W., 160. 

Wojna Benediktus, Bischof von Vil- 
nius 5. 

Wollowiez, Familie W., 109, 

Wotschke, Geschichtschreiber 4. 


160. 


Zaczyc, kalvinischer Prediger in Bras- 
ta 108. 

Zakrzewski 4, 97, 98 No 1. 

Zarnowiec, Gregor v. 9. 

Zebrzydowski Andreas, Bischof von 
Krakau (1555—1560) 25 No 1, 
30 No 3. 

Zebrowski, katholischer Autor 9. 

Zwingli, Schweizerischer Reformator: 


168. 


Geographisches Register. 





Augstajtija (Oberlitauen) 111. 
Berlin 7. 
Birziai 160, 163 No 2, 167 No 1. 


Braclaw, Karvedschaft (Wojewoldschaft) 
16 No 2. 

Brest (auch Brestia, oder Brzgesc-Li- 
tewski) Karvedschaft (Wojewod- 
schaft), 16 No 2, 59, 138. 

-Culen 170. 

Deutschland 72. 

Dubinkiai 160, 163 Ne 2, 167 No 1. 

England 167, 169 Ne 1. 

Ermland 170, 170 N° 2. 

Frankreich 169 N® 1. 

‚Gardinas 58 No 2; Edikt von G., 83 
No 3. 

Genf 126, 141. 

‚Gieranony 
37 No .4. 

'Gnesen, Erzbischof (Metropolit. v. G.) 
19; Primas v. G. 32. 


Horodlo 14 N° 1, 16 Ne 1, 121. 
‚Jeznas 78 No 2; Kirche v. J. 78, 


(in der Diözese Vilnius) 


6, 135 No 1, Pfarrer von J. 44 


No 4, 
Jwie, arianische Synode von J. (1568). 


Kaunas 59 No 2, Priesterseminar von 
K. 4. 

Kiew 7, Bischof v. K. 
Bistum K. 18, Karvedschaft (Wo- 
jewodschaft) K. 16, N» 2. 

Krakau 73 No 1, Akademis von Kr. 
56 No 4, Bibliothek von K. 8; 
Bischof v. K. 33; Edikt v. K. 


18 No 3, 


(1523) 83 No 3; Kapitel v. K. 25. 
25 No 1; Universität K. 34 No 2. 
Kulm 170 No 2. 


Leezyca, Synode (1547) 41. 
Lemberg 6, 7; Bibliothek v. L. 8; 
Bibliothek des Ossolinski in L. 6. 
Lublin, Union v. L. 49 Ne. 
Luceoria, Bischof v. L. 33. 
Luck, Bischof v. L. 18 No 3; Bistum 
v. L. 18; | 
Lukiszki, Vorstadt von Vilnius 107. 


Medininkai, Bischof v. 18 Nv 3. 
Minsk 59 No 2. 


Morawski 6. 

Moskau 7, 98 No 3. 

Mscielaw, Karvedschaft '(Wojewod- 
schaft) 16, No 2. 

Novgorod, Karvedschaft (Wojswod- 


schaft) von N. 16 No 2. 
Novogrudok 59 Ne 2. 


Petersburg 6, 7, 8. 
Petrikau 25, 40, 119 Ne 1. 
Pinsk 59 No 2. 

Podlasien 16 No 2. 

Podolien 2, 59 No 2. 

Polock 16 No 2. 

Polen 4, 8, 119. Klein-P. 146. 
Portugal 169 No 1. 

Preussen 72, 75, 77, 127. 
Punia 44 No 4. 


Rom 170 No 2. 
Rumsiskes 6, 44 Ne 3 u. 4, 


Samogitien 2, 4, 17f£., 18 Neo 3, 
21, 22 No 1, 111, 161 No 1, 172 
No 2. 


— 199 == 


Schweiz 109, 127, 138. Seminar 5; Universität 173. 
Smolensk 16 N® 2. Vilkomir (Ukmerge) 133. 
Spanien 169 No 1. Vitebsk 16. 

Stockholm 7. | Volynien 2, 16 No 2, 59 Ne 2. 
Trakai 6, 16 NP 2, 78 No 2. Warschau 113 No 1. 


Upita 56. | Wawrzynsyce 25 No 1. 
 Wielun 20 No5. 

Vilnius (Wilna) 59 No 2, 60 No 1; wien 7. 
Bistum 2,5,18,18 No 3, 21, 32ff., wWilna (Vilnius) 74 No 1. 
2, 5,18, 18 No 3, 21, 32 ff, Wittenberg 76, 126. 
161 No 1; Archiv 5, 10; Biblio- wioclawek 123 No 1. 
theken 5, 8, 78; Gericht 58 No 1; 
Kathedrale 21, 21 No 5; Karved- Zakynth 169 Noel. 
schaft (Wojewodschaft) 16 N02,;104, Zürich 141.